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John Rawls - Eine Theorie der Gerechtigkeit als Fairness

Seminararbeit 2010 31 Seiten

Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Biographie

C. Gerechtigkeit als Fairness
I. Gerechtigkeit für die Grundstruktur der Gesellschaft
II. Das Gedankenexperiment
1. Gesellschaftsvertrag
2. Der Urzustand
a) Charaktereigenschaften
b) Die Verfahrensgrundsätze
3. Einstimmigkeit und Vertragstreue

D. Grundsätze der Gerechtigkeit
I. Der erste Grundsatz
II. Der zweite Grundsatz
1. Das Unterschiedsprinzip
2. Chancengleichheit
3. Spargrundsatz
III. Der vier Stufen Gang

E. Grenzen des Urzustandes:
I. Mangelnder Schutz der Natur und des ungeborenen Lebens:
II. Das Menschenbild der Rawlsschen Theorie

F. Von „Einer Theorie der Gerechtigkeit“ zur Idee des „Politischen Liberalismus“:

G. Zusammenfassung

A. Einleitung

„Der Wunsch, dass in der Welt Gerechtigkeit herrsche, eint die Menschen verschiedenster Kulturen und Epochen.“[1] Gerade diesem Wunsch hat sich John Rawls in „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ angenommen und erreichte damit die Wiedereinkehr der Gerechtigkeit in die philosophische Diskussion. Mit seinen Werken „Politischer Liberalismus“ und „Gerechtigkeit als Fairness“ hat er seine Theorie von 1971 weiter konkretisiert und, durch seine Kritiker beeinflusst, in eine praxistauglichere Form gebracht. Zwar wurden diese Änderungen von seinen Lesern zum Teil als irritierend empfunden und haben daher keine allzu große Zustimmung erhalten.[2] Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Rawls schon zu Lebzeiten als „Klassiker der politischen Philosophie“ bezeichnet wurde.[3]

Auch heute ist die Suche nach einer universalen Gerechtigkeitskonzeption nicht beendet. Besonders die ständig voranschreitende Interkulturalität in den demokratischen Staaten stellt den Staat vor neue Herausforderungen. So kann sich eine Nation nicht mehr hauptsächlich auf eine Kultur fokussieren, sondern muss zwischen unterschiedlichen Glaubensrichtungen, Kulturkreisen und Nationalitäten einen gerechten Ausgleich schaffen. Dabei stoßen die politischen Systeme trotz und gerade aufgrund ihrer Toleranz gegenüber Multikulturalität bei dem Versuch an ihre Grenzen, Rechtsstaatlichkeit und Stabilität aufrecht zu erhalten.

Die vorliegende Arbeit wird daher abschließend die Frage erörtern, inwiefern John Rawls Theorie dazu geeignet ist, als ein realisierbares Konzept für die moderne Gesellschaft zu fungieren, die einer ständig wachsenden Interkulturalität ausgesetzt ist. Damit eine sinnvolle Aufarbeitung dieses Themas erfolgen kann, werden vorangehend John Rawls und seine Theorie der Gerechtigkeit als Fairness grundlegend vorgestellt und durch einige exemplarische Problembereiche vertieft. Zudem ist es notwendig, durch eine kurze Einführung zu zeigen, auf welche Weise Rawls seine Theorie verändert und an das Faktum des vernünftigen Pluralismus angepasst hat. Auf diese Weise kann zwar keine umfassende Aufarbeitung der Thematik erfolgen. Jedoch liegt das Ziel der Arbeit darin, einen Überblick zu verschaffen und auf Problemkreise aufmerksam zu machen.

B.Biographie

John Jack Bordley Rawls wurde am 21. Februar 1921 in Baltimore (Maryland) geboren. Seine Eltern, William Lee Rawls und Anna Abell Stump, waren politisch sehr engagiert. Rawls Mutter setzte sich insbesondere für die Gleichberechtigung der Frau ein, was sein eigenes Interesse an der Gleichberechtigung der Frauen im Laufe seines Lebens wesentlich beeinflusste. Sein Vater war ein erfolgreicher Anwalt in Baltimore, der sogar eine Zeit lang als möglicher Kandidat für den U.S. Senat galt, jedoch wegen gesundheitlicher Probleme auf seine Kandidatur verzichtete. Rawls Kindheit war von schweren Schicksalsschlägen überschattet, insbesondere da seine jüngeren Brüder krankheitsbedingt in frühem Kindesalter verstarben, was ihn nachhaltig schwer belastete.

Sein Studium begann Rawls 1939 am Princeton College im Bereich Philosophie. Dort wurde er insbesondere von seinem Lehrer Norman Malcolm beeinflusst. Dieser weckte auch Rawls' Interesse an Religion und Philosophie. Nachdem Rawls im Januar 1943 seinen Bachelor of Arts erhielt, meldete er sich ab Februar 1943 zur Armee. Er wurde daraufhin in den Pazifik abkommandiert und diente in Neu Guinea, den Philippinen und Japan. Nachdem er vom Kriegsdienst zurückgekehrt und eine Laufbahn als Offizier abgelehnt hatte, setzte Rawls das Studium an der Universität Princeton fort. Nach seinem Abschluss promovierte er und beschäftigte sich in seiner Dissertation mit den Wesen von Charakterbeurteilungen.

Während der Arbeit an seiner Dissertation lernte Rawls seine spätere Ehefrau Margarete Warfield Fox kennen. Sie heirateten im Jahre 1949. Margaretes Interesse galt eher der Kunst und Kunstgeschichte, dennoch unterstützte sie ihren Ehemann bei der Erstellung seiner Werke. Trotz seiner mittlerweile begonnenen Lehrtätigkeit, setzte Rawls seine Studien außerhalb der Universität Princeton weiter fort. Hierfür verbrachte er ein Jahr in Oxford, das für Rawls eine besondere Bedeutung hatte. Hier lernte Rawls die wichtigsten Philosophen Oxfords, John Austin, Isaiah Berlin, Stuart Hampshire und Herbert Hart, kennen. Nachdem Rawls aus Oxford zurückgekehrt war, begann er zunächst als Assistenzprofessor an der Cornell University zu lehren und wurde dort 1956 zum Associate Professor ernannt. Dort lehrte Rawls bis zu seinem Ruf an die Universität Oxford 1962, an welcher er insgesamt 30 Jahre lehrte.

In der Zeit zwischen 1962 und 1971 vollendete er sein Hauptwerk „A Theorie of Justice“. Er brachte dafür seine Theorie in die Lehrveranstaltungen ein und verteilte zudem Manuskripte seiner Arbeit an seine Studenten und Kollegen. Deren Anregungen und Einwände bezeichnete Rawls als „unschätzbare Hilfe“ für sein Werk.[4] Er erhielt ab 1979 den Rang des University Professors, der dem höchsten Rang der Universität entspricht. Rawls veröffentlichte neben seinem Opus magnum noch weitere Werke, die sich zum Teil an „A Theorie of Justice“ anschließen und sie ergänzen. Dazu zählen insbesondere "Political Liberalism" (1993), "The Law of Peoples" (1999), "Collected Papers" (1999), "Lectures on the History of Moral Philosophy" (2000), and "Justice as Fairness: A Restatement" (2001). John Rawls verstarb 2002 im Alter von 81 Jahren.[5]

C. Gerechtigkeit als Fairness

I. Gerechtigkeit für die Grundstruktur der Gesellschaft

John Rawls stellt in „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ die Gerechtigkeit selbst in den absoluten Vordergrund seiner Überlegungen, indem er behauptet, „die Gerechtigkeit ist die erste Tugend sozialer Institutionen, so wie die Wahrheit bei Gedankensystemen“.[6] Dieser Grundthese verleiht er weiterhin Nachdruck, indem er beteuert, „eine noch so elegante und mit sparsamen Mitteln arbeitende Theorie muss fallen gelassen oder abgeändert werden, wenn sie nicht wahr ist; ebenso müssen noch so gut funktionierende und wohlabgestimmte Gesetze und Institutionen abgeändert oder abgeschafft werden, wenn sie ungerecht sind.“[7]

Diese einleitenden Sätze sind ebenso imposant, wie auch einleuchtend. Denn in der heutigen Zeit erscheint es nicht neu, eine gerechte Gesellschaft durch eine gerechte Rechtsordnung zu schaffen. Ein moderner Bürger der westlichen Welt kann sich wohl schwerlich eine Rechtsordnung vorstellen, in der der Aspekt der Gerechtigkeit keine Rolle spielt. Dagegen war die Einbeziehung der Gerechtigkeit in die Rechtslehre des 20. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit. Rawls grenzte sich damit deutlich von der Theorie des Rechtspositivismus ab, die insbesondere durch Hans Kelsen geprägt wurde und in der Rechtsphilosophie viele Anhänger hatte.[8] Auffällig ist, dass Rawls in keiner Weise auf Kelsens reine Rechtslehre eingeht, obwohl dies aufgrund der diametral entgegengesetzten Richtung seiner Theorie hätte erwartet werden können. Stattdessen stellt er seine Theorie kritisch dem Utilitarismus gegenüber, dessen Nutzenprinzip er kategorisch ablehnt.[9] Dabei erläutert Rawls nicht, aus welchen Gründen die Gerechtigkeit einen derartig hohen Stellenwert verdient, sondern statuiert dies schlichtweg als Tatsache.[10] Das erscheint allerdings auch nicht weiter verwunderlich. Denn aus dem Gedanken, dass grundsätzlich jedem Bürger eine Gerechtigkeitsvorstellung innewohnt, die in einer Demokratie über verschiedene Wege, wie z.B. über Wahlen, in die gesellschaftlichen Institutionen findet, ergibt sich, dass letztlich jedem Rechtssystem zwangsläufig eine Gerechtigkeitsvorstellung zu Grunde liegt.[11]

Rawls geht es nicht darum, die Gerechtigkeit in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Stattdessen konzentriert er sich auf die Lösung der Probleme, die sich für die „Grundstruktur der Gesellschaft“ ergeben. Dabei beschränkt er sich auf die Betrachtung der internen Struktur eines geschlossenen Systems, das keine Beziehung zu anderen Gesellschaften hat, also auf den Bereich einer Nation.[12] Rawls erhebt nicht den Anspruch, mit Hilfe seiner Theorie für alle Eventualitäten eine gerechte Lösung zu finden. Vielmehr geht es ihm um die Bildung eines „sozialen Hintergrundrahmens, indem Tätigkeiten der Verbände und der Individuen ausgetragen werden“.[13] Mit anderen Worten soll festgelegt werden, welche Rechte und Pflichten den Bürgern übertragen und welche gesellschaftlichen Güter an sie verteilt werden sollen. Daneben fordert Rawls auch die Schaffung von Grundsätzen, die für jedes Individuum verbindlich sind. Hierunter versteht er die Übereinkunft über „Grundsätze für Begriffe wie Fairness und Treue, gegenseitige Achtung und Wohltätigkeit“.[14]

II. Das Gedankenexperiment

1. Gesellschaftsvertrag

Auch in der Gegenwart sind die Gesellschaften von Missständen unterschiedlichster Art geprägt. Daher kann man auch im 21. Jahrhundert nicht von einer vollständig gerechten Gesellschaft sprechen. Zwar geraten massive Ungerechtigkeiten, wie die Unterdrückung von Minderheiten, Sklaverei und Rassenverfolgung immer mehr in den Hintergrund, dennoch bleiben andere Aspekte, wie die wachsende Kluft zwischen Armut und Reichtum, ein immerwährendes Problem. Somit stellt sich die Frage, auf welche Weise Rawls, die von ihm angestrebte gerechte „Grundstruktur“ schaffen will, und an welchen Maßstäben eine gerechte Gesellschaft als solche gemessen wird. Die Menschheit ist von Auffassungen und Meinungen unterschiedlichster Art geprägt. Dies führt zwangsläufig zu dem Problem, dass auch verschiedene Auffassungen von Gerechtigkeit herrschen. Auf welche Weise soll man sich also auf eine gemeingültige Vorstellung einigen, die von der Zustimmung aller getragen wird?

Insbesondere weil davon ausgegangen werden kann, dass die unterschiedlichen Meinungen und Lebenspläne und damit auch die unterschiedlichen Gerechtigkeitsvorstellungen der Bürger einer Nation nur schwer in einem gesellschaftlichen Konsens zu vereinen sind. Deshalb kann die Hauptaufgabe nur darin bestehen, einen gerechten Ausgleich zwischen den widerstreitenden Interessen zu schaffen, der nach Rawls nur unter fairen Bedingungen erzielt werden kann. Er versucht deshalb die Lösung in einem Gesellschaftsvertrag zu finden und orientiert sich dabei an den bekannten Kontraktualisten der Aufklärung. Rawls möchte „eine Gerechtigkeitsvorstellung darlegen, die die bekannte Theorie des Gesellschaftsvertrages etwa von Locke, Rousseau und Kant verallgemeinert und auf eine höhere Abstraktionsebene stellt“.[15] Mit Hilfe dieses Vertrags soll verbindlich festgelegt werden, welche Grundsätze in der Gesellschaft als gerecht gelten sollen.[16]

2. Der Urzustand

Damit jedoch ein vernünftiger Gesellschaftsvertrag entstehen kann, bedarf es zunächst einer geeigneten Ausgangslage in der sich die Vertragsparteien gegenübertreten. Diese Ausgangslage schafft Rawls durch ein theoretisches Konstrukt, das er den „Urzustand“ nennt. Dieser Zustand erinnert nicht nur begrifflich, sondern auch von seiner Beschaffenheit her an den „Naturzustand“, der dem klassischen Kontraktualismus entstammt.[17] Der "Urzustand" ist fiktiv und muss nicht verwirklicht werden.[18] Es handelt sich um ein „Modell“, dessen Aufgabe darin besteht, herauszufinden, auf welchen Hintergrundrahmen man sich in diesem hypothetischen Vertrag einigen würde.[19] Die Besonderheit des Urzustands liegt darin, dass die Menschen grundsätzliche Eigenschaften, die sie selbst betreffen und definieren, nicht kennen. Demzufolge wissen sie weder, welche Stellung sie in der Gesellschaft innehaben, noch ob sie arm oder reich sind. Ebenso wenig wissen sie, welche psychischen und physischen Eigenschaften, Neigungen und Charakterzüge sie besitzen. Dieses Kenntnisdefizit nennt Rawls den „Schleier des Nichtwissens“.[20] Der Vorteil liegt darin, dass unter "dem Schleier des Nichtwissens" anzunehmen ist, dass der Einzelne losgelöst von seiner Individualität darauf bedacht ist, eine Gesellschaftsform zu entwickeln, die für jede eventuelle Konstellation der späteren Eigenschafts- und Statusverteilung am erträglichsten und vor allem fair ist. Aus diesem Grund nennt er seine Lehre „Theorie der Gerechtigkeit als Fairness“.[21] Das Kenntnisdefizit hat jedoch auch Grenzen. So sollen die „allgemeinen Tatsachen über die Gesellschaft“ für die Teilnehmer bekannt sein.[22] Damit ist gemeint, dass die Menschen im Urzustand Grundkenntnisse von bestimmten Wissenschaften, also zum Beispiel Politik, Wirtschaft und Psychologie haben müssen. Diese Kenntnisse sind nach Rawls unabdingbar, um geeignete Gerechtigkeitsgrundsätze zu entwickeln.[23] In Unkenntnis verbleiben die Vertragsparteien demnach lediglich bei der Frage, welche Eigenschaften und sozialen Rollen den Individuen selbst zukommen.

a) Charaktereigenschaften

Wie bereits erläutert, unterliegen die Menschen im Urzustand dem aufgeführten Wissensdefizit und kennen ihre wesentlichen Charakterzüge nicht. Deshalb stellt sich die Frage, auf welche Weise die Menschen dann in der Lage sind zu denken und nach welchen Prinzipien sie nach einem Ergebnis suchen. Daher hat Rawls für den Urzustand spezielle Rahmenbedingungen geschaffen, die sowohl die mentalen Eigenschaften der Personen betreffen, als auch das Denkverfahren festlegen. Die erste wichtige Eigenschaft der Menschen im Urzustand, die Rawls ihnen verleiht, ist deren Vernunft. Rawls zu Folge sollen sie „ein widerspruchfreies System von Präferenzen bezüglich der [ihnen] offenstehenden Möglichkeiten“ haben, so dass ihre Wahl streng rational erfolgen soll.[24] Des Weiteren soll ihnen bewusst sein, dass sie einen Lebensplan besitzen und Ziele verfolgen werden. Ein weiterer Aspekt ihrer Denkweise soll dadurch bestimmt sein, dass die Menschen nach der Maximierung ihrer Grundgüter streben.[25] Unter dem Begriff Grundgüter versteht Rawls „Dinge, von denen man annimmt, dass sie ein vernünftiger Mensch haben möchte“.[26] Daraus ergibt sich die Annahme, dass die Personen nach der Aufhebung des „Schleiers des Nichtwissens“ darauf bedacht sind, ihr Lebensziel zu verfolgen und ihre Grundgüter zu vermehren, wobei nach Rawls unbeachtlich ist, ob das letztlich auch von ihnen bezweckt ist. Selbst dann, wenn aus religiösen Gründen ein eigentumsfreies Dasein angestrebt wird, ist es Rawls zu Folge sinnvoll, nach einer Vermehrung der Grundgüter zu streben. Schließlich sind die Menschen nicht gezwungen, die Grundgüter auch tatsächlich anzunehmen.[27]

Diese strenge Rationalität hat aber auch zur Folge, dass unter den Menschen weder Neid, noch Hass existieren darf. Ziel der Vertragssubjekte darf es nicht sein, einen Verlust nur deshalb in Kauf zu nehmen, damit andere auch Verluste hinnehmen müssen. Dies würde im Ergebnis darauf hinauslaufen, dass in der Summe alle Beteiligten in eine schlechtere Lage versetzt würden, als wenn der Neid aus der Vertragsfindung im Urzustand verbannt würde.[28] Auch sollen die Menschen im Urzustand keine Altruisten sein. Stattdessen werden sie sogar durch gegenseitiges Desinteresse gekennzeichnet.[29] Dies bedeutet nicht, dass sie ausschließlich von egoistischen Motiven geleitet werden sollen. Vielmehr ist die Tatsache, dass sie jedenfalls im Rahmen des Urzustands zunächst nur ihre eigenen Interessen verfolgen, dadurch gerechtfertigt, dass es der Gerechtigkeitsfindung letztlich am meisten zu Gute kommt. Denn wenn jedes Vertragssubjekt erst an sich selbst denkt und sich in jede mögliche Situation hineinversetzt, die nach der Aufhebung des Schleiers eintreten kann, können die Interessen eines jeden am besten berücksichtigt werden. Der Altruismus würde diesem Ziel nach Rawls entgegenstehen. Würde nämlich jeder die Interessen der anderen Menschen für maßgeblich halten, die ihrerseits wiederum ebenfalls nur das Wohl der anderen im Sinn haben, so würde man sich letztlich in einer gedanklichen Endlosschleife befinden, die zu überhaupt keinem Ergebnis führen würde.[30]

[...]


[1] Höffe, in SZ.

[2] Kersting, Einf. Rawls, S. 201.

[3] Schwaabe, PT2, S. 149.

[4] Rawls, ThdG, S. 13.

[5] Vgl. Pogge, S. 11 ff.

[6] Rawls, ThdG, S. 19.

[7] Rawls, ThdG, S. 19.

[8] Dieser vertrat in seinem Werk über die „Reine Rechtslehre“ von 1934 eine sehr strenge Version des Rechtspositivismus. Kelsen hat im Gegensatz zu Rawls die Frage nach Gerechtigkeit geradezu aus der Rechtslehre verbannt. Vgl. Braun, Rph, S. 13 ff.

[9] Rawls, ThdG, S. 44 ff. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit können nicht in gebotener Weise eine Einführung des Utilitarismus einerseits und eine Gegenüberstellung zu Rawls Theorie andererseits stattfinden. Eine ausführliche Darstellung findet sich bei Kliemt, in Höffe, ThdG, S. 97 ff.

[10] Braun, Rph, S. 123.

[11] Braun, Rph, S. 123.

[12] Rawls, ThdG, S. 24.

[13] Rawls, GaF, S. 32.

[14] Rawls, ThdG, S. 132.

[15] Rawls, ThdG, S. 27 f.

[16] Rawls, ThdG, S. 28 f.

[17] Die Ähnlichkeit des Naturzustands zu Rawls Modell wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Siehe dazu Maus, in Höffe, ThdG, S. 71.

[18] Rawls, ThdG, S. 142.

[19] Rawls, GaF, S. 42.

[20] Rawls, ThdG. S. 36.

[21] Rawls, ThdG, S. 28.

[22] Rawls, ThdG, S. 160.

[23] Vgl. Rawls, ThdG, S. 160.

[24] Rawls, ThdG, S. 166.

[25] Rawls, ThdG, S. 166.

[26] Rawls, ThdG, S. 112.

[27] Rawls, ThdG, S. 166.

[28] Rawls, ThdG, S. 169.

[29] Rawls, ThdG, S. 172.

[30] Rawls, ThdG, S. 217.

Details

Seiten
31
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640951178
ISBN (Buch)
9783640951512
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174440
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
Sehr gut (16 Punkte)
Schlagworte
John Rawls Theorie der Gerechtigkeit Urzustand Politischer Liberalismus Unterschiedsprinzip

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Titel: John Rawls - Eine Theorie der Gerechtigkeit als Fairness