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Die Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea und danach

Hausarbeit 2009 27 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politik
2.2.Verfassungsänderung
2.3.Übernahme der Macht durch den Sohn
2.4.Verfassungsänderung
2.5.Außenpolitik
2.5.1.Die Atomfrage
2.6.Der Koreakrieg 1950-

3.Wirtschaft

4.Gesellschaft

5.Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Das Land der aufgehenden Bombe“ („Nordkorea: Bezeichnungen“), „Die letzte Bastion des totalitären Sozialismus“ („Kims Machtkampf mit der Welt“), „Der letzte poststalinistische Gulag“ („Ideeller Gesamtterrorist“), „Das Paradies der Werktätigen“ („Keimfreie Zone“) – Nordkorea.

„Der General und geliebte Führer“ (Heller 2009: 58), „Der Irre von Pjöngjang“ („Nordkorea-Der Irre von Pjöngjang“), „Der große Mensch, den der Himmel schickte“ (Maretzki 1991: 34), „Der Pygmäe“ („Kim Jong Il-der „Pygmäe“ von der Achse des Bösen“) – Kim Il-Sung und sein Sohn Kim Jong-Il.

Auf diese und viele andere mehr oder minder kreative Schlagworte stößt man bei der Recherche zum Thema Nordkorea. Was aber produziert solche heftigen Reaktionen? Und wie hat es dieser Staat geschafft, trotz des Zusammenbruchs oder der demokratischen Öffnung fast aller befreundeten Staaten bis heute in einer unglaublichen Isolation zu verharren?

Nordkorea, seit dem Untergang des Ostblocks vom Westen als Anachronismus auf der Weltkarte wahrgenommen, harrt seit sechzig Jahren als kommunistische Enklave inmitten „verfeindeter“ Staaten aus. Eine Haltung, die innerhalb der Staatengemeinschaft oft Angst, manchmal Spott und selten sogar Bewunderung hervorruft. Eine Haltung, der ich in der folgenden Arbeit auf den Grund gehen möchte.

Besonderes Augenmerk soll dabei auf die Entstehungsgeschichte der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) sowie Kim Il-Sungs Weg zur Alleinherrschaft gerichtet werden, da diese die Zustände, wie sie heute herrschen, überhaupt erst möglich gemacht haben. Es folgt ein kurzer Überblick über die wirtschaftliche Situation des Landes. Dem Abschnitt „Wirtschaft“ soll ein kurzer Abriss der Ereignisse des Koreakrieges vorangestellt werden, jener unmenschlichen Tragödie, die sowohl im Norden und Süden Koreas als auch im Ausland viele seelische Narben hinterlassen hat und in vielen Köpfen bis in die Gegenwart präsent zu sein scheint. Abschließen möchte ich diese Arbeit mit einem Einblick in die Gesellschaft Nordkoreas, das Leben seiner Bürger im Alltag sowie die Probleme, mit denen sich der Einzelne in diesem Staat konfrontiert sieht.

2. Politik

Schon wenige Tage nach der bedingungslosen Kapitulation Japans, die am 15. August 1945 in einer Rundfunkansprache durch den japanischen Kaiser Hirohito erklärt wurde, begannen sowjetische Truppen mit der Besetzung Nordkoreas (vgl. Kranewitter 2005: 417). Die Sowjetunion war aufgrund früherer Konflikte mit Japan bestrebt, eine Art Pufferzone gegen eventuelle spätere Angriffe Japans zu schaffen.

Obwohl auf der Konferenz von Kairo im November 1943 „die Vereinigten Staaten, Großbritannien und China den Willen [bekundet hatten: F.T.], die Unabhängigkeit Koreas wiederherzustellen“ (Wörterbuch des Völkerrechts 1961: 307), wurde die Halbinsel nach dem Ende des zweiten Weltkriegs von den Siegermächten Sowjetunion und USA dennoch entlang des 38. Breitengrades in zwei Besatzungszonen aufgeteilt. Dies geschah aufgrund von Unstimmigkeiten der Siegermächte.

Die Koreanische Kommunistische Partei war bereits im April 1925 in Seoul gegründet worden (vgl. Robinson 2007: 70). Sie wurde jedoch 1928 wegen interner Unstimmigkeiten wieder aufgelöst (vgl. Ford; Kwon 2008: 22). Vor dem Koreakrieg existierten vier kommunistische Fraktionen in Korea. Die heimische Fraktion, die von Pak Hon-Yong angeführt wurde, die Yanan -Fraktion, deren Anführer Kim Tu-Bong war, die sowjetische Fraktion und die mandschurische Fraktion, die von Kim Il-Sung angeführt wurde (vgl. Robinson 2007: 145).

Zu den zahlreichen Kämpfen, die koreanische Patrioten gegen das japanische Militär führten, zählt auch der von Kim Il-Sung geführte Angriff auf die japanische Polizeistation Pochonbo unweit der Grenze zur Mandschurei, der zwar eher als kleiner Überfall zu sehen ist (vgl. Stueck 2004: 19), aber bis heute in Nordkorea als große Entscheidungsschlacht mystifiziert wird.

Vom 10. – 14. Oktober 1945 wurde das Nordkoreanische Zentralbüro der Koreanischen Kommunistischen Partei gegen den Widerstand vieler lokaler Kommunistenführer (vgl. Heberer 2008: 367) gegründet. Im Dezember desselben Jahres wurde das Nordkoreanische Zentralbüro der Koreanischen Kommunistischen Partei umbenannt in Nordkoreanische Kommunistische Partei und Kim Il-Sung wurde zum Ersten Sekretär gewählt.

Am 8. Februar 1946 wurde Kim Il-Sung Vorsitzender eines provisorischen Volkskomitees (vgl. Ford; Kwon 2008: 27).

Ebenfalls im Februar 1946 wurde in China von Exil-Koreanern unter Kim Tu-Bong die Neue Volkspartei sowie die Chondoistische Chongu- Partei gegründet. Die Chondoistische Chongu- Partei wurde von Anhängern von Koreas damals zweitgrößter Religionsgemeinschaft gegründet (vgl Bluth 2008: 25).

Am 22. Juli 1946 entstand aus dem Zusammenschluss der Neuen Volkspartei, der Nordkoreanischen Kommunistischen Partei und der Chondoistischen Chongu-Partei die Demokratische Front für die Vereinigung des Vaterlandes, die zusammen mit der Partei der Arbeit Nordkoreas heute eine „Einheitsfront“ bildet.

„Die Generalversammlung [der UNO: F.T.] beschloß am 14. November 1974 […] die Einsetzung einer UN-Kommission, die United Nations Temporary Commission on Korea (UNTOK), welche allgemeine Wahlen in ganz Korea beobachten und danach bei der Konstituierung eines vereinten Koreas unter der nationalen Regierung helfen sollte“ (Volger 2008: 66).

Im Mai 1948 schließlich wurden diese Pläne in Südkorea in die Praxis umgesetzt; es fanden Wahlen statt. Am 15. August 1948 wurde dort die Republik Korea proklamiert. In Norden des Landes fanden parallel zu diesen Ereignissen am 25. August 1948 Wahlen zur Obersten Volksversammlung statt. Die Sowjetunion, die von Anfang an die Pläne der UN-Generalversammlung mit Widerwillen betrachtet hatte, erkannte die am 7. September 1948 im Norden gebildete Regierung an. Am 9. September schließlich erfolgte die Proklamation der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) durch Kim Il-Sung, der auch zum Ministerpräsidenten des neuen Staates gewählt worden war. Die Staats- und Wirtschaftsordnung Nordkoreas sollte auf die Ideologie des Marxismus-Leninismus gegründet sein. „Damit war die Teilung Koreas vollzogen […]“ (Volger 2008: 67). Beide Separatstaaten erhoben unterdessen den Anspruch auf Alleinvertretung für die ganze Halbinsel.

Auch im Süden des Landes hatten sich kommunistische Strukturen etabliert. Dort „[…] war die Insel Jeju faktisch von Volkskomitees regiert […]“ (Kern 2005: 124) worden. „[…] Streitigkeiten zwischen den ehemaligen Kollaborateuren und der Polizei auf der einen Seite und den Inselbewohnern auf der anderen Seite […]“ (Shin 2005: 151) führten im März 1948 zu „[…] einem bewaffneten Guerilla-Aufstand […]“ (Kern 2005: 124). Das südkoreanische Militär unter US-amerikanischem Kommando und rechtsgerichtete Gruppierungen begingen als Reaktion auf diesen Aufstand ein in der Nachkriegsgeschichte beispielloses Massaker an der Zivilbevölkerung Jejus, das bis in das Jahr 1949 andauerte.

„Anfang 1949 waren mehr als 70% der Dörfer [auf der Insel F.T.] niedergebrannt“ (Cumings 1998).

Schätzungen zufolge sollen bei den Ereignissen auf Jeju zwischen 30000 und 60000 Menschen den Tod gefunden haben (vgl. Kern 2005: 124).

In den darauf folgenden Jahren baute Kim Il-Sung durch Denunziation und Beseitigung potenzieller und tatsächlicher politischer Konkurrenten seine Alleinherrschaft aus. Drei der bekanntesten Opfer dieser „Säuberungen“ waren Cho Man-Sik, Pak Hon-Yong und Kim Tu-Bong.

Der koreanische Nationalist im Widerstand gegen die japanische Besatzungsmacht und spätere Vorsitzende der Koreanischen Demokratischen Partei Kim Tu-Bong, den die Sowjets im Herbst 1945 ursprünglich als zukünftigen Regierenden des nordkoreanischen Staates gewinnen wollten und der von 1948 an formelles Staatsoberhaupt Nordkoreas war, verschwand 1958 von der Bildfläche. Sein Schicksal ist unbekannt.

Im Oktober 1950 (vgl. Hoare; Pares 1988: 209) wurde Cho Man-Sik, der des Kontakts mit südkoreanischen Reaktionären beschuldigt worden war, hingerichtet. Cho war um 1945 der populärste Politiker in Pjöngjang gewesen und einige Zeit als fast sicherer Kandidat für das höchste Amt im Staat gehandelt worden.

Pak Hon-Yong, der von 1948 an Außenminister und stellvertretender Premierminister der DVRK war, wurde 1953 verhaftet und 1955 schließlich der Spionage für die USA für schuldig befunden und hingerichtet.

Ho Kai, dessen Geburtsname Alexei Ivanovich Hagai war und der der sowjetischen Fraktion der koreanischen Kommunisten angehörte, konnte sich mit Kim Il-Sung nicht einig werden über die Struktur der im Aufbau begriffenen kommunistischen Partei. Er wurde 1951 verhaftet und vermutlich in den Selbstmord getrieben (vgl. Kleiner 2001: 277).

Im Februar 1956 prangerte der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU in Moskau die Verbrechen seines Vorgängers Josef Stalin an und verurteilte die durch diesen vorgenommenen „Säuberungen“ an kommunistischen Parteimitgliedern sowie den Führerkult, der um die Person Stalins aufgebaut worden war. Die fünfstündige Geheimrede vor den Delegierten hatte auch Auswirkungen auf die verschiedenen kommunistischen Fraktionen in Nordkorea. Chruschtschows Rede sowie das Schicksal Pak Hon-Yongs trugen wesentlich (vgl. Goodman 1988: 89) zum Entschluss der Yanan - und der sowjetischen Fraktion bei, den Versuch zu wagen, Kim Il-Sung aus dem Amt zu hieven. Auf dem Treffen der Partei der Arbeit Koreas im August 1956 attackierten die Führer der Yanan- und der sowjetischen Fraktion Kim Il-Sung scharf (vgl. Fuqua 2007: 63). Choi Chang-Ik, einer der Führer der Yanan -Fraktion kritisierte Kim Il-Sungs Bestreben, die Macht vollständig auf seine Person konzentrieren zu wollen sowie die im Angesicht des Hungers in der Bevölkerung unangemessen großzügige Förderung der Industrie (vgl. Jackson 2005). Diese Ereignisse wurden als „August Incident“ (vgl. Kleiner 2001: 277) bekannt. Kim Il-Sung gelang es dennoch bis zum Jahr 1958 sowohl die Yanan - als auch die Sowjet-Fraktion ihres Einflusses zu berauben. Im September 1961 konnte er auf dem 4. Parteitag den parteiinternen Fraktionalismus für beendet erklären (vgl. Kleiner 2001: 278).

Nachdem Kim Il-Sung seine Führungsrolle durch Chruschtschows Äußerungen auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 in Frage gestellt sah, orientierte er sich außenpolitisch immer mehr Richtung China. So schloss Nordkorea im Juli 1961 mit der Volksrepublik China einen Freundschafts- und Beistandspakt. Der endgültige Bruch Nordkoreas mit der Sowjetunion kam dann im Jahr 1962 mit der Kuba-Krise. Kim Il-Sung betrachtete das Zurückweichen der Sowjets in der Kuba-Frage als Defätismus und schloss daraus auf die Unzuverlässigkeit der Sowjetunion. Diese Gedanken äußerte er auch öffentlich, worauf die Sowjetunion als Reaktion sämtliche Hilfslieferungen an Nordkorea einstellte. Der Einfuhrstopp versetzte der nordkoreanischen Wirtschaft einen schweren Schlag, den auch die Lieferungen aus China nicht zu dämpfen vermochten. Diese Problematik kann als einer der „gewichtigen Auslösefaktoren“ (Heberer 2008: 381) für den Entschluss Kim Il-Sungs gesehen werden, die Juche -Ideologie zur Grundlage des politischen Systems der DVRK zu machen.

2.1. Die Juche -Ideologie

Kim Il-Sung erwähnte die Juche -Ideologie bereits 1955 in einer Rede vor Parteifunktionären (vgl. Heberer 2008: 381). Das Land sollte zwar in der stalinistischen Tradition stehen, die Übernahme der Ideologie aus der russischen und der chinesischen Revolution sollte jedoch nur zum Zweck geschehen, in Nordkorea eine eigenständige Revolution durchzuführen. Das Ziel der Juche -Ideologie war, „einen Weg zu finden, um weder dem Vorbild aus Moskau, noch dem aus Beijing zu folgen, gleichzeitig aber nicht in Widerspruch zu beiden Lagern und zu den als Beweis für die Richtigkeit des gewählten Entwicklungsmodells geltenden Schriften der „Klassiker“, also Marx, Engels, Lenin etc. zu geraten“ (Heberer 2008:381).

Der monistische Charakter der Juche -Ideologie macht eine Gewaltenteilung zwischen den Institutionen unmöglich. „Während in der Verfassung von 1972 Juche noch als kreative Anwendung des Marxismus-Leninismus auf die besonderen Bedingungen Koreas bezeichnet wurde […]“ (vgl. Anmelung, Koch, Kurtz 2003: 306 f.), fand der Marxismus-Leninismus in der revidierten Version der Verfassung von 1992 schließlich gar keine Erwähnung mehr. Dort ist in Artikel 3 zu lesen: „Die Koreanische Demokratische Volksrepublik läßt sich in ihrer Tätigkeit von der Juche-Ideologie, einer Weltanschauung, in deren Mittelpunkt der Mensch steht, einer revolutionären Idee für die Realisierung der Souveränität der Volksmassen, leiten“ (Verfassung: Abschnitt I Politik).

Der Begriff Juche wird im Allgemeinen reichlich unzulänglich mit „Schaffen aus eigener Kraft“ (vgl. „Trutzburg Nordkorea“), „Subjekt“ (vgl. Schmidt-Neke 2005: 10) oder „Autarkie/Selbstständigkeit“ übersetzt. Unzulänglich deshalb, weil Juche vielmehr als „indigenes Denksystem“ (Anmelung, Koch, Kurtz 2003: 306) zu sehen ist und in „Abgrenzung zur Sowjetunion und der VR China […] als Höhepunkt der ideologischen Entwicklung dargestellt wird“ (vgl. Anmelung, Koch, Kurtz 2003: 306). Aufgrund ihres sozial-philosophischen Charakters hat die Juche -Ideologie denn auch große Auswirkungen auf das alltägliche Leben der nordkoreanischen Bürger. Beispielsweise gilt in Nordkorea nicht etwa der gregorianische Kalender, sondern der Juche -Kalender, der mit dem Geburtsjahr Kim Il-Sungs beginnt. In Pjöngjang ist der 170 Meter hohe Juche -Turm zu bestaunen, der das Wahrzeichen der Stadt ist. Die Kimjongilia, eine Begonien-Art, soll die Juche -Ideologie repräsentieren.

[...]

Details

Seiten
27
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640950683
ISBN (Buch)
9783640950294
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174392
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – FTSK Germersheim
Note
1,0
Schlagworte
Korea Nordkorea DVRK Landeskunde Kim Jong-il

Autor

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