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Ist die teilnehmende Beobachtung eine adäquate Forschungsmethode zur Erforschung der Kindesperspektive?

Hausarbeit 2008 16 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung in das Thema

1. Was bedeutet teilnehmende Beobachtung?

2. Über das Dilemma der Erziehungswissenschaften - Kindheit verstehen zu wollen

3. Ist die teilnehmende Beobachtung eine adäquate Forschungsmethode zur Erforschung der Kindesperspektive?

4. Reflexion

Literaturverzeichnis

Einführung in das Thema

In dieser Hausarbeit soll hauptsächlich die Fragestellung behandelt werden, ob die teilnehmende Beobachtung in der qualitativen Kindheitsforschung eine bedeutsame Rolle spielt und welche Daten mit dieser Methode der empirischen Feldforschung überhaupt gewonnen werden können.

Nachdem ich zunächst die Frage klären möchte, was teilnehmende Beobachtung überhaupt bedeutet und welche Vor- und Nachteile diese Methode mit sich bringt, werde ich in einem weiteren Abschnitt darauf eingehen, wie das Kind zum Spielball der Erziehungswissenschaft wurde. Weiterführend werde ich mit Hilfe des Buches von Peter Gstettner „Die Eroberung des Kindes durch die Wissenschaft - Aus der Geschichte der Disziplinierung“ und dem Werk von Dudek „Geschichte der Jugend“ die Intention der Erziehungswissenschaftler darstellen, Kindheit verstehen und begreifen zu wollen. Anhand der geschichtlichen und sozialen Veränderungen seit dem 17. Jahrhundert möchte ich in diesem Zusammenhang den Wandel der Kindheitsforschung genauer beschreiben.

Mit Hilfe der Texte von Gerold Scholz „Teilnehmende Beobachtung: eine Methodologie oder eine Methode“ und „Die Konstruktion des Kindes“, sowie einem Text über teilnehmende Beobachtung von Christian Lüders, werde ich mich kritisch mit der Fragestellung dieser Hausarbeit auseinandersetzen.

Abschließen werde ich diese Hausarbeit mit einer Schlussreflexion.

1. Was bedeutet teilnehmende Beobachtung?

In der empirischen Sozialforschung gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. „ Die direkte Beobachtung menschlicher Handlungen, sprachlicher Äußerungen, nonverbaler Reaktionen (Mimik, Gestik, Körpersprache) und anderer sozialer Merkmale (Kleidung, Symbole, Gebräuche, Wohnformen, usw.) [ … ] “ liegen dabei im Auge des Betrachters (Diekmann 2006, S. 456). Die Interaktion mit dem Klientel kennzeichnet dabei die Teilnahme des Forschers und lässt diesen durch das unmittelbare Mitwirken detaillierte Perspektiven des Denken und Handelns wahrnehmen.

Dennoch besitzt die Distanz zwischen Beobachter und den zu Beobachtenden einen großen Stellenwert, um eine Verzerrung der Wahrnehmung zu unterbinden. Diese könnte durch das so genannte „going-native“ entstehen, wenn der Forscher eine Werteübernahme und damit verbundene Identifikation mit dem Forschungsfeld einnimmt. Gerade bei lang andauernden wissenschaftlichen Studien besteht das Problem, sich an die Forschungsobjekte zu gewöhnen. In diesem Falle ist zunächst alles ungewohnt und unvertraut. Es stellt sich zunächst die Frage, ob der Forscher in der Lage ist, das Gesehene und Gehörte so interpretieren, dass es die subjektiven Deutungen der Betroffenen wiedergibt. Dennoch besteht auch hier die Gefahr, dass man sich mit der untersuchten Gruppe in einer Art und Weise identifiziert, die den geboten Abstand in Frage stellt und dies zu einer Verzerrung der Wahrnehmung führen kann. Aus diesem Grund wird von den meisten Vertretern der qualitativen Sozialforschung verlangt, dass der Forscher darauf zu achten habe, eine kritische Distanz im Sinne der Objektivität nicht zu verlieren.

Eine weitere Gefahr der teilnehmenden Beobachtung ist die Verzerrung durch eigene Wertschätzung und Kenntnisse. Der Forscher vergleicht, in diesem Falle erworbene Ansichten seiner Forschungsklientel, mit seinen eigenen bisher bekannten Verhaltensweisen. „ Besonders in fremden Kulturen oder in für den Beobachter fremden Sozialmilieus kann eine Handlung oder ein Symbol eine andere Bedeutung haben als im Kulturkreis des Beobachters. Ist z.B. ein Schlag auf die Schulter eine freundlich-kumpelhafte Begr üß ung oder eine aggressive Geste? Der Beobachter muss die Bedeutungen von Handlungen, Gesten, Symbolen und anderen sozialen Merkmalen erst erlernen “ (Diekmann 2006, S. 458). Fehlinterpretationen des Forschers müssen vermieden werden. In diesem Falle muss sich der Forschende unentwegt seinen Leitfaden vor Augen halten und sich gleichzeitig die Frage stellen, was er überhaupt beobachten möchte und inwiefern man es überhaupt beobachten kann. Stringente Rahmenbedingungen sind hierbei von Vorteil, um ein eigenes Abschweifen vom eigentlichen Thesenbereich zu vermeiden.

Eine teilnehmende Beobachtung kann gleichwohl als offen oder verdeckt erfolgen. Bei der offenen Beobachtung ist den zu Erforschenden die Anwesenheit des Forschers bekannt, bei der verdeckten Beobachtung hingegen soll das Forschungsklientel nichts von der Teilnahme des Beobachters wissen. Beide Verfahren haben ihre Vor- aber auch Nachteile, da zum Beispiel eine Situation durch den Beobachter einer offenen Beobachtung durch sein Mitwirken so beeinflusst werden kann, dass die Untersuchung hinfällig wird. Gerd E. Schäfer beschreibt in seinem Text „Einführung in pädagogisches Wahrnehmen und Denken“, dass „ Die Frage, ob [ … ] durch eine teilnehmende Haltung die Situation nicht zu sehr beeinflusst [wird], muss mit der Gegenfrage beantwortet werden, ob sich durch bewusste Distanzierung die Situation nicht ebenso und zudem in pädagogisch unerwünschter Weise verändern würde “ (Schäfer o.J., S.4)

Das Problem der verdeckten Beobachtung ist die Geheimhaltung der Ergebnissicherung. Beobachtungssequenzen können demnach erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgezeichnet und somit verfälscht werden können, sofern der Beobachter Situationen vertauscht oder wichtige Merkmale vergisst. Diekmann beschreibt, dass „ Einige Sozialforscher [ … ] die verdeckte Beobachtung generell als unethisch verurteilt “ haben (Diekmann 2006, S. 471). Wobei man ganz klar unterscheiden muss, ob Personen um der Sensationswillen Schaden zugeführt wird, oder ob es sich andererseits, um einen Einwegsspiegel einer Kinderkrippe handelt, um das Spielverhalten der Kinder zu beobachten.

Die Wiedergabe der Beobachtung durch den Forscher, kann durch dessen eigenen Ziele und Vorstellungen beeinflusst werden. Diese Art, gewisse Inhalte bevorzugt zu registrieren, nennt sich „selektive Wahrnehmung“. Dadurch entwickelt der Forscher eine besondere Sensibilität für ihn wichtige Ereignisse und vernachlässigt dadurch andere, eventuell relevante Geschehnisse. Diese Blindheit für Nebenerscheinungen haben somit einen Einfluss auf die zu erhebenden Daten des Forschers.

„ Geht es um die Aufdeckung und Prüfung sozialer Regelm äß igkeiten oder Hypothesen, dann ist die vorurteilsgeleitete Wahrnehmung nicht selten trügerisch “ (Diekmann 1995, S.40)

Durch jene Probleme der teilnehmenden Beobachtung und der Frage, „ wie der teilnehmende Beobachter in einer konkreten Beobachtungssituation zugleich Nähe zum Feld, die er benötigt, um die entsprechenden Daten erzeugen zu können, und Distanz, die er wahren muss, umüberhaupt beobachten zu können “, verliert sie zunehmend an Bedeutung (Lüders 2003, S. 152). Im nachfolgenden Abschnitt möchte ich den Werdegang der wissenschaftlichen Beobachtung näher erläutern, sowie genauer aufzeigen, wie sich die Methode jener Feldforschung manifestierte.

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Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640931774
ISBN (Buch)
9783640931545
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173031
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Schlagworte
teilnehmende Beobachtung Forschungsmethode Kindesperspektive Erziehungswissenschaft Pädagogik

Autor

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Titel: Ist die teilnehmende Beobachtung eine adäquate Forschungsmethode zur Erforschung der Kindesperspektive?