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Futures und Forwards: Grundlagen, Rahmenbedingungen und Handelsusancen

Hausarbeit 2011 18 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen von Termingeschäften
2.1 Bedingte vs. unbedingte Termingeschäfte
2.2 Ziele des Terminhandels

3 Futures und Forwards
3.1 Kontraktspezifikationen
3.2 Bewertung: Theoretischer Preis eines Futures
3.3 Grundsätzliche Handelspositionen: long / short
3.4 Standardisierung von Futures

4 Handel mit Futures und Forwards
4.1 Terminbörsen
4.2 Kursnotierungen
4.3 Clearingsysteme

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abb. 1: Kursteil einer Wirtschaftszeitung

Tab. 1: Typische Kontraktgrößen

Tab. 2: Future-Preis Bewertung

Tab. 3: Vergleich zwischen Forwards und Futures

1 Einleitung

Der Handel von Termingeschäften ist in der öffentlichen Diskussion oftmals mit negativen Assoziationen behaftet. Angetrieben durch die Weltfinanzkrise, wer­den dabei schnell Schlagworte wie „suspekte Spekulation", „unüberschaubares Risiko" oder „Zockerei" in den Raum geworfen. In der Realität sind es jedoch gerade diese Termingeschäfte, die den Unternehmen eine solide Kalkulations­basis ermöglichen können - ungeachtet von den Verwerfungen an den interna­tionalen Finanzmärkten. Um zu verstehen, wie mit Termingeschäften Risiken minimiert oder gar vermieden werden können, ist ein genaueres Produktver­ständnis erforderlich.

Deshalb beschäftigt sich Kapitel 2 dieser Arbeit zunächst mit den Grundlagen von Termingeschäften und deren Zielsetzungen. In Kapitel 3 werden dann Futures und Forwards als zentraler Bestandteil dieser Arbeit detailliert vorge­stellt. Das darauf folgende Kapitel zeigt, wie der Handel dieser Produkte abläuft und welche Regeln dabei zu beachten sind. Kapitel 5 fasst die Aussagen dieser Arbeit schließlich strukturiert zusammen.

2 Grundlagen von Termingeschäften

2.1 Bedingte vs. unbedingte Termingeschäfte

Auf Kassamärkten werden Direktgeschäfte getätigt, bei denen Leistung (z.B. Lieferung einer Aktie) und Gegenleistung (Bezahlung) zeitlich zusammenfallen. Der Fokus dieser Arbeit liegt jedoch auf den Terminmärkten. An ihnen werden Verträge über Geschäfte in der Zukunft geschlossen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der zu liefernde Basiswert und dessen Preis bei Abschluss eines Termingeschäfts fixiert werden, während die eigentliche Lieferung und Bezah­lung in der Zukunft stattfinden.1 Verpflichtungsgeschäft und Erfüllungsgeschäft sind hier deutlich voneinander getrennt. Solche Termingeschäfte können so­wohl bedingt als auch unbedingt sein.

Zu den bekanntesten bedingten Termingeschäften zählen die Optionen. Sie bieten dem Käufer einer Option das Wahlrecht, das jeweils verbriefte Recht (einen Basiswert zu einem bestimmten Preis zu kaufen / verkaufen) entweder auszuüben oder aber verfallen zu lassen. Die Ausübung des Optionsrechts ist somit abhängig von dem Wunsch des Options-Käufers.

Bei den unbedingten Termingeschäften besteht dieses Wahlrecht nicht. We­sentliche Instrumente sind hier die Futures und Forwards, bei denen die Ver­tragspartner unbedingt zu Leistung und Gegenleistung verpflichtet sind.

2.2 Ziele des Terminhandels

Durch den Terminhandel sind Unternehmen in der Lage, bei Abschluss eines Termingeschäfts Unsicherheiten über die künftige Preisentwicklung zu eliminie­ren.[1] [2] So kann ein Agrarbetrieb beispielsweise schon im Frühjahr den Verkaufs­preis für seine Produkte zur Erntezeit im Herbst vertraglich festlegen. Ebenso kann sich ein Unternehmen den Einkaufspreis für in der Zukunft benötigte Roh­stoffe absichern. Dies ermöglicht den Unternehmen eine solide Kalkulations­grundlage und schützt sie vor negativen Preisentwicklungen. Neben den roh­stoffintensiven Unternehmen sind auch Unternehmen der Finanzbranche wie Vermögensverwalter und Pensionskassen an der Absicherung von erzielten Erträgen interessiert. Sie sichern sich dazu über Termingeschäfte gegen die Kursschwankungen von Aktien, Indizes, Devisen oder Zinsen ab, indem Sie bereits frühzeitig über ein Termingeschäft den Kurs vereinbaren, zu dem sie die jeweiligen Finanzinstrumente in der Zukunft kaufen oder verkaufen können.

Neben den soeben genannten Aspekten des Risikomanagements, spielen auch Spekulationsmotive an den Terminmärkten eine wesentliche Rolle. Investoren sind dann nicht an der tatsächlichen Abnahme oder Lieferung von Rohstoffen und Finanzprodukten interessiert, sondern versuchen deren Kursschwankun­gen gewinnbringend zu nutzen. Wie in Kapitel 3.3 gezeigt wird, ist die Auswahl des entsprechenden Termingeschäfts unmittelbar abhängig von der Marterwar­tung des Anlegers.

Die dritte Gruppe von Händlern an den Terminmärkten sind die Arbitrageure. Sie versuchen Preisunterschiede für ein und dasselbe Produkt auf verschiede­nen Märkten ausfindig zu machen. Solche Unterschiede können dann als nahe­zu risikoloser Gewinn vereinnahmt werden, indem Terminkontrakte an den entsprechenden Börsen gleichzeitig gekauft und verkauft werden.[3]

3 Futures und Forwards

3.1 Kontraktspezifikationen

Ein Future- oder Forwardkontrakt ist ein verbindlicher Vertrag, der beide Ver­tragsparteien dazu verpflichtet,

- eine bestimmte Anzahl / Menge
- eines bestimmten Basiswertes
- zu einem festgelegten Preis
- an einem vereinbarten Abwicklungsdatum

zu liefern bzw. abzunehmen. Die Bezahlung der Ware erfolgt i.d.R. erst bei Lieferung. Diese kann durch einen Barausgleich ersetzt werden, wenn die Ver­tragsparteien nicht an der Verwertbarkeit der Ware / des Basiswertes interes­siert sind.[4] Nachfolgend werden die wichtigsten Vertragsaspekte kurz erläutert.

Futures können anhand ihres Basiswerts unterteilt werden: Den Commodity Futures liegt ein physischer Basiswert in Form lagerfähiger Agrarprodukten, Rohstoffen oder Edelmetallen zugrunde. In den Vertragsbedingungen müssen dann die geforderten Qualitätsstandards festgelegt werden. Financial Futures haben Finanzprodukte wie Devisen, Zinsen, Aktien oder Indizes als Basiswert.[5]

Die Kontraktgröße definiert die Menge des Basiswerts, die dem Terminkontrakt zugrunde liegt. Nachfolgend sind einige typische Kontraktgrößen beispielhaft aufgeführt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Typische Kontraktgrößen Quelle: Eurex, www.eurexchange.com.

Am Beispiel des DAX mit einem Indexstand von 7.300 Punkten bedeutet dies, dass die Kontraktgröße 182.500 EUR beträgt. Bei einer Average True Range (=durchschnittlichen Schwankungsbreite) von derzeit knapp über 100 Punkten, ergeben sich bei nur einem gehandelten Dax-Future tägliche Wertschwankun­gen von durchschnittlich 2.500 EUR. Solche Schwankungen sind mit der De­potgröße der meisten Privatanleger nicht vereinbar. Aus diesem Grund werden von den Börsen zunehmen sog. Mini-Kontrakte angeboten, deren Kontraktgrö­ße oft nur einem Zehntel der Standardgröße entspricht.

Die Liefer- und Erfüllungstermine sind jene Termine, zu denen die vertraglich vereinbarten Leistungen aus einem Terminkontrakt fällig werden. Gewöhnlich ist ein Future durch den jeweiligen Fälligkeitsmonat definiert. Die Börse be­stimmt in den Kontraktspezifikation, ob eine Lieferung des Basiswertes inner­halb der Zeitspanne des jeweiligen Fälligkeitsmonats erlaubt ist, oder ein exak­ter Liefertermin vorgegeben ist.[6]

An dem Erfüllungsort muss die vereinbarte Lieferung erbracht werden. Dieser ist besonders für Commodity Futures relevant, da deren Lieferung oftmals mit hohen Transportkosten verbunden ist.[7] Gewöhnlich entspricht der Erfüllungsort dem Sitz der Börse bzw. der Clearingstelle[8], über die der Future gehandelt wird. Ebenso ist es möglich, dass der Verkäufer zwischen verschiedenen Erfüllungs­orten wählen kann oder diesen vollkommen selbst bestimmt.

3.2 Bewertung: Theoretischer Preis eines Futures

Für den Handel mit Futures und Forwards ist es wichtig, deren Preisbildung zu verstehen. Durch Abstraktion der komplexen Realität und mit Hilfe von Annah­men lässt sich der theoretische, „faire" Wert eines Futures oder Forwards b e- rechnen. Der tatsächliche Preis eines Kontrakts ist jedoch letztlich ein Markt­preis und kommt durch Angebot und Nachfrage zustande. Durch unterschiedli­che Motivationen, Markterwartungen und Risikoneigungen der Marktteilnehmer kann der tatsächliche Preis eines Terminkontrakts so von dessen theoretischen Preis abweichen.

Beim Cost of carry-Ansatz orientiert sich der Futurepreis am aktuellen Kassa­preis des jeweiligen Basiswerts, korrigiert um etwaige Lager-, Fracht- und Ver­sicherungskosten (cost of carry) sowie erhaltene oder entgangene Finanzerträ­ge (Zinsen und Dividenden).[9] Die Ermittlung des theoretischen Wertes wird nachfolgend für einen Commodity Future vereinfacht dargestellt: Durch den Kauf eines Futures kann ein Unternehmen oder Investor sich bereits frühzeitig den Preis für den Kauf des Basiswerts am Erfüllungstermin sichern. Der faire Wert eines solchen Futures entspricht daher dem Saldo aller monetär bewerte­ten Aktivitäten zur „manuellen" Absicherung des Preises. Im nachfolgenden Beispiel sind das der unmittelbare Kauf des Basiswerts am Kassamarkt, die dadurch entgangenen Zinserträge sowie die Lager- und Versicherungskosten während der Future-Laufzeit. Die entgangenen Zinserträge können auch als Finanzierungskosten interpretiert werden, wenn unterstellt wird, dass für den Kassakauf ein Kredit in Höhe von 10.000 EUR aufgenommen wird und dies zum Geldmarktzins von 2% möglich ist. Der theoretische Futurepreis im Bei­spiel beträgt 10.580 Euro und liegt damit über dem Kassapreis.

[...]


[1] Vgl. Müller-Möhl, Optionen und Futures; 1999, S. 21.

[2] Vgl. Uszczapowski, Futures verstehen, 1995, S. 190.

[3] Vgl. Hull, Optionen, Futures und andere Derivate, 2009, S. 32.

[4] Vgl. Müller-Möhl, Optionen und Futures; 1999, S. 29.

[5] Vgl. Hull, Optionen, Futures und andere Derivate, 2009, S. 26 f.

[6] Vgl. Hull, Optionen, Futures und andere Derivate, 2009, S. 51 f.

[7] Vgl. Müller-Möhl, Optionen und Futures, 1999, S. 31.

[8] Siehe dazu auch Kapitel 4.3 Clearingsysteme.

[9] Vgl. Müller-Möhl, Optionen und Futures; 1999, S. 77.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640948482
ISBN (Buch)
9783640948659
Dateigröße
864 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174349
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,3
Schlagworte
Futures Forwards Termingeschäfte Derivate Grundlagen Rahmenbedingungen Handelsusancen Preisbildung Clearing Clearingsystem Forwardmarkt OTC Futuremarkt Commodities

Autor

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Titel: Futures und Forwards: Grundlagen, Rahmenbedingungen und Handelsusancen