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Berufsfelder der Sozialpädagogik. Endstation Stress und Burnout?

Diplomarbeit 2003 62 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 BURNOUT
2.1 DEFINITION
2.2 URSACHEN
2.3 SYMPTOME
2.4 BURNOUT-STADIEN

3 STRESS
3.1 DEFINITION
3.2 NEGATIVE STRESSOREN
3.3 POSITIVE STRESSOREN
3.4 DIE STRESSREAKTION AUS MEDIZINISCHER SICHT

4 STRESSBEWÄLTIGUNG
4.1 ALLGEMEINE KURZFRISTIGE SOFORTMASSNAHMEN
4.2 OPTIMALE LEISTUNGSFÄHIGKEIT IM "FLOW"-ZUSTAND
4.3 DIE EIGENEN RESSOURCEN NÜTZEN
4.4 RICHTIGES ATMEN
4.5 ENTSPANNUNGSÜBUNGEN
4.6 "ABSCHALTEN KÖNNEN"
4.7 HALTUNGEN UND EINSTELLUNGEN
4.8 DIE 5 SÄULEN DER IDENTITÄT VON PETZOLD
4.9 PSYCHOTHERAPIE
4.10 WEITERE ANREGUNGEN

5 STRESSBEWÄLTIGUNG BEI KINDERN Kinder unter Stress: Gesellschaft gefordert
5.1 ALLGEMEINE KURZFRISTIGE SOFORTMASSNAHMEN
5.2 DIE EIGENEN RESSOURCEN NÜTZEN
5.3 FLOW
5.4 RICHTIGES ATMEN
5.5 ENTSPANNUNGSÜBUNGEN
5.6 „ABSCHALTEN KÖNNEN“
5.7 HALTUNGEN UND EINSTELLUNGEN
5.8 DIE 5 SÄULEN DER IDENTITÄT VON PETZOLD
5.9 PSYCHOTHERAPIE

6 SUPERVISION UND TEAMARBEIT in der Sozialpädagogik
6.1 DEFINITION VON SUPERVISION
6.2 TEAMARBEIT IN DER SOZIALPÄDAGOGIK

7 EVALUATION DER BURNOUT-FRAGEBÖGEN
7.1 UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND UND HYPOTHESEN
7.2 STICHPROBE
7.3 ERGEBNISSE

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

1 EINLEITUNG

Die zwei Begriffe "Burnout" und "Stress" sind zu Schlagwörtern unserer Gesellschaft geworden. Was bedeuten sie eigentlich? Wie entsteht Stress und wodurch kann es zu einem

Burnout–Syndrom kommen? Wie kann ein solches verhindert werden? Leiden Menschen in Sozialberufen tatsächlich häufiger unter Stress als andere Berufsgruppen und befinden sie sich vielleicht gar schon in einem fortgeschrittenen Burnout–Stadium?

Mit diesen und anderen Fragen habe ich mich intensiv auseinandergesetzt und die meiner Ansicht nach relevantesten Ergebnisse in dieser Arbeit zusammengefasst.

Ich denke, dass es für Sozialpädagogen besonders wichtig ist, sehr genau über die Phänomene "Stress" und "Burnout" – als auch über deren Vorbeugung – Bescheid zu wissen, da sie aufgrund der meist sehr belastenden Arbeitssituation zu einer besonderen Risikogruppe zählen: "Überall, wo Menschen zusammenarbeiten und ein sinnvolles Leben führen wollen, entwickeln sich Missverständnisse, Schwierigkeiten, Auseinandersetzungen und Konflikte, die für den einzelnen zu Stress führen können."(Peseschkian, 1996, S.1)

Wird in einem solchen Fall keine Lösung gefunden und tritt über lange Zeit keine Entspannung der belastenden Situation ein, kann es zu einem totalen Erschöpfungszustand – dem Burnou t – kommen.

Im Berufsfeld der Sozialpädagogik werden wir oft mit schweren Problemlagen von Kindern und Eltern, von Menschen mit besonderen Bedürfnissen oder von unserem Erwachsenenklientel konfrontiert. Daher müssen wir über eine starke Persönlichkeit und gute Bewältigungsstrategien für emotionale Belastungen verfügen, um unsere Aufgabe gut erfüllen zu können und nicht schon nach wenigen Arbeitsjahren vollkommen "ausgebrannt" zu sein. Durch Dienstzeiten mit wechselndem Turnus, mit allfälligen Nachtdiensten und schweren körperlichen Arbeiten (wie z.B. häufiges Heben und Tragen von Kindern bzw. von Menschen mit besonderen Bedürfnissen) ist auch unser Körper oftmals extremen Belastungen ausgesetzt und dadurch prädestiniert für Krankheiten und Erschöpfungszustände.

Ich möchte an den Beginn dieser Arbeit allgemeine und medizinische Erklärungen zu den Begriffen "Stress" und "Burnout" stellen und danach zu einer Reihe von Vorschlägen verschiedener Bewältigungs- und Vorbeugungsstrategien übergehen, mit denen ich Interessierten neue Wege zur Bewältigung schwieriger Alltagssituationen aufweisen möchte, damit auch sie unnötigem Stress und einem Burnout-Syndrom vorbeugen können.

Das vorletzte Kapitel beschäftigt sich mit den Grundpfeilern der sozialpädagogischen Zusammenarbeit: Supervision und Teamarbeit.

Zum Schluss stelle ich eigene Erkenntnisse und Beobachtungen vor, die auf den Ergebnissen der von mir ausgearbeiteten Fragebögen für Sozialpädagogen beruhen.

Offensichtliche Fehler sowie die alte Rechtschreibung in Zitaten der von mir verwendeten Literatur werden buchstabengetreu in die Arbeit übernommen.

Um Begriffe zu reduzieren, werden alle Personen, mit denen Sozialpädagogen zu tun haben (Kleinkinder, Jugendliche und Erwachsene beiderlei Geschlechts) als Klienten bezeichnet. Fragestellungen, die bestimmte Personengruppen betreffen, habe ich in der Arbeit explizit angeführt.

Konstruktionen wie "sie/er", "Klienten/innen" oder "Sozialpädagogen/innen" habe ich wegen ihrer Schwerfälligkeit vermieden im Sinne des folgenden Zitats:

" Frauen sind gleichberechtigt: das sagt das Gesetz und meine eigene Überzeugung. Weder das

Gesetz noch meine Überzeugung zwingen mich jedoch zu dem barbarischen `der (die)

Leser(in)', `der (die) Student(in)'. `Der' Leser ist ebenso geschlechtsneutral wie `die' Geisel,

und ich habe mich nicht dazu verstehen können, Artikelkapriolen unserer Sprache durch

Sprachvandalismen aus eigener Schlachtung zu konterkarieren."(Heuser,1989, S.15)

Ein herzliches Dankeschön gebührt meiner Didaktik-Lehrerin AV Claudia Wimmer, der Supervisorin und AHS-Lehrerin Mag. Gabriela Freimuth, die mir bei der Literatursuche und beim Kapitel über Supervision hilfreich zur Seite stand sowie das Korrekturlesen übernommen hat, und besonders auch der Universitätsassistentin Mag. Lisa Donat, die mich bei der Auswertung der Fragebögen unterstützte.

Abschließend möchte ich festhalten, dass mir diese Arbeit viel Spaß gemacht hat, dass ich meine Kenntnisse auf dem Gebiet "Stress und Burnout" sehr vertiefen konnte und dass ich hoffe, Interessierten einige Denkanstöße für ein effektiveres und stressfreies Arbeiten im Berufsfeld der Sozialpädagogik zu geben.

2 BURNOUT (vgl. Barth, 1992)

"Ein Mensch muss einmal entflammt gewesen sein, um ausbrennen zu können."(Barth, S.17)

Je mehr Veröffentlichungen zum Thema "Burnout" erscheinen, umso ausufernder und nichtssagender wird dieser Begriff. Es existieren bereits sehr viele verschiedene und heterogene Ansätze. Ich möchte in meiner Arbeit jenen phänomenalen Kern des Syndroms beschreiben, der sich in den meisten Büchern auf irgendeine Art und Weise wiederfindet. Dabei stütze ich mich besonders auf das Hauptwerk von Anne-Rose Barth, die das Burnout-Syndrom bei Lehrern unter Einbeziehung zahlreicher bereits veröffentlichter Studien sehr genau untersucht und beschrieben hat.

2.1 Definition:

Als Burnout bezeichnet man eine körperliche, einstellungsmäßige und emotionale Erschöpfung. Es sind zahlreiche Stressoren vorhanden, wohingegen die Satisfaktoren fehlen.

[ > satisfacere, lat.= zufrieden stellen] (vgl. Barth, S.17/Pines, Aronson und Kafry)

2.2 Ursachen : (vgl. Barth, S. 17)

Ursachen für einen Burnout-Zustand sind

- dauernde Anspannung
- wenig Anerkennung und mitmenschliche Unterstützung und
- eine ständige Überlastung durch viele zwischenmenschliche Kontakte.

Diese drei Ursachen können in fast allen Berufen auftreten. Im Berufsfeld der Sozialpädagogik kommen allerdings zahlreiche zusätzliche Stressoren hinzu, wie z.B. zu lange Arbeitszeiten, Isolation, Autonomiemangel, Bedürfnisse der Klienten, öffentliche Missverständnisse über die Natur der Arbeit, ungenügende Ressourcen, Mangel an Kriterien zur Messung des Erfolgs, exzessive Anforderungen an die Sozialpädagogen von der Hierarchie, ungenügende Vorbereitung auf die Arbeit, sowie verwaltungsmäßige Unstimmigkeiten. (vgl. Barth, S. 31)

2.3 Symptome: (vgl. Barth, S. 18f)

2.3.1 Körperliche Erschöpfung:

Dazu zählen Energiemangel, chronische Ermüdung, Schwäche, Überdruss, Erschöpfung;

Schlafstörungen, Alpträume, Migräne; Veränderungen des Körpergewichts;

Unfallhäufigkeit, schlechte Körperkoordinationsfähigkeit; Verspannungen und Rückenschmerzen; erhöhte Anfälligkeit für Erkältungen und Virusinfektionen; übermäßige Einnahme von Medikamenten (um die körperliche Erschöpfung und Beschwerden abzufangen); psychosomatische Krankheiten.

2.3.2 Emotionale Erschöpfung:

Diese zeigt sich in Schuldgefühlen gegenüber den Hilfesuchenden, weil Begegnungen vermieden werden; in Niedergeschlagenheit, Hilfosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Depression; in Gereiztheit, verwirrenden und konflikthaften Emotionen; in Angst, die Kontrolle zu verlieren, in unbeherrschtem Weinen und emotionalem Ausgehöhltsein; in Leere, Verzweiflung, Entmutigung, Vereinsamung und evtl. in Langeweile.

2.3.3 Geistige Erschöpfung:

Geistige Erschöpfung äußert sich durch Rigidität im Denken und Handeln; durch distanzierte und defensive Einstellungen, dehumanisierende Einstellungen gegenüber den Klienten (Zynismus, Verachtung, Aggressivität); durch den Verlust der Selbstachtung; durch ein Gefühl der Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit; durch starken Pessimismus bis zu paranoiden und suizidalen Gedanken.

2.3.4 Verhaltensmerkmale:

Zu den typischen Verhaltensmerkmalen eines Burnout-Syndroms gehören ständiges

Auf-die-Uhr-Schauen, Klagen, risikofreudiges Verhalten, Drogen- und Medikamentenmissbrauch, wenig oder wenig effizientes Arbeiten, häufige Fehltage, verlängerte Pausen, geistige Abwesenheit.

2.4 Burnout-Stadien:

Da es zahlreiche Theorien gibt, wie es zu einem Burnout-Syndrom kommen kann und welche Stadien hierbei in welcher Reihenfolge durchlaufen werden, möchte ich an dieser Stelle zwei verschiedene Modelle gegenüberstellen: Auf der einen Seite die 4 Stufen des Burnout von Edelwich und Brodsky (1984), auf der anderen Seite die 12 Burnout-Stadien von Freudenberger und North (1992), wobei letzteres das detaillierteste und bekannteste Modell in unserem Sprachraum ist.

2.4.1 DIE 4 STUFEN DES BURNOUT: (vgl. Barth, S. 19/Edelwich und Brodsky, 1984)

A) ENTHUSIASMUS/IDEALISMUS:

In dieser Phase setzt sich der Sozialpädagoge oft zu hochgesteckte Ziele und hat unrealistische Erwartungen an sich und an den Erfolg seiner Arbeit.

B) STAGNATION:

Im Sozialpädagogen tritt das Gefühl auf, nicht weiterzukommen und die eigenen Ziele nicht verwirklichen zu können. Emotionen von Zufriedenheit und Erfüllung im Beruf nehmen langsam ab.

C) FRUSTRATION:

Nun werden das eigene berufliche Können oder der Sinn des gesamten Berufszweiges angezweifelt. Es besteht eine Neigung zu häufigem Fernbleiben oder zum Stellenwechsel.

D) APATHIE (RESIGNATION):

Der Sozialpädagoge passt sich vollkommen an den status quo an. Es wird möglichst wenig Energie ins Arbeitsleben investiert, jede Herausforderung wird vermieden.

Nach Georg E. Becker und Gernot Gonschorek (vgl. Meyer E. [Hrsg.], 1991, S.15) gibt es ein zusätzliches Stadium zwischen Enthusiasmus/Idealismus und Stagnation, das den beruflichen Gesundheitszustand darstellt und daher jedem Sozialpädagogen zu wünschen ist:

den REALISMUS.

2.4.2 DIE 12 BURNOUT-STADIEN: (vgl. Freudenberger und North, 1992)

STADIUM 1: Der Zwang sich zu beweisen

Der Sozialpädagoge hat den Wunsch, sich der Welt zu beweisen. Er ist getragen von Idealismus und Tatendrang, welche sich schließlich in einen Erfolgs- und Leistungsdrang wandeln, ausgelöst durch übertriebene Erwartungen an sich selbst.

STADIUM 2: Verstärkter Einsatz

Aus Angst, das eigene Ansehen oder die absolute Kontrolle zu verlieren, wird es immer schwieriger, Arbeit oder Verantwortung an andere abzugeben.

STADIUM 3: Subtile Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

Die Aufmerksamkeit sich selbst und den persönlichen Bedürfnissen gegenüber nimmt ab. Die Pflege von Sozialkontakten, das sexuelle Interesse und der Sinn für Humor nehmen ab. Häufig steigern Sozialpädagogen in diesem Stadium ihren Kaffee-, Nikotin- und Alkoholkonsum. Schlafstörungen treten auf.

STADIUM 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

Körperliches Unwohlsein und Energiemangel werden vor sich selbst und vor den anderen verborgen. Zeichen echter, chronischer Müdigkeit treten auf und die Gefahr eines körperlichen Zusammenbruchs wächst.

STADIUM 5: Umdeutung von Werten

Da der Sozialpädagoge seine Konflikte beiseite schiebt, ist es für ihn schwierig, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden. Wegen des unerträglichen Drucks, der auf ihm lastet, schiebt er Vergangenheit und Zukunft beiseite. Seine Wahrnehmungsfähigkeit stumpft ab, seine Wertsysteme werden verschoben. Beziehungen werden zunehmend inadäquat wahrgenommen und gelebt.

STADIUM 6: Verstärkte Verleugnung der aufgetretenen Probleme

Das Verleugnen der eigenen Bedürfnisse und der damit verbundenen Konflikte dienen dazu, den Burnout-Prozess zu verschleiern.

STADIUM 7: Rückzug

Der Sozialpädagoge erlebt sein soziales Netz mehr und mehr als fordernd oder trivial und unwichtig. Vereinsamung, Isolation und Intoleranz nehmen zu. Gefühle von Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit werden durch Schlaf oder Flucht in Illusion und Süchte zugedeckt.

STADIUM 8: Beobachtbare Verhaltensänderungen

Der Rückzug nimmt weiter zu und beginnt dem Umfeld aufzufallen. Angebotene Aufmerksamkeit und Unterstützung werden jedoch abgelehnt und als Angriff interpretiert.

STADIUM 9: Depersonalisation – Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit

Der Kontakt des Sozialpädagogen zu sich selbst, zu seinem eigenen Körper, zu den eigenen Prioritäten geht verloren. Das Funktionieren im Alltag ist rein mechanisch.

STADIUM 10: Innere Leere

Das Gefühl, ausgehöhlt, leer, ausgezehrt und mutlos zu sein, wird mit kurzfristigen, sinnlichen Befriedigungen ausgelöscht, meist verbunden mit Unmäßigkeit (Alkohol, Sex,...). Es können phobische Zustände und Panikattacken auftreten, die den Rückzug nur noch mehr verstärken.

STADIUM 11: Depression

Perioden von starken, schmerzhaften Emotionen und Perioden von innerem Abgestorbensein können miteinander abwechseln. Der Sozialpädagoge spielt neben dem Missbrauch von Drogen, Alkohol und Medikamenten nun auch öfters mit Selbstmordgedanken, sein Umgang mit dem eigenen Leben wird riskant und nachlässig.

STADIUM 12: Völlige Erschöpfung

Das Leben erscheint sinnlos, gestaltlos, farblos. Diese Erschöpfung ist lebensgefährlich,

der Sozialpädagoge bedarf professioneller Hilfe und Behandlung => Krisenintervention!

3 STRESS (vgl. Hedewig, 1980)

Wo nicht nach dem Absatz ausdrücklich auf einen anderen Autor hingewiesen wird, stammen alle in diesem Kapitel beschriebenen Erkenntnisse von Roland Hedewig, Professor für Didaktik der Biologie in Kassel.

3.1 Definition

"Das Wort Stress wurde vom österreichisch-kanadischen Biochemiker Hans Seyle geprägt und bedeutet 'Anstrengung, Anpassung, Anspannung; auch Sorge, Kummer'."

(Peseschkian, 1996, S.4)

Stress ist die Antwort des Körpers auf Reize. Er ist eine unspezifische Reaktion des Körpers auf jede an ihn gerichtete Anforderung. Stress kann auf Ebene der Gedanken, der Gefühle oder der Handlungen auftreten, wobei zwischen positivem Stress – dem EUSTRESS – und negativem Stress – dem DISTRESS – unterschieden werden muss.

Dauerstress:

Es ist möglich, sich an einen dauernden Stresszustand zu gewöhnen. Er wird oft nicht mehr bewusst wahrgenommen, wirkt sich aber dennoch negativ auf Körper und Psyche aus.

Stressoren sind jene Faktoren, die Stress auslösen, wobei negative und positive Stressoren unterschieden werden können.

3.2 NEGATIVE STRESSOREN:

M physisch:

Mangelzustände: Schlafmangel, Sauerstoffmangel, Hunger, zu wenig Licht,...

Reizüberflutung: Lärm, schneller Wechsel optischer und akustischer Reize

Erschreckungszustände: bestehende oder drohende Gefahren

(entweder tatsächlich wahrgenommen oder nur eingebildet)

Krankheiten, Operationen, Verletzungen, Schmerzen

M psychisch:

Konkurrenz, Wettkampf, Aggression, Kränkungen, Besiedlungsdichte

Überforderung: Hitze, Termindruck, große Verantwortung

Unterforderung: Monotonie, Langeweile, Mangel an Stimuli

Plötzliche Änderung der Lebensverhältnisse

Ob einer all dieser Umwelteinflüsse als stressend erlebt wird, ist abhängig von

- der eigenen Einstellung und der eigenen Deutung der Situation
- der Bedeutsamkeit der Situation oder der Gefahr
- der Kontrollierbarkeit der Situation: "Habe ich Einfluss darauf?"

Ich denke, dass wir als Sozialpädagogen besonders anfällig für Stressreaktionen sind, da wir vielen dieser negativen Stressoren fast ständig ausgesetzt sind:

- Schlafmangel durch häufige Nachtdienste
- Lärm (z.B. durch Kindergeschrei)
- Erschreckungszustände durch auftretende Krisensituationen

(z.B. Epileptischer Anfall eines Klienten, Autoaggression,

Selbstmordversuch, Krisenaufnahme,)

- große Verantwortung für Klienten und deren Entwicklung, u.a.

Die Stressreaktion des Körpers auf negative Stressoren:

Der Körper reagiert auf negative Stressoren mit einem Notfallprogramm zur Selbsterhaltung. Dabei erfolgt eine Denkblockade (d.h. unser Gehirn wird auf Minimalfunktion umgestellt) und die Nebennieren schütten Stresshormone aus:

Adrenalin: Dieses Hormon hat eine Kurzzeitwirkung; Zucker, Fett und Sauerstoff werden mobilisiert. Dadurch wird der Körper in Alarmbereitschaft gesetzt, Energie für Kampf oder Flucht wird bereitgestellt, eine Denkblockade stellt sich ein (der Informationsfluss zwischen den Nervenzellen wird gebremst), und die Wahrnehmung wird eingeschränkt ("Neandertaler- oder Tunneleffekt").

Hydrocortisone: Hydrocortisone haben eine Langzeitwirkung und führen zu einer verbesserten Anpassungsfähigkeit bei kurz andauernder Belastung oder zu einer Verringerung der Abwehrkräfte bei einer lang andauernden Belastung. Während dieser Reaktion bekommt das Stammhirn die Übermacht, das Großhirn ("Denkhirn") wird ausgeschaltet. Dadurch fühlen wir uns nicht mehr Herr der Lage und re-agieren statt zu agieren.

3.3 POSITIVE STRESSOREN:

M physisch:

Zu den Stressoren, die sich positiv auf unseren Körper auswirken, zählen gute Umweltfaktoren (Sonnenlicht, Luftfeuchtigkeit zwischen 40% und 70%), schöne Naturerlebnisse und eine positiv erlebte Sexualität.

Mpsychisch:

Positive Stressoren für unsere Psyche sind Erfolg, Freude und Humor.

Ich bin der Meinung, dass es für alle in einem Sozialberuf stehenden Menschen enorm wichtig ist, herauszufinden, welche positiven Stressoren für sie persönlich besondere Bedeutung haben.

Es wäre gut, diese im Alltag gezielt zu fördern (vgl. Kapitel "Stressbewältigung"). Es liegt in erster Linie in unserer eigenen Verantwortung, psychische und physische Gesundheit dauerhaft zu erhalten.

[...]

Details

Seiten
62
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638220873
ISBN (Buch)
9783638699860
Dateigröße
876 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17535
Note
sehr gut (1)
Schlagworte
SozialpädagogInnen Endstation Stress Burnout

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