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Der schwedische Faschismus

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 36 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Definitionen von Faschismus

3. Schweden in der Zwischenkriegszeit
3.1 Innenpolitische Problematiken
3.2 Außenpolitische Probleme
3.3 „Folkhemmet“

4. Die faschistischen Parteien
4.1 Nationalsocialistiska Frihetsförbundet
4.2 Sveriges Fascistiska Folkparti
4.3 Nysvenska Nationalsocialistika Partiet
4.4 Nationalsocialistiska Arbetarepartiet
4.5 Nationalsocialistiska Blocket
4.6 Die Nysvenska-Bewegungen

5. Faschistische Aktionen

6. Fazit

7. Bibliographie
7.1 Quellen
7.2 Sekundärliteratur
7.3 Literatur aus dem Internet
7.4 Zeitungs- und Zeitschriftenartikel

8. Anhang
8.1 Abkürzungsverzeichnis
8.2 Schaubild: Die faschistischen Parteien

1. Einleitung

Der Faschismus, der seit den 1920er Jahren die politischen Systeme der Welt erschütterte, war eine Erscheinung, die sich über fast ganz Europa ausbreitete.1 Zwar gelang es faschistischen Regimen nur, sich in Italien und Deutschland ohne fremde Hilfe Zugang zur Macht zu verschaffen,2 aber dennoch gab es in fast allen europäischen Staaten der Zwischenkriegsperiode faschistische Parteien oder Gruppierungen. Diese stellten in den meisten Fällen allerdings lediglich Randphänomene dar mit nur geringem oder gar keinem Einfluss. Nichts desto trotz stellen alle diese Gruppierungen, vor allem vor dem Hintergrund einer vergleichenden Faschismusforschung Forschungsobjekte dar. Aus diesem Grunde liegen zu fast allen Staaten, auch auf Deutsch mehr oder weniger ausführliche Arbeiten vor.3

Deswegen scheint es verwunderlich, dass der schwedische Faschismus vor allem im deutschsprachigen Raum so gut wie gar nicht behandelt wird. Gerade Schweden bietet jedoch für die Geschichtsforschung in diesem Bereich einige interessante Aspekte, so zum einen seine räumliche und kulturelle Nähe zu Deutschland.4 Zum anderen ist auf die besondere Rolle zu verweisen, die Skandinavien als Heimstätte der „nordischen Rasse“ in der nationalsozialistischen Propaganda einnahm.

Am Beispiel kleinerer Staaten wie Schweden lassen sich zudem Gründe für das Scheitern der faschistischen Lehre finden, die wiederum Rückschlüsse darauf zulassen, warum diese Ideologie in anderen Ländern erfolgreich war.

Des Weiteren scheint es unverständlich, dass zwar die deutsch-schwedischen Beziehungen, vor allem auch zwischen 1933 und 1945, bestens erforscht sind,5 aber kaum Ergebnisse über Beziehungen zwischen der NSDAP und ihren geistigen Verwandten in Schweden existieren.6 Die vorliegende Arbeit soll im Rahmen ihrer beschränkten Möglichkeiten, einen kleinen Teil der Forschungslücken zum schwedischen Faschismus zu schließen versuchen.

Im ersten Abschnitt der Arbeit wird zuallererst ein Überblick über die Faschismusforschung gegeben, der die Schwierigkeiten verdeutlichen soll, den Faschismus klar zu definieren. Der nächste Abschnitt stellt die soziale, politische und ökonomische Lage Schwedens in der Zwischenkriegszeit dar. Dies erscheint notwendig, da die Faschismusforschung allgemein der Auffassung ist, dass sozio-kulturelle Rahmenbedingungen zu einem großen Teil über einen Erfolg oder Misserfolg faschistischer Bewegungen entschieden.7

Im sich anschließenden Teil werden die wichtigsten Parteien und Gruppierungen des Faschismus in Schweden dargestellt. Aufgrund der hohen Anzahl solcher Gruppen muss sich diese Arbeit auf die bedeutendsten Parteien beschränken.8

Unter Punkt 5. werden Aktionen und Initiativen der faschistischen Gruppen kurz näher erläutert.

Schlussendlich sucht das Fazit nach Gründen, warum den Faschisten ein breiter Erfolg in Schweden verwehrt blieb. Auch soll geklärt werden, ob der schwedische Faschismus lediglich eine Kopie seiner italienischen und deutschen Vorbilder war oder ob er sich in der Lage sah genuin schwedische Elemente in seiner Ideologie hervorzubringen.

In einem Anhang befindet sich zudem eine graphische Darstellung über die Entwicklung der in dieser Arbeit angesprochenen Parteien. Dies erscheint aufgrund häufiger Namenswechseln, Abspaltungen und diversen Wechseln des Führungspersonals9 notwendig. Als Quellen dienen vornehmlich verschiedene Parteiveröffentlichungen, die vor allem in den parteieigenen Zeitungen publiziert wurden.

Die Forschungslage ist, zumal im deutschsprachigen Raum begrenzt. In den meisten Überblickswerken wird der schwedische Faschismus gar nicht erwähnt.10 Bei Wolfgang Wippermann werden dieser Thematik lediglich wenige Seiten gewidmet.11 Die einzige umfangreichere Arbeit auf Deutsch in diesem Bereich ist die Übersetzung einer Arbeit Olga Tschernischewas mit dem Titel „Faschistische Strömungen und Organisationen in Schweden bis zum Ende des zweiten Weltkrieges“ aus dem Jahr 197412. Allerdings ist dieses Werk mit Vorsicht zu genießen, da der Faschismusbegriff im Ostblock sehr weitläufig als politischer Kampfbegriff benutzt wurde.13 Auch in englischsprachigen Veröffentlichungen taucht der schwedische Faschismus kaum auf. Eine Ausnahme bilden lediglich vereinzelte Veröffentlichungen norwegischer oder schwedischer Historiker.14

In Schweden selber galt lange die Arbeit Lars Erik Wärenstams von 197015 als Standardwerk.16 Erst die Dissertation Helene Lööws „Hakkorset och Wasakärven“17 von 1990 führte zu einem gesteigerten Interesse und mehreren neuen Forschungsarbeiten.18 Dennoch wies Lena Berggren noch 2004 darauf hin, dass seit 1980 nichts grundsätzlich Neues auf diesem Gebiet hervorgebracht worden sei.19 Heute dürften vor allem Helene Lööw, von der Universität Uppsala sowie Lena Berggren von der Universität Umeå zu den profiliertesten Kennern dieser Materie gehören.

2. Definitionen von Faschismus

Obwohl sich seit Jahrzehnten die Frage nach einer befriedigenden Definition von Faschismus stellt,20 liegt eine solche bis heute nicht vor. Überspitzt ließe sich sagen, dass jeder Faschismusforscher eine neue Faschismusdefinition entwirft.

Dies hat mehrere Ursachen: Zum einen ist schon das Wort Faschismus, im Gegensatz zu anderen Ideologien, wie dem Liberalismus, Sozialismus oder Kommunismus, „inhaltsleer“.21 Wippermann drückt dies mit einem Zitat des Sozialdemokraten Fritz Schotthöfer von 1924 aus: „Der Faschismus hat einen Namen, der an sich nichts sagt über den Geist und die Ziele der Bewegung.“22

Zum anderen erschwert die extreme Widersprüchlichkeit des faschistischen Phänomens seine klare Definition. So wird es von diversen Historikern mit Attributen versehen, die oft paradox zu sein scheinen. So spricht beispielsweise Jeffrey Herf von einem „reaktionären Modernismus“,23 und Mark Neocleus nennt den Faschismus ganz ähnlich eine „revolutionäre Reaktion“.24

Hinzu kommt, dass der Faschismus von Beginn an zu einem politischen Kampfbegriff avancierte und viele Wissenschaftler sich deshalb nicht dazu in der Lage sahen, ihn objektiv zu betrachten. So gibt es in der Faschismusforschung diverse Fraktionen, die je nach politischem Standpunkt den Faschismus zu interpretieren suchen.25 Am extremsten scheint in diesem Zusammenhang der marxistische Ansatz, der so weit ging, jeden Revolutionsgegner in die Nähe des Faschismus zu rücken, so beispielsweise auch die deutsche Sozialdemokratie.26 Auch betonen verschiedene Forscher, dass es keinen einheitlichen Faschismusbegriff geben könne, da dieser sich in seinen diversen nationalen Ausprägungen zu sehr voneinander unterschiede.27 Kühnl weist hierzu vor allem auf die Untersuchungen Brachers hin, der den Nationalsozialismus aus einem deutschen Sonderweg ableite.28 Bauerkämper verweist auf Forschungsergebnisse, die zwischen italienischem und deutschem Faschismus mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zu erkennen glauben.29 Andere Historiker wiederum vergleichen Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus miteinander auf Grundlage eines umfassenden Totalitarismusbegriffs.30 Die Schwierigkeiten in der Betrachtung des Faschismus werden bei Kühnl sehr deutlich, so unterscheidet er schon alleine zwischen acht verschiedenen Hauptrichtungen in der Faschismustheorie. Diese reichen von der Betrachtung des Faschismus „als Produkt des Führers“ bis zur Auffassung eines „Faschismus als Diktatur des Monopolkapitals.“31

Wenngleich es also offensichtlich keine befriedigende umfassende Faschismustheorie geben kann, haben verschiedene Forscher Kataloge von Aspekten eingeführt, die eine Bewegung Arbeiterbewegungen Verwendung und wurde 1919 von Mussolini bei der Gründung seiner „fascio de combattimento“ aufgegriffen. Vgl. Bauerkämper, S.13. erfüllen muss, um als faschistisch gelten zu können. In Anlehnung an Nolte lässt sich eine solche Merkmalssammlung als „faschistisches Minimum“ bezeichnen.32

Nolte führt sechs Faschismuskennzeichen an: den Antimarxismus, den Antiliberalismus, den Antikonservativismus, das Führerprinzip, die Parteiarmee und schließlich den Totalitätsanspruch.33 Walter Laqueur ordnet dem Faschismus vor allem die Attribute nationalistisch, elitär, antiliberal, pseudoreligiös, militaristisch und in den meisten Fällen expansionistisch zu.34 Neben Noltes faschistischem Minimum erscheint vor allem Stanley Paynes Definition des Faschismus als eine „Form des für nationale Wiedergeburt eintretenden Ultranationalismus“35 wichtig für eine Einordnung zu sein.

Eine weitere wichtige Frage der Faschismusforschung ist die nach den jeweiligen nationalen gesellschafts-politischen Vorbedingungen, die dem Faschismus zum Aufstieg verhalfen. Walter Laqueur und andere verweisen in diesem Zusammenhang vor allem auf die sozio- kulturellen Umbrüche und politischen Folgen des Ersten Weltkrieges.36 Vor allem der mit dem Krieg verbundene Zusammenbruch der alten konservativen Ordnung und ein damit einhergehendes geistig-moralisches Vakuum sowie der wachsende Kulturpessimismus werden betont. Ebenso wichtig scheint die aufkommende Furcht des Bürgertums vor dem Bolschewismus zu sein.37

Juan Linz führt einen weiteren wichtigen Punkt an. Er unterscheidet deutlich zwischen faschistischen und autoritären Systemen und zwar auf der Grundlage, dass der Faschismus nach einer neuen Ordnung, sowohl im Staat als auch in der Gesellschaft gestrebt habe. Demgegenüber seien autoritäre Regime an der Aufrechterhaltung des Status Quo interessiert.38

Weithin wird der italienische Faschismus als Idealtypus angesehen und der Nationalsozialismus als radikalere und umfassendere Entwicklung.39 Grundsätzlich standen diese beiden Faschismusformen Pate für die meisten faschistischen Bewegungen und Parteien Europas, bzw. beeinflussten deren Entwicklung stark.40 Dies schloss jedoch die Ausformung eines eigenen Stils in anderen Bewegungen keineswegs aus.

3. Schweden in der Zwischenkriegszeit

3.1 Außenpolitische Problematiken

Da eines der häufig aufgeführten Faschismuskennzeichen das Streben nach außenpolitischer Expansion, beziehungsweise die Revidierung bestehender Grenzen darstellt,41 erscheint es wichtig die außenpolitischen Probleme zu betrachten, mit denen sich der schwedische Staat auseinandersetzen musste.

Während des Ersten Weltkrieges verhielt sich Schweden neutral, näherte sich jedoch, vor allem handelspolitisch, aus Furcht vor einem expandierenden Russland und wegen des rabiaten Vorgehens Großbritanniens gegenüber der schwedischen Handelsmarine an Deutschland an. Spätestens ab 1917 sah Schweden sich jedoch gezwungen, sich von den Mittelmächten ab- und den Westmächten zuzuwenden.42 Als Finnland infolge des Friedens von Brest-Litowsk 1917 seine Unabhängigkeit erlangte, kamen kurzzeitig in Schweden Hoffnungen auf einen Zusammenschluss beider Länder auf.43 Solche Spekulationen wurden allerdings durch die Anerkennung Finnlands durch die schwedische Regierung schnell zunichte gemacht. Der im Januar 1918 ausbrechende Bürgerkrieg zwischen „Weißen“ und „Roten“ in Finnland nährte jedoch in Schweden den Wunsch, in den Besitz der strategisch wichtigen und schwedisch besiedelten Åland-Inseln zu gelangen. Zum Schutz der Bevölkerung wurde diese Inselgruppe von schwedischem Militär besetzt. Obwohl eine Mehrheit der Åland-Bevölkerung den Anschluss an Schweden befürwortete, entschied der Völkerbund am 24.6.1921 jedoch, dass Finnland der rechtmäßige Besitzer dieser Inselgruppe sei.44

Nach diesen Ereignissen sollte es etwa zehn Jahre dauern, bis die schwedische Regierung sich wieder um außenpolitische Probleme kümmern musste. Das Versagen des Völkerbundes in Bezug auf die Mandschurei und Abbessinien führte in Schweden zu Protesten und zu einer Abwendung von dieser Organisation.45 Gleichzeitig wurde nun wieder die traditionelle schwedische Neutralitätspolitik in den Mittelpunkt gerückt.46 Tuchtenhagen verweist zwar auf neuerliche Streitigkeiten wegen der finnischen Sprachpolitik auf den Åland-Inseln, aber diese traten durch den sowjetischen Angriff auf Finnland im November 1939 in den Hintergrund.

Trotz seiner offiziellen Neutralitätspolitik galt in Schweden in dieser Frage der Wahlspruch: „Finlands sak är vår!“47 Zwar leistete die Regierung in Stockholm keine direkte Hilfe, aber aus Schweden kamen trotzdem Spenden, Kredite, Waffen und einige Tausend Freiwillige zur Unterstützung Finnlands. Den Zweiten Weltkrieg überstand Schweden aufgrund der Politik des „småstatsrealismen“48 Per Albin Hansons unbeschadet.49

Es lässt sich also festhalten, dass im Schweden der Zwischenkriegszeit keine offenen außenpolitischen Forderungen bestanden, bzw. dass diese so rasch beigelegt und entschärft wurden, dass sie keine erhöhte gesellschaftliche Relevanz gewinnen oder zu einer breiten Mobilisierung der Massen hätten führen können.

3.2 Innenpolitische Probleme

Obwohl Schweden sich aus dem Ersten Weltkrieg herausgehalten hatte, wurde es doch wie andere Länder auch von dessen wirtschaftlichen Folgen getroffen, die wiederum soziale wie politische Konsequenzen nach sich zogen.

Während des Krieges dirigierte der schwedische Staat die Wirtschaft. Dies betraf vor allem den Außenhandel sowie die Währungs- und Preispolitik.50 Diese Maßnahmen konnten jedoch weder Lebensmittelrationierungen noch Hunger- und Inflationsunruhen verhindern.51 Diese Probleme verhalfen 1917 drei neuen Parteien zum Einzug in die Zweite Kammer des Parlamentes die sich „als Anwälte der Verlierer der Kriegswirtschaft gerierten.“52 Hierbei handelte es sich um den, eine antikapitalistische Programmatik vertretenden, 1914 gegründeten „Böndeförbundet“53, den seit 1915 bestehenden, moderat-konservativen „Jördbrukarnas Riksförbund“54 und die „Sveriges socialdemokratiska vänsterparti“.55 Zwar wurde diese Wahl als Abstrafung der Etablierten gewertet, aber sie änderte doch nichts an der Ausrichtung der Regierungspolitik. Die 20er Jahre wurden fortan jedoch innenpolitisch von einem Dauerkonflikt zwischen bürgerlichem und sozialistischem Lager bestimmt, der das politische Leben lange Zeit lähmen sollte. Bis Mehrheitsverhältnissen mehr und die Regierungen wechselten im Schnitt alle zwei Jahre.56

Zwar wurden die sozialen und wirtschaftlichen Probleme durch das Anziehen der Weltwirtschaft ab 1922 weitestgehend entschärft, aber die Weltwirtschaftskrise führte dann ab ca. 1930 zu erneuten gravierenden Konflikten im Inneren.57 In dieser Zeit brachen vor allem die Exporte und die Preise für Agrarprodukte ein. Die Krise ließ die Arbeitslosenrate auf bis zu 30% hochschnellen und gipfelte in dem blutigen Streik von Ådalen 1931 mit fünf Toten. In dieser Situation verlief die Parlamentswahl von 1932, die den Sozialdemokraten58 und dem BF zum Sieg verhalf. Beide Parteien gingen einen weit reichenden Kompromiss ein, der es ihnen erlaubte, ein Krisenprogramm aufzulegen. Dies beinhaltete vor allen die sozialdemokratische Idee eines groß angelegten Bereitschaftsdienstes für Arbeitslose sowie die Einführung eines Preisprotektionismus für Agrarprodukte, ein Hauptanliegen des BF. Mit dieser Zusammenarbeit zwischen Sozialisten und bürgerlich-bäuerlichem Lager nahm die parlamentarische Selbstblockade der 1920er Jahre ein Ende. Die Periode der instabilen Minderheitsregierungen fand ihren Abschluss und die Ära der heute oft verklärten schwedischen Sozialdemokratie begann.59

Die 1920er Jahre hatten also auch in Schweden zu ähnlichen Problemen politischer, wirtschaftlicher und sozialer Prägung geführt wie in anderen Ländern, beispielsweise dem Deutschland der Weimarer Republik auch. Jedoch wurden all diese Erscheinungen durch den Kompromiss von 1932 beendet oder zumindest befriedet. Die Regierungsgewalt sollte bis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in den Händen Per Albin Hansons verbleiben. In diese Zeit fällt auch die Entstehung eines weiteren, die verschiedensten Spannungslinien der schwedischen Gesellschaft einebnenden Projektes, dem des „folkhem“.60

3.3 „Folkhemmet“

Die Entwicklung des „folkhem“ fiel in eine Zeit, in der weltweit nach neuen Gesellschaftsmodellen gesucht wurde, um sich den Herausforderungen der Moderne zu stellen. Vielfach standen bei solchen Ideen „Volksgemeinschaften“ im Zentrum der Vorstellungen.61 Tuchtenhagen stuft jedoch das „folkhem“ als zutiefst schwedische Entwicklung ein, die ihren Ursprung in einer spezifisch schwedischen Gesellschaftsform habe und Ausdruck langwieriger innerschwedischer Debatten gewesen sei.62

[...]


1 Laqueur, Walter: Faschismus. Gestern, heute, morgen. New York 1996. S.24.

2 Ebd.

3 Vgl. Bauerkämper, Arnd: Der Faschismus in Europa 1918-1945. Stuttgart 2006.

4 Berggren,Lena: Swedish fascism - Why bother? In: Griffin,Roger/Feldman, Matthew: The Fascist Epoch. London u.a. 2004. S.177-202. S.180.

5 Vgl. Vonderau, Patrick: Schweden und das nationalsozialistische Deutschland: eine annotierte Bibliographie der deutschsprachigen Forschungsliteratur. Stockholm 2003.

6 Die scheint zum einen an der schwierigen Quellenlage zu liegen, zum anderen weist Lena Berggren daraufhin, dass der Faschismus in Schweden gemeinhin als „uninteressantes, marginales Phänomen“ gilt, was die Wahl ihrer Aufsatztitel verdeutlicht. Vgl. Berggren, Lena: Den svenska mellankrigsfascism - ett ointressent marginal fenomen eller ett viktigt forskningsobjekt? In: Historisk Tidskrift, 2002:3. S. 427-443. Heruntergeladen am 14.10.2010 hier: http://www.historisktidskrift.se/fulltext/2002-3/2002-3_427-444.htm am 14.10.2010.

7 Laqueur, S.27ff. Bauerkämper, S.32.

8 Die meisten Veröffentlichungen zu diesem Thema sind einigermaßen verwirrend, da sie die einzelnen Parteien wenig geordnet im Text vorstellen. In dieser Arbeit sollen die sechs wichtigsten Parteien in Einzelabschnitten dargestellt werden. Zum Teil handelt es sich um Neugründungen, teilweise aber auch lediglich um neue Zusammenschlüsse bereits bestehender Gruppierungen unter neuen programmatischen Namen. Helene Lööw spricht für den Zeitraum von 1919 bis 1950 von über 100 verschiedenen faschistischen, nationalsozialistischen oder rechtsextremen Organisationen, Vereinigungen, Parteien und Zirkeln. Vgl. Lööw, Helene: Hakkorset och Wasakärven: En studie av nationalsocialismen in Sverige 1924-1950. Göteborg 1990. S.37f.

9 Vor allem fünf Führungspersönlichen tauchen immer wieder in verschiedenen Gruppierungen auf. Dies sind die Brüder Furugård, vor allem Birger, Per Engdahl, Sven Olov Lindholm und Martin Ekström sowie Elof Eriksson.

10 Vgl. Bauerkämper.

11 Wippermann, Wolfgang: Europäischer Faschismus im Vergleich 1922-1982. Frankfurt am Main 1983. Wippermann ist leider offensichtlich nicht in der Lage, Jahreszahlen fehlerfrei anzugeben. Dies führt im Weiteren zu einer fehlerhaften Beschreibung von Geschehnissen. Vgl. Wippermann, S.161ff.

12 Tschernischewa, Olga W.: Faschistische Strömungen in Schweden bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. In: Nordeuropa. Studien-7,1974. Greifswald 1974. S.41-58. Anzumerken zu dieser Veröffentlichung ist, dass sich die Autorin zwar teilweise an schwedische Studien orientiert, jedoch häufig unkritisch auf zweifelhafte tendenziöse kommunistische Quellen zurückgreift.

13 Bauerkämper, S.17ff.

14 Vgl. Larsen, Stein U./Hagtvet, Bernt u.a. (Hrsg): Who were the fascists? Social roots of European fascism. Bergen 1980. Vgl. auch Lindström, Ulf: Fascism in Scandinavia 1920-1940. Umeå 1983.

15 Wärenstam, Eric: Fascismen och nazismen i Sverige. Stockholm 1972.

16 Berggren, Why bother?, S.177.

17 Hakenkreuz und Wasagarbe.

18 Berggren, Why bother?, S.177.

19 Ebd.

20 Laqueur, S.23.

21 Wippermann, S.12.

22 Zitiert nach Wippermann, S.12. Das Namen gebende „fascis“, also das Rutenbündel römischer Liktoren, fand im 19. Jahrhundert bei verschiedensten Bewegungen, vor allem jedoch in den italienischen

23 Bauerkämper, S.26.

24 Ebd. S.183f.

25 Ebd. S.17.

26 Ebd. S.19ff.

27 Kühnl, Reinhard: Faschismustheorien. Ein Leitfaden. Heilbronn 1990. S.77.

28 Ebd. Um diese Sonderwegstheorie der deutschen Geschichte ist es jedoch international wie national still geworden. Vgl. „Deutscher Historiker Tag - Warum wir nicht in der Provinz bleiben“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 04.Oktober 2010. Heruntergeladen am 07.10.2010 hier: http://www.faz.net/s/Rub5C2BFD49230B472BA96E0B2CF9FAB88C/Doc~E0072CDD503784517943EE8B EB3063B22~ATpl~Ecommon~Scontent.htm

29 Bauerkämper, S.183.

30 Ebd. S.10.

31 Vgl. Kühnl, Inhaltsverzeichnis.

32 Bauerkämper, S.28.

33 Ebd..

34 Laqueur, S.37.

35 Zitiert nach Bauerkämper, S.31.

36 Laqueur, S.27ff.

37 Ebd. S.36ff.

38 Bauerkämper, S.31.

39 Ebd. S.37.

40 Nilsson, Karl N.A.: Svensk överklassnazism 1930-1945. Stockholm 1996. S.19.

41 Laqueur, S.37.

42 Tuchtenhagen, Ralph: Kleine Geschichte Schwedens. München 2008. S.116.

43 Finnland war bis 1809 jahrhunderte lang Bestandteil des schwedischen Staates gewesen. Außerdem siedelte in Finnland eine kompakte schwedische Minderheit, die 1917 etwa 12% der Bevölkerung ausmachte. Vgl. Tuchtenhagen, S.134.

44 Hadenius, Stig: Swedish Politics During The 20th Century - Conflict and Consensus. Stockholm 1999. S.50.

45 Ebd. S.51.

46 Tuchtenhagen, S.117.

47 „Finnlands Sache ist unsere!“

48 „Kleinstaatsrealismus.“

49 Tuchtenhagen, S.130ff.

50 Ebd.117. 1932 kam es zu keinen klaren

51 Hadenius, Stig: Schwedische Politik im 20. Jahrhundert. Stockholm 1990. S.23.

52 Ebd.

53 „Der Bauernverband“. Im Folgenden mit BF abgekürzt.

54 „Reichsverband der Landwirte.“ Diese Partei ist heute die schwedische Zentrumspartei.

55 „Schwedens sozialdemokratische Linkspartei“. Diese ist seit 1921 die Kommunistische Partei Schwedens.

56 Vgl. Hadenius, Politics, S.40 sowie Hadenius, Schwedische Politik, S.27.

57 Tuchtenhagen, S.119.

58 In der Abkürzung SD.

59 Tuchtenhagen, S.121.

60 „Volksheim.“ Tuchtenhagen, S.121.

61 Ebd.

62 Tuchtenhagen, S.121f.

Details

Seiten
36
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640960774
ISBN (Buch)
9783640961153
Dateigröße
653 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175233
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Faschismus Schweden National-Sozialismus 30er Jahre 40er Jahre faschistische Parteien schwedische Parteien

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Titel: Der schwedische Faschismus