Lade Inhalt...

Das neue Kaufhaus Tyrol aus ökonomischer Sicht

Seminararbeit 2010 3 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Die Revitalisierung der Maria-Theresien-Straße bei gleichzeitiger Neuerrichtung des Ge- bäudes, brachte bereits vor dessen Bau unzählige Diskussionen mit sich. (Vgl. Schreyer, 2010) Das Kaufhaus Tyrol liegt im Herzen Innsbrucks und befindet sich mitten in der re- novierten Fußgängerzone in der Maria-Theresien-Straße. (Vgl. Kaufhaus-Tyrol) Dadurch, dass die Straßenbahn vor kurzer Zeit extra in diese Umgebung umgeleitet wurde, ist es für TouristInnen leicht zugänglich. Das Kaufhaus Tyrol ist ein vom Zeitgeist dominiertes Wa- renhaus, eine dem Konsum dienende Attraktion geworden und wirtschaftlich steht es auf gesunden Beinen. Desweiteren ist es besonders platz- und flächensparend. (Schreyer, 2010 S. 13)

Die Errichtung des Kaufhauses kostete insgesamt 155 Millionen Euro. Täglich kommen rund Achtzehntausend Besucher zum Shoppen ins Kaufhaus Tyrol, bei schlechtem Wetter sogar noch mehr. Auch die Mieter sind laut Umfragen sehr zufrieden und nur ein bis zwei Shops konnten bisher keinen großen Umsatz erreichen. (Vgl. Tiroler-Tageszeitung, 2010) „Das hat damit zu tun, dass sie im Untergeschoß hinter der Rolltreppe versteckt sind. Aber selbst die sagen, man muss sich bekannt machen, damit die Leute wissen, wo diese kleine- ren Mieter sind." (ORF-Tirol, 2010)

Die Kunden und Kundinnen werden von goldenen Mülleimern, sowie von einem neuen Brunnen, der für Entspannung im größten Gastgarten Innsbrucks sorgt, angezogen. (Vgl. Schreyer, 2010 S. 13) Wenn man diese Mülleimer jedoch genauer betrachtet, findet man sie häufig mit Müll überfüllt vor, und auch die ganzen Fahrradständer und Lichtmasken erzeugen kein anschauungswertes Bild für BesucherInnen. Das sonst so beliebte Bild der Annasäule mit Blick auf die Berge wird durch zu nahe stehende Lichtmasken mit Streifen zerteilt. Auch die Fassade des Kaufhauses passt nicht zum Bild der übrigen Maria- Theresien-Straße, denn sie wirkt viel zu brutal. Desweiteren schauen die zurückgesetzten Fenster von Weitem aus, wie überdimensionale Adventkalender. (Tiroler-Tageszeitung, 2010)

Die fünfundfünfzig enthaltenen Shops und die sechs Gastronomie-Betriebe tragen einen Teil zu der immens hohen Besucherzahl bei. (Österreich, 2010) Dadurch, dass zahlreiche Shopping-Interessierte angezogen werden, liefert das Kaufhaus Tyrol den eindeutigen Be- weis dafür, dass es ein funktionierendes Konzept ist, dessen Finanzierung sich lohnt. Da- mit entsteht das Gefühl, die Stadt gehöre den TouristInnen, denn in erster Linie wird der Stadtbenutzer beziehungsweise die Stadtbenutzerin als KonsumentIn eingeplant. Daraus folgt, dass der Stadtraum immer mehr zum kontrollierten Konsumraum und Urbanität zum Marketinginstrument wird. (Vgl. Schreyer, 2010 S. 13) Mit bisher insgesamt drei Millionen BesucherInnen hat das Kaufhaus Tyrol alle bisherigen Erwartungen übertroffen. (Österreich, 2010)

Jedoch muss man auch beachten, dass sich die Maria-Theresien-Staße seit der Umgestal- tung mehr oder weniger zu einem Aufenthaltsort für Fußgänger und zum Spielplatz für Kinder entwickelt hat. Sobald man das Kaufhaus betritt, wird man mit Küchengestank be- grüßt, denn offene Lokale blasen Kochgerüche in die Luft und in sämtliche Geschäfte. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass so Manchen bei diesem Gestank die Lust zum Einkau- fen vergeht. Aber auch für die MitarbeiterInnen hat diese Luft negative Auswirkungen. Sie klagen über Kopfschmerzen und Müdigkeit. Aufgrund des Sauerstoffmangels wurden schon Anzeigen beim Arbeitsinspektorat und bei der Gewerbebehörde gemacht.

Auch die Rolltreppe und die weit von ihr entfernten zwei Lifte stellen ein Problem dar. Denn weil nur zwei Lifte vorhanden sind, sind sie dem hohen Ansturm der Besucher nicht gewachsen. Die Verwendung der Rolltreppe stellt für Menschen mit Kinderwägen schon ein Problem dar, von einem/ einer RollstuhlfahrerIn brauchen wir gar nicht zu sprechen. Desweiteren befindet sich die Toilette im vierten Stock. Dies wahrscheinlich deshalb, weil man die Anwesenheit von Menschen, die nur ins Kaufhaus kommen, um das WC aufzusu- chen, vermeiden möchte. Deshalb schickt man sie zuerst an möglichst vielen Geschäften vorbei, damit sie sich auf dem Weg zur Toilette die Waren anschauen und beim Rückweg vielleicht etwas kaufen. Auch die Gänge im Kaufhaus sind viel zu eng, sodass lediglich drei Menschen nebeneinander Platz haben. Was ich noch kritisieren muss, ist die Tatsache, dass man bereits im Eingangsbereich im Stau steht und diese hektische Atmosphäre auch später nicht aufhört. Neben den wenigen Sitzmöglichkeiten gibt es auch noch wellige Bö- den, die einem das Einkaufen vor allem im Untergeschoss, im DM zur Hölle machen. Minütlich rollen den Kunden und Kundinnen die Einkaufswägen davon und donnern gegen Regale. Daneben ist auch ein Schaufensterbummel unmöglich, weil man anstatt von Aus- lagen nur Reflexionen im Glas wahrnehmen kann. (Tiroler-Tageszeitung, 2010)

Ein letzter Punkt den ich anmerken will ist, dass der Bau des Kaufhaus Tyrols ein wichti- ges Vorurteil hervorgebracht hat. Nämlich, dass das Unternehmen positiven Einfluss auf die Wirtschaft ausübt , indem es neue Arbeitsplätze schafft. Laut Homepage des Unter- nehmens wird der regionale Arbeitsmarkt mit siebenhundert neuen Arbeitsplätzen belebt.

(Vgl. Kaufhaus-Tyrol) Wie Peter Brückner bemerkt, ist ein Vorurteil eine vorgefertigte Meinung. In Wahrheit aber sieht es in Bezug auf das Kaufhaus Tyrol ganz anders aus. Das Kaufhaus bietet nicht so viele neue Arbeitsplätze wie es zunächst scheint. In einigen Fällen wurden Geschäfte nur ins Kaufhaus Tyrol verlagert. Andere Geschäfte wurden dafür ge- schlossen.

Fazit: Das Kaufhaus Tyrol ist ein beeindruckender Tempel mit einigen Kinderkrankheiten, der die Tiroler in Bann gezogen hat. Es bleibt zu hoffen, dass die Kauflust trotz der vielen Probleme bleibt. (Krone, 2010)

[...]

Details

Seiten
3
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640931149
Dateigröße
725 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172967
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Erziehungswissenschaft
Note
Sehr Gut
Schlagworte
Erziehungswissenschft Kaufhaus Tyrol Seminararbeit Hausarbeit Hauser

Autor

Zurück

Titel: Das neue Kaufhaus Tyrol aus ökonomischer Sicht