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Der Zusammenhang von Geld und Freiheit in Simmels Philosophie des Geldes

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Simmels thematische und methodische Schwerpunkte

3. Die Philosophie des Geldes
3.1 Vom Wert zum Geld
3.2 Die Folgen der Geldwirtschaft
3.3 Das Geld als Voraussetzung individueller Freiheit
3.4 Zwei Formen des Individualismus
3.5 Die Tragik der Kultur

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Folgen dessen, was passiert, wenn Geld vom Mittel zum Selbstzweck wird, zeigten sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend deutlich, sei es in Oliver Stones Kinofilm „Wall Street“ im Jahr 1987 oder zuletzt durch die internationale Finanzkrise. Doch diese scheinbar aktuelle Problematik des Geldes wurde bereits ein Jahrhundert zuvor wissenschaftlich thematisiert. Georg Simmel (1858 - 1918), ein deutscher Philosoph und einer der Begründer der Soziologie, der in Berlin als jüngstes von sieben Geschwistern geboren wurde, widmet eines seiner Hauptwerke einer philosophischen Untersuchung des Geldes. Sein Werk „Philosophie des Geldes“ entstand um 1900 als Studie zur Kultur von Mittel und Zweck. Diese Studie ist in zwei gleichberechtigte und annähernd gleich große Teile gegliedert. Der erste, analytische Teil stellt die logischen und psychologischen gesellschaftlichen Voraussetzungen der Geldwirtschaft dar, während der zweite, synthetische Teil die Auswirkungen des Geldverkehrs auf die Lebensstile der Individuen aufzeigt und damit die ökonomischen Verhältnisse einbezieht, um ein Verständnis der modernen Kultur zu erreichen.

Wenn wohlhabende Menschen nach den Auswirkungen des Reichtums auf sie selbst und ihr Leben gefragt werden, antworten Sie häufig, ein größerer Besitz würde ihre persönliche Freiheit erhöhen. Simmel stellte sich in seiner Philosophie des Geldes vor über einem Jahrhundert die weitaus grundlegendere Frage, ob allein die pure Existenz von Geld Auswirkungen auf die individuelle Freiheit der Individuen habe. Das Ziel der vorliegenden Hausarbeit besteht darin, Simmels Antwort auf diese Frage im Kontext des gesamten Werks herauszuarbeiten.

Beginnend mit einer Skizzierung der Grundzüge von Simmels thematischen und methodischen Schwerpunkten im Allgemeinen und von seiner Philosophie des Geldes im Speziellen, wird darauf aufbauend der von ihm darin dargestellte Zusammenhang zwischen der Existenz des Geldes und der individuellen Freiheit der Individuen erläutert. Zudem wird Simmels Einsicht in die Tragik der Kultur thematisiert, um den Hintergrund für seine Einschätzungen der Folgen der Geldwirtschaft zu bereiten.

2. Simmels thematische und methodische Schwerpunkte

Simmel betrachtete die Soziologie nicht als Wissenschaft mit einem eigenen Forschungsgebiet, sondern als eine Metawissenschaft mit einer eigenen Methodik. Die substantiellen Themen von Simmels Werk stellen Differenzierung, Moderne, Individualisierung und Individualität dar. Dabei benutzt er primär Wechselwirkungen, Formen der Vergesellschaftung und soziologische Aprioris als methodische Instrumente. Gesellschaft definiert Simmel als Gegenbegriff zum Individuum als Summe aller Wechselwirkungen, welche die Gesellschaft erst als solche konstituieren. Wechselwirkungen entstehen aus Trieben oder Zwecken heraus und bewirken eine Korrelation der Zustände mit anderen Menschen, die Menschen üben Wirkungen aufeinander aus. Soziale Wechselwirkung entsteht entsprechend, wenn sich Individuen mit ihren jeweiligen Interessen aufeinander beziehen. Geld ist ein ideales Beispiel für die Wechselwirkungen zwischen Individuen, da es den Tausch symbolisiert.1

Simmel unterscheidet zwischen Form und Inhalt von Vergesellschaftung. Die wechselwirkenden Inhalte werden in Formen zur Einheit geführt, die soziale Beziehungen als solche erfassen. Formen der Vergesellschaftung sind zusammenfassende Abstraktionen einer Vielzahl möglicher denkbarer Inhalte. Vergesellschaftung ist folglich die sich auf verschiedene Arten verwirklichende Form, in der Individuen wegen ihrer Interessen zu einer Einheit zusammenwachsen. Die methodische Trennung von Form und Inhalt soll zur Erzielung einer stabileren, zeitlich überdauernden empirischen Erkenntnis sozialer Regelmäßigkeiten führen.2

Drei Apriori nennt Simmel als Voraussetzung für Vergesellschaftung. Zunächst die Typisierung, durch welche uns andere Menschen nur als Typus, aber nie in ihrer vollen Persönlichkeit erscheinen. Das Hintergrundapriori sorgt dennoch dafür, dass den Menschen bewusst ist, dass andere Menschen auch jenseits ihrer Typisierung weitere Persönlichkeitsmerkmale haben. Zuletzt das Strukturapriori, welches für jedes Individuum eine spezifische soziale Position voraussetzt, in der der besondere Wert dieser Individualität für die Allgemeinheit im Zusammenhang von Vergesellschaftungsprozessen deutlich wird.3

3. Die Philosophie des Geldes

3.1 Vom Wert zum Geld

Simmel unterscheidet zwischen einer Sphäre des Seins und einer Sphäre der Werte. Während die Welt des Seins alle Dinge der Herrschaft der Naturgesetze unterwirft und daher nur quantitative Unterschiede der Dinge zulässt, kommt es in der Welt der Werte zu subjektiven Wertvorstellungen der Menschen durch qualitative Unterschiede der Dinge.4 Simmel betrachtet Wert als gesellschaftliches Verhältnis unter Menschen, die Unterschiedswesen und begehrende Wesen sind. Die begehrten Gegenstände sind durch den Abstand zum Menschen charakterisiert, der diese Begehrung feststellt und zu überwinden versucht. Der Wert ist entsprechend ein Abstandsmaß, das von der Stärke des Begehrens abhängig ist. Je größter das Begehren ist, desto größter ist der Abstand und somit auch der Wert. Beim Genuss des Begehrten verschwindet dieser Abstand und somit auch der Wert des Objekts. Dieser entsteht erst wieder, wenn es vom Subjekt getrennt wird.5

Bei einem Tauschvorgang wird dieser Wert schließlich zu einem gesellschaftlichen Verhältnis. Dinge bestimmen sich ihren Wert gegenseitig und scheinbar unabhängig von individuellen Wertsetzungen, wodurch der Wert einen objektiven Charakter erhält und dementsprechend nicht mehr von subjektiven Zufälligkeiten des Begehrens abhängig ist. Werte sind nicht mehr Begehrtes, sondern Mittel zum Zweck.6 Dies versachlicht die Wertbeziehungen im Tausch, der die reinste und gesteigerteste Wechselwirkung darstellt.7 Der Tausch zwischen Menschen bildet ebenso wie die Produktion, der Tausch mit der Natur, Werte dadurch, dass Güter für andere hingegebene Güter empfangen werden.8 Dabei handelt es sich bei einem Tausch für einen unabhängigen Beobachter grundsätzlich um einen Austausch von Äquivalenten, da die Intensität der Begehrung beider Akteure identisch ist. Damit es aber zu einem Tausch kommt, müssen die Beteiligten ein Motiv haben in Form eines Befriedigungsüberschusses durch das empfangene Gut in Relation zum hingegebenen Gut. Entsprechend unterscheidet Simmel den Gebrauchswert eines Gutes von seinem Tauschwert. Obwohl die ausgetauschten Güter einen identischen Tauschwert haben, haben sie doch einen unterschiedlichen Gebrauchswert für die Beteiligten. Folglich wird die quantitative Äquivalenz, also ein gerechter Preis den Tauschwert betreffend, durch die qualitative Differenz der Tauschgüter nicht in Frage gestellt. Sowohl beim Tausch als auch bei der Produktion ist es lediglich möglich, Werte durch ihre Umlagerung zu erhöhen, nicht aber Werte neu zu erschaffen.9

Geld ist die dingliche Entsprechung der aus diesen Wechselwirkungen hervorgehenden Formen. In ihm hat der Wert der Dinge seinen reinsten Ausdruck gefunden. Geld bildet losgelöst von seinem spezifischen Materialwert einen abstrakten Vermögenswert, der nicht als fertiges Element von außen in das Wirtschaftsleben eingetreten ist, sondern sich aus den bereits zuvor existenten Werten entwickelt hat.10 Dabei ist das Geld der verselbstständigte Ausdruck des Verhältnisses, welches tauschbare Güter bilden. Ihr Preis ist folglich das Maß der Tauschbarkeit zwischen einem Gut und allen anderen Gütern.11 Dem Geld kommt unter den Gütern eine Doppelrolle zu, da ihm zusätzlich zu seinem ökonomischen Gebrauchswert die wirtschaftliche Funktion eines allgemeinen Wertmaßstabes zukommt. Bedingt durch diesen spezifischen Geldwert ist es auf Devisenmärkten möglich, das Geld eines Landes zum Maßstab des Wertes des Geldes eines anderen Landes zu machen.12

[...]


1 Vgl. Abels, H. (2009), S. 99 - 100.

2 Vgl. Mikl-Horke, G. (2001), S. 110.

3 Vgl. Junge, M. (2009), S. 44.

4 Vgl. Simmel, G. (2009), S. 21 - 23.

5 Vgl. ebd., S. 34.

6 Vgl. ebd., S. 55 - 56.

7 Vgl. ebd., S. 63.

8 Vgl. ebd., S. 67 - 68.

9 Vgl. ebd., S. 73.

10 Vgl. ebd., S. 136.

11 Vgl. ebd., S. 137.

12 Vgl. ebd., S. 141.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640940653
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173812
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Schlagworte
zusammenhang geld freiheit simmels philosophie geldes

Autor

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Titel: Der Zusammenhang von Geld und Freiheit in Simmels Philosophie des Geldes