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Zu: Freiherr von Knigge "Über den Umgang mit Menschen"

Seminararbeit 2010 28 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

1. Einleitung

Ich werde mich im Folgenden mit dem zweiten Teil des Werkes von Adolph Freiherr von Knigge beschäftigen und die Kapitel herausgreifen, die auch heute noch von Bedeutung sind. Das Thema Frauenzimmer werde ich vollständig außer Acht lassen, und die Bezie- hung zwischen Herrn und Diener werde ich nur kurz am Rande anschneiden, weil es beide Formen heute, im 21. Jahrhundert, nicht mehr gibt. Dementsprechend wäre es mir nicht möglich, zu diesen Themen zur heutigen Zeit einen Bezug herzustellen. Ich habe diesen Teil so aufgebaut, dass ich zunächst je ein Kapitel aus der Sicht von Herrn Knigge zusam- menfassen, danach noch einmal die wichtigsten Punkte aufgreifen und schließlich berich- ten werde, was sich in heutiger Zeit im Gegenzug zu damals verändert hat. Ich beginne nun, Ihnen etwas über den Umgang mit Menschen verschiedenen Alters zu berichten.

2. Von dem Umgange unter Menschen von verschiede- nem Alter

Der Umgang unter Menschen gleichen Alters scheint viele Vorteile zu haben. So zum Bei- spiel verfügen sie über eine ähnliche Denkart und tauschen ihre Ideen miteinander aus. Jedes Alter ist von bestimmten Neigungen und leidenschaftlichen Trieben geprägt. Mit der Zeit jedoch ändert sich die Stimmung der Menschen. Je älter sie werden, desto weniger kümmern sie sich um die Mode, desto weniger warm ist ihr Herz und sie interessieren sich immer weniger für neue Dinge. Ebenso haben sich ehemalige Jugendfreunde immer weiter von ihnen entfernt. Nach Knigge halten sich alte Menschen von Jugendlichen fern und umgekehrt. Die Jugend spricht in einer Sprache, welche nicht die Sittlichste zu sein scheint. Dem stehen alte Menschen mit wenig Toleranz und Geduld gegenüber. Ältere Leute nehmen keine Rücksicht auf die Jugendlichen, sie versetzen sich nicht in deren La- ge, und es gibt auch nicht viele, die ihre Freuden fördern und durch Anteilnahme versu- chen, sie lebhafter zu machen. Anstatt an ihre eigene Jugend zurückzudenken, verlangen sie von Jugendlichen dieselbe ruhige, nüchterne und kaltblütige Überlegung, die sie selber pflegen und sie erwarten ebenso, dass sie das Nützliche und Nötige gegen das Entbehrliche abwägen. (Vgl. Freiherr von Knigge, 1788)

Knigge ist der Meinung, dass dies in der Tatsache begründet ist, dass es älteren Menschen schwer fällt, sich in ihre eigene Jugendzeit zurückzuversetzen, weil diese schon etliche Jahre zurückliegt. Dennoch ist er sich darüber sicher, dass der Umgang der alten Menschen den Jungen auch einen Nutzen bringen muss. Dieser muss unterrichtet werden, ohne Lan- geweile zu erregen und ohne ihn den Menschen aufzuzwingen. Nur dann ist es möglich, dass alte und junge Menschen eine gute Beziehung aufbauen, dass die jungen Menschen gerne von den Älteren besucht werden, und die Jungen geehrt sind, mit freundlichen Grei- sen umgehen zu dürfen, die ihnen durch ihre Lebenserfahrung mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Aber nicht nur alte Menschen müssen etwas zur Harmonie beitragen. Auch die Jüngeren haben ihren Anteil zu leisten. Jugendliche werden immer früher reif, früher klug und früher gelehrt. Alles was sie wissen, lernen sie aus Lektüren. Dies macht sie so weise, über Dinge entscheiden zu können, wovon man früher einmal glaubte, dass man lange dafür studieren müsse, um dies alles zu wissen. In diesem Punkt liegt ihre Selbstsicherheit und Zuversicht begründet. Dies führt dazu, dass die Jünglinge immer mehr auf die älteren Männer herab- sehen. Das Höchste, worauf ein älterer Mann Anspruch erheben darf, ist gnädige Nach- sicht, züchtigende Kritik, Zurechtweisung von seinen unmündigen Kindern, und Mitleid mit ihm, weil er selber diese Bildung seinerzeit nicht genießen durfte.

Knigge ist aber der Ansicht, dass es viele Dinge gibt, die nur mit Hilfe der Erfahrung gelernt werden können, wie zum Beispiel das Berichtigen schwankender Ideen oder das sich nicht zu leichte in die Irre führen lassen durch Phantasie und reizbare Nerven.

Der Autor ist der Meinung, dass Kinder über viele Dinge richtiger urteilen als Erwachsene, weil sie von Systemgeist, Leidenschaft und Gelehrsamkeit noch unverführt seien. Kinder empfangen Eindrücke viel schneller, und sind freier von Vorurteilen. Daher gilt: „wer Menschen studieren will, der versäume nicht, sich unter Kinder zu mischen!“ (Freiherr von Knigge, 1788)

Der Umgang mit Kindern erfordert Überlegungen, die in der Kommunikation mit Erwach- senen nicht vorkommen. Die Aufgabe der Erwachsenen ist es, alles Mögliche zur Bildung der Kinder beizutragen. Es ist ihre Pflicht, leichtfertige Reden und Handlungen zu vermei- den, ihnen Tugend in Wohlwollen, Treue, Ehrlichkeit und Anständigkeit zu vermitteln. Man solle stets die Wahrheit sagen, sich in der Kommunikation auf die Ebene des Kindes herunterlassen, damit das Kind den Worten der Erwachsenen folgen kann. Dem Kind darf es auch an Aufmerksamkeit nicht fehlen, man darf ihm nicht das Gefühl vermitteln, über- sehen zu werden, andererseits ist es aber auch von enormer Bedeutung, dass man ungezo- gene Kinder nicht verwöhnt, und dadurch ihren Hochmut, Eigensinn und ihre Eitelkeit nährt, sowie einen Beitrag zur moralischen Verschlimmerung leistet. Zuallerletzt weist Knigge darauf hin, dass wir nie die Partei eines Kindes einnehmen sollen, wenn Eltern ihm in unserer Gegenwart Anweisungen geben, denn dies würde das Kind in seiner Unartigkeit bestärken und dadurch wären die Eltern in ihrem Erziehungsplan wirkungslos. (Vgl. Freiherr von Knigge, 1788)

2.1 Aus heutiger Sicht

Ich bin der Meinung, dass die meisten Ratschläge, die Knigge erteilt auch heute noch zu- treffen. Es war und ist zum Beispiel die Aufgabe der Erwachsenen, für die Ausbildung der Kinder zu sorgen, und dieses Thema wird meiner Ansicht nach immer wichtiger. Ich denke jedoch, dass Knigge mit dem Bildungsbegriff ausschließlich Jungen anspricht, da es Frau- en in Österreich erst seit dem Jahre 1898 erlaubt ist, die Matura abzuschließen bzw. das Studieren noch später. (Vgl. Bundesministerium für Unterricht, 2008). Ich denke daher, dass es auch in Deutschland im Jahre 1788, als Knigge das Buch geschrieben hat, noch nicht möglich war. Seit 2005 ist die Zahl der StudentInnen von rund 218.000 auf 274.000 (2009) angewachsen - das entspricht einem Plus von 25 Prozent. (Vgl. media-relevant- best-of, 2010). Dies beweist, dass die Bildung der Jugendlichen von Jahr zu Jahr bedeuten- der wird. Dies liegt vor allem darin begründet, dass die Gesellschaft immer mehr Erwar- tungen in die Menschen setzt, die nur durch Bildung zu erlangen sind. So zum Beispiel kann man nur Arzt werden, nachdem man ein langjähriges Studium vollendet hat. Jugend- liche des 21. Jahrhunderts streben in ihrem Leben nach einer erfolgreichen, beruflichen Karriere, nach viel Geld und Ansehen und dabei drohen sie am immer größer werdenden Leistungsdruck zu zerbrechen. (Vgl.Presse, 2007)

Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung ist das Verhältnis von Jugendlichen und Er- wachsenen in heutiger Zeit positiv. Obwohl die meisten Erwachsenen Jugendliche sym- patisch finden, kritisieren viele von ihnen deren Lebensstil, so wie es auch schon in Zeiten Knigges der Fall war. So zum Beispiel sind einige dieser Kritikpunkte folgende: übermä- ßiger Alkoholkonsum, Gewalt, Drogen, sowie Respektlosigkeit gegenüber fremdem Eigen- tum. (Vgl. Stiftung, 2007) Ich persönlich denke aber, dass es sich dabei oftmals auch um Vorurteile seitens der Erwachsenen handelt, welche darin begründet liegen, dass sie zu viel Zeit damit verbringen, Zeitungen zu lesen, die über Überfälle von Jugendlichen berichten.

Nicht alle Jugendliche sind alkoholsüchtig oder gewalttätig.

Nun werde ich mit dem zweiten Kapitel fortfahren, welches vom Umgang mit Eltern, Kindern und Blutsfreunden handelt.

3. Von dem Umgange unter Eltern, Kindern und Bluts- freunden

Neben der Vereinigung zwischen Mann und Frau, ist die Beziehung zwischen Eltern und Kindern von großer Bedeutung. Knigge weist darauf hin, dass die Beziehung zwischen Familienmitgliedern durch die ähnliche Organisation, gleichförmige Erziehung und ge- meinschaftlichen Interessen harmonisch sei und dass sie füreinander etwas fühlen, das sie für fremde Menschen nicht fühlen und je weiter sich der Zirkel öffnet, desto fremder er- scheinen ihnen die Menschen. Jemand, der seine Mutter nicht liebt, bei der er seine glück- liche Jugend verbrachte, kann kein Interesse am Weltbürgergeist haben, weil alles Wichti- ge wie die Moralität oder das Eigentum in der Erhaltung der Familien- und Vaterlandsban- de begründet ist. Dieses Band lockert sich immer mehr. Dies ist der Beweis dafür, dass wir uns immer mehr von der Ordnung der Natur und ihren Gesetzen entfernen. Knigge be- schreibt das 18. Jahrhundert folgendermaßen: Man lerne zu lesen, ohne die Buchstaben und Silben zu kennen. Desweiteren dürfe man um alle Menschen zu lieben, keinen einzi- gen Menschen lieben. Allgemeine Aufklärung verbreite sich unter allen Ständen, man hält Vorlesungen über die Gleichheit aller Stände, sowie über die Schuldigkeit der Menschen, die Last des Lebens gemeinschaftlich zu tragen. Jeder Mensch räsoniere die ihm unbeque- men Vorurteile weg, Gesetze und bürgerliche Einrichtungen entweichen der Willkür und der Klügere und Stärkere sorge für das Wohl aller Menschen zur Last des Schwächeren. Desweiteren sagt er, dass Eigentum, Staatsverfassungen und Grenzlinien aufhörten und dass sich jeder selbst regiere und sich ein System zur Befriedigung seiner Triebe erfinde. (Vgl. Freiherr von Knigge, 1788)

Nun beschreibt Knigge, wie der Umgang unter Blutsfreunden sein soll. Laut ihm gibt es Eltern, die ihre Kinder kaum sehen. Ihre Schützlinge werden von fremden Menschen ge- bildet und erzogen, während die Eltern selber ihren Vergnügungen nachgehen. Wenn die Kinder dann erwachsen sind, leben sie mit ihnen mit einer Fremdheit und Höflichkeit, als wären dies nicht ihre Kinder. Dieses Verhalten beschreibt Knigge als unnatürlich und un- verantwortlich. Es gibt aber auch Eltern, die von ihren Kindern eine sklavische Ehrerbietung, sowie viele Rücksichten und Aufopferungen fordern, dass sie den Kindern durch den ständigen Zwang und den großen Abstand, sämtliches Zutrauen nehmen. Dies führt dazu, dass Kinder die wenigen Stunden, die sie dann mit ihren Eltern verbringen als langweilig und fürchterlich empfinden.

Einige Eltern übersehen, dass ihre Kinder irgendwann erwachsen werden. Sie behandeln ihre erwachsenen Söhne und Töchter wie kleine Unmündige, nehmen ihnen jeden freien Willen und trauen ihnen nichts zu. Knigge sagt, dass man dies anders lösen müsse. Seiner Meinung nach ist es durchaus möglich, Ehrerbietung auch durch freundschaftliche Ver- traulichkeit aufzubauen. Es ist nicht möglich jemanden zu lieben, auf den man nicht hin- aufzuschauen wagen darf, man vertraut sich auch keinem an, der die Gesetze stets mit ernstem Blick predigt. Zwang tötet jegliche freiwillige Hingabe. Kinder brauchen den An- blick eines geliebten Vaters, sie sehnen sich nach weisem und freundlichem Umgang, kön- nen mit ihm über alles sprechen und in ihm einen rücksichtsvollen Freund sehen, der an ihren Freuden teilnimmt. Dies wäre eine Verbindung, die alle wichtigen Empfindungen wie Sympathie, Dankbarkeit, gleiches Interesse usw. vereinigten. Auch dieser Umgang sollte jedoch nicht übertrieben werden. Die Jünglinge des 18. Jahrhunderts finden ihre Vä- ter weder weise, noch unterhaltend oder aufgeklärt genug. Aber auch die Mädchen emp- finden Langeweile, wenn sie sich in der Gegenwart ihrer Mütter aufhalten.

Knigge sagt, dass Menschen, die sich lange kennen und sich auch ohne Maske und Schminke sehen, doppelt vorsichtig in ihrem Umgang miteinander sein müssen, damit man nicht ungerecht zueinander wird. Am Ende des Kapitels geht der Autor noch darauf ein, dass vor allem alte Vettern und Tanten ihre Launen an ihren Nichten und Neffen auslassen und diese wie Babies behandeln. Desweiteren klärt er auf, dass in manchen Städten ein steifer und übler Ton unter den Familienmitgliedern herrscht. Aus bürgerlichen und öko- nomischen Gründen sind sie dazu gezwungen, sich oft zu sehen, und dennoch streiten und hassen sie sich unaufhörlich untereinander und machen sich das Leben gegenseitig schwer. Knigge empfiehlt, dass man in solch einer Position, wo keine Sympathie in der Denkungs- art, keine Freundschaft und Einigkeit besteht, zwar höflich miteinander umgehen, sich aber Freunde nach seinem Herzen suchen soll. (Vgl. Freiherr von Knigge, 1788)

3.1 Aus heutiger Sicht

Bis ins 19. Jahrhundert hinein war die Familie eine Form des Zusammenlebens, die mehr aus wirtschaftlichen, als aus sozialen Gründen gegründet wurde. Früher gehörten auch Tiere und Sklaven zur Familie, wohingegen es heute verschiedenste Formen von Familie gibt, wie zum Beispiel Adoptivfamilien, Patch-work-Familien, alleinerziehende Familien und dergleichen, auf die ich jetzt nicht weiter eingehen möchte. Knigge rät uns, unseren Kindern genug Aufmerksamkeit und Liebe zu geben, gleichzeitig sollen wir sie aber nicht verwöhnen. (Vgl. Freiherr von Knigge, 1788)

In heutiger Zeit ist meiner Ansicht nach genau das Gegenteil passiert. „Immer mehr Kinder werden vernachlässigt oder sogar misshandelt. „Jahr für Jahr kommt es in Österreich zu schwersten Fällen von Kindesmisshandlungen, immer wieder sterben dabei Kinder und Säuglinge.“ (Presse, 2011) Der letzte bekannte Vorfall ereignete sich am 8. Jänner 2011 in Bregenz, bei dem ein drei Jahre alter Junge ums Leben kam. (Vgl. Presse, 2011). Auch die Vernachlässigungen nehmen drastisch zu, wie man in allen Zeitungen nachlesen kann. Ich denke dass dies darauf beruht, dass in immer mehr Familien beide Elternteile arbeiten ge- hen müssen, weil das Leben sonst nicht leistbar wäre. Viele Kinder werden dadurch immer mehr in Ganztagesschulen oder sonstige Betreuungseinrichtungen abgeschoben und fühlen sich von den Eltern möglicherweise nicht wichtig genommen. Desweiteren ist meiner Mei- nung nach zu beobachten, dass gerade diesen Kindern viel zu viele Geschenke gemacht werden. Alles wird ihnen gekauft, möglicherweise deshalb, weil die Eltern ein schlechtes Gewissen haben, ihnen nicht genügend Aufmerksamkeit schenken zu können und sie glau- ben vielleicht, dass sie dies mit Geld ausgleichen könnten. Dadurch stellt sich die Frage, ob es nicht doch besser wäre, wenn Frauen, die sich dafür entscheiden, Kinder zu bekommen, bei ihnen zu Hause bleiben sollten, um sich um sie zu kümmern. Leider lässt sich diese Frage heute nicht mehr klären, denn da müsste die Politik etwas verändern. Wenn alles immer teurer wird, wie das Wohnen, die Lebensmittel, Benzin etc. und gleichzeitig das Einkommen der meisten Menschen ständig gleich niedrig bleibt, dann wird sich irgend- wann möglicherweise keiner mehr Kinder leisten können. Weder vom Geld noch von der Zeit her, und dann könnte die Spezies Mensch vielleicht sogar vom Aussterben bedroht sein. Dass der Trend dahin bereits im Laufen ist, beweist die Tatsache, dass Frauen immer später Kinder bekommen, nämlich erst mit ca. 30 Jahren und die Geburtenrate bei 1,37 Kindern pro Frau liegt, (Vgl.Focus, 2009) wohingegen es in den 1960 er Jahren noch 2,7 Kinder waren. (Vgl. Entwicklung, 2007)

Nun werde ich mich dem nächsten Kapitel widmen, in dem Knigge über den Umgang unter Eheleuten spricht.

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Details

Seiten
28
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640930364
ISBN (Buch)
9783640930326
Dateigröße
803 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172969
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Erziehungswissenschaft
Note
Sehr Gut
Schlagworte
Adolph Pädagogik Erziehungswissenschaft Seminararbeit Hausarbeit Psychologie Bilstein Einführung

Autor

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