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Kasustheorie: Struktureller und inhärenter Kasus

Hausarbeit 2006 25 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.X-bar-Theorie
2.1 Der strukturelle Kasus
2.1.1 Nominativ- und Akkusativsubjekte
2.1.2 Nomina und Adjektive
2.2 Struktureller- vs. Inhärenter Kasus

3. Schluss

Literatur

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Kasustheorie in den romanischen Sprachen. Über den Vergleich mit dem Deutschen wird der Parameterbegriff abgeleitet, und es werden Unterschiede zwischen den romanischen Sprachen und dem Deutschen auf eine unterschiedliche Parameterfixierung zurückgeführt. Darüber hinaus werden an Beispielen von Passivsätzen zwei Kasustypen vorgestellt: struktureller vs. inhärenter Kasus. In den romanischen Sprachen wird das Komplement[1] (sofern es kein Pronomen ist) in der Regel rechts vom Verb realisiert, während es im deutschen normalerweise links vom Verb realisiert wird.

Das Deutsche verfügt über ein morphologisches Kasussystem, DP und Pronomina sind kasusmarkiert (d.h. der Kasus ist in Form einer bestimmten Endung sichtbar), im Französischen, Italienischen und Spanischen ist die Kasusmarkierung der DP im Gegensatz zur der der Pronomina nicht sichtbar(Müller/Reimer 1998:S 79).

(1)

Die Frau (Nom) schenkt dem Sohn (Dat) ihrer Freundin (Gen) einen Pullover

Bei der Übersetzung dieses Satzes in das Spanische habe ich festgestellt, daß der Kasus zwar nicht morphologisch markiert wird, aber die Präposition a das Dativobjekt und die Präposition de das Genitivobjekt einleiten.

(2)

S La mujer (Nom) regala un jersey (Akk) al hijo (Dat) de su amiga

Pronominalisiert man nun das direkte und indirekte Objekt, sieht man, daß im Pronominalsystem Kasus morphologisch realisiert wird.

(3)

S La mujer (Nom) se (Dat) lo (Akk) regala.

Im Deutschen wird also Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ morphologisch markiert. Im Spanischen ist die Kasusmarkierung an den DP nicht sichtbar. Dativobjekte werden durch die Präposition a eingeleitet, Genitiv wird durch die Präposition de markiert.

(4)

D Marias Buch

F Le livre de Maria

I Il libro de Maria

S El libro de Maria

(Beispiele aus Müller/Reimer 1998:S 81)

Der Unterschied des Deutschen zu den romanischen Sprachen liegt nur darin, daß bei der DP die Kasusmarkierungen sichtbar sind. Man kann im Allgemeinen davon ausgehen, daß das Verb einem Argument[2] einen Kasus zuweist, es jedoch sprachspezifisch ist, ob dieser auch morphologisch realisiert wird. In der generativen Grammatik unterscheidet man zwischen morphologischem Kasus, der durch Flexion realisiert wird, und abstraktem Kasus, der sich auf die Kasustheorie unabhängig von ihrer Realisierung bezieht(Ramers 2000: S.90).

Generative Grammatik(Abkürzung GG) bezeichnet auf A.N Chomsky zurückgehendes Grammatikmodel, das auf Grundlage eines Alphabets (d. h von Symbolen wie S für Satz, NP für Nominalphrase, N für Nomen) und Strukturregeln Sätze einer Sprache generiert, d. h sprachliche Formen in Übereinstimmung mit einer grammatischen Regelsystem erzeugt. Häufiger wird der Begriff GG als Synonym zu generative Transformationsgrammatik verwendet. In der Transformationsgrammatik wird zwischen Oberflächenstrukturen und abstrakteren zugrunde liegenden Strukturen von Sätzen unterschieden. Im engerem sinn einzelne Ausprägungen der GG, in denen Tiefenstruktur eines Satzes durch Transformation mit seiner Oberflachenstruktur in Beziehung gesetzt wird(Quelle: www.lexikon.meyers.de/index.php/Generative_Grammatik).

„Die Tatsache, daß die morphologische Realisierung der einzelnen Kasus nicht eindeutig ist oder oft keine sichtbare Kasusmarkierung vorhanden ist, besagt nicht, daß es die Kasus in der jeweiligen Sprache nicht gibt.“[3] Hierauf aufbauend wurde in der generativen Grammatik der so genannter Kasusfilter formuliert, nach dem jede syntaktisch realisierte Nominalphrase/ DP stets abstrakten Kasus erhalten muß, ganz gleich, ob er morphologisch realisiert wird oder nicht(vgl. Müller/Reimer 1998:S 80-81).

2.X-bar-Theorie

X-bar-Schema regelt den Aufbau von Phrasen. Die Phrasen(z.B. VP, AP, NP und PP), die dieselbe interne Struktur haben und sie enthalten immer eine lexikalische Kategorie, die den Kopf der Phrase bildet und der Phrase ihren Namen gibt(Müller/Reimer 2000:S 59).

In der Arbeit Müller/Reimer gibt es ein Schema, wonach alle Phrasen aufgebaut werden:

(5)

X”→ SpecX”; X’

X’*[4] →X’; Y” (Adjunkt(e))

X’→Xº; Z” (Komplement(e))

(Beispiele aus Müller/Reimer 2000:S 60)

X ist eine Variable, also ein Kopf. Das Apostroph an der Variable X (X ’)stellt die Zwischenprojektionsebene (die Repräsentationsebene in der syntaktischen Struktur) eines Elements X dar. Auf dieser Ebene wird X mit vorhandenem Komplement verbunden. Sie ist anders als , sie ist komplexer und verhält sich anders als X” (Ramers 2000:S 45). Zwei Apostrophe an einer X (X”) bedeuten, daß in der X-bar-Theorie maximale Projektionsebene erreicht ist. ist sehr oft als X dargestellt und bezeichnet über dem Lexem Stehende Projektionsebene(Hentschel/Weydt 2003:S 468).

SpecX” kennzeichnet die Spezifiziererposition. Im X-bar-Schema Spezifizierer können z.B Determinanten sein (Abkürzung D). Determinanten sind die unmittelbare Konstituenten und modifizieren gesamten Rest der Phrase(Ramers 2000:S 49). Y” representiert Adjunkte, sie sind fakultative Ergänzungen zum Kopf, d.h., der Satz ist auch ohne Adjunkte grammatisch (Ramers 2000:S 50). Z” steht stellvertretend für das Komplement einer X.Die Komplemente werden vom Kopf selegiert. Komplemente und Spezifizierer haben die Rolle der Ergänzung zum Kopf(Ramers 2000:S 48).

In der X-bar-Theorie wird angenommen, daß Phrasen nicht nur aus der Ebene des Kopfes und der seiner maximalen Projektion seines Kopfes bestehen. Im Baudiagramm ist die Phrase in drei Ebenen gegliedert. „Präterminale Kette“ ist die Ebene der Wortkategorien, also die unterste Ebene. Auf diese Ebene steht der Kopf X und sein Komplement Z” Im Strukturbaum erscheinen die Komplemente auf der gleichen Ebene wie der Kopf. Das Komplement ist also Schwester des Kopfes(Ramers 2000:S 47) Der Kopf und das Komplement sind Töchter der X ’.Adjunkte werden als Y” dargestellt sind Schwester und Töchter von X’ Die Zwischenprojektionsebene bildet mit dem Spezifikator der XP, der maximaler Projektion X, die zweite Ebene des X-bar-Schemas. Der Spezifizierer ist die Ergänzung des Kopfes auf der höheren Ebene und das Komplement ergänzt sich auf der untersten Ebene(Ramers 2000:S 47).

Es gibt nur eine Spezifikatorposition pro Phrase. In romanischen Sprachen D erscheint links vom Nominalen Kopf in einer Position, die Spezifikator genannt wird(Lonnemann, Birgit 2006:Sitzung 3.S 18).

(6)

(Beispiele aus Lonnemann, Birgit 2006:Sitzung 3. S 18)

Die übrigen lexikalischen Kategorien V, A und P lassen sich zu den jeweiligen Maximalen Projektion VP, AP, und PP erweitern. Setzt man anstelle des jeweiligen Kopfes den Platzhalter X, erhalt man das X-bar-Schema, das auf die Grundstruktur aller Phrasentypen zutrifft(Lonnemann, Birgit 2006:Sitzung 3. S 20).

(7)

(Beispiele aus Lonneman, Birgit 2006:Sitzung 3. S 20).

Kopf (X) ist das Element welches darüber entscheidet, welche weiteren Elemente in einer Phrase vorkommen. Komplement (YP) ist von der Argumentstruktur des Kopfes abhängig. Wenn ein Argument nicht als Komplement realisiert wird, wird es in jedem Fall mitgedacht. (Y P) ist die Schwester von X und Tochter von X ’. Adjunkt (ZP, WP) ist von der Argumentstruktur des Kopfes unabhängig, ist Schwester und Tochter von X’. Spec, XP ist Schwester von X ’ und Tochter von XP (Lonneman, Birgit 2006:Sitzung 3. S 21).

2.1 Der strukturelle Kasus

Komplement wird vom Verb kasusmarkiert und Verb weist dem Komplement den Akkusativ zu.

(8)

I travato un lavoro

S encontrado un trabajo

( Beispiele aus Müller/Reimer 1988:S 82)

[...]


[1] Komplement: Als Komplemente werden VP-interne obligatorische Konstituenten bezeichnet (↔ Adjunkt) (Müller/Reimer 1998:S 248).

[2] Argument, internes/externes: referierende ausdrücke, die sich auf eine Entität, über die gesprochen wird beziehen. Als interne Argumente bezeichnet man die VP-internen Argumente, ais externes Argument das in der SpecIP-Position basisgenerierte(Müller/Reimer 1998: S 245-46).

[3] Zitat aus Müller/Reimer 1998:S 80.

[4] Die Eigenschaft der Rekursivität der Adjunkte wird im Schema in der Arbeit von Müller/Reimer 1998 durch einen hochgestellten Stern gekennzeichnet.

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640953523
ISBN (Buch)
9783640953493
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174641
Note
2,3
Schlagworte
kasustheorie struktureller kasus

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Titel: Kasustheorie: Struktureller und inhärenter Kasus