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Rating - Eine kritische Analyse

Hausarbeit 2009 15 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Abgrenzung des Themas
1.2 Begriffsdefinitionen
1.3 Internes versus Externes Rating

2. Grundlagen
2.1 Die Geschichte des Ratings
2.2 Die Relevanz für das Kreditvergabegeschäft
2.3 Die Ratingklassen der externen Ratingagenturen
2.4 Die verschiedenen Arten von Ratings

3. Die Erstellung eines Ratings
3.1 Der Ratingprozess
3.2 Quantitative Faktoren
3.3 Qualitative Faktoren

4. Einordnung in das aktuelle Umfeld
4.1 Aktuelle Ereignisse und die Relevanz für Ratings
4.2 Die Rolle der Ratingagenturen in der Finanzmarktkrise

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung und Abgrenzung des Themas

Ratings in ihrer heutigen Form feierten in diesem Jahr ihr einhundertjähriges Bestehen. Die Aktualität dieses Themas ist im Zuge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzmarktkrise so groß wie nie zuvor. Die Rolle der großen Ratingagenturen in der jüngsten Krise sowie die Eigenkapitalvorschriften nach Basel II heben die Grundsätze des Ratings in das Rampenlicht vieler Diskussionen.

Auf diesem Hintergrund möchte die vorliegende Arbeit die Idee des Ratings kritisch analysieren. Hierfür wird zunächst auf Grundlagen und Methodik des Ratings eingegangen. Daran anschließend erfolgt eine Betrachtung des Prozesses zur Erstellung einer Ratinganalyse. Diese Aspekte werden jeweils mit Hinblick auf Implikationen für Kreditnehmer im Allgemeinen untersucht. Ferner wird das Thema Rating in das oben genannte aktuelle Umfeld eingeordnet. Abschließend wird der erarbeitete Inhalt kritisch bewertet und ein Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen gegeben.

Ziel dieser Arbeit ist also neben Darlegung der Grundlagen und Methodik, die Relevanz des Themas Rating in der aktuellen Krisensituation zu beleuchten. Dem Leser sollen nicht nur eine generelle Sensibilisierung für dieses Thema geboten, sondern auch Ansatzpunkte zur kritischen Hinterfragung der Grundkonzepte aufgezeigt werden.

1.2 Begriffsdefinitionen

Der Begriff Rating stammt vom englischen Verb „to rate“. Dies bedeutet so viel wie „bewerten“ oder „klassifizieren“. Bis heute existiert keine rechtlich verbindliche Definition des Begriffes Rating (Horsch, 2005). Die von den drei großen Ratingagenturen – Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch – herausgegebenen Ratingurteile gelten in den USA, dem Rechtsraum dieser Agenturen, bis heute als freie Meinungsäußerung (Benders und Osman, 2009).

In der Literatur konnte sich jedoch eine allgemein gültige Definition des Begriffes durchsetzen. So gilt ein Rating als eine „Beurteilung eines Schuldners hinsichtlich dessen Fähigkeit, seine Zahlungsverpflichtungen künftig zu erfüllen“ (Schneck, 2008). Eng verknüpft mit dem Begriff Rating ist somit die Bonität eines Schuldners. Die Bonität drückt die Zahlungsfähigkeit und -willigkeit eines Schuldners im Rahmen der Kreditprüfung aus (Schneck, 2007). Ein Rating gibt also Aufschluss über die Ausfallwahrscheinlichkeit der aufgrund einer Schuld zu leistenden Zins- und Tilgungszahlungen. Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist dabei die „auf Basis historischer Daten ermittelte Wahrscheinlichkeit des Eintrittes eines Ausfalls (i. d. R. Insolvenz) für einen bestimmten Zeitraum (i. d. R. ein bis fünf Jahre)“ (Schneck, 2007).

1.3 Internes versus Externes Rating

Eine wichtige Unterscheidung des Begriffes Rating ist aufgrund des Inhalts dieser Arbeit bereits hier hervorzuheben. Grundsätzlich wird zwischen internen und externen Ratings unterschieden. Die Terminologie bezieht sich hierbei auf den Urheber der erstellten Analyse.

Interne Ratings werden von Banken selbst erstellt und für die Kreditvergabe an Unternehmen und Einzelpersonen herangezogen (auch Internal Rating-Based Approach, kurz IRB-Ansatz, genannt). Gerade im Zuge der neuen Basel II Richtlinien rückt diese Art des Ratings in den Fokus der Banken. So knüpft Basel II zum einen die Kapitalhinterlegung eines Kredites an das Rating des Schuldners. Zum anderen werden klare Vorgaben für die Erstellung von internen Ratings gegeben. Diese werden fortan einer strengen Aufsicht unterzogen.

Der Begriff externes Rating bezieht sich auf die Ratingurteile von spezialisierten privaten Ratingagenturen. Diese erstellen im Auftrag von Unternehmen oder Investoren Ratings auf Basis klar definierter Kriterien. Diese Ratings können neben der Entscheidung über die Kreditvergabe auch Entscheidungen in vielen anderen Feldern beeinflussen. So sind die Manager von Investmentfonds oftmals bei ihren Anlageentscheidungen an die externen Ratings der potentiellen Investitionen gebunden (Möllers, 2009). Im Zuge der Finanzmarktkrise wird derzeit eine intensive Diskussion über die Systemrelevanz von externen Ratings sowie das Geschäftsmodell der Ratingagenturen geführt. Aufgrund der Relevanz des externen Ratings in der aktuellen Krisensituation erfolgt die kritische Analyse des Themas ausschließlich auf Basis dieser Ratingart (s. Kapitel 4.2).

2. Grundlagen

2.1 Die Geschichte des Ratings

Kiviat (2009) und Schneck (2008) identifizieren die wesentlichen Meilensteine in der Entwicklung des Ratings. Die ursprüngliche Idee entstand Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA. Mit der Gründung der „Mercantile Agency“ wird erstmals eine Agentur gegründet, die über die allgemeine Geschäftslage von US Unternehmen berichtet. Dieses Geschäftskonzept bildet die Grundlage der Idee von Ratings.

Im Jahre 1909 verwendet John Moody erstmals eine einheitliche Notenskala zur Bewertung von Aktien der großen US-Eisenbahngesellschaften. Fünf Jahre später erweitert er seine Ratinganalysen auf Anleihen, die von US Städten und Gemeinden ausgegeben werden. Wieder einige Jahre später folgt auch Poor’s Publishing mit der Bewertung von Unternehmensanleihen. Zu dieser Zeit zahlen die Investoren noch für die Erstellung von Ratings.

Die 70er Jahre sind ganz entscheidende Jahre für die Ratingagenturen. Zum einen ändert sich das grundsätzliche Geschäftsmodell – fortan übernehmen die Unternehmen die Kosten für ihre eigenen Ratings. Zum anderen erhalten die drei großen Ratingagenturen den Status „Nationally Recognized Statistical Rating Organizations“ (NRSRO) und werden somit von der US Wertpapieraufsichtsbehörde „Securities and Exchange Commission“ (SEC) national anerkannt. Im Zuge dieser Entwicklungen steigt der Einfluss der Ratingagenturen in den folgenden Jahren stetig an.

Mit den großen Unternehmensskandalen wie z. B. Enron oder Worldcom treten erstmals kritische Stimmen zu der Rolle der Ratingagenturen in diesen Skandalen hervor. So stufen alle drei Agenturen das Rating von Enron lediglich fünf Tage vor dessen Zusammenbruch herunter (Freeman, 2009). Kritiker sagen, dass sie das Ausmaß des Betruges in keinster Weise erkannt hätten. Doch nach wie vor sind die Ratingagenturen mit dem Hinweis auf ihr Recht der freien Meinungsäußerung vor Strafverfolgung geschützt.

Erst mit der aktuellen Finanzmarktkrise werden Forderungen nach rechtlichen Konsequenzen und umfangreicher Regulierung der Ratingagenturen immer deutlicher. Jüngste Entwicklungen zeigen, dass Politik und Regulierungsbehörden die Rolle der Ratingagenturen in der Krise kritisch hinterfragen. Diese Entwicklungen werden in Kapitel 4 näher erläutert.

2.2 Die Relevanz für das Kreditvergabegeschäft

Mit der Umstellung auf die Kapitalvorschriften nach Basel II hat die Bedeutung der Ratings immens zugenommen (Oelerich, 2005). Die auf drei Säulen basierenden Vorschriften, geben in ihrer ersten Säule – der für die Mindestkapitalanforderungen – Vorgaben an Banken für die Eigenkapitaldeckung von ausgegebenen Krediten. Die Idee hinter diesen Vorschriften ist die Anpassung der Eigenkapitalhinterlegung an die individuelle Bonität der Schuldner (Schneck, 2008). Diese Risikoadjustierung ist das entscheidende Element für die hohe Relevanz von Ratings im Kreditvergabegeschäft.

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Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640945368
ISBN (Buch)
9783640945566
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174199
Institution / Hochschule
European School of Business Reutlingen
Note
1,6
Schlagworte
rating eine analyse

Autor

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Titel: Rating - Eine kritische Analyse