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Die Berufswahl

Zentrale Aufgabe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Hausarbeit 2007 24 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 BERUFSWAHLTHEORIEN UND -ANSÄTZE
2.1 Differentialpsychologischer Ansatz (trait-and-factor-Theorie)
2.2 Entwicklungspsychologische Theorien
2.2.1 Der entwicklungspsychologische Ansatz von E. Ginzberg
2.2.2 Die Theorie von Donald E. Super
2.3 Psychodynamische Theorien
2.3.1 Die Theorie von Bordin und Mitarbeitern
2.3.2 Die Theorie von A. Roe
2.4 Die typologische Theorie von Holland
2.5 Soziologische Ansätze

3 FAZIT

Literatur

1 Einleitung

Den Themen Berufsfindung, Berufswahl, Berufsausübung oder berufliche Entwicklung kann sich kaum ein Mitglied der modernen Gesellschaft entziehen. Vor allem die Betrachtung des ersten prägenden Schrittes in diese Richtung, die Berufsfindung, ist von besonderem Interesse; hier werden die Weichen für die weitere berufliche Entwicklung gestellt. Die Berufsfindung fällt in die Entwicklungsphase der Adoleszenz, in der Autonomie und die Ausbildung einer Ich-Identität angestrebt werden. Berufstätigkeit ermöglicht dabei u.a. finanzielle Unabhängig­keit und die Einordnung des Individuums in die Gesellschaft. Es überrascht daher kaum, dass verschiedene Untersuchungen der letzten Jahre ergaben, dass die berufliche Zukunft von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch selbst als zentral erachtet wird (vgl. Bundesminis­terium für Bildung und Forschung, 2003).

Durch Industrialisierung, welche Arbeitsteilung, Bürokratisierung sowie die Entstehung neuer Industriezweige und Berufe ermöglichte und schließlich durch den Übergang zu einer Infor­mations- und Dienstleistungsgesellschaft, hat sich die Berufsarbeit stark verändert. Auch wenn der mittlerweile ständige und sich immer schneller vollziehende Wandel zur Folge hat, dass der einmal gewählte Beruf nicht mehr der ein Leben lang ausgeübte bleibt, der Beruf ist und bleibt auch in absehbarer Zukunft die Startposition, von der aus Spezialisierung, Aufstieg, Neuorientierung, Berufs- oder Betriebswechsel überhaupt erst möglich werden. Damit wird die Bedeutung der Berufswahl für jeden jungen Menschen an der Schwelle von der Schule ins Erwerbsleben hervorgehoben “ (learn:line).

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Berufsfindungsprozess deshalb so wichtig ist, weil „Über den Beruf ... marktfähige Qualifikationen gebündelt, Wertorientierungen und Haltungen vermittelt, gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung erreicht,“ werden und „über den Beruf und die Berufswahl werden "Lebenspläne" entwickelt.“( Bundesministe­rium für Bildung und Forschung, 2003).

Im Rahmen dieser Arbeit soll daher die Frage geklärt werden, wodurch dieser Prozess eigent­lich bestimmt wird, dem sich Jugendliche und junge Erwachsene gegenübersehen.

Zur Erklärung bietet die Wissenschaft eine Fülle von Berufswahltheorien an. Einige davon werden auf den folgenden Seiten vorgestellt. Alle je veröffentlichten Theorien und Ansätze zum Berufswahlprozess darzustellen würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, weshalb un- ter folgenden Aspekten eine Auswahl getroffen wurde: Einige Theorien werden erläutert, weil sie im Vergleich sehr unterschiedlich argumentieren und dadurch das Themengebiet umfas­send umspannen, einige weil auf sie häufig Bezug genommen wurde und einige auch deshalb, weil sie den Ausgangspunkt für aufbauende Forschungsansätze boten.

Die folgenden Seiten machen also ebenfalls deutlich, dass und inwiefern sich die Konzepte der Wissenschaft unterscheiden.

2 Berufswahltheorien und -ansätze

In der wissenschaftlichen Literatur sind verschiedene Einteilungen der Berufswahltheorien zu finden. In der folgenden Arbeit orientiere ich mich an der von Seifert vorgenommenen (vgl. Seifert 1977, S. 173-260).

2.1 Differentialpsychologischer Ansatz (trait-and-factor-Theorie)

Der differentialpsychologische Ansatz stellt die klassische Sichtweise der Berufseignungspsy­chologie dar, „ ...nach der es im Kern um eine Zuordnung der Berufswähler zu Berufen geht. “ (Hoppe 1980, S. 94) über die Bindeglieder der beruflichen Anforderungen und der damit zu­sammenhängenden Persönlichkeitsmerkmale der Wähler. Die klassische Form basiert auf fünf Grundannahmen, die im Kommenden wiedergegeben werden sollen:

1. Jeder Mensch ist entsprechend der individuellen Ausprägung seiner Persönlichkeits­merkmale, besonders hinsichtlich der beruflich relevanten Fähigkeiten, für einen Beruf optimal geeignet.
2. Die in einem bestimmen Beruf Tätigen sind durch bestimmte, berufsspezifische Fähig- keits- und Persönlichkeitsschwerpunkte gekennzeichnet; Hierbei wird angenommen, dass die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Berufen zuvorderst aus der Persönlich­keitsstruktur der darin Tätigen resultiert, wenig beachtet wird dass der ausgeübte Beru­fe eine Person prägt bzw. ihre berufliche Umwelt sie beeinflusst.
3. Der individuelle Berufserfolg und die berufliche Zufriedenheit werden im Wesentli­chen durch den Grad der Übereinstimmung zwischen den beruflichen Eignungsanfor­derungen und den individuellen Eignungsmerkmalen bestimmt.
4. Die Berufswahl ist (von bestimmten Ausnahmen abgesehen) ein, auf einen bestimmten Zeitpunkt beschränktes, einmaliges Ereignis
5. Die Wahl des Berufes besteht im wesentlichen aus einem bewussten, rationalen Prob- lemlösungs- und Entscheidungsprozess, bei dem entweder die Person selbst oder ein berufspsychologischer Experte (Berufsberater, Eignungsdiagnostiker) die individuellen Dispositionen den Anforderungen der verfügbaren Berufe zuordnet und dann den am besten passenden Beruf auswählt (vgl. Seifert 1977, S.176).

Eine frühe zusätzliche Annahme aus der Psychotechnik bestand in der Auffassung, dass die Berufseignung aus der Gesamtzahl der elementaren Fähigkeiten eines Berufsanwärters be­steht. Durch Kritik an den Grundannahmen der Psychotechnik und der methodischen Weiter­entwicklung der Psychometrie und der Testdiagnostik wurde dieser klassische Theorieansatz weiterentwickelt. Dies führte zu veränderten Grundannahmen der daraus entstandenen trait- and-factor-Theorie (eigenschaftstheoretisch-faktorenanalytisch). Es bestand nun nicht mehr die Meinung, dass eine Person nur für einen Beruf geeignet sei, sondern, dass dies die Aus­nahme darstelle. Dem Ansatz der Gruppeneignung zufolge ist man daher für eine oder mehre­re miteinander verwandte Berufsgruppen geeignet bzw. nicht geeignet. Weiterhin sind außer der Eignung auch weitere Persönlichkeitsmerkmale, wie Interessen und Neigungen sowie Leistungsmotivation, Anspruchsniveau, Umstellungsfähigkeit und Risikoverhalten, für Be­rufserfolg und -zufriedenheit verantwortlich (vgl. Scheller 1976, S. 26). Man betrachtete nun die Befähigung zur Ausübung und Erlernung eines Berufs aus einer ganzheitlichen Perspekti­ve, wonach „... das „Fähigkeitsgefügebzw. die Anlagenschwerpunkte im Rahmen der indi­viduellen EignungsStruktur ausschlaggebend. “ (Seifert 1977, S.177.) sind. Kurz gesagt ist es „Aufgabe der Berufsfindung..., eine möglichst hohe Übereinstimmung zwischen den Fähigkei­ten und Neigungen bzw. Interessen einerseits und den beruflichen Tätigkeiten bzw. Anforde­rungen anderseits zu erzielen. “ (Zihlmann 2001, S.1). Es besteht hier weiterhin die Auffas­sung, dass die individuelle Berufswahl darin besteht ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil zu dem passenden Anforderungsprofil eines Berufes zuzuordnen. Je mehr beides miteinander übereinstimmt oder sich ähnelt, desto besser bewährt man sich in dem Beruf und ist zufriede­ner. Die Berufsberatung sollte also anhand psychometrischer Daten (Testdiagnosen) bestim­men können, welche Person für welchen Beruf optimal geeignet ist und sich dort erfolgreich tätig sein wird. Dazu sind verschiedener Schritte seitens des Berufsberaters nötig:

1. Analyse: Daten sammeln in Bezug auf Einstellungen, Interessen, Kenntnisse, familiäre Verhältnisse, Aufbildungsfortschritte und Fähigkeiten
2. Synthese: die Daten in einem Merkmalsprofil des Klienten zusammenfassen
3. Diagnose: individuelle Stärken und Schwächen des Klienten beschreiben, die ermittel­ten Merkmalsausprägungen mit idealtypischen Berufsprofilen vergleichen und Ursa­chen für erfasste Probleme ergründen
4. Prognose: Konsequenzen eventuell eintretender beruflicher Probleme beurteilen, be­stimmen des wahrscheinlichen Berufserfolgs in dem speziellen und in anderen Berufen
5. Beratung: Berater und Klient besprechen erforderliche Schritte zu einer eventuell ge­wünschten besseren Anpassung des Klienten an einen speziellen Beruf
6. Überprüfung: wenn weitere Probleme auftreten erneuter Diagnoseprozess und Anwen­dung zusätzlicher Aktionsprogramme (vgl. Scheller 1976, S. 24)

Wie ersichtlich wird, ist der Berater der nahezu allein Tätige in dem Berufsberatungsprozess. Die Aktivität des Beratenen ist dabei minimal, lediglich in den letzten beiden Schritten wird er am Beratungsvorgang aktiv beteiligt.

Bisher wurden lediglich psychologische Determinanten der Berufswahl nach dem trait-and- factor-Ansatz berücksichtigt, doch sollen für eine erfolgreiche Berufsberatung auch soziologi­sche und ökonomische Faktoren Berücksichtigung finden (vgl. ebd., S.28f.). Bedeutende sozi­ologische Dimensionen der Berufswahl sind:

- Einfluss der Eltern bzw. des Elternhauses
- die Stellung innerhalb der Geschwisterreihe
- das Geschlecht
- Wissen und Kenntnis von und über bestimmte Berufe, sowie Mittel und Wege zur Errei­chung der beruflichen Ziele
- Wunsch der Eltern nach der Wahl eines bestimmten Berufes/Schulausbildung ihres Kin­des
- soziale Schichtzugehörigkeit
- Einfluss des Schulsystems, des Unterrichtsstoffes, der Lehrer, Schulfreunde und des Schulklimas
- Einfluss durch Freunde, Bekannte, Peergruppen und sonstige soziale Interaktionspartner
- Struktur der Gemeinde und deren Größe
- Religionszugehörigkeit

Als wichtige wirtschaftliche Faktoren der Berufswahl sieht Scheller (1976)

- Konjunkturbewegungen bzw. Besonderheiten der lokalen Wirtschaftsstruktur und damit ungenügendes Angebot an freien Stellen
- ungünstige Wirtschaftslage der Familie
- Einfluss späteren Einkommens
- Höhe der Ausbildungs- und Studiengebühren

Es gilt also nach der trait-and-factor-Theorie ein interdisziplinärer Blick auf die Determinan­ten der Berufswahl zu werfen, um eine umfassende Beratung leisten zu können.

Die vorgestellte differentialpsychologische Theorie birgt einige kritische Punkte in sich, die anfolgend angesprochen werden sollen. So konnte in mehreren empirischen Studien kein Zu­sammenhang zwischen den erfassten Persönlichkeitsmerkmalen und dem Berufserfolg ausge­macht werden. Daneben ist die Annahme, dass Berufserfolg und Berufszufriedenheit durch den Grad der Übereinstimmung zwischen den beruflichen Eignungsanforderungen und den individuellen Eignungsmerkmalen bestimmt werden als nicht haltbar zu betrachten (vgl. Sei­fert 1977, S. 178). Die eigenschaftstheoretisch-faktorenanalytische Theorie sieht den Men­schen und die Berufswelt als statische und voneinander unabhängige Gegebenheiten. Nicht beachtet werden die Tatsachen, dass a) personale Determinanten veränderbar sind, b) durch wirtschaftliche und technologische Veränderungen ein Wandel der beruflichen Anforderungen erfolgt und c) das berufliche Verhalten, die Persönlichkeitsstruktur und die beruflichen Gege­benheiten in wechselseitiger Wirkung zueinander stehen. Ebenso wenig kann der Aussage zugestimmt werden, dass sich die Berufswahl auf ein zeitlich beschränktes und einmaliges Ereignis beschränkt. Vielmehr muss von einer beruflichen Entwicklung ausgegangen werden (vgl. ebd., S.179). Die schon an anderer Stelle beschriebene Einseitigkeit der Berufsberatung kann dazu führen, dass der Prozess allzu direktiv vom Berater aus abläuft. Danach hat der Kli­ent zwar eine immense Fülle an Informationen erhalten, vergisst diese aber wieder oder hat sie nur noch unvollständig in Erinnerung.

2.2 Entwicklungspsychologische Theorien

Die entwicklungspsychologische Perspektive der Berufswahl betont, dass jeder Mensch eine Anzahl verschiedener Perioden, Phasen oder Lebensstadien durchläuft. Dabei ist die berufli­che Entwicklung lediglich ein Teilaspekt dieses Gesamtprozesses (vgl. Scheller 1976, S. 31). Ein Individuum trifft demnach eine Vielzahl von beruflichen Wahlen, wonach es Sinn macht von beruflicher Entwicklung zu sprechen. Ein wichtiger Unterschied zu der differentialpsy­chologischen Sichtweise stellt die Annahme dar, dass ein Individuum nicht auf einen einzigen optimalen Beruf festgelegt ist, sondern, dass es in viele Berufe erfolgreich hineinwachsen kann. Die Berufswahl steht am Ende einer Serie berufsbezogener Entscheidungen in verschie­denen Lebensstadien des Menschen. Somit stellt die berufliche Entwicklung einen Teil der Gesamtentwicklung der Persönlichkeit dar (vgl. Hoppe 1980, S. 94).

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Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640946686
ISBN (Buch)
9783640946877
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174274
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Sozial- und Organisationspädagogik
Schlagworte
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Autor

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