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Was ist Autonomie und wie kann man sie erlangen?

Hausarbeit 2011 9 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Jean-Jaques Rousseau und seine Ansicht über Autonomie

Immanuel Kant und sein Autonomiebegriff

Jacques Ranciere und seine Meinung zur Selbstbestimmung

Fazit

Vorwort

Ich werde mich in meiner heutigen Arbeit mit dem Begriff der „Autonomie“, welchen wir mit dem Wort „Selbstbestimmung“ übersetzen können, auseinandersetzen. Hierbei werde ich mich auf die Erziehungstheoretiker Rousseau, Kant, sowie Ranciere beziehen und versuchen, Ihnen den Autonomie-Begriff ein wenig näher zu bringen. Ich werde nun mit Jean Jaques Rousseau beginnen, und probieren, Ihnen seine Sichtweise, so wie ich sie verstanden habe, zu vermitteln.

Jean-Jacques Rousseau und seine Ansicht über Autonomie

Gleich wie bei Kant besteht das Ziel der Erziehung laut Jean-Jacques Rousseau darin, aus einem Kind einen vernünftigen und klugen Menschen zu machen. Ein autonomer beziehungsweise selbstbestimmter Mensch zeichnet sich seiner Meinung nach darin aus, dass er nach vollendeter Erziehung dazu in der Lage ist, alle Ereignisse selber zu beurteilen und vorherzusehen. Des Weiteren soll er seine Lektionen von den Dingen an sich bzw. von der Natur erhalten anstatt von anderen Menschen. Ein weiteres Merkmal für die Selbstbestimmung einer Person ist, dass sie sich nicht von der Meinung der Gesellschaft leiten lässt, sondern dass sie sich durch Reflexion mit den Dingen selber eine Meinung bildet. Um das Ziel der Erziehung eines Kindes zu einem autonomen Menschen zu erreichen, sieht Rousseau die einzige wahre Methode in der Indirekten. Hierbei soll das Kind zum Schein im Glauben gelassen werden, es sei „der Meister“ und dennoch soll der Erzieher beziehungsweise die Erzieherin das Kind manipulieren, denn ein Kind ohne Fähigkeiten und ohne Wissen ist einer erwachsenen Person stets unterlegen. In anderen Worten bedeutet dies, dass das Kind stets das tut, was es tun möchte. Es soll aber laut Rousseau gleichzeitig nur das wollen, was der Erzieher bzw. die Erzieherin als richtig empfindet. Wenn wir uns als ErzieherInnen daran halten, so folgt laut Rousseau automatisch die Schlussfolgerung, dass das Kind aufgrund dessen, dass es stets nur das tut, was es will, bald nur noch das macht, was es nach unserer Meinung tun soll. Dies begründet er damit, dass es innerlich spürt, dass wir zu ihm stehen und ihm nicht entgegenwirken, was wiederum zur Folge hat, dass sich das Kind stets so gibt, wie es wirklich ist und uns nicht belügt. Dadurch ist es uns ErzieherInnen möglich, dem Kind Anweisungen zu geben, ohne dass es dies bemerkt. Für Rousseau sind alle Menschen, egal aus welchen Schichten sie stammen, dazu in der Lage, autonome Menschen zu werden, denn laut ihm ist der Mensch von Natur aus gut. Es liegt seiner Meinung nach eindeutig an der schlechten Erziehung, sollte dies nicht gelingen. (vgl. Rousseau 1995)

Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei jedoch nur um Autonomie in indirekter Weise. Das Kind genießt zwar nach seiner Auffassung einen Schein der Freiheit, aber dennoch muss es seinen Willen beugen, auch wenn es ihm nicht bewusst ist. Die Eltern und ErzieherInnen haben immer noch die Macht über das Kind und entscheiden selber, was für das Kind richtig oder falsch ist, indem sie ihm indirekte Belehrungen geben. Es handelt sich also meiner Meinung nach nur um Autonomie zum Schein, weil das Kind wie oben schon erwähnt nur das wollen darf, was die Eltern als richtig empfinden, zumindest ist dies in der Kindheit so. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass Menschen, die in dieser Weise erzogen werden, später in ihrem Leben dem „Ideal der Selbstgenügsamkeit und Unabhängigkeit“ näher kommen können als Menschen, die sich immer und bewusst den Meinungen der Eltern unterwerfen müssen, weil sie seit Kindheit an mit dem Glauben aufwachsen, sie würden eigene Entscheidungen treffen und somit auch später diese Angewohnheit nicht aufgeben wollen, wenn sie mit der Gesellschaft konfrontiert sind. Meiner Meinung nach lässt sich daraus schließen, dass laut Rousseau Autonomie Kindern solange, bis sie ein gewisses Alter erreichen, nur zum Schein gegeben werden kann, bis ihre Vernunft so weit entwickelt ist, so dass sie dazu in der Lage sind, diese zu jederzeit zu gebrauchen. Dann können Menschen autonom und gleichzeitig vernünftig handeln. Würde man dagegen schon ein Kleinkind in direkter Weise autonom handeln lassen, würde dies meiner Ansicht nach zu gravierenden Schwierigkeiten führen, denn welches würde von sich aus vernünftig werden wollen, wenn es den Begriff der Vernunft nicht einmal kennt? Oder welches Kind würde freiwillig zur Schule gehen oder anderwärtigen als lästig empfundenen Pflichten freiwillig nachgehen? Hier ist die Einwirkung von Erwachsenen auf jeden Fall notwendig, und die Methode wie sie Rousseau darstellt, gefällt mir sehr gut, weil das Kind die wichtigen Dinge im Leben ohne Zwang und Druck erlernen kann. Die Frage ist nur wie man seinen Ansatz auf spezifische Situationen im Alltag anwenden kann. Er beschreibt in seinem Werk zwar sehr gut, wie die Ergebnisse durch solch eine Erziehung aussehen sollen und alles klingt schön und gut, aber meiner Meinung nach schildert er nicht ausreichend, wie Menschen diese Punkte umsetzen sollen, worauf man achten sollte und vor allem berücksichtigt er nicht, dass Menschen schnell ungeduldig werden, sobald Schwierigkeiten mit den eigenen Kindern auftreten und womöglich hat man in solchen Situationen nicht ausreichend viel Geduld um das Kind nur indirekt zu belehren, sondern man greift schnell auf direkte Methoden und Strafen zurück. So zum Beispiel wenn sich ein Kind von einem Tag zum anderen weigert, in die Schule zu gehen, wobei jedem bewusst ist, dass das Kind der Schulpflicht gehorchen muss. In dieser Situation hat man nicht die Zeit dazu, ruhig zu bleiben und das Kind selber entscheiden zu lassen, ob es nun hingeht oder nicht, das wäre meiner Meinung nach zu viel der Autonomie, weil das Kind in jungen Jahren noch nicht so weit in die Zukunft denken kann, um zu erkennen, dass die Schule notwendig ist, um sich als Erwachsener in die Gesellschaft integrieren zu können.

Immanuel Kant und sein Autonomiebegriff

Immanuel Kant ist der Ansicht, dass ein Mensch dann zu Autonomie bzw. Selbstbestimmung gelangen kann, wenn es ihm gelingt, anstatt seinen Trieben nachzugeben, nach Maximen, die aus dem menschlichen Verstand entspringen, zu handeln. Nur dann, wenn man in der Lage ist, nach diesen subjektiven Gesetzen, die Kant Maximen nennt, zu handeln, kann man einen Charakter ausbilden. Dieser wiederum zeichnet sich aus durch Gehorsam, Wahrhaftigkeit, sowie Geselligkeit. Dies sind die grundlegenden Erziehungsziele, auf die wir achten müssen. Des Weiteren ist für ihn wichtig, dass jeder Mensch Pflichten gegenüber sich selbst und gegenüber anderen Menschen hat, die er befolgen muss. Er soll nämlich erkennen, dass jeder Mensch in sich eine Würde trägt, die ihn von anderen Lebewesen unterscheidet, und diese gilt es zu respektieren und wertzuschätzen, sowohl seine eigene als auch die anderer Menschen. Kant verabscheut Lügner und Menschen, die Sünden begehen, wie zum Beispiel sich dem Trunk hinzugeben oder sich bei anderen „einschmeicheln“. Wie bei Rousseau ist auch hier wieder der Begriff der Vernunft von zentraler Bedeutung, damit ein Mensch autonom werden kann. Diese zeichnet sich hierbei aber dadurch aus, dass der Mensch dazu in der Lage ist, sich nicht am Wert anderer Menschen zu messen, sondern an seiner eigenen Vernunft. Kant ist im Gegensatz zu Rousseau nicht der Ansicht, dass der Mensch von Natur aus gut ist, sondern vielmehr der Meinung, dass er überhaupt kein moralisches Wesen ist. Er wird nur dann moralisch, wenn sich seine Vernunft auf Pflicht und Gesetz erhebt. Ganz im Gegenteil zu Rousseau behauptet Kant, dass der Mensch von Geburt an mit Trieben ausgestattet ist, die ihn stets zu Lastern und falschen Ansichten und Dingen treiben.

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Details

Seiten
9
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640960484
ISBN (Buch)
9783640960941
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175161
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Erziehungswissenschaft
Note
1
Schlagworte
Autonomie Rousseau Kant Ranciere der unwissende Lehrmeister Erziehung Bildung Kinder Erziehungswissenschaften Erziehungswissenschaft Pädagogikm Hauser

Autor

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