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Ist die Integration türkischer Migranten durch Bildung möglich?

Hausarbeit 2011 17 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhalt

A, Einleitung
1. Abstract
2. Die Integration türkischer Migranten in der Kontroverse

B, Ist Integration durch Bildung möglich?
1. Definition von Integration
1.1. Definition nach Lexikon
1.2. Systemintegration und Sozialintegration
1.2.1. Die vier Dimensionen der Sozialintegration
1.3. Integration als Abgrenzung zur Assimilation
2. Definition und Funktionen von Bildung
3. Statistiken zur Bildungssituation von türkischen Migranten
3.1. Schüler an allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 06/07
3.2. Schulbesuchsquote im Sekundarbereich im Schuljahr 03/04
3.3. Schulbesuchsquote im Sekundarbereich im Schuljahr 06/07
3.4. Veränderung der Verteilung zwischen den Schuljahren 00/01 und 06/07
3.5. Aussagekraft der Statistiken
4. Ursachen und Lösungsansätze für Bildungsdefizite
4.1. Außerschulische Aspekte
4.2. Innerschulische Aspekte
5. Migration als Entwicklungsaufgabe in der Schule
5.1. Defizit der „institutionellen Diskriminierung“
5.2. Defizite in der Handlungskompetenz der Lehrkräfte

C, Fazit

A, Einleitung

1. Abstract

The integration of Turkish immigrants is a controversial issue in current German society. Although the German state has failed in integrating guest workers from Turkey successfully in the 60s, they however place greater demands on Turkish immigrants today. This failure of the German state becomes visible in deficits especially in language and education among Turkish immigrants. This paper is about the requirement of “integration through education” and should demonstrate what the causes of educational deficits are. In addition, it attempts to display solutions in order to improve the educational situation for Turkish immigrants in Germany. Finally it tries to summarize the issue of integration by critical reflection.

2. Die Integration türkischer Migranten in der Kontroverse

„ Eine große Zahl an […] Türken hat keine produktive Funktion, außer den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich auch vermutlich keine Perspektive entwickeln.“[1]

„ Ich muss niemanden anerkennen der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“[2]

Türken sind „ weder integrationswillig noch integrationsfähig.“[3]

Jene Aussagen von Thilo Sarrazin, ehemaliger Vorstand der Deutschen Bundesbank, lösten Ende August 2010 eine hitzige Debatte um die Integration von Migranten, hauptsächlich türkischen Hintergrunds, aus. Viele Politiker, wie Angela Merkel, distanzierten sich von Sarrazin, seinen provokanten und rassistischen Aussagen. Dennoch zeigt die Verkaufsquote seines Buches „Deutschland schafft sich ab“ die Befürwortung seiner Thesen durch die deutsche Bevölkerung.[4]

Viel zu oft hört man im Zusammenhang mit türkischen Migranten Begriffe wie Kleinkriminelle, Sozialhilfeempfänger, Islamisten, Integrationsverweigerer und Bildungsversager.[5] Betont wird vor allem, dass Bildung eines der wichtigsten Komponenten der Integration ist. Statistiken verdeutlichen, dass die Integration aufgrund von fehlender und mangelhafter Schulbildung misslingt. Integration durch Bildung wird gefordert, denn Bildung schafft gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft.[6]

Dennoch muss man sich fragen, wie Integration überhaupt definiert wird? Wann gilt ein Migrant als erfolgreich integriert? Oft ist im Zusammenhang mit Integration von Assimilation die Rede. Ist von erfolgreicher Integration erst die Rede, wenn ein Migrant sich assimiliert hat? Was sagen aktuelle Statistiken wirklich über die Bildungslage türkischer Migranten aus? Ist die Lage der Bildungsdefizite nur von türkischen Migranten so verheerend? Liegt eventuell eine Verfälschung der Statistiken vor?

Was sind die Ursachen für die Bildungsdefizite? Ist etwa das deutsche Bildungssystem verantwortlich für die misslungene Integration und die Bildungsdefizite der türkischen Migranten? Wie kann man gegen jene Ursachen vorgehen und die Bildungsdefizite ausgleichen? Wie kann vor allem die Institution der Schule und ein Lehrer pädagogisch vorgehen, um seine Schüler zu integrieren und Bildung zu fördern?

Die Arbeit soll im Folgenden auf jene Punkte eingehen und schließlich kritisch beleuchten.

B, Ist Integration durch Bildung möglich?

1. Definition von Integration

1.1. Definition nach Lexikon

Der Begriff „Integration“ stammt aus dem Lateinischen integrare und bedeutet wiederherstellen oder ergänzen. Integration wird als die Herstellung eines ganzen aus Einzelteilen und aus Vereinigung definiert. Auch wird die Integration als Eingliederung in eine gesellschaftliche oder soziale Ordnung definiert.[7]

1.2. Systemintegration und Sozialintegration

Der Soziologe Hartmut Esser unterscheidet in System- und Sozialintegration. Die Systemintegration bezeichnet den Zusammenhalt eines sozialen Systems, wie zum Beispiel der Zusammenhalt einer Gesellschaft. Die Sozialintegration bezieht sich auf individuelle Akteure oder gesellschaftliche Gruppierungen und beschreibt deren Teilnahme in einem bestehenden sozialen System.[8]

1.2.1. Die vier Dimensionen der Sozialintegration

Die Sozialintegration ist kein eindimensionaler Prozess, sondern ein Prozess der sich nach Hartmut Esser in vier unterschiedlichen Dimensionen vollzieht. Die erste Dimension nennt sich Kulturation und meint die kulturelle Integration.

Hier ist der Erwerb von kulturellen Kompetenzen, wie zum Beispiel der Erwerb von Sprachkenntnissen, gemeint. Kulturelle Kompetenzen sind wichtig für ein sinnhaftes und erfolgreiches Agieren und Interagieren.

Die zweite Dimension nennt sich Platzierung und zielt auf die strukturelle Integration. Hier ist die Besetzung einer bestimmten gesellschaftlichen Position gemeint durch beispielsweise eine berufliche Position. In der Platzierung ist auch die Verleihung von Rechten mitenthalten.

Die dritte Dimension nennt sich Interaktion und meint die soziale Integration. Hier ist die wechselseitige Orientierung der Akteure gemeint, d.h. die Aufnahme sozialer Beziehungen im Alltag. Akteure bilden Relationen, wie zum Beispiel Nachbarschaften. Die vierte Dimension nennt sich Identifikation und zielt auf die emotionale Integration. Hier ist die gedankliche und emotionale Beziehung zwischen den einzelnen Akteuren und einem sozialen System als Kollektiv gemeint. Durch die Dimension der Identifikation bildet sich eine Gruppenidentität bzw. ein Wir-Gefühl.[9]

1.3. Integration als Abgrenzung zur Assimilation

Integration wird oft mit Assimilation gleichgesetzt. Der Begriff der Assimilation stammt ebenfalls aus dem Lateinischen und bedeutet, dass etwas einem anderen ähnlich gemacht wird. Dennoch ist im Gegensatz zur Integration mit Assimilation die Anpassung bis hin zum Aufgehen in einer neuen Umgebung gemeint. Das heißt, dass ein Migrant die Gebräuche und Verhaltensweisen der Aufnahmegruppe abschaut und übernimmt. Assimilation ist ein soziologisches Konzept, welches die kulturelle und die sprachliche Anpassung einer Minderheit an eine Mehrheit meint. Durch den Prozess der Assimilation wird eine neue soziale Identität erzeugt. Assimilation ist also eine Aufgabe, die von Migranten fordert, ihre eigene Identität aufzugeben.[10]

Hartmut Esser unterscheidet auch hier in vier Dimensionen. Erwähnenswert ist hier vor allem die kulturelle Assimilation. Kulturelle Assimilation zielt auf die Übernahme von Wissen, Fertigkeiten und Sprache. In der Praxis würde das dann bedeuten, dass türkische Migranten ihre Muttersprache erst gar nicht gebrauchen, sondern nur die deutsche Sprache benutzen.[11]

Der türkisches Ministerpräsident Tayyip Erdogan und auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sind Befürworter der Integration, um ein friedliches und respektvolles Zusammenleben zu ermöglichen.[12] Jedoch meint Tayyip Erdogan: „Niemand kann von Ihnen erwarten, dass Sie sich einer Assimilation unterwerfen. Denn Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“[13]

[...]


[1] http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-47442-3.html, aufgerufen am 01.03.11

[2] http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-47442-4.html, aufgerufen am 01.03.11

[3] http://www.netzeitung.de/politik/deutschland/1479539.html, aufgerufen am 01.03.11

[4] Vgl. http://www.n-tv.de/politik/Merkel-Sarrazins-Thesen-Unsinn-article1409291.html, aufgerufen am 02.03.11

[5] Vgl. http://www.goethe.de/lhr/prj/daz/mag/igd/de6370592.htm, aufgerufen am 02.03.11

[6] Vgl. http://www.bpb.de/die_bpb/TJ9J7T,0,0,Bildung_und_Integration.html#art0, aufgerufen am 02.03.11

[7] Vgl. http://services.langenscheidt.de/fremdwb/fremdwb.html, aufgerufen am 03.03.11

[8] Vgl. http://library.fes.de/pdf-files/akademie/online/50366.pdf, aufgerufen am 03.03.2011

[9] Vgl. http://library.fes.de/pdf-files/akademie/online/50366.pdf, aufgerufen am 03.03.11

[10] Vgl. http://home.edo.uni-dortmund.de/~hoffmann/ABC/Assimilation.html, aufgerufen am 05.03.11

[11] Vgl. http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2009/3040/pdf/gr2_03.pdf#page=5, aufgerufen am 05.03.11

[12] http://www.welt.de/politik/deutschland/article10175706/Merkel-und-Erdogan-appellieren-an-Deutsch-Tuerken.html, aufgerufen am 05.03.11

[13] http://www.migazin.de/2010/10/11/integration-im-grosen-und-ganzen-herrscht-ubereinstimmung/, aufgerufen am 05.03.11

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640962228
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175302
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Pädagogik
Note
2,0
Schlagworte
integration migranten bildung

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Titel: Ist die Integration türkischer Migranten  durch Bildung möglich?