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Wandel in Mexiko?

Innenpolitische Veränderungen in Mexiko vom Peso-Crash bis zur Subprime-Krise

Essay 2009 10 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika

Leseprobe

Wandel in Mexiko?

Innenpolitische Veränderungen in Mexiko vom Peso-Crash bis zur Subprime-Krise

In Mexiko, einem Land regiert durch jahrzehntelange Ein-Parteienherrschaft, haben sich durch den Beitritt zu neoliberalen Freihandelsabkommen folgenschwere Wirtschaftskrisen ereignet. Welchen Einfluss diese Krisen auf die bestehenden politischen Kräfteverhältnisse hatten, möchte ich in diesem Essay nachgehen. Ausgehend von Mexikos Beitritt zur NAFTA, werde ich die innenpolitischen Entwicklungen auf der Führungsebene Mexikos, seit dem Peso-Crash 1994 bis zur Subprime-Krise 2007, verfolgen. Die konkrete Frage die dem Essay zu Grund liegt lautet: Was hat sich auf der Führungsebene der politischen Landschaft Mexikos, seit dem Peso-Crash 1994 bis zum vorläufigen Ende der Subprime-Krise 2009, verändert?

Mexikos Beitritt zur NAFTA

Das naturgemäße Interesse der neoliberalen US-Außenhandelspolitik an der internationalen Festschreibung von konzernfreundlichen Normen und dem privilegierten Marktzugang von US-Konzernen, hat auch in Lateinamerika zu dem Beitritt zu Zoll- und Handelsabkommen wie der GATT und zur Umsetzung von Freihandelsprojekten wie der NAFTA geführt.

Mit Mexikos Beitritt zum internationalen General Agreement on Tariffs and Trade (=GATT) im Jahre 1986 öffneten sich die mexikanischen Grenzen für landwirtschaftliche Importe. Damit verschärfte sich die Marginalisierung der nicht-konkurrenzfähigen kleinen bäuerlichen Betriebe, was in späterer Folge zu diversen zivilgesellschaftlichen Protestbewegungen geführt hat (vgl. Kaller-Dietrich Martina/Mayer, David 2004: 62).

Das North American Free Trade Agreement mit Kanada und Mexiko wurde 1992 unterzeichnet und 1994 in Kraft gesetzt. Die USA hatten ein starkes Eigeninteresse daran Mexiko in die NAFTA zu integrieren, da die USA einerseits an einem besseren Zugriff auf den mexikanischen Finanz- und Versicherungsmarkt interessiert war und andererseits ein Auge auf die mexikanischen Erdölreserven geworfen hatte. Für Mexiko hingegen war der amerikanische Markt attraktiv, da er nach wie vor einer der nachfragestärksten Binnenmärkte der Welt ist (vgl. Burchardt 2004: 48). Optimistische Wirtschaftsprognosen versprachen Mexiko sogar ein höheres Wirtschaftswachstum sowie eine raschere wirtschaftliche Entwicklung, wodurch die soziale Stabilität erhöht werden sollte (vgl. De Luna Martinez 2002: 104).

Nachdem NAFTA etabliert worden war, setzte 1994 die Regierung Clinton das gesamtamerikanische Freihandelsprojekt ALCA auf die Tagesordnung. Es würde US-Firmen sehr weitgehende Rechte geben, während der US-Agrarsektor geschützt bliebe. Insgesamt war die Außenöffnung nach Becker (vgl. 2008: 3) dort vorgesehen, wo US-amerikanische Konzerne stark sind. Nicht-liberale Politik zu betreiben würde in zentralen Bereichen durch einen ALCA-Vertrag unmöglich gemacht werden. Das beträfe nicht allein die Handelspolitik, sondern auch zentrale Bereiche der Industrie- und Dienstleistungspolitik.

Jedoch kam es knapp ein Jahr später zu einer verheerenden Finanzkrise in Mexiko, was die Umsetzung von ALCA verhinderte. Für viele war der Beitritt zur NAFTA ein ausschlaggebender Faktor für diese Krise. So wird beispielsweise angenommen, dass die Wirtschaftsstruktur Mexikos zu instabil war, um die Herausforderung einer Mitgliedschaft der NAFTA anzunehmen (vgl. Maskooki 2002: 162).

Bis zu den Finanzkrisen, die sich nicht nur in Mexiko sondern auch im Süden des Kontinents ereigneten, haben die USA auf dem Weg zu ALCA einige Fortschritte gemacht. Mit den Finanzkrisen verlor ALCA allerdings im Süden des Subkontinents, sowohl in der Bevölkerung als auch auf Ebene der Regierungspolitik, an Rückhalt. Es fand ein Linksruck in der Bevölkerung statt (vgl. Becker 2008: 3), auf den ich noch näher eingehen werde.

Der Peso-Crash 1994

Zu Beginn der 1990er Jahre stellte neben Argentinien, Uruguay und Brasilien auch Mexiko seine Politik auf eine wechselkurs-basierte Stabilisierung um. Die Veränderung lag darin, dass die Legitimität dieser Strategie nicht mehr über Wachstum, sondern über die Bekämpfung der Inflation gesucht wurde. Die nationale Währung wurde eng an den US-Dollar gebunden und faktisch überbewertet, sodass die Löhne unter verschärften internationalen Konkurrenzdruck gerieten und auch die Preissetzungsspielräume durch verstärkte Importkonkurrenz eingeschränkt wurden. In der Folge wuchsen die Importe schneller als die Exporte. Das entstehende Handelsbilanzdefizit wurde durch Kapitalimporte über Kreditaufnahmen oder Direktinvestitionen gedeckt. Damit war das neue Wirtschaftsmodell abhängig von beständigem Kapitalzufluss. Um diesen Kapitalzufluss zu garantieren und attraktiv für Finanzanleger zu werden, wurden hohe Zinsen geboten. Den Schuldendienst versuchte Mexiko, genau wie viele andere Staaten Lateinamerikas die auf eine neoliberale oder neo-merkantilistische Politik umgestellt hatten, über Exportüberschüsse zu decken (vgl. Becker 2008: 1-2).

Im August 1994 wurde Ernesto Zedillo, Mitglied Staatspartei Partido Revolucionario Institucional (PRI), für eine sechsjährige Amtsperiode zum Präsidenten gewählt. Er sah sich gezwungen den Peso abzuwerten (vgl. Singh 1999: 52).

Trotzdem kam es am 23. Dezember 1994 zu einem rasanten Kursverfall des Pesos, wobei er über 80 Prozent seines Wertes innerhalb von drei Wochen verlor. Als die USA zusätzlich ihre Zinsen erhöhten, kam es zu einem drastischen Abzug der Investitionen durch in- und ausländische Investoren. Auch die Währungsreserven der Mexikanischen Zentralbank gingen rapide zurück. Dadurch war der mexikanische Staat nicht mehr in der Lage die Verbindlichkeiten in ausländischen Währungen zu bedienen (vgl. De Luna Martinez 2002: 84).

Die Wechselkurspolitik Mexikos und die Überbewertung des Pesos gelten als eine der ausschlaggebenden Ursachen für die mexikanische Krise. Durch innenpolitische Ereignisse, wie der Zapatisten-Aufstand der zeitglich mit dem NAFTA-Beitritt ausbrach oder die Ermordung des PRI-Präsidentschaftskandidaten Colosio im März 1994, wurden sowohl inländische als auch ausländische Investoren immer vorsichtiger (vgl. ebda: 106-107). 1994 begannen die Devisenreserven und Währungsreserven abzunehmen, was zu einem Vertrauensverlust der Investoren in die mexikanische Wirtschaft führte. Die Investoren begriffen, dass aufgrund der schwindenden Währungsreserven, des wachsenden Leistungsbilanzdefizits und durch das zu starre Wechselkurssystem die Devisenreserven der mexikanischen Zentralbank, nicht mehr ausreichen, um die Investoren auszubezahlen. Dies führte zu einer enormen Kapitalflucht (vgl. ebda: 100).

Kurz vor der Krise trat das Land neben der NAFTA auch noch der OECD bei. Sowohl anerkannte Wirtschaftswissenschaftler, Internationale Investoren als auch internationale Organisationen, wie der IWF und die Weltbank, hatten die Situation Mexikos völlig falsch eingeschätzt. Ganz im Gegenteil, viele wissenschaftlichen Analysen bezüglich der Perspektiven des Landes waren äußerst optimistisch gewesen (vgl. ebda: 86). Der Ausbruch der Mexiko-Krise kam somit für viele überraschend.

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Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640932412
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173125
Institution / Hochschule
Universität Wien – Politikwissenschaft
Note
Gut
Schlagworte
Mexiko Peso-Crash Subprime-Krise NAFTA PRI ALCA IWF PAN

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