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Finanzwirtschaftliche Risiken im Außenhandel sowie Mittel und Methoden zu ihrer Vermeidung und Reduzierung

Seminararbeit 2011 25 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zielsetzung und Ursachen

2. Außenhandelsrisiken
2.1. Tragweite
2.2. Wechselkursrisiko
2.2.1. Abgrenzung des Wechselkursrisikos
2.2.2. Inflationsübertragung
2.2.3. Absicherungsinstrumente
2.3. Zinsrisiko
2.4. Ausfallrisiko
2.5. Liquiditätsrisiko ..
2.6. Politisches Risiko
2.6.1. Transfer- und Konvertierungsrisiko
2.6.2. Fabrikationsrisiko

3. Alternativen des Risikomanagements
3.1. Risikovermeidung
3.2. Risikostreuung
3.3. Risikoabsicherung

4. Informationsgewinnung zur Abschätzung von Risiken

5. Literaturverzeichnis

1. Zielsetzung und Ursachen

Im Verlauf dieser Hausarbeit mit dem Titel „Finanzwirtschaftliche Risiken im Außenhandel sowie Mittel und Methoden zu ihrer Vermeidung und Reduzierung“ soll zunächst geklärt werden, welche Ursachen Außenhandelsrisiken haben. Diese lassen sich grob gliedern in wirtschaftliche oder ökonomische, politische und rechtliche Risiken. Weiterhin werden dabei einige wichtige Risikofaktoren genauer beleuchtet. Aufgrund des Umfangs der Thematik können dabei jedoch nur die wichtigsten Risikoarten, wie z.B. das Wechselkursrisiko, genauer betrachtet werden. Zudem sollte man festhalten, dass der Begriff Risiko auf einer subjektiven Einschätzung beruht und somit auch als Chance für erfolgreichen Außenhandel verstanden werden sollte. Hierfür werden Alternativen aufgezeigt, mit denen Risiken eingeschätzt werden können. Im Anschluss daran wird in dieser Hausarbeit die Thematik der Informationsbeschaffung zur Abschätzung von Risiken behandelt.

Die Gewichtigkeit dieser Thematik liegt darin begründet, dass bei geschäftlichen Außenhandelsbeziehungen, egal welcher Art, eine große Anzahl von Unsicherheiten entsteht. Um diese abzusichern oder zu umgehen, bedarf es eines umfangreichen Wissens über die einzelnen Risikofaktoren. Denn nur dieses gewährleistet eine erfolgreiche Analyse und somit genügend Informationen Risiken abzuschätzen. Die Ursachen für Außenhandelsrisiken bestehen grundsätzlich darin, dass ein längerer Zeitraum, im Gegensatz zu Inlandsgeschäften, zu überbrücken ist. Dazu zählt nicht nur die längere Lieferdauer, also ein längerer Zeitraum bis eine Ware ihr Ziel erreicht und der erwartete Geldbetrag eingegangen ist. Eine größere Fülle an Problemen entsteht während des Zeitraums der Warenlieferung und des entsprechenden gegenläufigen Geldstromes, da diese mindestens zweimal eine Landes-, Währungs- und Rechtsgrenze überschreiten.1 Hinzu kommt das geographische Umfeld. Dabei spielen unbekannte Geschäftsbräuche ebenso eine Rolle wie die andere Sprache und Mentalität, da trotz aller Kommunikationsmöglichkeiten immer noch bestimmte Signale falsch verstanden werden können oder Übersetzungsprobleme und Missverständnisse auftreten, die dann zu Zeitverlängerung führen. Ebenso wichtig sind die unterschiedlichen rechtlichen Verhältnisse zu denen Abweichungen im Wechselrecht, Auslegungsunterschiede von Rechtsnormen, aber auch arbeitsrechtliche Abweichungen zählen. Weiterhin sind die besonderen staatlich auferlegten Hemmnisse zu berücksichtigen, wie z.B. Zölle und Ein- bzw. Ausfuhrabgaben sowie Vorschriften und technische oder qualitätsbezogene Normen, die bei Inlandsgeschäften nicht vorhanden sind. Zudem sollten auch die zivilrechtlichen Besonderheiten der Rechtsbeziehung zwischen den Gebietsansässigen und den Gebietsfremden nicht außer Acht gelassen werden, die darauf beruhen, dass es Unterschiede in der nationalen Rechtsordnung und des Privatrechts gibt. Darüber hinaus ist eine weitere Ursache für Außenhandelsrisiken zu benennen, die in der schwierigen Durchsetzbarkeit von Ansprüchen vor Gericht liegt. Häufig dauern solche Verhandlungen mehrere Jahre wodurch hohe Gerichts- und Anwaltskosten entstehen und eine Entwertung der Forderung durch Inflation entstehen kann.2 Schließlich sind unvorhersehbare politische Änderungen ein weiterer Risikoaspekt. Zu diesen gehören Kriege, Streiks, Boykott, Unruhen, aber auch Zwangsenteignung und Zahlungsverbot. Das Wissen über die Ursachen von Außenhandelsrisiken erleichtert mögliche finanzwirtschaftliche Entscheidungen und ist Voraussetzung für eine genaue Planung und somit Risikovermeidung. Doch trotz dieser Transparenz lassen sich Risiken nie gänzlich vermeiden. Dies kann man kurz gefasst damit begründen, dass sich Ereignisse in der Wirtschaft nicht mit Sicherheit voraussagen lassen.

2. Außenhandelsrisiken

2.1. Tragweite

Prinzipiell ist die Betrachtungsweise von Risiken sehr unterschiedlich. Jedoch gibt es Risiken, die so groß sind, dass ein Scheitern nicht verkraftbar wäre, egal wie hoch die Gewinnaussichten sind. Somit ist ein Risiko also nicht nur wahrscheinlichkeitsbedingt, sondern ebenso wichtig ist die Betrachtung der Tragweite.

Die Tragweite ist eine relative Variabel, da der subjektive Gesichtspunkt eine Rolle spielt. So kann man davon ausgehen, dass bei einer Unterteilung von Unternehmen in Groß-, Mittel- und Kleinunternehmen, erstere einen finanziellen Verlust von zwei Millionen Euro verkraften würden, so bitter er auch sein mag. Ein mittelständiges Unternehmen könnte dahingegen bei solch einem Betrag ein Existenzproblem bekommen und für ein Kleinunternehmen hätte der Verlust womöglich schwerwiegende Folgen.3 Grundsätzlich kann die Verbindung von Unsicherheit und Tragweite Aufschluss geben, welches Risiko besteht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1.-01: Komponenten des Risikos4

Diese wird in Abbildung 3.1.-01 verdeutlicht. In diesem Schaubild gibt es drei mögliche Entscheidungsalternativen. Jede von ihnen ist das Zusammenwirken von Tragweite und Unsicherheit. Wobei für Alternative A und B jeweils kleine Flächen zu sehen sind, da diese Varianten beide ein mittleres Risiko darstellen. Fläche C hingegen beschreibt ein hohes Risiko, hier sind Tragweite und Unsicherheit verhältnismäßig groß. Somit kann man eine Entscheidungsalternative bestimmen und abwägen, welche Möglichkeiten am vorteilhaftesten sind. Dabei handelt es sich aber lediglich um eine Darstellung der Zusammenhänge und kann nicht einheitlich betrachtet werden, da die subjektive Einschätzung zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. Dies lässt sich auf einen verzerrten Spielraum von Tragweite und Unsicherheit zurückführen, da für ein Großunternehmen z.B. eine Investition von 500.000 Euro eine andere Tragweite hat als für einen Mittelständler.

2.2. Wechselkursrisiko

2.2.1. Abgrenzung des Wechselkursrisikos

Für den Außenhandel ist das Wechselkursrisiko das Bedeutendste. Es kann sich stärker oder schwächer ändern und sich ebenfalls zugunsten einer der beiden Handelspartner entwickeln. Grundsätzlich ist dieses Risiko bei, finanzwirtschaftlich betrachtet, exotischeren Währungen, wie z.B. dem südafrikanischen Rand, stärker ausgeprägt als bei den gängigen wie dem Euro oder US $.5

Das Wechselkursrisiko lässt sich zunächst grob einteilen durch die Sichtweise des Risikos. Zum einen handelt es sich dabei um die Sicht des Importeurs. Sein Risiko besteht darin, dass die Fremdwährung in der er zahlen soll, im Vergleich zu seiner Eigenen, aufgewertet wird. Die andere Sichtweise ist die des Exporteurs. Hier stellt sich das Risiko so dar, dass seine eigene Währung stärker ist als die Fremdwährung in der er bezahlt werden soll, also eine Abwertung stattfindet. Die Wechselkursverhältnisse sind demnach der Entscheidende Faktor für die Risikobelastung.

Diese Verhältnisse kann man wiederum gliedern. Zum einen unterscheidet man den absolut festen Wechselkurs, den fixen Wechselkurs. Zudem gibt es den ungebundenen also flexiblen Wechselkurs. Und zuletzt den bandfixierten Wechselkurs, der innerhalb einer bestimmten Badbreite frei schwankend ist. Bei festen Wechselkursen handelt es sich um ein Währungssystem mit unterschiedlichen Währungen aber festgelegten Wechselkursen. Diese schwanken fast gar nicht und wenn, dann nur um einen vorgeschriebenen Leitkurs innerhalb einer bestimmten Bandbreite. Der Vorzug ist hierbei eine sichere Kalkulationsgrundlage für Exporteure, Importeure und Kapitalanleger. Dieses System ist jedoch nur tragfähig, wenn die beteiligten Nationen einen wirtschaftlichen Gleichschritt haben. Flexible Wechselkurse entwickeln sich rein marktmäßig, d.h. sie entwickeln sich durch Angebot und Nachfrage und erhalten keine Unterstützung durch vorgegebene Leitkurse oder Bandbreiten. Wechselkursänderungen vollziehen sich hierbei gleitend. Bandfixierte Wechselkurse sind Systeme in denen eine Spanne vorgegeben wird, innerhalb derer die Kurse frei schwanken können. Wird die Obergrenze oder Untergrenze solch einer Bandbreite erreicht ist es notwendig, dass die Notenbanken der betroffenen Währung eingreifen. Dies bedeutet, dass jene Banken Fremdwährung in solcher Menge aufkaufen oder abgeben müssen, dass die obere oder untere Grenze für den Wechselkurs der Fremdwährung nicht überschritten wird.6 Für Unternehmen besteht zunächst zwar das Risiko eines einzelnen Geschäftes, aber allgemein kann man drei wichtige Risikovarianten bestimmen, die das Gesamtrisiko beschreiben. Dabei handelt es sich um das Transaktions-, Operations- und Bilanzrisiko, alle jeweils Unterformen des Wechselkursrisikos. Das Transaktionsrisiko kann bei einer Wechselkursänderung in Fremdwährung entstehen, da zum Zeitpunkt der Abwicklung eines Geschäftes die zukünftigen Kursentwicklungen unsicher sind. Es ist das Risiko, dessen Folgen am ehesten feststellbar sind. Dem gegenüber kann das Operationsrisiko auch vor Abschluss eines Geschäftes entstehen, etwa bei Investitionen in Gebieten mit Fremdwährung. So kann es geschehen, dass zum Zeitpunkt einer solchen Investition, wie z.B. der Gründung eines Tochterunternehmens, die Währung relativ stark steht, während zum Zeitpunkt der Fertigstellung ein schwacher Währungskurs zu verbuchen ist. Ein denkbares Resultat wäre, dass die erwarteten Gewinne nicht erwirtschaftet werden können. Dieses Risiko ist sehr langlebig und daher kaum feststellbar, noch absicherbar. Das Bilanzrisiko entsteht als Folge der anderen beiden Risiken und zwar in dem Zeitpunkt, wenn die Geschäftsvorfälle in die Jahresabschlüsse der Heimatunternehmen übernommen werden müssen. Dies kommt daher, dass zur Zeit der Bilanzerstellung mit Sicherheit ein anderer Wechselkurs herrschte. Überall dort, wo die Wechselkurse eine abrupte Änderung erfahren, sind die Folgen besonders schwerwiegend. Im schlimmsten Fall können Zahlungsunfähigkeit oder unternehmerische Fehlentscheidungen resultieren.7

Letztendlich verhält es sich so, dass es eine Vielzahl von Wechselkursrisiken gibt, die jedoch von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sind und die Art des Handels spielt dabei auch eine wichtige Rolle. Es ist häufig schwierig solche Risiken zu umgehen und kleinere Unternehmen haben oft keine Möglichkeiten dazu, wohingegen Großunternehmen ihre Verhandlungsmacht ausspielen können. Diese gibt ihnen zumindest den Vorteil, Verträge nur in ihrer Währung abzuschließen, was bei einer Aufwertung dieser Währung aber dazu führen kann, dass keine Vertragspartner zu finden sind, da das Geschäft für sie zu teuer wäre. Die Folge daraus ist, dass die Liquidität ins Stocken gerät und somit eine Zahlungsunfähigkeit resultieren kann. Oft bleibt also keine andere Möglichkeit, als die Währungsrisiken auf sich zu nehmen. Da aber jedes Unternehmen, welches Export- oder Importgeschäfte betreibt, solchen Risiken ausgesetzt ist, besteht zumindest hier Chancengleichheit.

2.2.2. Inflationsübertragung

Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass dem Wertverfall der Währung eines Landes eine Inflation folgt. Das heißt, bei Abwertung einer Landeswährung werden die Wechselkurse anderer, schwächer inflationierender Länder, eine Aufwertung in Relation zu diesem erfahren. Dieser Theorie ist vorausgesetzt, dass sich die einzelnen Wechselkurse flexibel zueinander entwickeln. Sind Wechselkurse jedoch bandfixiert oder besteht sogar ein einheitliches Währungssystem, trifft diese Voraussetzung nicht mehr oder nur noch begrenzt zu. Das Resultat daraus ist eine Inflationsübertragung vom stärker zum bislang schwächer inflationierenden Land. Dies geschieht daher, dass bandfixierte Wechselkurse keinen Wechselkursausgleich in andere Teilgebiete möglich machen. Die Auswirkungen von Inflationsübertragung macht eine differenzierte Betrachtungsweise erforderlich. Sie lassen sich unter der Voraussetzung flexibler und bandfixierter Wechselkurse betrachten. Um dies genauer aufzeigen zu können werden die Folgen an der Wechselbeziehung zwischen Ländern dargestellt. Zur Vereinfachung werden jedoch im weiteren Verlauf die Auswirkunken nur auf zwei Länder bezogen. Die Ausgangsbasis ist, dass Land A eine hohe Inflationsrate und somit eine hohe Steigerung der Produktionskosten und Land B eine niedrige Rate, mit demnach geringer Steigerung der Produktionskosten, aufweist. Das Resultat daraus ist, dass die Exporteure aus Land A, einen Wettbewerbsnachteil und jene aus Land B einen Vorteil erlangen.

[...]


1 Vgl. Häberle ( Außenhandelsfinanzierung) S. 1

2 Vgl. Schroth (Außenwirtschaftsverkehr) S. 370

3 Vgl. Stocker (Finanzrisikomanagement) S. 24

4 Stocker (Finanzrisikomanagement) S. 25

5 Vgl. Stocker (Finanz- und Währungsrisiken) S. 26

6 Vgl. Häberle ( Außenhandelsfinanzierung) S. 831 ff.

7 Vgl. Stocker (Finanz- und Währungsrisiken) S. 27

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640944484
ISBN (Buch)
9783640944651
Dateigröße
736 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174042
Institution / Hochschule
Hochschule Harz - Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH)
Note
Schlagworte
finanzwirtschaftliche risiken außenhandel mittel methoden vermeidung reduzierung

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