Lade Inhalt...

Narrative Strukturen und ihre Konstruktion mit dem Schwerpunkt auf Zeitlichkeit in Alan Moores und Dave Gibbons „Watchmen“

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Erzählzeit
2.2. Anordnung und Größe der einzelnen Bilder
2.3. Wenn ein Bildgitter zu einem Bild verschmilzt
2.4. Was verbirgt sich zwischen den einzelnen Bildern

3. Schlussteil
3.1. Die Macht visueller Eindrücke

4. Literaturverzeichnis

1.1. Einleitung

Das Literaturgenre Comic, speziell das 1986 erschienene Superheldenheft „Watchmen“ von Alan Moore und Dave Gibbons soll hinsichtlich der Konstruktionen von Bildern durch comiciale erzählerische Stilmittel und ihrer Wirkung auf den Leser, Gegenstand dieser Arbeit sein.

Charakteristisch für ein Comic ist die semiotische Komplexität von verbalen und nonverbalen Zeichen. Diese interagieren miteinander und fordern den Leser zur Entschlüsselung oder zu einer individuellen Interpretation des Gesamtzusammenhangs auf.

Im folgenden möchte ich im Hauptteil meiner Arbeit zuerst auf die Anordnung und die Größe der einzelnen Bilder der Geschichte zu sprechen kommen und anhand dessen versuchen den Erzählthytmus des Comics zu begründen. Hierbei möchte ich auch auf einen besonderen Fall der Einteilung zu sprechen kommen und auf das Vollbild mit seiner speziellen Wirkung näher eingehen.

Daran anknüpfen möchte ich mit der Frage, was sich zwischen den einzelnen Bildern gedanklich beim Leser abspielt und herausfinden, was der englische Begriff closure umschreibt. In diesem Teil der Arbeit soll deutlich werden welche Wirkung verschiedene Bilddetails auf die Zeit innerhalb der Erzählung haben.

Bei der Erarbeitung dieser genannten Aspekte werde ich keine Stellung nehmen zu verbalen Zeichen, wie Texten die als Äußerung oder Gedanken von Figuren oder die Szene beschreibend (storytelling) in die Bilder eingefügt sind. Ebenso wenig be- rücksichtige ich in diesem Text die farbliche Gestaltung der behandelten Bilder- geschichte. Die Konzentration liegt auf bildlichen, formalen Bestandteilen mit denen ein Comic erzählt wird.

2. Hauptteil

2.1. Erzählzeit

In Auseinandersetzung mit einer Bildergeschichte und Zeit gilt es diese, ähnlich wie bei allen anderen Literaturformen, in Erzählzeit und erzählte Zeit zu teilen. Erstere beschreibt die Zeit die man für das Lesen eines Comics im allgemeinen aufzuwenden hat. Sie ist subjektiv, das heisst von Leser zu Leser unterschiedlich und abhängig von verschieden formellen Aspekten. Bei Bilder-geschichten sind neben den Texten die vor allem die bildlichen Details aufzunehmen und zu verarbeiten.

Mit der Textform vertraute Leser können den Inhalt der einzelnen Bilder (englisch panel/frame) schneller verinnerlichen, als jemand der das erste Mal zu einer Bildergeschichte greift.

Auf die Lesegeschwindigkeit aber auch auf den inhaltlichen Anspruch einflussreiche formelle Aspekte sind die Anordnung der einzelnen Bilder und ihr Format, der Detailreichtum in ihnen und ihr Zeichenstil. Das Erzählen anhand von vielen Bildern passiert schneller, als das Erzählen in wenigen Bildern.

Bilder zeigen innerhalb einer Sequenz (Abfolge von mehreren Bildern, die eine Handlung beschreiben) immer nur Teile einer bestimmten Handlung, das heisst je mehr Bilder für eine Handlung verwendet werden, desto kürzer ist der zeitliche Abstand zwischen ihnen.1

2.2. Anordnung und Größe der einzelnen Bilder

Die einzelnen Bilder einer Comicseite wirken bei erster Betrachtung zuerst gemeinsam, da der Leser alle Bilder auf einen Blick betrachtet. Das heisst alle Abbildungen vermitteln im ersten Moment gemeinsam einen Eindruck, bevor jede einzelne von ihnen (gewöhnlich von links nach rechts) unter die Lupe genommen wird. Erst danach kann der Leser durch nähere Anschauung und Fokusierung einzelner Bilder eine Handlung aus ihrer gemeinsamen Wirkung aufeinander erschließen, es entsteht ein Zusammenhang zwischen ihnen. Der formale Zusammenhang steht vor dem inhaltlichen Zusammenhang. Eine Comicseite zeigt durch ein Konstrukt von Bildern eine Konstruktion von inhaltlichen Zusammenhängen.

Allein beim Durchblättern unterschiedlicher Comics, ohne Berücksichtigung auf den Inhalt, wird ersichtlich, dass es ein rechteckiges Standardformat gibt. Es ist ausschlaggebend auf die Lesegeschwindigkeit und den Erzählrhythmus wie die Bilder im gesamten Bildgitter angeordnet sind und ob sie durch abweichende Größe und dem damit einhergehenden Raum für Details besonders ins Auge des Lesers stechen.

Jakob F. Dittmar hat dies in seiner Auseinandersetzung der Konstruktion von Narration in Comics vortrefflich auf den Punkt gebracht:

Das Bildgitter (Panel Grid) erlaubt die Kontrolle über den Erzählfluss und die Lenkung der Aufmerksamkeit des Lesers zu einem gewissen Punkt, da dem menschlichen Sehen entgegenkommende Bereiche der Seite gezielt für einzelne Motive oder Schwerpunkte der Narration genutzt werden können, die so direkt ins Auge springen.

Je nach Regelmäßigkeit des Rasters kann der Detailreichtum und damit auch der Erzählrhythmus gesteuert werden.2

Der Superheldencomic Watchmen ist in zwölf Kapitel unterteilt von denen jedes außer das letzte, welches aufgrund inhaltlicher Aspekte, die den Höhepunkt der Geschichte beschreiben, separat zu betrachten ist, exakt über achtundzwanzig Seiten erzählt wird. Wir finden demnach über elf Kapitel hinweg pro Kapitel achtundzwanzig Bildgitter mit derselben Größe von 367,2 cm². Der leere, weiße Raum zwischen den einzelnen Bildern (englisch Gutter) beträgt stets 2mm.

Die einzelnen Bildgitter dieser insgesamt 308 Seiten sind wie folgt unterteilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Auge des Lesers wird demnach am häufigsten mit Bildgittern die in 9 einzelne, gleichgroße Bilder (39,5cm²) unterteilt sind konfrontiert. Auch auf den Seiten, die über weniger als 9 Einzel-bilder verfügen, dominieren quantitativ diejenigen die als Format den neunten Teil (abzüglich der Leerräume zwischen den Einzelbildern) eines Gesamtbildgitters aufweisen. Dieses in Watchmen, aber auch in allen anderen Comics, durch seine Vielzahl vorherrschende Bildgitter und Bildformat bietet in seiner Betrachtung durch den Leser eine Regelmäßigkeit und kontrolliert so den Erzählfluss.

In logischer Konsequenz verursachen Bilder, die von einer gewissen Standardgröße abweichen, eine Unregelmäßigkeit in der Anschauung des Bildgitters. Der Aufbau der Seite und des Bildgitters sind für den Betrachter anders konstruiert als es sein Auge gewohnt ist. Deshalb bleibt der Blick unweigerlich auf der Seite haften, speziell auf dem Bild, dass größer ist als die anderen und somit bereits rein visuell eine Besonderheit darstellt. In diesen Momenten wird der Lesefluss in erster Instanz ausschließlich durch einen formalen Aspekt gestört und die Lesegeschwindigkeit verlangsamt sich zwangsläufig.

Aber auch auch in zweiter Instanz wirkt sich die Größe des Bildes auf das Erzähltempo aus. Mehr Raum bedeutet mehr Details, die das Auge zu erfassen hat, um einen Kontext zu den anderen panels herzustellen. Diese Details wiederum drücken mehr Aktion zur gleichen (erzählten) Zeit aus.

[...]


1 Vgl. Jakob F. Dittmar, Comic Analyse, Konstanz, 2008, S. 165f.

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640952571
ISBN (Buch)
9783640951970
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174691
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
narrative strukturen konstruktion schwerpunkt zeitlichkeit alan moores dave gibbons

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Narrative Strukturen und ihre Konstruktion mit dem Schwerpunkt auf Zeitlichkeit in Alan Moores und Dave Gibbons „Watchmen“