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Summerhill und Sexualerziehung

Hausarbeit 2005 16 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Alexander Sutherland Neill
1.1 Erste Jahre
1.2 Gretna Green
1.3 Neill und Homer Lane
1.4 Erste Schulgründungen

2. Summerhill
2.1 Summerhills Ziele
2.2 Privatstunden
2.3 Selbstregierung
2.4 Koedukation

3. Sexualität nach A.S. Neill
3.1 Sexualerziehung in Summerhill
3.2 Onanie
3.3 Nacktheit
3.4 Einstellung zu Homosexualität

4. Sexualität und Sexualerziehung heute
4.1 Sexualität
4.2 Sexualerziehung

5. Abschlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Das Thema „Sexualität“ ist aus unserer heutigen Gesellschaft und deren Medienwelt nicht mehr wegzudenken. Im Zeitalter von Aids wird offen über Sexualität gesprochen und aufgeklärt. Doch wer denkt, dass diese Vergesellschaftung von Geschlechtlichkeit den Erwerb einer befriedigenden sexuellen Identität erleichtert, der irrt sich. Immer noch existieren Zwänge und Tabus, die sich im Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte nur verschoben haben und somit schwieriger zu bekämpfen sind. Schon vor rund 83 Jahren setzte sich Alexander Sutherland Neill für eine freie Erziehung ohne sexuelle Tabus ein. 1921 wagte er ein „Experiment“ antiautoritärer Erziehung, indem er „Summerhill“ gründete. Sein Ziel war es „ die Schule kindgeeignet zu machen - nicht die Kinder schulgeeignet“ (A.S. Neill, 1969, S. 22). Die Schüler sollten in Freiheit aufwachsen und die Möglichkeit haben, sie selbst zu sein. Aus diesem Grund verzichtete er „auf alle Disziplinarmaßnahmen, auf Lenkung, suggestive Beeinflussung, auf jede ethische und religiöse Unterweisung.“ (A.S. Neill, 1969, S.22). Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Schüler von Summerhill machen können was sie wollen. Die persönliche Freiheit des Einzelnen geht nur soweit, wie sie andere Mitmenschen nicht beeinträchtigt. Immerhin gibt es in Summerhill ca. 200 Regeln, an die sich die Schüler halten müssen.

In Summerhill ist Sexualität kein isolierter Bereich, sondern gehört zur Anerkennung der Ganzheitlichkeit des Menschen. Dieser freie Umgang mit der Sexualität an sich und im Besonderen mit der kindlichen Sexualität, führte in der Vergangenheit zu vielen Missverständnissen. So schrieb ein Kritiker „Ich könnte eines meiner Kinder ebenso gut in einem Bordell anmelden, wie in Summerhill.“ (M. Rafferty, 1971, S.19). Um mich dieser Diskussion anzuschließen und diese Missverständnisse aufzuklären, möchte ich mich in der vorliegenden Hausarbeit mit der Sexualpädagogik in Summerhill, die auf den Einstellungen von A.S. Neill basiert, beschäftigen. Hierzu gehe ich auf A.S. Neills Einstellung zur Sexualität, vor allem der kindlichen Sexualität in Anlehnung an die psychosexuelle Entwicklung nach S. Freud ein. Danach lege ich dar, wie in Summerhill mit Onanie und Aufklärung umgegangen wird und wie Neill zu den Themen Homosexualität und Nacktheit steht. Doch bevor ich dazu komme möchte ich noch auf den Schulgründer eingehen und dann die Grundsätze der antiautoritären Erziehung in Summerhill darstellen. Im Anschluss daran werde ich die dargelegten Aussagen in Bezug zur heutigen Gesellschaft stellen.

1. Alexander Sutherland Neill

1.1. Erste Jahre

A.S. Neill wurde am 17.10.1883 in Forfar/Angus (Schottland) geboren. Sein Vater war Dorfschullehrer. Nach dem misslungenen Versuch einer Handwerkslehre, begann Neill 1899 bei seinem Vater den Lehrerberuf zu lernen. Aufgrund seiner schlechten Prüfungen wurde er jedoch nur Hilfslehrer. Zunächst unterrichtete Neill mit den üblichen, zu dieser Zeit strengen Methoden und bewegte sich in bürgerlichen Kreisen. Nach einiger Zeit entschloss er sich doch zum Studium, wurde aber vorher abgeworben von einem Schulmeister aus Newport. Dort arbeitete Neill ab 1906. Er war beliebt bei den Kindern und unternahm mit ihnen viele Wanderungen und Exkursionen. Ende des Jahres 1908 entschied sich Neill doch zum Studium und ging nach Edinburgh, wo er Agrarwissenschaft und dann Anglistik studierte. Er war während dieser Zeit Mitherausgeber des Studentenmagazins „Student“, wofür er viel Zeit aufbrachte. Nun endlich konnte er sich in das gesellschaftliche Leben integrieren - er besuchte Theater, Oper und Ballett; trotz finanzieller Probleme. Dem ungeachtet schämte er sich für seine Armut.

Neill favorisierte Autoren wie Nietzsche, H.G. Wells, H. Ibsen und allen voran G.B. Shaw. Er sah sich als Sozialreformer nach Shaw und bekannte sich zur Gleichheit aller Menschen, zur Frauenemanzipation und freien Liebe. Er lehnte das Christentum ab, wie auch Staat, Schule, Kirche, Ehe und Familie. (vgl.: Johannes-Martin Kamp, 1995, S.312). Im Juli 1912 erwarb Neill den Magistergrad in Anglistik. Daraufhin arbeitete er als Redakteur für verschiedene pädagogische Verlage; er lehnte die Arbeit als Lehrer ab. Als neues Mitglied der Labour Partei hegte er Abneigungen gegen Religion, Schule, Bildungsanstalten und Lernzwang, sowie Zwängen jeder Art. Dies bestimmte seine Überzeugungen Zeit seines Lebens.

1.2. Gretna Green

Ab Oktober 1914 wurde Neill als Stellvertretender Schulmeister in Gretna Green tätig. Diese Arbeit ließ seine Ablehnung gegen Lernzwang und Strafe wiederaufleben. Neill fasste seine Aufgabe dort so auf, dass er „[...] eine hart arbeitende Schule in einen Spielplatz [...]“ (Johannes-Martin Kamp, 1995, S.314) verwandeln und die Prügelstrafe abschaffen wollte. Hier durften die Kinder in den Schulstunden reden und das Klassenzimmer verlassen, jeder konnte sich mit den für sich interessanten Themen beschäftigen. Zudem wurden von Neill die Hausaufgaben abgeschafft. Er wollte den Kindern eine lebenslang wirkende Haltung zum Leben beibringen und dass sie alles anzweifeln und hinterfragen. Die Schule sollte denken lehren, nicht nur auswendig gelernte Fakten vermitteln. In der Zeit in Gretna Green schrieb A.S. Neill sein erstes Buch „Tagebuch eines Schulmeisters“ (A Dominie’s Log). In diesem forderte er, dass Erwachsene, Kindern nicht ihre Werte aufdrängen sollten. Auch sollen Kinder nicht ,Urteilen’ gelehrt bekommen, sondern vielmehr ,Verstehen’.

Neills neue Lehrmethode brachte bald Probleme mit der Schulverwaltung, dazu wurde Sexualität an der Staatsschule tabuisiert, weshalb er den Traum hegte, eine eigene Schule zu gründen mit mehr pädagogischen Freiheiten.

Sein zweites Buch führte die Gedanken seiner Vorstellung von einer Schule weiter:

- das Kind sollte als erstes lernen, Rebell zu sein
- Schule als Spielplatz, statt Gefängnis
- Lehrer als Helfer der Schüler
- offene Klassen

Diesen Forderungen stellte sich als Haupthindernis jedoch die Elternschaft entgegen, die solche Freiheiten nie geduldet hätte.

1917 zur Zeit des ersten Weltkrieges wurde Neill eingezogen und durch seine pädagogische Ausbildung, als Artillerieausbilder eingesetzt. Er erlitt in dieser Zeit einen Nervenzusammenbruch und durch die anschließende Therapie kam ein erster Kontakt mit den Freudschen Lehren zustande.

1.3. Neill und Homer Lane

Nach 1918 bekam Alexander S. Neill eine Anstellung an der King Alfred School. Dort trat er in Kontakt mit Homer Lane, was einen Wendepunkt in Neill’s Karriere bedeutete. Von ihm erlernte Neill die Psychoanalyse Theorie - er fand eine lang erhoffte wissenschaftliche Grundlage für seine Überzeugungen und Ideen. Das dritte Buch „A Dominie in Doubt“ widmete er Lane, darin fordert er nun die Entwicklungsfreiheit des Individuums. Erziehung sah Neill als vollwertigen Teil des Lebens, nicht nur als die Vorbereitung auf das spätere Leben. Privatstunden bei Lane brachten ihm die Traumdeutung näher, wie auch die Freudsche Analyse. Er versuchte Kinder gezielt zu antisozialem Verhalten zu ermutigen und forderte sie heraus eigene Erfahrungen zu machen - er handelte, bewusst anti-autoritär.

1.4. Erste Schulgründungen

Ab dem Frühjahr 1920 war Neill Mitherausgeber der Zeitschrift „Education of the New Era“. In seinen Beiträgen übte er starke Kritik am bestehenden englischen Schulsystem. Durch seine Tätigkeit bei New Era besuchte er die „Neue Schule“ in Dresden-Hellerau und war sofort davon begeistert. Er fasste den Entschluss eine solche Bildungsanstalt in Österreich zu gründen. Neill blieb aber vorerst in Dresden und wirkte an der Schule mit. Die „Neue Schule“ hatte aber bald finanzielle Probleme und zwischen den Mitarbeitern herrschten große Interessengegensätze, weshalb Neill und seine gleich gesinnten Kollegen 1922 die „Deutsche Neue Schule“ übernahmen. Da Neill kein deutscher Bürger war, verbot das sächsische Bildungsministerium das Unterrichten deutscher Kinder. Aus diesem Grund wurde im September 1922 die Schule in eine deutsche und eine ausländische Abteilung geteilt. Im Oktober des Jahres 1923 herrschten in Sachsen und Thüringen Unruhen. Daraufhin floh die Schule nach Wien. Sie fanden einen neuen Standort auf dem Sonntagberg in einem ehemaligen Klostergebäude. Heftiger Widerstand in der Bevölkerung und von Seiten der Schulbehörde zwangen Neill und seine Mitarbeiter den Schulsitz nach England zu verlegen.

2. Summerhill

2.1. Summerhills Ziele

Neill gründete die Summerhill School 1921 in Leiston Grafschaft Suffolk. Es wurden Schüler schon ab 5 Jahren aufgenommen, andere die neu auf die Schule kamen waren bereits 16 Jahre. Durchschnittlich besuchten 25 Jungen und 20 Mädchen die Bildungsanstalt (Zahlen aus A.S. Neill, 1969, S.21). Die Schüler wurden in drei Altersgruppen unterteilt (die 5 bis 7 Jährigen, die 8-10 Jährigen und in 11-15 Jährige); sie stammten aus den verschiedensten Ländern.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640947164
ISBN (Buch)
9783640946907
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174277
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Allgemeine Pädagogik
Schlagworte
summerhill sexualerziehung alexander sutherland neill sexualität selbstregierung homosexualität

Autor

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Titel: Summerhill und Sexualerziehung