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Die Broaden- und Built-Theorie positiver Emotionen

“Positivity opens us and transforms us for the better“

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 16 Seiten

Psychologie - Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis"

Zusammenfassung

1. Einleitung
1.1 Positive Psychologie
1.2 Positive Emotionen

2. Die Broaden- und Built-Theorie positiver Emotionen
2.1 Hintergrund
2.2 Grundannahmen
2.3 Evidenz
2.3.1 Positive Emotionen erweitern das Gedanken- Handlungsrepertoire
2.3.2 Positive Emotionen lindern Folgeeffekte negativer Emotionen
2.3.3 Positive Emotionen stärken psychologische Resilienz
2.3.4 Positive Emotionen bauen personelle Ressourcen auf
2.3.5 Positive Emotionen fördern psychologisches und physisches Wohlbefinden

3. Ausblick und therapeutische Anbindung

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Die von Fredrickson (2001) entwickelte Broaden- und Built-Theorie positiver Emotionen postuliert, dass positive Emotionen unser Gedanken­Handlungsrepertoire erweitern und das Erleben von Positivität zu einer größeren Handlungsflexibilität führt, die wiederum begünstigt, nachhaltig personelle Ressourcen aufzubauen.

In der vorliegenden Arbeit werden Hintergrund und Kern-Hypothesen der Theorie, sowie die sich daraus ergebenden Annahmen nach einer kurzen Einführung in die Positive Psychologie und das Wesen positiver Emotionen näher beleuchtet und mit dem Versuch der Validierung hinterfragt. Diesbezüglich erfolgt jeweils eine Auswahl und knappe Vorstellung bekannter Studien und replizierter Forschungsergebnisse. Zuletzt sollen anhand dieser Implikationen für die therapeutische Praxis angeführt werden.

Schlüsselwörter: Broaden- und Built-Theorie, Positive Psychologie, Positivität

1. Einleitung

„Wie schön ist es jetzt hier! Alles grünt und blüht. Die Kastanienbäume sind in frischem herrlichen Laubschmuck, die Zierjohannisbeeren haben gelbe Sternchen, die Zierkirsche mit dem rötlichen Laub blüht auch schon und der Faulbaum wird nächstens blühen (...)

Da liege ich still allein, gewickelt in diese vielfachen schwarzen Tücher der Finsternis, Langeweile, Unfreiheit des Winters - und dabei klopft mein Herz von einer unbegreiflichen, unbekannten inneren Freude, wie wenn ich im strahlenden Sonnenschein über eine blühende Wiese gehen würde. Und ich lächle im Dunkeln dem Leben, wie wenn ich irgendein zauberhaftes Geheimnis wüsste, das alles Böse und Traurige Lügen straft und in lauter Helligkeit und Glück wandelt (...)

Man muss es immer mit allem nehmen und alles schön und gut finden. Ich tue es wenigstens so. Nicht durch ausgeklügelte Weisheit, sondern einfach so aus meiner Natur. Ich fühle instinktiv, dass das die einzige richtige Art ist, das Leben zu nehmen und fühle mich deshalb wirklich glücklich in jeder Lage. Ich möchte auch nichts aus meinem Leben missen und nichts anders haben, als es war und ist" (Aus: Luxemburg, R., 2000).

Diese Zeilen schrieb Rosa Luxemburg ¡m Jahre 1917 an ihre Freundin Sonja Liebknecht - aus dem Gefängnis, in dem sie zu diesem Zeitpunkt bereits seit 2 Jahren inhaftiert war. Ferner schrieb sie:

„Vergessen Sie nie, dass das Leben, was auch kommen mag, mit Gemütsruhe und Heiterkeit zu nehmen ist." (Aus: Luxemburg, R., 2000).

Die Briefe bestätigen, dass sich Rosa Luxemburg bei allen Widrigkeiten des Lebens im Gefängnis an diese Maxime zu halten versuchte; sie verstand sich wie vielleicht kaum eine zweite aufdas Produzieren positiver Gefühle.

Im Folgenden soll es darum gehen, die Hintergründe dieser Fähigkeit, wie sie Rosa Luxemburg auf ganz beeindruckende Weise besaß, näher zu beleuchten. Was versteht man unter positiven Gefühlen, unter „Positivity" wie sie von Barbara L. Fredrickson (2009) beschrieben wird, wozu ist sie „gut" und welche (therapeutischen) Implikationen sind mit einem genaueren Verständnis und dem Internalisieren einer positiven Lebenseinstellung verbunden. Diese Fragestellung dient der vorliegenden Arbeit als Basis.

1.1 Positive Psychologie

Positive Psychologie bezeichnet nach Sheldon und King (2001) die wissenschaftliche Untersuchung menschlicher Stärken und Werte und orientiert sich an dem Modell der Salutogenese. Zum zentralen Inhalt macht sich diese Perspektive die Natur der Funktionalität menschliches Verhaltens, sowie die Suche nach Erklärungen für das Phänomen, dass die Mehrheit der Menschen trotz aller Schwierig- und Widrigkeiten ihr Leben lebt, stets mit dem übergeordneten Ziel, das Beste daraus zu machen und sich auf das Positive Denken versteht. Diese positiv Lebens-eingestellten Menschen hadern weniger, fragen statt nach dem Warum, nach dem Wozu. Diese Einstellung resultiert langfristig in einem Gefühl von Kohärenz, das sich nach Antonovsky aus den drei Komponenten Verstehbarkeit (comprehensibility), Handhabbarkeit (manageability) und Sinnhaftigkeit (meaningfulness) zusammen setzt und von Antonovsky (1993) definiert wird als „Eine globale Orientierung, die das Ausmaß ausdrückt, in dem jemand ein durchdringendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass erstens die Anforderungen aus der internalen und externalen Umwelt im Verlauf des Lebens strukturiert, vorhersagbar und erklärbar sind, und dass zweitens die Ressourcen verfügbar sind, die nötig sind, um den Anforderungen gerecht zu werden. Und drittens, dass die Anforderungen Herausforderungen sind, die Investitionen und Engagement verdienen." (http://www.stress-kurs.de/ueber_stress_Kohaerenz.htm) Duckworth, Steen und Seligman (2005) glauben, das gerade die Personen, die eine schwere psychologische Last zu tragen haben, das Leben mehr und auf andere Weise schätzen lernen und es ihnen nicht um Erlösung ihres Leidens und um den Wunsch nach weniger Sorge und Traurigkeit, sondern vielmehr noch um das Streben und die Suche nach mehr Zufriedenheit und Freude geht: „They want to build their strengths, not just correct their weaknesses." (Duckworth, Stehen& Seligman, 2005).

Positive Psychologie ist somit ein Versuch des Annehmens einer anderen Perspektive, charakterisiert durch Offenheit und Wertschätzung, die es dem Betrachter ermöglicht, das Potential, sowie Motive und Ressourcen von Menschen wahrzunehmen (Sheldon & King, 2001). So hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Faktoren zu verstehen und zu stärken, die es einem Individuum, aber auch Gemeinschaften erlauben, zu wachsen.

1.2 Positive Emotionen

Als Indikatoren dieses Wachstums, das im Zusammenhang mit dem Begriff der Positiven Psychologie beschrieben wird, und des optimalen Wohlbefindens dienen positive Emotionen; sie sind Signal und Motor zugleich. Letztere Annahme soll an dieser Stelle besonders betont werden: Positive Emotionen, wie Freude (Joy), Dankbarkeit (Gratitude), Gelassenheit (Serenity), Neugierde (Interest), Hoffnung (Hope), Stolz (Pride), Vergnügen (Amusement), Inspiration (Inspiration), Ehrfurcht (Awe) und Liebe (Love) (Fredrickson, 2009) haben nicht nur eine signalisierende Funktion, sondern sie produzieren optimale Funktionalität und Wohlbefinden, sowohl kurz-, als auch langfristig (Fredrickson, 2004).

Fredrickson (2009) postuliert sechs Fakten einer positiven Lebenseinstellung (positiver Emotionen), die im Folgenden mit dem Terminus „Positivity" umschrieben wird.

Zunächst fühlt sich Positivity, unabhängig ihrer Erscheinungsform, gut an (Fakt 1); ein simples Postulat und vermutlich schnell nachzuempfinden, wenn man eigene Situationen gegenüberstellt, in denen man eher positiv oder eher negativ gestimmt war; mutmaßlich würde die Mehrheit eine positive Einstellung der negativen vorziehen. Weiterhin verändert Positivity nicht nur den Inhalt der Gedanken, sondern auch die geistigen Grenzen und weitet den Blick für Gelegenheiten und Chancen, die das Leben tagtäglich birgt (Fakt 2). In dieser Hinsicht ermöglicht es eine positive Lebenseinstellung, die Möglichkeit, über sich selbst hinauszuwachsen und hat somit eine zukunftsverändernde Kraft in sich (Fakt 3). Ferner „bremst" Positivität die erlebte Negativität (Fakt 4); dies wirkt sich sowohl physisch in (beispielsweise) einem geringeren Blutdruck, als auch psychisch und dadurch langfristig Resilienz-fördernd aus. Fakt 5: Effekte einer positiven Lebenseinstellung folgen keiner linearen Kausalbeziehung, die Zusammenhänge und Wechselwirkungen sind vielfältig und variabel. Abhängig vom individuellen Startpunkt differiert das Resultat: Je offener der Blick für positive Ereignisse, desto größer die Wahrscheinlichkeit der Wahrnehmung solcher. Zuletzt postuliert Fredrickson (2009), dass sich diese Fähigkeit einer positiveren Lebenseinstellung, einer offeneren Wahrnehmung und damit die individuelle Positivity selbst und aktiv steigern lässt (Fakt 6).

2. Die Broaden- und Built-Theorie positiver Emotionen 2.1 Hintergrund

Ähnlich wie die früher dominierende Sichtweise Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit definierte, wurde Positivität als Antonym für Negativität verwendet: Wer weniger Krankheitssymptome zeigt, ist gesünder; analog ist jemand umso positiver eingestellt, je weniger er negativer Stimmung ist. Erwiesen aber ist, dass der Mensch in der Lage ist, positive und negative Gefühle gleichzeitig zu erleben, wie Barabara Fredrickson (2003a) zeigte: Sie befragte nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York im Jahre 2001 Betroffene zu deren Erlebnissen und stellte fest, dass viele der von ihr befragten Personen nach dem Anschlag positive Gefühle wie Dankbarkeit und alte Werte wie menschliche Nähe und Verbundenheit, soziale oder religiöse Werte neu erlebten.

Demzufolge handelt es sich um von einander unabhängige biologsche Systeme; diese Annahme wiederum impliziert, dass wir nicht automatisch positive Gefühle erleben, wenn wir gegen negative intervenieren, sondern letztendlich „nur" weniger negative Gefühle. Im Umkehrschluss führt dies zu der These, dass wir positive Gefühle selbst aktiv erzeugen können (und müssen).

Fredrickson (2004) führt weiterhin aus, dass traditionelle Ansätze der Emotionsforschung positive Gefühle ignorierten -zumindest vernachlässigte- und deren Funktion im Sinne generischer Annäherung- oder Aufrechterhaltuns­Tendenzen beschrieb; jedoch werde dieser Annahme deren wahrer Bedeutung nicht gerecht. Um diese herauszustellen, das Rätsel positiver Emotionen zu lösen und deren einzigartige Effekte zu erfassen und aufzuzeigen, entwickelte Barbara Fredrickson (1998, 2001) ein alternatives Modell und bezeichnete dieses als die Broaden- und Built-Theorie positiver Emotionen.

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Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640940660
ISBN (Buch)
9783640940349
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173815
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – AE Klinische Psychologie und Psychotherapie
Note
97%
Schlagworte
Psychologie Broaden-und Built-Theorie Fredrickson Ressourcenaktivierung positive Emotionen Positivität Positive Psychologie Resilienz

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