Lade Inhalt...

Ptolemaios XV. Kaisar - Politische Rolle und Ende

Hausarbeit 2011 24 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Kaisars umstrittene Herkunft

III. Der Name Kaisarion

IV. Welche politische Rolle spielte Ptolemaios XV.?

V. Die Bedeutung der Schlacht von Actium für diePtolemäerdynastie

VI. Das Ende der Ptolemäerdynastie
a. Kleopatras Ende
b. Das Ende des jungen Kaisar

VII. Stellte Kaisar wirklich eine Bedrohung für Octavian dar?

VIII.Fazit

IX. Quellenverzeichnis

X. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Obwohl die Forschung bis heute nicht eindeutig geklärt hat, wer der leibliche Vater Ptolemaios XV. Kaisars war, kann man sagen, dass der überwiegende Teil der modernen Forscher von der Vaterschaft Caesars ausgeht. Über die mögliche Vaterschaft Caesars und vor allem über Kaisarion selbst ist wenig bekannt. Das was bekannt ist, basiert zum großen Teil auf dem Wissen über Kleopatras, Antonius und Octavians politischen Entscheidungen und ist in den entsprechenden Quellen zu finden. Ein Grund, warum so wenig bekannt ist, scheint eindeutig daher zu kommen, dass die Geschichtsschreibung immer durch den Sieger geprägt ist und dieser, nämlich Octavian, wohl ein großes Interesse daran hatte, Spuren von Kaisarion zu vernichten. Allein deshalb findet man in der römischen Geschichtsschreibung nur eine gute Hand voll Quellen, die den Sohn Kleopatras und Caesars erwähnen. In den ägyptischen Quellen wiederum wird Ptolemaios XV. auch nur wenig erwähnt, da seine Mutter, Kleopatra VII. die Macht inne hatte und diese auch genutzt hat. Man darf eben auch nicht außer Acht lassen, dass der junge Kaisar ein Kind beziehungsweise Jugendlicher war, der alleine aus diesem Grund schon nicht so viel politischen Einfluss nehmen konnte. Er stand im Schatten seiner Mutter und dies geht aus den Quellen auch deutlich hervor. Erst als das Ende der Dynastie kurz bevor stand, versuchte Kleopatra durch ihren Sohn noch die Dynastie zu retten, was aber bekanntlich misslang.

In dieser Hausarbeit will ich auf die Herkunft Ptolemaios XV. Kaisar und die Namensgebung einerseits eingehen und andererseits auf die Frage, welche politische Rolle der Sohn von Kleopatra und Caesar spielte? War er wirklich nur ein Spielball der politischen Machthaber seiner Zeit? Zum Schluss will ich noch kurz die Fragen aufwerfen, ob es wirklich Selbstmord von Kleopatra war und was gewesen wäre, wenn sie nicht gestorben wäre? Hätte die Ptolemäerdynastie weiter bestehen können? War es Kleopatras erklärtes Ziel, die römische Welt mit der hellenistisch-ägyptischen Welt zusammenzuführen?

II. Kaisars umstrittene Herkunft

Ob Ptolemaios XV. wirklich Caesars leiblicher Sohn war, ist in der antiken Literatur ebenso umstritten wie das genaue Geburtsjahr. So ist „heute noch völlig ungeklärt, ob Caesarion im Jahre 47 oder 44 v. Chr. geboren wurde“1.

Plutarch auf der einen Seite behauptet, es sei 47 v. Chr. gewesen: „Dann verließ Cäsar Ägypten und ging nach Syrien. Kleopatra, die er als Königin zurückgelassen hatte, schenkte ihm bald einen Sohn, den die Alexandriner Kaisarion nannten“2. Für eine Geburt nach den Iden des März würde hingegen eine Übereinstimmung mit Ciceros Brief sprechen, wenn er so interpretiert würde: „Ich wünschte, Kleopatra hätte neulich so eine Fehlgeburt gehabt wie Tertia.“3 Historiker, die das Geburtsjahr auf 44 v. Chr. datieren, müssen annehmen, dass das Relief mit der Geburt des göttlichen Kindes4 erst nach 44 entstand und auch die zypriotischen Münzen entsprechend datieren Der Historiker Carcopino geht beispielsweise von 44 als Geburtsjahr aus und behauptet, nicht Caesar, sondern Antonius sei der Vater gewesen6.

Eine Serapeumstele aus Memphis7 gilt als wichtiges Zeugnis für das Geburtsdatum Kaisarions. Nach der Übersetzung von Heinz Heinen lautet die Datierung: „Geschrieben im 5.Jahr, am 23. Pauni, am Festtage der Isis, der auch ist der Geburtstag des König Kaisaros“8. Ob das Datum richtig ist, ist nicht sicher. Es könnte auch sein, dass diese Datierung später so im Sinne Kleopatras konstruiert wurde.

Weil sie als Inkarnation der Isis auftrat, könnte sie auch passend dazu angegeben haben, dass ihr Sohn am Festtag der Isis geboren sei9. Wenn man aber annimmt, dass diese Stele das Geburtsdatum Kaisarions beinhaltet, dann wäre Ptolemaios XV. möglicherweise am 23. Juni 47 v. Chr. geboren. Dieses Geburtsdatum wird in der modernen Forschung weitestgehend angenommen.

Bereits in der antiken Literatur ist umstritten, ob Ptolemaios XV. wirklich Caesars leiblicher Sohn war. Besonders Octavian, der Adoptivsohn Caesars, hatte Interesse daran, zu widerlegen, dass Kaisarion Caesars leiblicher Sohn war. Und genau dies versuchte er in seinem Machtkampf gegen Antonius herauszustellen. Im Zuge dessen veröffentlichte Gaius Oppius eine schon zur damaligen Zeit wenig glaubwürdige Schrift, „in der er die These verfocht, es sei nicht Caesars Sohn, den Kleopatra dafür ausgebe“10.

Auch die kaiserzeitlichen Historiker Cassius Dio und Nikolaos von Damaskus, der zuerst Lehrer der Kinder Kleopatras und später Octavians Freund war, bestreiten Caesars Vaterschaft. Hierzu berichtet Nikolaos von Damaskus folgendes: „Vielerlei Geschichten wurden auch im Volk herumgereicht, wobei jeder etwas anderes erzählte. Die einen behaupteten nämlich, er (Caesar) haben sich entschlossen, Ägypten zu seinem Herrschersitz über die ganze Erde und das Meer zu machen, wo die Königin Kleopatra häufig sein Lager aufgesucht und ihm einen Sohn namens Kaisarion geboren habe - was er selbst in seinem Testament widerlegte. Andere sagten, er wolle seine Residenz in Troja errichten…“11. Dieses Zeugnis gilt allerdings heutzutage als eher fragwürdig.

Hinweise auf die Vaterschaft Caesars finden sich sowohl bei Plutarch als auch bei Lukan. Hierzu findet sich bei Plutarch folgende Stelle: „Hierauf ließ er die Kleopatra als Königin von Ägypten zurück, die nicht lange hernach von ihm einen Sohn gebar, den die Alexandriner Cäsarion nannten, und brach nach Syrien auf.“12 Auch Lukan behandelt Caesars Vaterschaft als Selbstverständlichkeit, auch wenn er sie nicht gutheißt. So tituliert er Ptolemaios als „Bastard“ und „Hurenkind“, hervorgegangen aus der außerehelichen Beziehung zwischen Caesar und Kleopatra13. Auch Antonius vertrat ausdrücklich die Vaterschaft Caesars. Hier ist natürlich zu beachten, dass er und Kleopatra Kaisarion als leiblichen Sohn gegen Octavian, den Adoptivsohn, auszuspielen versuchten.

Zwar gibt es auch moderne Forscher, die Caesars Vaterschaft anzweifeln, zum Beispiel der oben genannte französische Historiker J. Carcopino, der als Geburtsdatum April 44 annimmt, also nach Caesars Tod, und von Antonius als Vater ausgeht14, denn Caesar führte zum Zeitpunkt der Zeugung Krieg in Spanien. Auch Balsdon argumentiert gegen Caesars Vaterschaft: Caesar sei nach der Zeugung seiner Tochter Julia offensichtlich zu keiner weiteren Zeugung im Stande gewesen, vielleicht auch durch sein vorgerücktes Alter, da er schon über 50 Jahre alt war15. Allerdings scheint diese These nicht stichhaltig.

Der größte Teil der modernen Forscher aber hält Kaisarion für den leiblichen Sohn Caesars. Und wenn man von der Richtigkeit der oben genannten Stele ausgeht, dann ist Ptolemaios XV. Kaisar gezeugt worden, als Kleopatra und Caesar in Alexandria im Palast eingeschlossen und von der ägyptischen Armee belagert waren. Caesar war nach Ägypten geeilt, um Kleopatra in den Thronstreitigkeiten mit ihrem Bruder Ptolemaios XIII. zu unterstützen.

Der Name Kaisar ist zwar kein Beleg dafür, dass Caesar der leibliche Vater ist, aber er legt zumindest nahe, dass die Vaterschaft möglich war. Für Deininger sieht man in dem Namen eine deutliche Anspielung auf den Vater16. Plutarch vertritt die Auffassung, dass die Alexandriner ihm diesen Namen gaben17, Cassius Dio schreibt, dass Kleopatra ihrem Sohn diesen Namen gab18.Fest steht lediglich, dass in offiziellen Quellen Kaisar nach dem dynastischen Namen Ptolemaios erscheint, also der Beinamen Kaisar ohne jegliche Abschwächung „direkt neben dem Standardnamen für die männlichen Mitglieder der Dynastie“19 stand. Dadurch werden zwar noch nicht die politischen Ansprüche Kleopatras deutlich, die mit diesem Namen verbunden waren, aber es sollte allen Beteiligten klar werden, dass durch den Sohn Caesars und Kleopatras Rom und Ägypten miteinander verschmolzen und Ägypten somit über allen anderen Klientelkönigtümern stand.20

In manchen zeitgenössischen Quellen wird die Form Kaisarion oder Caesarion verwendet. Dieser Name scheint dem jungen Ptolemaios XV. von den Alexandrinern gegeben worden zu sein. Das sollte zum einen der Unterscheidung von seinem berühmten Vater dienen, zum anderen den vollen Namen, Ptolemaios Kaisar, abkürzen. Ob Kaisarion mit „der kleine Caesar“, „Caesarlein“, „Sohn des Caesar“ oder „Caesarsohn“ zu übersetzen ist, lässt sich nicht eindeutig klären. Möglich sind alle Varianten. Allerdings scheint diese Form nicht zwangsläufig zur Verspottung gedacht, wie manche moderne Historiker denken. Vielmehr könnte es einfach eine Art „Verniedlichung“ sein, wie man auch heutzutage Namen, zum Beispiel durch das Anhängen eines „chen“ an den Namen, verniedlicht. Die Endung „ion“ war damals nämlich durchaus gebräuchlich. Somit scheint es sich hierbei um einen Scherznamen zu handeln, „der sowohl wertneutral wie ironisch oder auch abwertend gebraucht werden konnte“21. Dies wird laut Deininger durch die entsprechende Betonung des Namens deutlich22

Sollte also der bei der Geburt gegebene Beiname Kaisar zeigen, dass mit Kleopatras Sohn Ptolemaios XV. der künftige Pharao zur Welt gekommen und dieser gleichzeitig der Erbe Caesars war? Darauf würde auch einer seiner Beinamen hindeuten, den ihm Kleopatra verliehen hat. In diesem Beinamen Philopator - der Vaterliebende - sehen Historiker wie Hölbl23 und Schuller24 einen Hinweis auf Caesars Vaterschaft. Zumindest scheint deutlich zu werden, dass mit Kaisarion eine „neue ägyptisch-römische Dynastie begründet worden“25 sein sollte, also allein dieser Name schon eine große politische Bedeutung innehatte. Dies wird durch den eben erwähnten Beinamen „Philopator“ und den zum gleichen Zeitpunkt verliehenen Beinamen „Philometor“ - der Mutterliebende - unterstrichen. Auch nach Caesars Ermordung zeigt sich Kleopatra damit selbstbewusst und stellt weiterhin die Verbindung zwischen Kaisar und Caesar her. Schon damit fordert sie den rechtmäßigen Erben Caesars, Octavian, heraus, was für den weiteren Verlauf der Geschichte auch eine erhebliche Rolle spielte.

[...]


1 Lindsey: Kleopatra, S. 75.

2 Plutarch: Römische Heldenleben: Cäsar 49.

3 Lindsey: Kleopatra, S. 76.

4 Horos-Eros

5 Vergl., Lindsey: Kleopatra, S. 76.

6 Vergl. Heinen, Cäsar und Kaisarion, S. 181.

7 Louvre 335

8 Heinen: Cäsar und Kaisarion, S. 182.

9 Vergl. Clauss, Kleopatra, 1995, S. 32.

10 Schäfer, Kleopatra, S. 89.

11 Schäfer, Kleopatra, S. 89.

12 Plutarchs vergleichende Lebensbeschreibungen 9: Gaius Julius Cäsar 49.

13 Vergl. Schäfer: Kleopatra, S. 89-90.

14 Vergl. Heinen: Cäsar und Kaisarion S. 181.

15 Vergl. Heinen: Cäsar und Kaisarion, S. 203.

16 Vergl. Deininger: Kaisarion, S. 225.

17 Vergl. Plutarch: Römische Heldenleben: Cäsar 49.

18 Vergl. Cassius Dio: Römische Geschichte 47, 31.

19 Schäfer: Kleopatra, S. 93.

20 Vergl. Schäfer: Kleopatra, S. 93.

21 Schäfer: Kleopatra, S. 93-94.

22 Vergl. Deininger: Kaisarion, S. 225.

23 Vergl. Hölbl: Ptolemäerreich, S. 249.

24 Vergl. Schuller: Kleopatra, S. 132.

25 Schäfer: Kleopatra, S. 95.

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640964437
ISBN (Buch)
9783640964208
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175470
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Historisches Institut
Note
3,0
Schlagworte
ptolemaios kaisar politische rolle ende

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Ptolemaios XV. Kaisar - Politische Rolle und Ende