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Ressourcenregime der Ware Bio-Gemüse im Lebensmitteleinzelhandel

von Stefanie Norden (Autor) Tristan Büchtmann (Autor)

Projektarbeit 2007 50 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Definition: ökologischer Landbau

2. Analyseraster
2.1 Eigentumsregel
2.1.1 Eigengesetzlichkeiten der Reproduktion
2.1.2 Veränderungstreiber
2.2 Nutzungsregel
2.2.1 Eigengesetzlichkeiten der Reproduktion
2.2.2 Veränderungstreiber
2.3 Schutzregel
2.3.1 Eigengesetzlichkeiten der Reproduktion
2.3.2 Veränderungstreiber
2.4 Verteilungsregel
2.4.1 Eigengesetzlichkeiten der Reproduktion
2.4.2 Veränderungstreiber

3. Handlungsempfehlungen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Wir werden in dieser Projektarbeit das Thema „Ressourcenregime der Ware Bio-Gemüse im Lebensmitteleinzelhandel“ betrachten.

Angesichts der in jüngerer Vergangenheit stark angestiegenen Anfrage nach Bio-Gemüse und Bio-Produkten allgemein sowie des immer größer werdenden Bio-Sortiments in Supermärkten und Discountern gewinnt dieses Thema sowohl an Relevanz als auch an öffentlicher Aufmerksamkeit. Aus diesen Gründen haben wir uns entschieden, dieses Thema in unserer Projektarbeit zu untersuchen. Der so genannte „Bio-Boom“ und der Einstieg des Lebensmitteleinzelhandels ins Geschäft mit Bio-Lebensmitteln abseits vom Nischenprodukt haben den Handel vor neue Herausforderungen gestellt, was die Sicherung des Ressourcenflusses angeht, und haben deutliche Verschiebungen im Rahmen der in dieser Arbeit untersuchten Veränderungstreiber mit sich gebracht.

Wir werden das von Prof. Müller-Christ vorgeschlagene Analyseraster für materielle Ressourcen verwenden, welches wir im Folgenden erläutern werden.

In der Betrachtung der Ressource machte die Anwendung des Analyserasters auf unser Thema es notwenig, den Begriff der Ressource weiter zu fassen. Er sollte sich nicht nur auf die Bio-Lebensmittel an sich, welche für den Lebensmitteleinzelhandel selbst eine Ressource sind, deren Ressourcenfluss sichergestellt werden muss, beziehen, sondern auch auf den Boden, der die ökologisch erzeugten Lebensmittel hervorbringt.

Im Bereich der Eigentumsregel werden wir untersuchen, in wessen Besitz die Böden sind, die für ökologischen Landbau genutzt werden können, ob die Böden in staatlicher oder privater Hand sind.

Wichtige Veränderungstreiber in diesem Zusammenhang sind die politische Ordnung des betrachteten Landes (in unserem Fall Deutschland) und deren Agrarpolitik.

Im Bereich der Nutzungsregel werden wir die Frage klären, was auf diesen Böden angebaut wird, welche Gründe es für Landwirte gibt, sich für oder gegen ökologischen Landbau zu entscheiden, und wie die Lebensmitteleinzelhandelsketten darauf Einfluss nehmen können, um ihren Warenzufluss aufrecht zu erhalten. Herausragende Eigengesetzlichkeiten der Reproduktion, die wir betrachten werden, sind zum einen die Motive der Landwirte, sich für oder gegen ökologischen Landbau zu entscheiden, zum anderen die Kapitalstärke, die gegebenenfalls einen Landwirt an der Umstellung hindern kann, wenn er heute Geld benötigt und dabei wenig an Nachhaltigkeit denkt.

Als Veränderungstreiber haben wir die großen Handelsketten selbst identifiziert, die längerfristige Verträge mit Landwirten schließen, wenn diese auf ökologischen Landbau umstellen, diese mit ihrer eigenen Bio-Marke branden und sich somit den exklusiven Zugriff auf die Rohstoffe sichern. Auch der Kunde und sein Wunsch nach Bio-Produkten haben erheblichen Einfluss, doch wird dieser vornehmlich im Bereich der Verteilungsregel betrachtet werden. Ein weiterer Akteur ist der Staat, der mittels Subventionen für gewisse Produkte oder Verfahren Einfluss nehmen kann (z.B. durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau).

Im Rahmen der Schutzregel werden wir betrachten, wer im Ressourcenregime den Schutz ausübt. Als Eigengesetzlichkeiten der Reproduktion werden wir die Regeln für Dauerhaftigkeit, also in diesem Fall die Bio-Zertifizierungen, betrachten. Wir werden vorrangig das deutsche Bio-Siegel und die EU-Öko-Verordnung behandeln. Als Veränderungstreiber fungieren hier der Staat (speziell das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), die EU, die Erzeuger (wenn sie eine Zertifizierung erreichen und auf ökologischen Landbau umstellen wollen) sowie die Verbraucher, die durch eine Zertifizierung Sicherheit erhalten, Bio-Produkte zu erwerben.

Die Verteilungsregel bezieht sich in unserem Analyseraster auf den Markt für Bio-Produkte. Die Eigengesetzlichkeiten sind in diesem Zusammenhang der Marktzugang, der Marktanteil und das Marktanteilswachstum. Als Veränderungstreiber haben wir die Kunden und ihre Kaufmotive, ihre Informationen über Bio-Produkte und Beeinflussung durch Lebensmittelskandale eingrenzt, ebenso wie den Lebensmitteleinzelhandel und seine Verkaufsstrategie, den gebotenen Kundennutzen und die Preispolitik.

Bezug nehmend auf den Grundgedanken unseres Kurses muss natürlich auch betrachtet werden, inwiefern der Themenkomplex der Nachhaltigkeit im Zuge der Betrachtung dieser Projektarbeit und sich im Themenkomplex Bio-Gemüse wieder findet und von welcher Bedeutung Nachhaltigkeit in all ihren Belangen bei der Produktion und der Vermarktung von Bio-Gemüse ist. Ist Nachhaltigkeit bereits in diese Prozesse implementiert, und inwieweit kann und muss sie noch implementiert werden?

Als Quellen konnten wir hauptsächlich Artikel aus Zeitschriften sowie das Internet nutzen. Unser Thema als solches ist recht speziell, weswegen wir viele Informationen und Verweise gefunden haben, die sich auf Bioprodukte im allgemeinen und nicht im speziellen einzeln auf Biogemüse beziehen. Wo uns jedoch spezielle Informationen vorlagen, haben wir diese verwendet.

In einigen Teilabschnitten haben wir uns nicht auf Quellen, sondern auf während unseres Studiums erworbenes Basiswissen gestützt.

Es war thematisch unumgänglich, dass die einzelnen Regeln vom Umfang her unterschiedlich gewichtet wurden. Der Bereich der Eigentumsregel erwies sich in der Praxis als für unser Thema recht unergiebig, da die landwirtschaftlichen Besitzverhältnisse in unserem Land relativ einfach und geordnet liegen.

Eine Unausgewogenheit zwischen den Regeln spiegeln auch die Handlungsempfehlungen wider, die eine große Menge an Eingriffsmöglichkeiten auf den Ressourcenfluss im Rahmen der Nutzungs- und Verteilungsregel, aber geringe bis keine Möglichkeiten im Rahmen der Eigentums- und Schutzregel aufzeigen.

In einigen Abschnitten des Analyserasters steht dem Lebensmitteleinzelhandel keine Möglichkeit zur Verfügung, als Akteur im behandelten Zusammenhang zu agieren, da diese Bereiche von staatlicher oder sonstiger Seite geführt werden. Doch nichtsdestotrotz nehmen diese Bereiche Einfluss auf das Ressourcenregime des Lebensmitteleinzelhandels, weswegen eine Behandlung unumgänglich ist. Die thematische Konzentration auf die Unternehmenssicht überwiegt jedoch in unserer Arbeit, was in den gegebenen Handlungsempfehlungen resultiert.

1.1 Definition: Ökologischer Landbau

Das Anliegen aller Akteure ist es, gesunde Lebensmittel zu erzeugen und dabei die natürlichen Ökosysteme zu schonen. Der ökologische Landbau trägt dazu bei, Ökosysteme und Artenvielfalt zu erhalten, den Boden und das Wasser zu schützen und den Schaden des Klimas durch die Landwirtschaft zu senken. Der ökologische Landbau ist in der EG-Öko-Verordnung gesetzlich geregelt. Jeder Betrieb, der ökologischen Landbau betreibt, wird von einer unabhängigen Kontrollstelle auf die Einhaltung der Verordnung überprüft.

Die Prinzipien des ökologischen Landbaus sind:

- Geschlossener Betriebskreislauf

Ackerbau und Viehhaltung werden miteinander verbunden. Auf der vorhandenen Ackerfläche werden, neben den für den Verkauf bestimmten Früchten, auch Futterpflanzen für die Tierhaltung angebaut. Pflanzliche Abfälle und Tierdung finden als Dünger auf den Ackerflächen Verwendung. In einem Betrieb ohne Viehhaltung muss ein entsprechend hoher Anteil an Leguminosen in der Fruchtfolge vorhanden sein. Viehhaltung ohne Fläche ist nicht gestattet.

- Artgerechte Tierhaltung

Dies bedeutet, dass die Tiere ihren natürlichen Bedürfnissen (z.B. Körperpflege, Sozialkontakte, Fortbewegung) entsprechend gehalten werden. Zudem darf die Haltung keine physischen oder psychischen Schäden bei den Tieren verursachen.

- Pflanzenschutz

Es wird auf chemische Pflanzenschutzmittel zugunsten des vorbeugenden Pflanzenschutzes verzichtet. Unkräutern wird durch eine ausgewogene Fruchtfolge und sorgfältige Bodenbearbeitung vorgebeugt.

- Bodenfruchtbarkeit

Der ökologische Landbau soll die Bodenfruchtbarkeit erhalten und erhöhen.

Fruchtbarer und gesunder Boden ist zudem die Basis der Wirkungskette "gesunder Boden - gesunde Pflanzen - gesunde Tiere - gesunde Menschen". Und auch nachfolgende Generationen sollen die Möglichkeit haben, den Boden als landwirtschaftliche Fläche zu nutzen.

- Verbot der Gentechnik

Der Einsatz von Gentechnik ist im ökologischen Landbau verboten.

2. Analyseraster

2.1 Eigentumsregel

Grundlegend ist an dieser Stelle das Eigentum des betrachteten Bio-Gemüses zu beschreiben. Das Eigentum des Gemüses wird erzeugt, indem sich der Agrarproduzent in seiner Produktionsentscheidung für Gemüse, exakter Gemüse aus nach entsprechenden biologisch-ökologischen Richtlinien entscheidet. Der Agrarproduzent determiniert also den Anbau von Bio-Gemüse, die Produktionsentscheidung für oder gegen Gemüse, für oder gegen Bio-Gemüse im Speziellen wird anhand des verfügbaren Bodens gefällt.

Dementsprechend und aufgrund der rechtlichen Grundlagen in der Bundesrepublik Deutschland ist das Eigentum an Bio-Gemüse am Eigentum oder Besitz der Flächen, auf denen es produziert wird, anzugliedern.

Eigentum des Bio-Gemüses entsteht aus Eigentum oder Besitz der Böden, auf denen es angebaut wird.

Deshalb muss eine Betrachtung der Eigentumsregel von Bio-Gemüse die Betrachtung des Anbaubodens beinhalten, beziehungsweise sogar schwerpunktmäßig darauf eingehen.

Zur Einleitung einige Informationen und Zahlen über Besitz- und Pachtverhältnisse in der Landwirtschaft Deutschlands anhand zweier Bundesländer:

„Besitz- und Pachtverhältnisse in der Landwirtschaft Baden-Württembergs

Traditionell befand sich der landwirtschaftliche Grund und Boden der Bauern überwiegend in ihrem Eigentum. Die Zupacht spielte indessen vor allem in Gebieten mit Erbteilung und intensiven Marktfruchtanbau schon immer eine gewisse Rolle. Ende der 70er Jahre wurden von den 1,5 Mio. ha LF noch zwei Drittel von den Eigentümern selbst genutzt. Mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft Baden- Württembergs hat die Pacht und die Verpachtung landwirtschaftlicher Grundstücke ein immer größeres Gewicht bekommen. Heute sind von den insgesamt 1,269 Mio. ha LF mittlerweile 764.300 ha LF zugepachtet und nur noch 504.500 ha LF befinden sich im Eigentum der bewirtschaftenden Betriebe. Der Pachtflächenanteil hat damit einen Wert von über 60 % erreicht, wobei sich innerhalb der Pachtflächen ein immer größer werdendes Übergewicht der Pachtungen von familienfremden Verpächtern einstellt.

Die Bedeutung der Pachtflächen steigt mit zunehmender Betriebsgröße.[1]

„Besitz- und Eigentumsverhältnisse zwischen 1991 und 2001 in der Thüringer Landwirtschaft

Seit 1991 dominiert bei Thüringer Landwirten Pachtland als Besitzform der landwirtschaftlich genutzten Flächen (LF). Im Durchschnitt der Jahre 1991/2001 waren 92 Prozent der LF insgesamt Pachtland. Dabei nahm die Zahl der Betriebe mit Flächenpachtungen stetig zu. [...][2]

2.1.1 Eigengesetzlichkeiten der Reproduktion

Grundlegend gehört produziertes beziehungsweise angebautes Bio-Gemüse dem Erzeuger. Das Bio-Gemüse ist die Frucht des Bodens, auf dem es angebaut wird, und, wie bereits einleitend festgehalten, definiert die Verfügung über das Nutzungsrecht am Boden durch Eigentum (Grundbesitz) oder Besitz (Pacht) das Eigentum der erwirtschafteten Erträge, also des Bio-Gemüses.

In der Bundesrepublik Deutschland und den anderen Staaten der Europäischen Union sind diese entsprechenden Regelungen in den Gesetzen der Nationalstaaten niedergeschrieben und festgelegt.

Da die Verfügung über die Nutzungsrechte des Bodens der entscheidende Faktor zum Eigentum an dem angebauten Bio-Gemüse darstellen, muss die Verfügbarkeit von Bodennutzungsrechten in Form von Besitz oder Eigentum des Bodens ebenfalls betrachtet werden.

Der komplette Boden in einem Nationalstaat gehört dem Nationalstaat. In der Bundesrepublik Deutschland wird der Boden von den jeweiligen Bundesländern verwaltet und das Eigentum und der Besitz des Bodens über sie veräußert.

Diese können Boden in verschiedenen Formen körperlichen oder rechtlichen Personen zur Verfügung stellen, zum Beispiel durch Verkauf und damit Übergang in Privatbesitz oder auch Verpachtung.

Eigentumswechsel und Verpachtung kommen natürlich ebenso zwischen nichtstaatlichen Personen vor, der nichtstaatliche Sektor dieses Austausches stellt in der Bundesrepublik die Mehrheit dieser Geschäfte dar.

Es ist zu beobachten, dass Erzeuger von landwirtschaftlichen Gütern auf eigenem Eigentum mehr auf eine nachhaltige Nutzung achten als auf Flächen, die sich nur in ihrem Besitz, also durch Zupachtung zur Verfügung stehen, befinden.

Dies lässt sich dadurch erklären, dass die als Eigentum besessenen Flächen von den Erzeugern als dauerhafte und langfristige Nutzungserstellungsflächen betrachtet werden und eine Bodenschonung dahingehend als sinnvoll betrachtet wird.

2.1.2 Veränderungstreiber

- Vertikale Integration

Für die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels stellt die einzige Möglichkeit zu direktem Eigentum an dem erzeugten Bio-Gemüse die vertikale Integration der Bio-Gemüse-Produktion dar, das heißt der Aufbau eigener Bio-Gemüse produzierender Bauernhöfe beziehungsweise der Aufkauf von Bio-Gemüse produzierenden Bauernhöfen.

Die allgemeine Wirtschaftslehre stellt die Risiken und Potentiale vertikaler Integration ausführlich dar[3]. Die in den 1990er Jahren beobachtete Konzernbildung mit starkem Fokus auf vertikale Integration hat sich zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts umgekehrt, die Rückkehr zum Kerngeschäft der Unternehmung steht im Fokus des aktuellen wirtschaftlichen Handeln der Unternehmen, insbesondere in Einbeziehung der Konzepte von Unternehmensphilosophie und Unternehmensidentität.

Dementsprechend ist kein Trend seitens der Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels zur vertikalen Integration der Produktion von Bio-Gemüse zu beobachten oder zukünftig zu erwarten.

Die Unternehmen setzen in ihren Strategien eher auf die Bildung langfristiger Lieferbeziehungen mit den Produzenten von Bio-Gemüse.

- Boden und dessen Nutzung

Die gewählte Form der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung eines Hofs determiniert die Form der Nutzung des dem Hof zur Verfügung stehenden Bodens.

Die ökologische Landwirtschaft kann man auf die grundlegendste Form von agrarwirtschaftlicher Nachhaltigkeit zurückführen, schon in der Antike war das Prinzip der Fruchtfolge zur Schonung der landwirtschaftlich genutzten Böden bekannt und wurde angewandt.

Das grundlegende Verständnis für die Notwendigkeit des Erhalts dieser Wirtschaftsbasis, in diesem Falle der Böden, findet somit auch in der modernen Bio-Gemüse-Produktion wieder Anwendung.

Die Prinzipien der Bodenschonung und des Verzichts auf zusätzlich zugeführte, zumeist industrielle Düngemittel machten nach Beachtung der Fruchtfolge die Rückkehr zu in der konventionellen Landwirtschaft unrentablen Gemüsesorten möglich[4].

Wie bei der Führung bei der Hofmolkerei Dehlwes dargestellt, verlangen gewisse Pflanzensorten, wobei unerheblich ist, ob sie für Viehfutter oder als Lebensmittel gedacht sind, nach bestimmten Bodenbedingungen, die durch vorangegangene Nutzung anderer Pflanzen- bzw. Gemüsearten, so genannter Leguminosen, erreicht wird.

- Politische Ordnung

Die politische Ordnung innerhalb der Europäischen Union und in der Bundesrepublik Deutschland ist als stabil zu betrachten. Neuordnung beziehungsweise Zugewinn landwirtschaftlich nutzbarer Flächen sowohl durch Enteignungen innerhalb eines Staates als auch durch territoriale Kriegsführung ist nicht zu erwarten.

Dementsprechend ist die Menge des verfügbaren und nutzbaren Bodens als bekannt anzusehen, Besitzverhältnisse und Ressourcenerstellungspotential sind geregelt und endlich.

- Agrarpolitik

Der Einfluss der staatlichen Agrarpolitik auf die Form der gewählten Bodennutzung ist in der Europäischen Union und damit und auch unabhängig von der Europäischen Union in Deutschland ein bedeutender Faktor. So macht sich zum Beispiel die aktuelle Förderungspolitik für den Rapsanbau zum Zweck der Bio-Kraftstoffgewinnung auch dadurch bemerkbar, dass durch die gesteigerte und subventionierte Nachfrage nach Pflanzungsflächen für Raps die Böden, die für den Anbau von Bio-Pflanzen geeignet wären, verknappen, und so anderen Bio- Produzenten weniger geeignete Anbauflächen zur Verfügung stehen.

Die Europäische Union fördert aktuell Programme zur Extensivierung landwirtschaftlicher Flächen mit dem Ziel, Flächen von der extensiven Nutzung konventionellen Landwirtschaftens zu Flächen weniger exzessiver Nutzung umzuwandeln. Dies wird zum Beispiel durch Stilllegung von Nutzflächen und von, für diese Betrachtung entscheidend, Umstellung auf Ökolandbau erreicht[5].

Ein interessanter Nebenaspekt dieser Förderung ist der Faktor, dass sich dadurch, so die Extensivierung in großem Maßstab umgesetzt wird, die Agrarüberproduktionen der Europäischen Union reduzieren werden und somit weniger Agrarprodukte subventioniert durch EU-Gelder in Drittländer exportiert werden müssen.

Wie es scheint, steht mit diesem Programm also tatsächlich ein Win-Win-Model für den Umstieg von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft innerhalb der Europäischen Union zur Verfügung.

- Kapitalversorgung

Als weiteren Veränderungstreiber ist die Bereitschaft von privaten Kreditinstitutionen zur Vergabe von Krediten an Betriebe, die ihre Produktion auf Bio-Lebensmittel umstellen wollen, zu beachten.

Die Umstellung der Produktion auf ein Niveau, das die unter Schutzregeln aufgeführten Verordnungen erfüllt, ist ein kapitalintensives Unterfangen, welches insbesondere in der Umstellungsphase große Kosten verursacht.

Wie Herr Dehlwes in seinen Ausführungen deutlich machte, braucht es „einen gesunden Betrieb, um gesunde Lebensmittel produzieren zu können“, womit er implizierte und nachfolgend auch weitergehend deutlich machte, dass ein sich bereits ohnehin in finanziellen Schwierigkeiten befindliches Unternehmen die Kosten einer Umstellung kaum bewältigen könne.

Außerdem schrecken die Kreditinstitute noch immer davor zurück, solcherlei Kredite zu vergeben, was zum einen auf eine, mit anderen Staaten verglichen, hohe generelle Risikoscheue der Banken und zum anderen auf ein geringes Verständnis für diese neue Form der Leistungserstellung zurückzuführen ist.

Eine Verbesserung des Rufs von Bio-Lebensmittelproduktion kann in diesem Kontext zu einer steigende Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe führen.

[...]


[1] Statistisches Landesamt Baden- Württemberg

[2] Thüringer Landesamt für Statistik - Statistische Analysen - Aufsätze aus den Monatsheften - Strukturwandel in der Landwirtschaft Thüringens, Teil 3 (Homepage), Abruf: 09.07.2007

[3] Vgl. BEA/DICHTL/SCHWEITZER, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Bd. 1 (1983), S. 138

[4] Vgl. Ökolandbau.de – Verbraucher – Kaufen – Bio-Warenkunde – Vergessene Gemüsearten (Homepage), Abruf: 13.06.2007

[5] Vgl. Global Nature Fund – EU-Life-Projekt – Ergebnisse des EU-LIFE Projekts „Feuchtgebiete renaturieren – Nachhaltiges Management von Feuchtgebieten und Flachwasserseen" (Homepage), Abruf: 24.07.2007

Details

Seiten
50
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640964628
ISBN (Buch)
9783640964871
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175488
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Nachhaltiges Management Nachhaltigkeit Bio Lebensmitteleinzelhandel ökologisch Ressourcen Biogemüse

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