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Die apostolische Sukzession und Tradition in den Schriften gegen die Häresien bei Irenäus von Lyon und Tertullian

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 19 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die apostolische Sukzession

3. Die apostolische Sukzession bis zu Tertullian und Irenäus von Lyon

4. Die apostolische Sukzession bei Tertullian

5. Die apostolische Sukzession bei Irenäus von Lyon

6. Die Modelle der apostolischen Sukzession im Vergleich

7. Wirkung von Tradition und der Lehre Christi bei der apostolischen Sukzession

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wir sind Papst“[1], so titelte eine deutsche Boulevardzeitung 2005 als Josef Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. gewählt worden ist. Als Oberhaupt des kleinsten Staates der Welt hat Papst Benedikt ein Amt inne, dessen Leitung mehr als eine Milliarde Menschen betrifft.[2]

Doch das Amt des Papstes hat einen langen und beschwerlichen Weg hinter sich, der aber nicht Gegenstand dieser Arbeit sein soll. Vielmehr beschäftigt sich diese Arbeit mit einem speziellen Aspekt bei den Anfängen des Christentums und seiner Stärkung von Innen heraus gegen andere Lehren.

So sahen sich die aufkeimenden christlichen Gemeinden jener Zeit vielen Schwierigkeiten gegenüber. Es waren nicht alleinig die Kaiser des Reiches, welche in der immer stärker zunehmenden Verbreitung des Christentums eine Gefahr sahen und versuchten diese Gefahr einzuschränken oder zu verbannen.[3] Auch tauchten auch immer wieder andere christliche Glaubensgemeinschaften auf, die sich von der bisherigen Lehre abspalteten und einen eigenen Zweig des Christentums gründeten und sich somit in ihren Praktiken und Lehren unterschieden. Nicht selten wurden diese Gruppierungen später der Häresie angeklagt, wie man im weiteren Verlauf der Arbeit sehen wird.

Allerdings führten genau diese Probleme auch zu einer innerkirchlichen Stärkung gegenüber äußeren und inneren Konflikten und zu Abgrenzungsversuchen zu Häresien und Schismen. Die permanent steigende Anzahl an neuen Gemeindemitgliedern erforderte das Festlegen von Ämtern und deren Aufgaben sowie Zuständigkeitsbereiche.[4]

Dies soll unter anderem auch Gegenstand dieser Arbeit sein. Anhand der Schriften gegen die Häresie von Tertullian und Irenäus von Lyon soll gezeigt werden, wie sich aus den Versuchen zu einer klaren Trennung zwischen wahrem Glauben und häretischen Lehren eine Festigung der innergemeindlichen Angelegenheiten entwickelte und welche Veränderungen und Neuerungen es zu den vorhergehenden Modellen von Sukzession, Tradition und Lehre gab.

Von dieser Sukzessionstheorie waren unter anderem Irenäus von Lyon und Tertullian überzeugt und benutzten dies als Waffe, um die Häretiker ins Abseits zu stellen. Für die Forschung stellen diese Schriften gegen die Häresie durchaus auch einen Mehrwert an Informationen zur apostolischen Sukzession und Tradition dar. Zunächst soll auf die Auslegungen und Theorien der apostolischen Sukzession vor der Zeit von Tertullian und Irenäus eingegangen werden, bevor die Schriften gegen die Häresie beider hinsichtlich der Sukzessionsreihenfolge näher untersucht werden. Anschließend soll ein Vergleich die Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzeigen und welche Einflüsse die Beweisführung einer apostolischen Überlieferung für die Kirche gehabt haben könnte.

Davon ausgehend soll dann nicht nur in den Schriften herausgefiltert werden, wie und ob die christliche Tradition verteidigt und gegenüber häretischen Lehren gestärkt wird, sondern auch, in welcher Beziehung die apostolische Sukzession und die Tradition zueinander gesetzt werden.

2. Die apostolische Sukzession

„Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“, auf dieses Bibelzitat wird sich mehrfach von vielen Christen und vor allem Bischöfe und Kirchenväter, unter anderem wie weiter unten beschrieben Tertullian und Irenäus, bei der Aufstellung der apostolischen Sukzessionstheorie bezogen, um ihr Recht auf die wahren Träger der Lehre Christi zu bezeugen.[5]

Zu der Zeit von Tertullian und Irenäus waren die letzten Christen, die mit den Aposteln Kontakt gehabt haben konnten, bereits seit kurzer Zeit verstorben und so musste geklärt werden, wie die Tradition des Christentums weitergegeben werden konnte, was schließlich zur Ausarbeitung der Sukzessionstheorie führte.[6] Doch diese Theorie konnte nur funktionieren, wenn in jeder Gemeinde auch das Gleiche gelehrt werden würde. Sollte ein Bischof in der zweiten Generation bereits eine abweichende Lehre verbreiten, so konnte er selbst nicht in Kontakt mit der apostolischen Tradition gekommen sein, bzw. diese vorsätzlich verfälscht haben.

3. Die apostolische Sukzession bis zu Tertullian und Irenäus von Lyon

Bevor die Kirchenvertreter sich am Zuge der Beweiserbringung für die wahre Lehre fühlten, sahen sich die Häretiker in der Verpflichtung nachzuweisen, dass ihre verbreitete Lehren in einer Verbindung zur Traditionsreihe gehören.[7] Dennoch gilt es zu erwähnen, dass die Gnostiker nicht die ersten waren, die auf eine sukzessive Reihenfolge zurückgriffen. Bereits im Judentum und in der Schulphilosophie der Antike war dies bereits eine gängige Methode, um „ein Depositum unverfälscht zu bewahren“.[8] Im Unterschied zu den späteren Sukzessionstheorien, war es bei den anfänglichen sukzessiven Beweisführungen noch kein Standard die Lehren der Amtsträger als verbindlich zu kennzeichnen.

Als erster Vertreter der apostolischen Sukzessionstheorie gilt Hegesipp.[9] Er stellte bei seinen Reisen nicht nur fest, dass in den Gemeinden von Korinth bis nach Rom die gleiche Lehre verbreitet wurde, sondern er erstellte auch eine Bischofsreihe, welche er Diadoche[10] nannte.

Etwas früher lässt sich neben Hegesipp bereits in Clemens erstem Brief bei 42,1-5 ein Vorläufer der apostolischen Sukzession finden.[11] So schrieb Clemens an die Korinther, dass Jesus seinen Jüngern die Aufträge erteilte und die Lehre weitergab, welche er selbst von Gott erhielt und die Jünger darauf hin ausströmten und selbst Bischöfe und Diakone als ihre Nachfolger ernannten, um ihre Predigten in den Gemeinden weiterzugeben.

Diese Art der Beweisführung ermöglichte es den Bischöfen, sofern sie in der Lage waren eine Abfolge rückführend von ihnen ausgehend hin zu einem Apostel vorzuweisen, ihre Besetzung des Amtes zu legitimieren und zu predigen. Die Häretiker und Gnostiker hatten gegen die Sukzession keine Chance, da sie sich selbst meist auf geheime Traditionen beriefen.[12]

Martin erwähnt noch einen Unterschied zur Sukzessionstheorie, der bei Ignatius zu finden ist.[13] Dieser setzte die Bischöfe nämlich in eine senkrechte Beziehung zu Gott. So war der Bischof im Sinne Jesus Christus und Jesus Christus wiederum war im Sinne Gott. Die spätere Sukzessionstheorie allerdings ermöglichte es, die Bischöfe in einer waagrechten Beziehung in eine Reihenfolge der rechtsmäßigen Träger der wahren Lehre einzuordnen, welche ununterbrochen zurück bis auf die Apostel führt.

Als Mitte des 2. Jahrhunderts die letzten Personen starben, die mit den Aposteln in direktem Kontakt gestanden hatten, befand sich die Auseinandersetzung mit der Gnosis auf ihrem Höhepunkt.[14] Diese Umstände veranlassten viele Vertreter der Kirche zu einer stärkeren und schärferen Beschäftigung mit dem Kampf gegen die Häresie,[15] was zu den nun aufgeführten Schriften gegen die Häresie führte.

4. Die apostolische Sukzession bei Tertullian

Tertullian hat es sich mit seinem Werk „De praescriptione haereticorum“[16] mittels seiner juristischen Kenntnisse[17] zur Aufgabe gemacht die Häretiker Abseits der, seiner Meinung nach, wahren Kirche zu stellen, ohne dabei Bezug auf die Bibel nehmen zu müssen. Denn nur der rechtmäßige Besitzer der Heiligen Schrift dürfe diese benutzen, um den wahren Glauben zu vertreten.[18] Und die Streitfrage um den wahren Besitzer der Heiligen Schrift ist eines der Hauptanliegen seiner Prozesseinrede gegen die Häretiker, weshalb er Abstand davon nimmt, sich in seiner Rede auf die Bibel zu beziehen.

Dank dieser Prozesseinrede gegen die Häretiker ist es möglich einen Einblick in das Verständnis eines der ersten Kirchenväter zu erhalten und es gibt Auskunft über Rechtfertigung und Glaube an seine eigene Kirche und deren Tradition. Für diese Arbeit soll jedoch der Fokus zunächst auf die apostolische Sukzession und deren Rechtfertigung gegenüber der Häresie liegen.

Ein wichtiger Bestandteil der Rede ist Tertullians Erläuterung zur apostolischen Sukzession, die zwar nahezu deckungsgleich mit früheren Sukzessionstheorien ist, aber auch neue Aspekte vorweist:[19] So steht am Anfang Gott selbst, der mit Hilfe des Heiligen Geistes seinen Sohn Jesus Christus schuf. Jener wiederum übertrug auf die Apostel durch den Heiligen Geist seine Kraft. Die Apostel gründeten nun mehrere Gemeinden, angefangen mit Judäa, welche bei Tertullian mit „apostolischen Gemeinden“[20] tituliert sind. Diese apostolischen Gemeinden besaßen nun den Samen des Glaubens, welcher sich zentrifugal von den Urgemeinden aus verbreitete. Da aber alle nachfolgenden Gemeinden von eben diesen abstammen, dürfen sie sich selbst, nach Tertullian, auch als apostolischen Gemeinden betrachten.

[...]


[1] Die Presse: Habemus Papam: Josef Ratzinger ist Papst Benedikt XVI (10.12.2009), in: Die Presse.com, URL: http://diepresse.com/home/jahrzehnt/526851/Habemus-Papam_Josef-Ratzinger-ist-Papst-Benedikt-XVI?from=simarchiv (Stand: 07.01.2011).

[2] Wikipedia-Autoren: Römisch-katholische Kirche (03.01.2011), in: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misch-katholische_Kirche (Abgerufen: 07.01.2011).

[3] Karen Piepenbrink, Antike und Christentum. Geschichte Kompakt, Darmstadt 2007, S. 11f.

[4] Ebd., S. 6.

[5] Jochen Martin, Der Weg zur Ewigkeit führt über Rom. Die Frühgeschichte des Papsttums und die Darstellung der neutestamentlichen Heilsgeschichte im Triumphbogenmosaik von Santa Maria Maggiore in Rom, Stuttgart 2010, S. 25.

[6] Jochen Martin, Die Genese des Amtspriestertums in der frühen Kirche. Der priesterliche Dienst III, Freiburg - Basel - Wien 1972, S. 95.

[7] Ebd., S. 95.

[8] Ebd., S. 95.

[9] Martin, Der priesterliche Dienst, S. 96.

[10] Ebd., S. 96.

[11] Siehe hierzu und im Folgenden: Joseph A. Fischer (Hg.), Die apostolischen Väter, Schriften des Urchristentums, 1. Teil, Darmstadt 1998. S. 77.

[12] Martin, Der priesterliche Dienst, S. 96.

[13] Siehe hierzu und im Folgenden: Martin, Der priesterliche Dienst, S. 96.

[14] Martin, Der priesterliche Dienst. S. 95.

[15] Ebd., S. 95.

[16] Martin, Der Weg zur Ewigkeit führt über Rom, S .25.

[17] Henrike Maria Zilling, Tertullian. Untertan Gottes und des Kaisers, Paderborn 2004, S. 33.

[18] K. A. Kellner, Tertullians ausgewählte Schriften, Hg. Gerhard Esser, Bibliothek der Kirchenväter 2, Kempten - München 1915, S. 669.

[19] Siehe hierzu und im Folgenden: Ebd., S. 324.

[20] Kellner, Tertullians ausgewählte Schriften, S. 324.

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640953158
ISBN (Buch)
9783640953455
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174511
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Häresie Sukzession Tertullian Irenäus Kirchenväter

Autor

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