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Die Linke. Sozialistischer Deutscher Studentenbund

Neuauflage des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes?

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der SDS

3. Die Linke.SDS

4. Der SDS und Die Linke.SDS im Vergleich

5. Schlussbetrachtung

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

02. Juni 1967, 22°C Höchsttemperatur in Mitten eines Hochdruckgebietes.1 Schönes, fast wolkenloses, warmes Wetter über Berlin. Laut den Meteorologen verspricht dieser Tag eine Reihe von herrlichen bis zu 25°C warmen Sommertagen einzuleiten. Besonderes ist nicht der erwartete Höchstwert, der im Vergleich zu den Folgemonaten Juli und August nicht unbedingt herausragend zu sein scheint. Vielmehr ist es das Ereignis des Tages, Ädenn der Schah von Persien ist mit Gattin seit Ende Mai auf Staatsbesuch in Deutschland; knapp 24 Stunden verbringen Mohammed Reza und Farah Diba in West-Berlin“2. Gegen diesen Besuch demonstrierte eine Vielzahl von Studenten in der Bismarckstraße 35 in Berlin, dem Platz, an dem die Deutsche Oper steht.3 Nichts Außergewöhnliches für die sogenannte 68er Bewegung wird sich an dieser Stelle der ein oder andere denken. Dieser Tag sollte jedoch der Wendepunkt in der studentischen Protestbewegung sein und Äeine nicht gekannte Eskalation von Gewalt und Gegengewalt zwischen Staatsapparat und Studentenschaft“4 auslösen. Neben den vor Ort demonstrierenden Studenten befanden sich auch über 5000 Polizeibeamte.5 Der Polizeiobermeister Karl-Heinz Kurras und der Student Benno Ohnesorg sollten die Hauptdarsteller in diesem Gemenge werden. ÄUm 20.30 Uhr fällt der Schuss, der Deutschland verändert“6. Der 26-jährige Benno Ohnesorg, Student der Freien Universität Berlin, wird Ävom Polizeiobermeister Karl-Heinz Kurras durch einen Schuß in den Hinterkopf getötet“7. Doch was hat dies nun mit der Thematik dieser Hausarbeit zu tun. Darauf will ich versuchen auf den folgenden Seiten eine Antwort zu geben. Auslöser für diese Demonstrationen war der Studentische Deutsche Studentenbund (SDS), der mit Flugblättern Äzu Demonstrationen um 12 Uhr vor dem Rathaus Schöneberg und um 19.30 Uhr vor der Deutschen Oper Berlin“8 aufrief. Die um 19.30 Uhr angesetzte Demonstration erreichte 20.30 Uhr ihren Höhepunkt. Es sollte nicht nur der Höhepunkt der Demonstration werden, sondern auch der Gipfel der Studentenbewegung sein. Lönnendonker/Rabehl/Staadt (2002) fassten Augenzeugenberichte und Bandaufzeichnungen zusammen und stellten die Lage wie folgt dar: ÄIn dieser Situation gab gegen 20.30 Uhr der Polizeiobermeister Karl- Heinz Kurras im Abstand von 22 Sekunden (Bandaufzeichnung) zwei Schüsse aus einer Dienstpistole ab. Ein Schuß traf [...] Benno Ohnesorg, der gerade von einer Gruppe von Polizisten mißhandelt wurde (Zeugenaussage), in den Hinterkopf“9. Aus diesem Umstand heraus kam es zu mehreren Unruhen seitens der Studenten, welche aus der Menge heraus Rudi Dutschke, bekanntester Wortführer der Westdeutschen und West-Berliner Studenten- bewegung der 1960er Jahre, als ihren Vertreter bestimmten. Dieser übernahm im späteren Verlauf die Position des ersten Bundesvorsitzenden des SDS, der damit an dem politischen bundesweiten Machtkampf teilgenommen hat. Der SDS war ein politischer Studentenverband und spielte eine entscheidende Rolle in der Studentenbewegung der 1960er Jahre. Der SDS zeichnete sich dadurch aus, dass er sich als Kern einer sozialen Bewegung betrachtete, der auf Aufklärung und Mobilisierung durch Aktion ausgerichtet war.10 Auch heutzutage gibt es Aktionen und Organisationen, die durch Studierende hervorgerufen werden und somit als Studentenbewegungen angesehen werden können. Dabei soll die im Jahre 2007 gegründete ‚Die Linke.Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband‘ (Die Linke.SDS) genannt werden. Die Linke.SDS bezeichnet sich als eine politische, studentische Organisation, die ihr Programm an sozialistischen und linksorientierten Zielen ausrichtet.11 Sowohl der damalige SDS als auch Die Linke.SDS verbindet somit die revolutionäre Ansicht zum Kapitalismus. Daher wäre es naheliegend, der Frage nachzugehen, ob und inwieweit Die Linke.SDS als Nachfolger des SDS betrachtet werden kann oder ob die heutige studentische Bewegung lediglich den Namen ‚SDS‘ übernommen hat, um so gegebenenfalls Aufmerksamkeit zu erzielen und Kritiker zu beeindrucken. Aus diesem Grund soll in dieser Hausarbeit zum einen der SDS vorgestellt werden. Dazu werden zunächst die Ansichten des SDS dargestellt. Wichtige Aspekte wie beispielsweise das Programm, die Anhänger und die Leitziele treten dabei in den Fokus der Betrachtung; von einer parteiähnlichen Struktur kann an dieser Stelle nicht die Rede sein. Anschließend erfolgt eine Darstellung von Die Linke.SDS. Dabei sollen die Organisationsgeschichte, die Leitziele und das aktuelle Parteiprogramm dargestellt werden. Darauf aufbauend sollen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von dem SDS und Die Linke.SDS herausgearbeitet werden, um der Leitfrage nachzugehen, ob Die Linke.SDS lediglich als Nachfolger des SDS angesehen werden kann. Beenden möchte ich diese Arbeit mit einer Schlussbetrachtung im Rahmen der zu beantwortenden Fragestellung.

2. Der SDS

Der SDS fand seine Entstehung auf der Gründerkonferenz vom 02. bis 06. September 1946 in Hamburg. Der erste Vorsitzende für die britische Zone war Heinz-Joachim Heydorn und für die amerikanische Zone Alfred Hooge.12 84 überwiegend männliche Kriegsveteranen, unter ihnen nur 15 Frauen, gründeten Äim abgeschabten Offiziersledermantel den SPD nahen Sozialistischen Deutschen Studentenbund“13. Helmut Schmidt, Mitglied der Sozialistischen Partei Deutschland (SPD) und späterer Bundeskanzler, wurde am 18. August 1947 in Bielefeld zum SDS-Vorsitzenden für die britische Besatzungszone mit einer eindeutigen Mehrheit von 42 zu acht Stimmen gewählt.14 Meiner Meinung nach war die politische Vorgehensweise des SDS einfach wie auch genial. Es wurde genutzt, was dem Gedankengut der Zielgruppe am ähnlichsten sah und extremisierte somit ihre Denkweise. ÄEr [SDS] hat es mit großem Geschick verstanden, zunächst Unzufriedenheiten und Gefühle des Unbehagens in der studentischen Jugend politisch im Sinne seiner Ziele zu beeinflussen und für die Unterstützung entsprechender Einzelaktionen zu mobilisieren“15. Zwischen dem SDS und der SPD kam es jedoch durch zunehmende Spaltung der politischen Ziele im Jahre 1960 zu Existenzdiskussionen. Der neugegründete Sozialdemokratische Hochschulbund (SHB) erhob auf einer Pressekonferenz am 09. Mai 1960 schwere Vorwürfe gegen den SDS. Anhänger wie Jürgen Maruhn und Werner Hasselbring warfen dem SDS vor, finanzielle Unterstützung aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zu erhalten und zugleich kommunistische Gesinnung zu publizieren.16 Diese Vorwürfe wurden unter anderem von der SPD aufgegriffen. Diese versuchte sich von dem SDS abzuwenden. ÄIn einem Interview mit den Marburger Blättern erklärte Herbert Wehner [...] der SDS habe einen Kurs eingeschlagen, der nicht anders als ferngesteuert sein könne“17. ÄWir haben soviel erlebt, daß wir nicht mehr sagen konnten, das wären anständige Leute!“18. Anschließende Bemühungen um Revidierung der in der SPD vorherrschenden Meinung sollten scheitern. Am 13. Mai 1960, vier Tage nach der Pressekonferenz in Bonn, lud der Berliner SDS-Vorstand SPD- Mitglieder ein, um über die Vorwürfe zu diskutieren und zu erörtern, welche Haltung der SDS in dieser Situation einnehmen sollte. Diese Konferenz fand jedoch nicht statt.19 Bereits fünf Tage später bat der SDS Landesvorstand Berlin den SPD-Vorsitzenden Willy Brandt, späterer Bundeskanzler von 1969 bis 1974, um ein Gespräch. ÄDas Schreiben bleibt unbeantwortet“20. Bereits am 25. Mai 1960 teilte Waldemar von Knoeringen, welcher stellvertretender Parteivorsitzender war und gleichzeitig als Kontaktperson zu dem SDS fungierte, dem damaligen SDS-Vorsitzenden Günter Kallauch mit, dass in dem vorhergehenden Beschluss über den Zusammenschluss von SPD und SHB der SDS nicht mehr erwähnt wurde.21 Neben dem Ausschluss aus dem Parteiprogramm stellte die SPD Förderungen aller Art gegenüber dem SDS ein und diffamierte damit deren frühere parteiliche Verbundenheit. Beispielhaft dafür stand die Rede von Harry Liehr vom 01. Juni 1960 auf der Vollversammlung des SDS-Landesverbands. ÄUnter dem Gelächter der Anwesenden sagte er, der SDS werde zukünftig die Rolle eines unehelichen Kindes spielen, dessen Vaterschaft bestritten und die Zahlung von Alimenten verweigert werde“22. Weitere Versuche die Entschlossenheit der SPD zu egalisieren schlugen fehl. Nach dieser ‚Niederlage‘ veränderte der SDS sein Parteibild und formulierte neue Ziele und Strukturen, die bis zur Auflösung am 21. März 1970 beständig waren. Neben der Durchsetzung einer radikalen Opposition gegen die Sozialdemokratie wich der Wille nach Wiedervereinigung mit der SPD einer Äunversöhnlich aggressiven, sendungsbewußten und elitären Haltung“23. Darüber hinaus beanspruchte der SDS das Recht einer nichtlegitimierten Opposition ohne Verantwortung. Die Mitgliederzahlen verdoppelten sich innerhalb der Jahre 1966 bis 1968 von 1200 auf 2500 Mitglieder. Damit war der SDS die am stärksten frequentierte Studentenverbindung seiner Zeit und demnach an fast allen Universitäten der Bundesrepublik präsent.24

Politische Gruppierung und Ziele

An dieser Stelle alle politischen und ideologischen Ziele zu nennen, würde den vorgegebenen Rahmen sprengen, daher möchte ich nur auf wichtige und klar erkennbare Ziele eingehen. Innerhalb des SDS kann nicht von einem einheitlichen Bild gesprochen werden. Dies hatte zur Folge, dass innerhalb dieser antiparlamentarischen Bewegung unterschiedliche Ziele und Motivationshintergründe vorhanden waren. Ihre wichtigsten Unterscheidungsmerkmale waren die Konzeption ihrer geforderten Gesellschaft und die strategisch-taktischen Herangehensweisen. Der SDS gliederte sich hauptsächlich in zwei Gruppierungen. Zu ihnen gehörten die Antiautoritären und die Traditionalisten.25 Zunächst möchte ich auf die antiautoritäre Ideologie eingehen. Sie war zugleich die vorherrschende politische Richtung innerhalb des SDS. Klar formulierte Ziele, wie wir sie heute in Form eines Parteiprogramms kennen, hatte der SDS nicht, vielmehr war es ein Sammelsurium von Wünschen und Vorstellungen. Anhänger forderten die Abschaffung des wirtschaftlichen Systems, welches sie als spätkapitalistisch bezeichneten. Definiert wurde dieser Spätkapitalismus als Wirtschaftsordnung mit Ärepressivem Zwangscharakter“26. Ziel dieser Richtung war es, das bestehende Gesellschafts- und Wirtschaftssystem zu verändern. Gelingen sollte dies, indem der Mensch dazu befähigt wird, nicht geistig, sondern politisch seine eigenen Ziele zu formulieren und diese nach Bedürfnis zu erfüllen. Sowohl Oelinger (1969) als auch das Bundesministerium des Inneren (BMI) (1969) haben sich mit dieser Thematik auseinander- gesetzt und festgestellt, dass nach dem SDS, die menschlichen Bedürfnisse wie Frieden, Freiheit und Glück dem Leistungsprinzip entgegengesetzt werden sollten, damit die Selbstbestimmung maßgeblich vorangetrieben wird.27 Einen kurzen Überblick über alle Ziele bietet das BMI mit seiner Veröffentlichung zu dem Thema ‚Die Studentenunruhen‘ von 1969. Übergeordnet geht es demnach um die:

- ÄAbschaffung der Mechanismen, die die alten Bedürfnisse reproduzieren,
- Erziehung eines ‚neuen Menschen‘ mit revolutionärer Bedürfnisstruktur,
- Orientierung der kollektiven Bedürfnisse nicht nur an Konsumgütern, sondern auch an Dienstleistungen und sozialen Einrichtungen, an Selbständigkeit und freier Zeit“28.

Wie bereits erwähnt, gab es neben der antiinstitutionellen und anarchistischen politischen Richtung eine zweite Gesinnungsstruktur innerhalb des SDS, denn lediglich die gemeinsame Ablehnung der gesellschaftlichen und staatlichen Verhältnisse stärkte den Zusammenhalt seiner Anhänger.29 Dies war die traditionalistisch-marxistische Orientierung. Auch hier waren verschiedene Ziele erkennbar, die jedoch von denen der Antiautoritären abwichen.

[...]


1 vgl. Wetterzentrale 2011

2 Kellerhoff 2008

3 vgl. Lönnendonker/Rabehl/Staadt 2002, S. 331

4 ebd., S. 331

5 vgl. ebd., S. 333

6 Kellerhoff 2008

7 Lönnendonker/Rabehl/Staadt 2002, S. 331

8 ebd., S. 334

9 ebd., S. 335; vgl. auch Fichter/Lönnendonker 2007, S. 159

10 vgl. Gilcher-Holtey 2005, S. 24

11 vgl. Die Linke.SDS 2011a

12 vgl. Fichter/Lönnendonker 2007, S. 241

13 ebd., S. 13

14 vgl. ebd. S. 13

15 Bundesministerium des Inneren 1969, S. 15

16 vgl. Lönnendonker/Rabehl/Staadt 2002, S. 2

17 ebd., S. 4

18 zitiert nach Lönnendonker/Rabehl/Staadt 2002, S. 4

19 vgl. Lönnendonker/Rabehl/Staadt 2002, S. 2

20 ebd., S. 2

21 vgl. ebd., S. 4

22 ebd., S. 4

23 Bundesministerium des Inneren 1969, S. 16

24 vgl. ebd., S. 16

25 vgl. ebd., S. 17; vgl. auch Oelinger 1969, S. 21

26 Bundesministerium des Inneren 1969, S. 18

27 vgl. Bundesministerium des Inneren 1969, S. 19; vgl. auch Oelinger 1969, S. 23

28 Bundesministerium des Inneren 1969, S. 19

29 vgl. Oelinger 1969, S. 21

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640936304
ISBN (Buch)
9783640936236
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173508
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,3
Schlagworte
linke sozialistischer deutscher studentenbund neuauflage sozialistischen deutschen studentenbundes

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