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Die Darstellung von Tieren in den Medien

Eine ethische Betrachtung

Projektarbeit 2010 33 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Einfluss der Medien auf den Mediennutzer
2.1. Informationsfunktion
2.1.1. Meinungsbildung oder Manipulation?
2.1.2. Prangerfunktion der Medien
2.1.3. Gegenseitiges Zitieren
2.1.4. Selbstzensur
2.1.5. Zwischenergebnis
2.2. Kontrollfunktion

3. Darstellung von Tieren in den Medien
3.1. Inhalte und Themenwahl
3.2. Motive
3.3. Folgen
3.4. Fazit

4. Ethik und Moral
4.1. Medienethische Ansätze
4.1.1. Tugendethik
4.1.2. Utilitaristischer und Konsequentialistischer Ansatz
4.1.3. Pflichtethik und Deontologie
4.1.4. Vertragstheorie und Kontraktualismus
4.2. Tierethik und Tierrechte
4.3. Moralisch-ethische Grenzen von Tierdarstellung
4.4. Zwischenergebnis

5. Verpflichtung und Verantwortung

6. Verantwortung und Medienethik
6.1. Verantwortung der Journalisten
6.1.1. Gesinnungs- und Verantwortungsethik
6.1.2. Leidenschaft, Augenmaß, Verantwortung
6.2. Verantwortung der Betreiber, der Besitzer und der Verlagshäuser
6.2.1. Der Deutsche Presserat
6.2.2. CSR und CR
6.2.3. Zwischenergebnis
6.3. Verantwortung der Mediennutzer
6.3.1. Pflicht- und verantwortungsethische Perspektive
6.3.2. Bedürfnisethik
6.3.2.1. Bedürfnis
6.3.2.2. Abhängigkeit der Medienunternehmen von der Öffentlichkeit
6.4. Zwischenergebnis

7. Schlusswort

1. Einleitung

Tiere sind auf vielfältige Weise in unser Leben integriert. Kinder spielen mit Kuscheltieren, wir halten uns Haustiere, die wir oftmals als unsere Freunde bezeichnen. Wir freuen uns über Singvögel im Garten und auf dem Balkon und wir lieben Leinwandhelden, wie Lassie, „Ein Schweinchen namens Babe“ oder die Zeichentrickfigur „Spirit - der wilde Mustang“.

Tiere sind aber mehr als nur etwa Kameraden: Tiere sind Nahrungsmittel, Tiere sind Versuchsobjekt, Tiere sind Sachen[1].

Dabei kommt den Medien eine wichtige Rolle zu: sie prägen unser Bild von den Tieren. Die vorliegende Arbeit soll die Position der Medien ethisch kritisch hinterfragen. Sie soll aufzeigen, wie wir als Medienkonsumenten[2] und Medienschaffende einen Teil dazu beitragen können die Lebensumstände der Tiere zu verbessern und vor allem für ihr Verhalten, ihre Bedürfnisse und ihre Gefühle Aufmerksamkeit und Verständnis innerhalb der Gesellschaft zu schaffen und zu erhalten.

2. Der Einfluss der Medien auf den Mediennutzer

2.1. Informationsfunktion

2.1.1. Meinungsbildung oder Manipulation?

Die Massenmedien kreieren Stereotypen, das heißt Worte, Redewendungen und Argumente, die durch ständige Wiederholung in den Köpfen der Rezipienten verankert werden und dadurch deren Bewusstsein beeinflussen und verändern. Die Medien nehmen damit nicht nur eine Rolle als Meßlatte der öffentlichen Meinung ein, sondern beeinflussen sie, bis hin zur Manipulation.[3] Dabei bedient sich die Öffentlichkeit, vielfach aus Bequemlichkeit, der markanten und einprägsamen Sprache der Medien. Häufig wird die vereinfacht dargestellte Realität wenig kritisch wahrgenommen und lediglich durch Erfahrungswerte oder eine bereits gefestigte Meinung ergänzt, nicht aber durch Eigenrecherche bereichert. Diese Gewohnheit birgt die Gefahr, dass den Menschen dadurch das reflektierte Denken und, daraus resultierend, das (inter-)aktive Begreifen ihrer Umwelt und der Geschehnisse erleichtert und sogar abgenommen wird.[4]

Gleichzeitig bietet diese Machtposition den Medien die Chance, dass einige Rezipienten die Existenz bestimmter Themenkomplexe, wie den Umgang mit Tieren, überhaupt realisieren und der Inhalt erst durch massentaugliche Verschlagwortung eine Anhängerschaft finden kann. Zudem kann eine geschickte Wortwahl und gekonnte Argumentation wenig populäre, wirtschaftlich eher uninteressante und politisch (bisher) nebensächliche Inhalte, wie Rechte und Interessen von Tieren „salonfähig“ und schick machen, aus der „Ökoecke“ herausholen und damit entstigmatisieren.

2.1.2. Prangerfunktion der Medien

Daneben sind die Medien eine Art „Pranger der Neuzeit“. Die Macht und der Einfluss der Medien sind so immens, dass Personen des öffentlichen Interesses nicht nur medial gefördert sondern auch medial gestürzt werden können. Medien haben somit eine Position, aus der sie auf die Entwicklung, das Wohl und Wehe, ganzer Karrieren einwirken können.[5] Aus Respekt oder mitunter auch Furcht vor etwa sozialer Isolation oder juristischen Konsequenzen beugen sich viele Betroffenen dem Druck der Medien und ändern, wenn auch nicht notwendigerweise aus Überzeugung, ihr Verhalten entsprechend.[6] Die Medien können den Rezipienten auf Personen (insbesondere solche des Öffentlichen Interesses) oder Institutionen, die (in-)direkt gleichgültig und respektlos mit Tieren umgehen auf deren Verhalten aufmerksam machen und sie mit Öffentlichkeit unter Druck setzten, ihr Handeln zu überdenken oder gar zu ändern.

2.1.3. Gegenseitiges Zitieren

Auch ist zu beobachten, dass die Medien sich selbst zitieren, das heißt offenkundig übereinander berichten, innerhalb der eigenen Mediengruppe oder des eigenen Mediums recherchieren und ganze Themenkomplexe übernehmen und aufbereiten. Dieses Verhalten rührt mitunter daher, dass sich sämtliche Medien der gleichen Nachrichtenagenturen[7] bedienen. Ein anderer Grund ist die vom Leser geforderte und erwartete Aktualität. Aktuelle Themen ergeben sich in der Regel aus akuten Meldungen und nicht aus anhaltenden Zuständen. Letztere sind eher für Reportagen oder Features und nicht für die Tagespresse geeignet. Um das breite Publikum zu erreichen muss der Sachverhalt, also etwa das Thema Tiere, von und in unterschiedlichen Medien aufgegriffen werden und/ oder tagesaktuell sein und sich gegen konkurrierende Themen durchsetzten, ansonsten ist es in der Wahrnehmung des Mediennutzers nicht präsent.

2.1.4. Selbstzensur

An das gegenseitige Zitieren knüpft die Selbstzensur der Medien an. Greifen Journalisten Themen auf, die dem Verlag, der Gruppe, dem Konzern, dem Medium, welchem sie angehören widersprechen, droht ihnen die berufliche Ausgrenzung.[8] Daraus folgt, dass Themen, die von den Medien nicht veröffentlicht werden, als solche in der öffentlichen Diskussion auch nicht existieren. Die Chancen der jeweiligen Materie, von den Rezipienten wahrgenommen zu werden und damit in deren Köpfen zu einem Teil der realisierten Wirklichkeit zu werden, sind dann deutlich geringer. Journalisten sind daher eine Art „Gatekeeper“.[9] Sie entscheiden, was der Öffentlichkeit vorenthalten oder worüber sie in welcher Dimension informiert wird. Eine Zeitung, eine Fernsehsendung oder ein Radiobeitrag besteht daher immer aus einer Ansammlung selektierter und komprimierter Botschaften, wobei die Auswahlkriterien der Medienmacher, was Aktualität und Brisanz betrifft, weitgehend übereinstimmen. Aus dieser Konvergenz resultiert die Wahrnehmung der Rezipienten, bestimmte Angelegenheiten seien besonders wichtig, weil sie medienübergreifend präsent sind. Themen, die hingegen selten medial aufgegriffen oder nur von solchen Medien problematisiert werden, die den jeweiligen Special Interest Bereich bedienen, tun sich schwer Gehör und damit Zustimmung oder Ablehnung der breiten Masse zu erlangen.

2.1.5. Zwischenergebnis

Mit der Fähigkeit, die Wahrnehmung der Mediennutzer zu prägen, der Macht, menschliches (Fehl-) Verhalten oder dessen Duldung anzuprangern und der Möglichkeit, die Öffentlichkeit für Inhalte zu schaffen, haben die Medien einen beträchtlichen Einfluss auf die Mediennutzer.

2.2. Kontrollfunktion

Neben der Informationsfunktion haben die Massenmedien, im wertenden Sinne, die Funktion Kritik zu üben und, im investigativen Sinne, eine Kontrollfunktion und -pflicht.[10] Dabei haben Dritte, also Mediennutzer, die Möglichkeit sich kritisch zu äußern, wie beispielsweise in Foren, Blogs, oder als Kommentar auf einen Artikel folgend. Zudem können die Medienmacher selbst diese Aufgabe wahrnehmen und Missstände öffentlich bekannt machen, indem in Kommentaren, Glossen oder Leitartikeln professionell recherchierte und abgewogene Argumente, Annahmen oder Tatsachen beurteilt und bewertet werden.[11]

Weil Tiere sich nicht unmittelbar äußern können ist für sie die Meinungs- und Willensbildung über und damit die Kritik- und Kontrollfunktion der Massenmedien unverzichtbar. Ihr besonderer Wert besteht nicht nur darin, dass der von politischen Entscheidungen betroffene Bürger in die Lage versetzt wird, sich über Ereignisse, Vorgänge oder Zustände ein umfassendes, kritisches Bild zu verschaffen.[12] Der Rezipient kann insbesondere mithilfe meinungsbildender Beiträge, bereits vorhandene persönliche Wert- und Moralvorstellungen, Meinungen und Verhaltensweisen überprüfen und dadurch für Themen wie den Umgang mit Tieren erst Sensibilität und Bewusstsein entwickeln.

3. Darstellung von Tieren in den Medien

3.1. Inhalte und Themenwahl

Audiovisuelle Medien wirken lernintensiver als Printmedien.[13] Dabei wird allgemeines Wissen über Tiere verstärkt aus Sendungen gezogen, die vorwiegend unterhalten sollen, die Tiere verniedlichen und diese auf oftmals karikierte Comic-Charaktere reduzieren.[14] So etwa der Einsatz von Tieren als Blickfang für Werbezwecke.[15]

Eine andere Art der medialen Berichterstattung ist diese über Versuchs- und Nutztiere. Sie kann in zwei Kategorien unterteilt werden. Zum einen in erkenntniszentrierte Ausführungen und zum anderen in tierzentrierte Beiträge.[16] Die erkenntnisorientierten Abhandlungen konzentrieren sich auf die im Rahmen der Forschung an Tieren gewonnenen Ergebnisse.[17] In der tierzentrierten Kategorie sind hingegen die Tiere Fokus der Konzeption des Beitrags, wie etwa der Tierversuch per se, Haltungs- und Transportbedingungen von Nutzvieh oder Einblicke in Schlachthofpraktiken.[18]

3.2. Motive

Themen müssen medienwirksam sein, das heißt stichhaltige Argumente liefern und vor allem visuell, mit Bildern, beeindrucken, dabei will das Publikum vielfach Sensationen und emotional berührt und unterhalten werden.[19] Diese Aspekte lassen sich quotenmaximierend insbesondere in der Skandalberichterstattung etwa über Versuchs- oder Nutztiere bündeln. Dabei haben Sachverhalte, die uns emotional ansprechen und unser moralisches Empfinden verletzen oder zumindest berühren eine besonders gute Chance nicht nur konsumiert (im Sinne von gesehen, gehört, gelesen), sondern wahrgenommen (im Sinne von realisiert, gemerkt oder gar innerlich diskutiert) zu werden. Aus diesem Grund erfährt der Mediennutzer über Tiere häufig aus so genannten „Extremberichten“, in Form von Aufmerksamkeit heischendem Anprangern etwa der Nutztierhaltung.[20]

Ob Zirkustierhaltung, Pelzhandel oder Tierversuche - ein Thema kann noch so emotional wirkungsvoll sein, um in der Tagespresse aufgenommen zu werden bedarf es eines Aufhängers.[21] Daher sind für den Mediennutzer und somit auch die Medienschaffenden möglichst „lokalisierbare“ Einzelbeispiele attraktiv, die stellvertretend für die Gesamtproblematik stehen und dem Rezipienten damit die Möglichkeit bieten zum gesamten Themenkomplex einen persönlichen Bezug herzustellen.[22] Egal ob Dokumentation oder Zeichentrickbeitrag, die Medienunternehmen (und im Besonderen private Sender) müssen mit ihren Mitteln wirtschaften und richten die Auswahl des Programminhalts folglich nach solchen Themen, die möglichst hohe Quoten beziehungsweise Verkaufszahlen erzielen.[23] Ähnlich gilt dies für Tierschutzorganisationen, die regelmäßig den Inhalt von Beiträgen redaktionell indirekt mitgestalten.[24] NGOs sind von einem kontinuierlichen Spendenaufkommen abhängig, das durch öffentlichkeitswirksame Aktionen und vor allem Medienpräsenz aufrechterhalten wird.

3.3. Folgen

In dem Bestreben der Medienschaffenden, die Bedürfnisse der Mediennutzer zu befriedigen, drohen Botschaften im Mediendschungel von Informations- und Meldungsüberangebot unterzugehen. Dabei haben sachliche und wissenschaftliche Diskussionen des Sachverhalts[25] und der Tierethik nicht selten das Nachsehen gegenüber solchen Beiträgen, die eine emotionale Wirkung ihrer Empfänger hervorrufen.[26]

Für unterhaltende Beiträge sind Fotogeschichten oder beispielsweise Spielfilme zwar ein geeignetes Mittel, um Menschen zu erreichen, die sich bisher nicht mit Tierschutz befasst haben. Die Kehrseite ist jedoch, dass Tiere zum Zweck der Unterhaltung häufig abgerichtet, dressiert und zu Verhaltensweisen veranlasst werden, die ihrer Natur zuwider sind.[27] Begünstigt durch diese Darstellung entsteht häufig ein falsches Verständnis von individuellen Verhaltensweisen, Gewohnheiten oder physischer und emotionaler Bedürfnisse verschiedenster Tierarten.[28]

Besonders negative oder grausame Darstellungen vom Umgang mit Tieren bleiben dem Rezipienten eher in Erinnerung, als die Schilderungen positiver Vorkommnisse.[29] Die Verfasser von „Extremberichterstattung“ gehen daher oftmals über den reinen Informationsgehalt hinaus, um Gegenreaktionen innerhalb einer breiten Bevölkerungsschicht auszulösen.[30] Der hervorgerufene Reflex der Mediennutzer ist gewöhnlich ein eigendynamischen Prozess, der eine Problemdefinition, bestenfalls, aber eher selten eine zielführende Problemdiskussion und -lösung anstößt und entwickelt.[31] Dabei ist problematisch, dass eine penetrante Darstellung von Grausamkeit (etwa Bilder aus Legebatteriebetrieben oder Versuchslaboren) neben der Schockwirkung auch ein ungewolltes Ohnmachtgefühl und Angst vor dem eigenen Schuldeingeständnis hervorrufen und so statt Sensibilität, Verständnis, Interesse und Aktionismus ein Abstumpfen der Mediennutzer bewirken kann.[32] Eine Lösung kann und darf nicht etwa das Vermeiden solcher Abbildungen und entsprechend scharfer Worte sein. Doch ein sachlicher, kritischer, sensibler und differenzierter Umgang ist langfristig für die Aufklärung der Mediennutzer und deren Identifizierung mit dem Thema nützlicher, als kurzfristig durch brisante und skandalöse Bilder und Worte zu schockieren.

3.4. Fazit

So unterschiedlich die Darstellung von Tieren in den Medien auch sein mag, sämtliche Versionen haben das Potential, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben, Tiere in ihrer facettenreichen Teilhabe an unserem Leben vorzustellen mit der Absicht, dass der Mediennutzer sie (besser) kennen lernt und sich daraus eine selbstverständliche, kontinuierliche Aufmerksamkeit und ein Bewusstsein für die Belange der Tiere generiert. Wünschenswert wäre dabei ein gesteigerter Fokus auf das Dilemma zwischen den der Autor an dieser Stelle nicht weiter auf die Missbrauchsproblematik und den unachtsamen Umgang mit dem Thema ein. Dazu s. Kistner, S. 92 ff. gewachsenen und stetig steigenden Ansprüchen der Gesellschaft, an den eigenen Lebensstandart bezüglich beispielsweise der Erforschung von Krankheiten oder der Verfügbarkeit von (tierischen) Nahrungsmitteln, einerseits,[33] und dem verbesserungswürdigen Umgang mit Tieren (im Besonderen Nutz- und Versuchstieren) und der mangelnden Achtung vor diesen, als fühlenden Lebewesen, andererseits. Schließlich kann erst eine breite gesellschaftliche Reflexion und Diskussion der Interessen der Tiere eben diese langfristig etablieren und zu einem fest in Politik, Gesellschaft und Kultur verankerten Thema reifen lassen.

4. Ethik und Moral

In der Umgangsprache werden die Begriffe Ethik und Moral oft synonym verwendet, im wissenschaftlichen Sinn aber unterschieden. Moral meint weitestgehend Sitten und Gebräuche, Verhalten, das empirisch zugänglich, also erforschbar ist. Mit Ethik ist hingegen eine Reflexion dieser Verhaltensweisen gemeint, das heißt, das Kritische Überdenken und Bewerten des Handelns.[34] Als Grundlage der Ethik gilt eine Art Konsens moralischer Wahrheiten, wonach die Wissenschaft der Ethik weitgehend übereinstimmend nach folgendem Basisprinzip handelt: „Was Du nicht willst, was man Dir tu’, das füg auch keinem anderen zu.“[35] Auf dieser Basis hat die Ethik unterschiedliche Ansätze entwickelt, wie sich moralisches Handeln begründen lässt.

4.1. Medienethische Ansätze

4.1.1. Tugendethik

Die klassischen griechischen Tugenden[36] sind Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Die Tugendethik geht davon aus, dass der Mensch sich seiner Handlungen bewusst und in der Lage ist zu hinterfragen, ob sein tatsächliches Handeln mit den genannten Tugenden übereinstimmt. Was tugendhaft ist, das misst sich an den jeweiligen individuellen gesellschaftlich Rahmenbedingungen.[37]

4.1.2. Utilitaristischer und Konsequentialistischer Ansatz

Der Utilitarismus lehrt, dass eine Handlung ethisch nach dem Nützlichkeitsprinzip beurteilt wird, wobei ausschließlich menschliches Wohlergehen Bedeutung hat.[38] [39] Damit ist gemeint, dass der Mensch so handeln soll, dass er sich und tunlichst vielen Mitmenschen größtmögliches Wohlbefinden verschafft. Hinzu kommt das konsequentialistische Kriterium, welches Agitation dann als „richtig“ bewertet, wenn die Folgen des Handelns für den Akteur selber und so viele andere als möglich optimal sind.

[...]


1 § 90a BGB

2 An dieser Stelle verzichtet der Autor darauf näher auf die Differenzierung von Begriffen, wie Nutzer, Publikum, Konsument oder Rezipient einzugehen, da dies den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde. Es sei darauf hingewiesen, dass in den folgenden Ausführungen die Verwendung der genannten Begrifflichkeiten keine tiefere Bedeutung hat, als dass immer der Zuschauer, Zuhörer oder Leser eines entsprechenden Mediums gemeint ist.

3 Eder, S. 4 ff.

4 so auch Mc Combs, S. 1 ff; McLeod/ Becker/ Byrnes, S. 131-166; Vergleicht man thematische Schwerpunkte im Pressespiegel der Massenmedien mit der tatsächlichen Entwicklung der aufgegriffenen Geschehnisse (wie sich diese beispielsweise in Statistiken widerspiegeln) oder die Entwicklung der Einstellung der Bevölkerung zum entsprechenden Ereignis, dann zeigt sich, dass die Massenmedien im Regelfall einen zeitlichen Vorsprung gegenüber der Realität haben. Dieser so genannte Agenda Setting Effekt (vgl. Lippmann) veranschaulicht, wie der Öffentlichkeit Themen von den Massenmedien vorgeben werden.

5 Kirchgässer, S. 59; vgl. auch: Noelle-Neumann; Erikson.

6 vgl. Grammer.

7 so etwa: Reuters oder die dpa.

8 vgl. Altmeppen, S. 98

9 Delhaes, S. 89.

10 Pürer 1996, S. 13.

11 Pürer 1996, S. 13.

12 Pürer 1996, S.13.

13 Lang, S. 31.

14 Lang, S. 31.

15 Schlup, S. 59.

16 Ehmig, S. 43.

17 Auf das Für und Wider von Tierversuchen, auch wenn dies insbesondere für die Tierethik ein wichtiges Thema ist, geht der Autor aufgrund von Platzmangel nicht näher ein.

18 Ehmig, S. 44 ff; Extremberichterstattungen erscheinen in der Regel im allgemeinen politischen oder dem tagesaktuellen Teil der Zeitungen und in politischen Sendungen des Rundfunks, wo sie jeweils ein Massenpublikum erreichen. Thematisch spezialisierte und/ oder tiefergehende Beiträge werden vorwiegend in Wissenschaftsmagazinen beziehungsweise Special Interest Zeitschriften publiziert. Dazu: Ehmig, S. 48.

19 Jantschke, S. 121.

20 So etwa: Peters, Freia: Schlimme Qual der Schweine. Welt am Sonntag vom 28.04.2002; Musik, Alexander: Primat der Forschung. Süddeutsche Zeitung vom 25.04.1998.

21 So etwa: Maute, Katharina: Zirkus in der politischen Manege. Curt vom 04.06.2009.

22 Birr, S. 117.

23 Lang, S. 31.

24 Kistner, 96.

25 so eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach in: Köcher, Renate: Öffentliche Aufregung als Riskio und Chance. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.02.2001.

26 Die Korrelation aus quotenbeflügelnden und emotional aufgeladenen Themen ist aus Sicht von Medienschaffenden, Tierschützern und -rechtlern nicht nur fruchtbar, sondern auch riskant. Aus Platzmangel geht

27 Lang, S. 32.

28 Lang, S. 31.

29 Kepplinger, 1990, S. 28 ff.

30 Kepplinger 2001, in Jung.

31 so etwa: Leserbriefe und freu/ ffp/win: Streit um Schweinehaltung: Tierquälerisch oder artgerecht? Welt am Sonntag vom 05.05.2002 als Reaktion auf Peters, Freia: Schlimme Qual der Schweine. Welt am Sonntag vom 28.04.2002.

32 Geiger, S. 106; Birr, S. 117.

33 so auch: Ehmig, S. 57.

34 Lang, S. 35; Funiok, S. 34-35.

35 Jähne, S. 3.

36 Nach Aristoteles und Platon.

37 so Funiok, S. 39: Dabei wurzelt „richtiges“ Handeln in der „richtigen“ Einstellung und den „richtigen“ Charaktereigenschaften des Einzelnen. Hat der Mensch diese „richtige“ Einstellung verinnerlicht, dann hat er einen „guten Charakter“ und es ist ihm möglich im Entscheidungsfall „angemessen“ und „kompetent“ zu reflektieren, zu urteilen und zu handeln.

38 Funiok, S. 40.

39 Nida-Rümelin, S. 7-20.

Details

Seiten
33
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640936625
ISBN (Buch)
9783640936908
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173477
Institution / Hochschule
Macromedia Fachhochschule der Medien München
Note
1,0
Schlagworte
Tiere Tierethik Ethik Medien Verantwortung Moral Mediennutzung Gesinnungsethik Verantwortungsethik Kontraktualismus Vertragstheorie Utilitarismus Konsequentialismus Tugendethik Pflichtethik Deontologie Tierrechte TierSchG Tierdarstellung CSR CR Mediennutzer Bedürfnisethik Verlagshäuser Deutsche Presserat

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