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"May the road rise up to meet you" - Tod und Bestattung in Irland

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

1. Übergangsrituale nach Van Gennep

Die Zeremonien, die bei einer Bestattung durchgeführt werden, lassen sich in der Regel in drei Gruppen einteilen. Die erste Form, die Trennungsriten, sind laut Studien eher einfach und kurz in der Dauer, während die zweite Form, die Übergangsriten, von längerer Dauer sein können, teilweise so sehr, dass man ihnen eine eigene Autonomie zugestehen muss. Die dritte Form, die Eingliederungsriten, bildet die wichtigste Gruppe aus den Dreien. Sie sollen den Verstorbenen in die Welt der Toten eingliedern, was häufig mit sehr fein ausgearbeiteten Zeremonien geschieht. Begräbnisriten sind dann noch zusätzlich komplizierter, wenn innerhalb der betroffenen Gemeinschaft mehrere unterschiedliche, auch gegensätzliche Vorstellungen über das Leben nach dem Tod herrschen. Die Vermischung dieser Vorstellungen spiegelt sich dann auch im Ritual wieder. Dazu kommt noch, dass der Mensch in vielen Kulturen als Zusammenspiel verschiedener Elemente gesehen wird, Geist, Seele, Körper, Lebenskraft, etc. bilden eine Einheit und haben auch nach dem Tod andere Schicksale. Sowie manche dieser Elemente sofort sterben und nicht mehr sind, leben andere nach dem Tod noch eine Zeit lang weiter, andere leben ewig weiter. All diese unterschiedlichen Vorstellungen müssen berücksichtigt werden, von den Durchführenden genauso wie von den Kulturwissenschaftlern, die dieses Thema erforschen.

Trauern ist eine Übergangsphase der Hinterbliebenen. Durch diese Phase treten sie durch Trennungsrituale, während sie durch Eingliederungsrituale wieder daraus hervortreten und in die Gesellschaft zurückkehren. Es gibt Fälle, in denen die Übergangsphase der Hinterbliebenen mit der Übergangsphase des Verstorbenen zusammenfällt, sie bildet das Gegenstück. So kann es auch sein, dass das Ende des Einen mit dem des Anderen zusammenfällt.

Während der Trauerphase bilden die Hinterbliebenen eine Gemeinschaft, die sich zwischen der Welt der Toten und der der Lebenden befindet. Die Verweildauer in dieser Gemeinschaft ist für die Mitglieder unterschiedlich, sie hängt davon ab, wie nahe diese dem Verstorbenen standen. Traueransprüche basieren zum großen Teil auf Verwandtschaftsgraden und sind von der Gemeinschaft und deren Kultur abhängig, sowie ihrem System, diese Verwandtschaft zu bemessen (patrilineal, matrilineal, bilateral, etc.)

Die Rituale, die diesen Zustand wieder aufheben, zum Beispiel durch Kleiderordnung und Trauerverbot, sollten als Eingliederungsriten aufgefasst werden, die die Hinterbliebenen wieder in die Gesellschaft zurückführen.

Während des Trauerns ist das soziale Leben für alle aufgehoben, die davon betroffen sind. Der Zeitraum dieser Periode hängt von Beziehung zu und Status des Verstorbenen ab. Handelt es sich um einen Anführer, ist die gesamte Gemeinschaft betroffen.

Die Übergangsperiode in Bestattungsriten wird zunächst physisch markiert, durch die Präsenz bzw. die Abwesenheit des Leichnams oder Sarges im Zimmer des Verstorbenen, beispielsweise bei einer Wache, oder sonstwo.

Es gibt verschiedene Prozeduren, mit deren Hilfe der Verstorbene anschließend nach Draußen befördert wird, diese können durchaus als Trennungsrituale bezeichnet werden. Dazu können gehören das Verbrennen von Gegenständen, die dem Toten gehört haben oder die man mit ihm verbindet, das Mitbestatten seiner Frau, Sklaven, Lieblingshaustiere, Waschungen oder generelle Reinigungsrituale, Tabus aller Arten. Hinzu kommen physische Prozedere der Trennung: ein Grab, ein Sarg, ein Friedhof, usw.

Das Schließen des Sarges oder Grabes gilt häufig als besonders feierlicher Abschluss der ganzen Zeremonie.

Zu den Eingliederungsriten zählen die Mahlzeiten, die nach der Beerdigung oder Gedächtnisfeier eingenommen werden. Ihr Zweck ist die Hinterbliebenen wieder miteinander zu verbinden, manchmal auch mit den Verstorbenen. Vergleichen lässt sich dieser Vorgang mit einer Kette, bei der ein Glied zerstört wurde (bzw. jetzt fehlt) und die nun wieder neu zusammengebracht werden muss.

2. Bedeutung von Traditionen

Viele traditionellen Bilder und Erzählungen, die mit der Identität eines Volkes zu tun haben, greifen auf Motive von Leben, Lebensdauer, Leiden oder Tod zurück. Die neuen dynamischen Ikonen, wie Fußball oder Popmusik, sind eher kosmopolitischer, weltlicher, weniger einheimischer Natur.

In Irland mischen sich diese Traditionen besonders. Volkstümliche, oft Tod-zentrierte Bräuche vermengen sich mit modernen Gewohnheiten. Besonders dem ärmeren Landvolk dienen sie, um zu zeigen, dass sie, trotz ihrer Armut, das Wesentlichste im Leben besitzen: Seele, Vorstellungskraft, Tradition.

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Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640940516
ISBN (Buch)
9783640940325
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173736
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,5

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Titel: "May the road rise up to meet you" - Tod und Bestattung in Irland