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Brünhild: teuflisches Kraftweib oder höfische Dame?

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die wunderschöne und kriegerische Königin von Island

3. Erster und Zweiter Betrug an Brünhild

4. Die Gemahlin Gunthers

5. Der Königinnen - Streit

6. Ergebnis

7. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im mittelhochdeutschen Heldenepos „Das Nibelungenlied“ wird in der 6. Aventiure eine „eine Frau von zauberischen, riesenhaften Kräften, die nur durchübermenschliche Taten bezwungen werden kann“ 1 vorgestellt. Die Rede ist von Brünhild, die Königin eines außerhalb der höfischen Gesellschaft liegenden Reiches. Brünhilds Figur ist von besonderer Qualität, weil es einerseits teuflisch und kriegerisch und andererseits wunderschön und höfisch ist. Sie stellt eine besondere Figur dar, weil sie nicht dem mittelalterlichen Frauenbild entspricht. Brünhild steht an der Spitze eines Reiches und spricht Recht, etwas was nicht einer Frau zustand. Sie hat keine männliche Vormundschaft und ist Alleinherrscherin. Diese Rolle wandelt sich, als sich der Burgunder König Gunther mit dem Helden Siegfried aufmacht um die Isensteiner Königin zur Frau zu machen. Kann sich eine mythisch-starke Frau den gesellschaftlichen und höfischen Regeln unterordnen oder bleibt sie ihrer Herkunft treu? Dieser Frage wird jetzt nachgegangen, angefangen mit den Wettkämpfen auf Isenstein, dem daraus folgenden Betrug und der Geschehnisse am Wormser Hof.

2 Die wunderschöne und kriegerische Königin von Island

„Ez was ein küneginne gesezzenüber sê,
ir gelîche enheine man wesse ninder mê.

Diu was unmâzen scoene, vil michel was ir kraft.

Sie scôz mit snellen degenen umbe minne den scaft.“ 2

Brünhild, die Königin von Island, ist eine unermesslich schöne und extrem starke Frau. Ihr Name setzt sich aus dem althochdeutschen brunna (Rüstung / Panzer) und hiltia ((Kampf) zusammen.3 So wird sie bereits in der Völsungsaga als: „rüstungsgepanzerte Frau“4 genannt. Ihre unglaubliche Kraft kommt durch ihre Jungfräulichkeit. „ hei waz ir von der minne ir grôzen krèftègesweich!“ 5 Dies unterscheidet Brünhild gewaltig von allen anderen Frauen, die in den Nibelungen vorgestellt werden. Denn im Gegensatz zu den Burgunden, regiert auf Island eine Frau, die wiederum nicht nur schön ist sondern auch ungeheure Kräfte besitzt. Dadurch ist Brünhild dem männlichen Adel ebenbürtig. Weshalb sie dem höfischen Adel, denen es vorgetragen wurde, eher fremd vorgekommen sein muss.

Sportliche Wettkämpfe gegen männliche Gegner um den passenden Gemahlen zu finden sind keine Seltenheit am Hof im Mittelalter. Bemerkenswert ist, dass die Wettkämpfe auf Isenstein nicht Mann gegen Mann, sondern Mann gegen Frau durchgeführt werden. „ swer ir minne gerte, der muoseâne wanc driu spil an gewinnen der frouwen wol geborn. gebrast im an dem einen, er hete daz houbet sîn verlorn.“ 6 Brünhild, die die Stärke von rund 12 Männern besitzt, hat zur Bedingung für den Gewinn ihrer Liebe und Heirat einen siegreichen Kampf vorausgesetzt, andernfalls wird der Verlierer samt seinem Gefolge getötet werden. Dieser Wettkampf hilft Brünhild ihre Position zu sichern, da Sie so weiterhin ihr Land regieren kann. Brünhild geht mit äußerster Gewalt vor, da Sie nicht ihre Stellung oder ihr Land verlieren will. Diese Art der Brautwerbung liegt ebenfalls weit außerhalb des Verständnishorizonts des Adels, „ frouwe, lât uns sehen iuwer spil diu starken, é daz iu müeste jehen“ 7, da die Attribute eines Helden oder Königs nicht auf die einer höfischen Dame bzw. Königin zutreffen. Macht, Gewalt, Stärke wurden ebenso wie Schönheit und Anmut bei ihrer Beschreibung verwendet. Sie gleicht mehr einer kühnen Amazone, nicht dem Ideal einer höfischen Dame.8 Das Erscheinungsbild Brünhilds wird zu Beginn ihres Auftritts im Nibelungenlied dem Leser aus der Sichtweise der burgundischen Helden vermittelt, weshalb ihre Darstellung unheimlich und fremd erscheint. „jâsolde si in der helle sîn des Übeln tiuvels brût“ 9 Zwar erfüllt Brünhild das Schöne und das Höfische einer Dame, jedoch wird dieses Bild durch ihre unglaubliche Kraft und ihre a-höfischen Werbungsspielregeln verzerrt. Sie ist im Nibelungenlied das weibliche Gegenstück zum Helden Siegfried. Generell sind Frauen im Mittelalter zur Passivität verdammt, denn Frauen dürfen Êre, Tugent, und Guot nicht erkämpfen, sondern wahren und behüten.10 Diese Erwartungshaltung widerspricht jedoch komplett dem Bild der Königin von Isenstein. Dennoch will sich der Burgunder König Gunther nicht von der Königin aus der helle abbringen lassen und reist mit Siegfried und Hagen nach Island. Die Minne die nun durch Brünhild in Gunther geweckt wurde, treibt ihn in sein eigenes Verderben. „wære im Sîfrît

niht ze helfe komen sôhete si dem künege s ì nen lîp benomen“ 11 Hier wird der teuflische Bann Brünhilds deutlich, da die unermessliche Schönheit Brünhilds Gunther sogar das Leben kosten kann .Siegfrieds Rat davon abzulassen, will Gunther nicht befolgen. „jâhât diu küneginne sôvreislîche sît, swer umbe ir minne wirbet, daz ez im hôhe stât. Des muget ir der reise haben wærlîchen rât“ 12

Doch die Liebesbesessenheit des Königs verleitet ihn dazu einen Pakt mit Siegfried zu schließen um die Königin an den Wormser Hof zu bringen.13 Dieser Pakt beinhaltet für Gunther den Sieg in Isenstein und für Siegfried die schöne Kriemhild zur Frau, wenn Siegfried es schafft Gunther bei den Wettkämpfen mit seiner Kraft zu helfen. „ Des antwurte Sîfrit, ...gîstu mir dîne swester, sôwil ich ez tuon“ . 14 Hierdurch verliert auch Gunther seine höfische Gesinnung und missachtet die Regeln für die Brautwerbung. Ein Grund für diesen Regelbruch könnte an der Ferne Islands liegen. Da Island außerhalb des Burgunder Hofes liegt, die Fahrt mehrere Tage beansprucht und von einer Frau regiert wird, fallen die höfischen Sitten unter den Tisch. Dieser Ort liegt außerhalb der höfischen Sitten und Bräuche. Doch wird dieser Packt vom Erzähler mit einer negativen Vorausdeutung vermerkt. „ des muosen die vil küenen sît in grôzen sorgen sîn“ 15 Siegfried geht den Pakt mit Gunther ein um Kriemhild zur Frau zu bekommen, weshalb er weder tugendhaft noch höfisch handelt. Er gibt sich als Gunthers Vasall aus, um so die Bezwingung der starken Jungfrau zu erreichen und um Gunther, als den ihr angemessensten Ehemann erscheinen zu lassen.16 Zudem versuchen die Helden durch ihre Kleidung den Betrug zu unterstützen, indem sie nur die beste und prachtvollste Kleidung tragen. Denn auch durch das äußere Erscheinungsbild wird der höfische Glanz wieder gespiegelt. Es unterstützt die Farce des Vasallitätsverhältnisses zwischen Gunther und Siegfried. Denn Gunther musste als bester und geeignetster Freier hervorstechen. Als Gunther Brünhild das erste Mal am Fenster der Burg erblickt, beschreibt er eine wunderschöne Frau in einem weißen Kleid, welches ihre Jungfräulichkeit wiederspiegelt und indirekt auch für ihre unermessliche Kraft steht. Bei diesem Anblick würde niemand an eine kriegerische und teuflische Braut mit unglaublichen Kräften denken, genau so wenig Gunther, der sich direkt in die Königin verguckt hat. Seit der Einführung der Brünhild- Figur werden zwei Typen beschrieben, die in einer Person vereint sind. Eine höfische, wunderschöne und edle Königin, die einen großen prächtigen Empfang gibt für ihre Gäste und zum anderen eine kriegerische Königin, die ihre Kräfte nutzt um jeden zu vernichten, der versucht ihre Liebe zu gewinnen. Diese „dunkle Seite“ von ihr wird außerdem durch die a-höfischen Spielregeln verstärkt. Doch gilt dieser Bruch um das ganze Königreich zu schützen, denn Brünhild wird alles ihrem Gatten vermachen müssen, sobald sie einmal besiegt wird.

[...]


1 http://www.brockhaus-enzyklopaedie.de/be21_article.php?document_id=b24_15054508

2 Brackert, Helmut, Das Nibelungenlied. Str. 326 - 4.

3 http://www.brockhaus-enzyklopaedie.de/be21_article.php?document_id=b24_15054508

4 Schulze, Ursula, Das Nibelungenlied. Brünhild - eine amazonenhafte Königin im Norden, S.184

5 Brackert, Helmut, Das Nibelungenlied, Str. 681 - 4.

6 Brackert, Helmut, Das Nibelungenlied, 6. Aventiure 327 2-4

7 Brackert, Helmut, Das Nibelungenlied, 7. Aventiure 424 1-2

8 Schulze, Ursula: Brünhild - eine domestizierte Amazone. Seite 122.

9 Brackert, Helmut, Das Nibelungenlied, 7. Aventiure 450 4

10 Bumke, Joachim, Höfische Kultur.

11 Helmut, Brackert, Das Nibelungenlied, 7. Aventiure 452 1-2

12 Brackert, Helmut, Das Nibelungenlied. 6.Aventiure 330.

13 Jönsson, Maren, Genderentwürfe und genderrelatierte Erzählstrategien im Nibelungenlied. Vorfeld und Introduktion, 279-282.

14 Brackert, Helmut, Das Nibelungenlied, 6. Aventiure 333 2-4

15 Brackert, Helmut, Das Nibelungenlied. 6. Aventiure 335-4

16 Jönsson, Maren, Genderentwürfe und genderrelatierte Erzählstrategien im Nibelungenlied. Vorfeld und Introduktion, 279-282

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640936649
ISBN (Buch)
9783640936939
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173485
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,3
Schlagworte
brünhild kraftweib dame

Autor

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