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Der anthropogene Klimawandel in den Medien

Eine Bestandsaufnahme

von Stefanie Norden (Autor) Tristan Büchtmann (Autor)

Referat (Ausarbeitung) 2007 30 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Grundgedanken

2. Klimaveränderungen
2.1 Ursachen
2.2 Wirkungen
2.2.1 Erderwärmung
2.2.2 Eisschmelze
2.2.3 Jahrhundertereignisse
2.2.4 Regen, Stürme, Fluten und Überschwemmungen
2.2.5 Hitze, Dürre und Wüsten
2.2. Zukunftsprognosen
2.2.1 Trinkwasser
2.2.2 Meeresspiegel
2.2.3 Golfstrom

3. Anpassungen
3.1 Allgemeinheit
3.2 Politik
3.2.1 Kyoto-Protokoll
3.2.2 Konferenzen/ Gipfel
3.3 Unternehmen

4. Diskussionen
4.1 Übertreibungen
4.1.1 Guter Zweck
4.1.2 Sensationslust
4.2 Zweifel
4.3 Unschuldsbehauptungen
4.3.1 CO²-Lobby
4.3.2 Sonnenflecken

5. Erkenntnisse

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Grundgedanken

Die Medien sind in der heutigen Gesellschaft zu einem bedeutenden Faktor geworden. Sie informieren nicht nur, sondern tragen durch ihre Berichterstattung ganz maßgeblich zu der Bildung öffentlicher Meinungen bei und können durch die dabei von ihnen verwendeten Instrumente diese beeinflussen und prägen. Politik und Wirtschaft sind sich der Macht öffentlicher Meinungen spätestens bei den Ereignissen um die Ölplattform Brand Spar bewusst geworden[1].

Der Klimawandel, gerade durch seine bedrohlichen Konsequenzen, ist ein Thema von hoher Brisanz und Emotionalität. Die Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels werden im Alltag immer spürbarer, und somit rückt das Thema Klimawandel immer stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit. Diese ist allerdings grundlegend uninformiert über dieses Thema, auch aufgrund der großen Komplexität desselben, und verfügt als primäre Informationsquelle nur über die Medien.

Daher ergibt sich die logische Brücke, die Rolle der Medien in diesem Kontext genauer zu betrachten und ihre Berichterstattung zu analysieren.

Da es aber objektiv nicht möglich ist, eine „richtige“ Form der Berichterstattung zu definieren und eventuelle Abweichungen davon herauszustellen, wird sich dieses Referat auf eine Bestandsaufnahme, mit einem Schwerpunkt auf die Berichterstattung der letzten sechs Jahre, beschränken und dabei detailliert auf die Formen der Berichterstattung und deren besondere Schwerpunkte eingehen.

Im Zuge der Strukturierung dieses Referats wurde es notwendig, vom bisher eingereichten Zehnzeiler abzuweichen, da die Berichte der Medien weniger im historischen Verlauf differieren, sondern sich vielmehr durch die publizierten Inhalte definieren.

Dementsprechend wird im Hauptteil dieser Arbeit aufeinander folgend auf die Berichterstattung über die Auswirkungen des Klimawandels, über die Anpassungen und über die im Kontext zum Klimawandel entstandenen Kontroversen eingegangen werden.

Als primäres Problem bei der Recherche zu diesem Thema stellte sich heraus, dass es wenig verfügbare wissenschaftliche Publikationen hierzu gibt, wodurch als hauptsächliche Quellen dieser Arbeit direkt die Berichte der Medien dienen mussten, und hier insbesondere, durch ihre bessere Verfügbarkeit bedingt, diejenigen der deutschen Printmedien.

Grundlegend wird in diesem Referat als bekannt vorausgesetzt, was Klimawandel ist und was Medien sind, beides ausführlich zu definieren und die biologischen, meteorologischen, sozialwissenschaftlichen u.v.a. Hintergründe zu erläutern, würde den Rahmen dieser Arbeit übersteigen.

In dieser Bestandsaufnahme geht es einzig um die Berichterstattung der Medien, d.h. wenn im Zuge derselbigen von etwas geschrieben wird, bedeutet das in diesem Kontext, dass die Medien über diesen Punkt in entsprechender Art berichtet haben – und nicht etwa, dass diese Aussage zwangsweise auf einer wissenschaftlichen Grundlage fundiert ist.

Schwerpunkte als Quellen stellen das Onlinearchiv von „Die Zeit“, sowie die Onlineausgabe von „Der Spiegel“ dar.

Ungeachtet der aufgetretenen Probleme, wie bei der Recherche und der Unmöglichkeit, genau Fehlverhalten oder Mängel der medialen Berichterstattung definieren zu können, oder vielleicht gerade wegen dieser Probleme, hat sich das Thema als ausgesprochen spannende, intellektuelle Herausforderung erwiesen.

2. Klimaveränderungen

Die Berichterstattung der Medien über die Veränderungen des Klimas aufgrund des anthropogenen Klimawandels lassen sich grob in drei Kategorien teilen, erstens, die Ursachen für den Klimawandel, zweitens, die Wirkungen, die sich daraus für die Menschheit ergeben, und drittens Szenarien über die Zukunft.

Als primäre Quelle in der wissenschaftlichen Berichterstattung über den Klimawandel dienen den Medien die etwa 1000-seitigen Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der UN, die von mehr als 500 Wissenschaftlern erstellt und von etwa 300 weiteren Experten begutachtet wurden.[2]

2.1 Ursachen

Die Ursachen des Klimawandels werden im Ausstoß von Treibhausgasen, insbesondere des durch Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehenden, ansonsten ungiftigem Kohlendioxid (CO2), gesehen, so die Medien denn die Schuld der Menschen am aktuellen Klimawandel eingestehen (siehe auch: Kapitel 4.3).

2.2 Wirkungen

„Es gibt neue und stärkere Belege (evidence) dafür, dass die beobachtete Erwärmung der letzten 50 Jahre zum Großteil auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist“, zitiert Schnabel[3] die Zusammenfassung des dritten, zu diesem Zeitpunkt unlängst erschienen IPCC-Berichts, dessen Prognosen für einen weiteren Temperaturanstieg zusammengefasst folgendermaßen aussehen:

- „Der bereits beobachtete Rückgang der Berggletscher setzt sich unaufhaltsam fort.
- Auch die mit Schnee bedeckten Flächen der Erde, die in den vergangenen 40 Jahren ‚sehr wahrscheinlich’ um 10 Prozent geschrumpft sind, werden weiter abnehmen.
- Wetterextreme wie sommerliche Dürren, starke Niederschlagsschwankungen und Überschwemmungen – die schon jetzt in einzelnen Gebieten auftreten – werden in allen mittleren Breiten zunehmen.
- Der Meeresspiegel steigt voraussichtlich bis zum Jahr 2100 um 9 bis 88 Zentimeter an.“3
- „Die Erde erwärmt sich im nächsten Jahrhundert im globalen Mittel um 1,4 bis 5,8 Grad“[4]

Und so wie es Berichte darüber gibt, dass es kaum noch einen „echten“ Winter im Schwarzwald gibt[5], mehren sich die Artikel über die sich, inzwischen in der Bundesrepublik wahrnehmbaren und auf den anthropogenen Klimawandel zurückzuführenden Temperaturanstieg, ergebenden Konsequenzen.

Doch „die wirklich extremen Veränderungen werden in anderen Regionen (Anm.: als in Europa) stattfinden. Etwa in Asien, wo der Monsun aus den Fugen zu geraten droht, oder in den kleinen Inselstaaten im Indischen Ozean, die ganz im Meer versinken könnten.“[6] und so kommen die Medien nicht umhin, auf die ungerechte Verteilung der Auswirkungen des Klimawandels hinzuweisen: „Der Klimawandel dagegen ist nicht nur schwer zu greifen, sondern in seinen globalen Auswirkungen auch besonders ungerecht: Verursacht höchstwahrscheinlich von den reichen, westlichen Industrienationen, treffen seine Folgen wie Dürre oder Überschwemmungen vor allem jene Länder Afrikas und Asiens, die sich dagegen am wenigsten wehren können.“[7]

Der Hinweis auf die mangelnde Begreifbarkeit des Klimawandels, des mangelnden Frames zur Verarbeitung dieser Bedrohung und seiner Auswirkungen auf jeden einzelnen Menschen, macht deutlich, wie schwer dieses Thema einer breiten Öffentlichkeit vermittelbar zu sein scheint.

2.2.1 Erderwärmung

Auf die Erwärmung der Erdatmosphäre werden die sich vollziehenden Veränderungen des Wetters und die damit einhergehenden Katastrophen zurückgeführt. Die Erderwärmung ist, nach Darstellung der Medien, erstes Warnzeichen und Ursache für den Klimawandel.

„Die Erderwärmung ist in der Bundesrepublik längst spürbar.“[8] erklärt „Die Zeit“, doch objektiv lässt sich diese Behauptung ebenso wenig belegen wie die „gefühlte Preissteigerung“ nach der Euroeinführung.

Was von den Medien angeführt wird, sind die wahrnehmbaren Veränderungen und Extremereignisse, „...heftiger Regen und extreme Trockenheit sind Warnzeichen. Es kann noch schlimmer kommen, wenn die Erde weiter aufgeheizt wird“[9].

2.2.2 Eisschmelze

Das Schmelzen des Eises aufgrund der Erderwärmung wird von den Medien als Fakt, durch die Berichte des IPCC gestützt, akzeptiert. Es lässt sich anhand des Vergleichs von alten und aktuellen Bildern, gerade von Gletschern, unkompliziert belegen und dem Kunden visuell vermitteln.

2.2.3 Jahrhundertereignisse

Ein Thema, das immer wieder für Schlagzeilen sorgt und sich offensichtlich medial gut in ebensolche umsetzen lässt, sind die so genannten Jahrhundertereignisse, die Rekorde seit Bestehen der Wetteraufzeichnungen, seit Menschengedenken.

Mit „Rekordkälte, Rekordhitze, Rekordregen – nicht nur dieses Jahr schlägt das Wetter Kapriolen. Superlative wie ‚die größte seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessene Niederschlagsmenge’ hört man immer öfter.“[10] beginnt ein Artikel, ein anderer stellt klar: „Die 10 wärmsten Jahre seit Menschengedenken kamen sämtlich nach 1989.“[11] und definiert sogleich die Aussichten auf das neue Jahrhundert: „Es scheint paradox, aber es hat zugleich ein Jahrhundert der Fluten begonnen – und der Dürren.“11

Der wohl bekannteste Jahrhundertrekord wurde im Zuge der Flutkatastrophe an Elbe und Oder im Jahr 2002 aufgestellt, als im Erzgebirge stellenweise über 300 Liter Regen pro Quadratmeter niedergingen.[12]

2.2.4 Regen, Stürme, Fluten und Überschwemmungen

Diese Flutkatastrophe in der Bundesrepublik und ihren Nachbarstaaten weckt die Aufmerksamkeit der Medien und der allgemeinen Öffentlichkeit für die wahrnehmbaren Auswirkungen des Klimawandels – das Wetter soll zunehmend extremere Auswirkungen haben.[13] So ist die meteorologische Begründung für die Regenfälle zwar noch klimawandelunabhängig, aber dadurch, dass die Erde sich erwärmt, wurden die Regenfälle verstärkt. Eine höhere Temperatur steigert die Aufnahmekapazität der Wolken für Feuchtigkeit und z.B. bei einer ein Grad höheren Temperatur die Niederschlagsmenge um zehn Prozent, wenn die Wolken sich in den Alpen abregnen, durch die dort gestiegene Schneefallgrenze sogar noch einmal um einige weitere Prozent. So wird der Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und langjähriges Mitglied des IPCC, Hartmut Graßl, mit der Aussage zitiert: „Jedes Niederschlagsereignis wird intensiver“ und der Autor zieht den Schluss „Und damit gefährlicher.“11

Doch die Medien geben auf anderer Ebene, gestützt auf den IPCC-Bericht, auch Grund zur Beruhigung: „Und die oft beschworene Zunahme von Wirbelstürmen oder Tornados lässt sich – bislang jedenfalls – nicht nachweisen.“[14], wenn auch der Hamburger Klimaforscher Guy Brasseur im Interview warnt: „Vieles spricht dafür, dass ... die Hurrikans zunehmen.“[15]

2.2.5 Hitze, Dürre und Wüsten

Die Gegenseite des Klimawandels zu zunehmend stärkeren Regenfällen und den damit einhergehenden Problemen stellen Hitze und die damit einhergehenden Dürren dar.

Dürren gibt es bereits heute in der Bundesrepublik, etwa in Brandenburg, wo auf rund 75 Prozent der Landesfläche im Vergleich zu den sechziger Jahren merklich weniger Niederschlag ins Grundwasser sickert.[16] Wie schon beim Niederschlag ist es auch bei der Trockenheit so, dass die Lasten des Klimawandels wieder primär die Staaten Afrikas und Asiens betreffen,[17] aber nicht nur sie. So kam es im Jahr 2002 im Nordwesten der Vereinigten Staaten und Südwesten Kanadas zu einer Dürreperiode, in deren Folge die Redwood-Bäume, Mammutbäume, die zum Teil über 1000 Jahre alt sind, durch Trockenheit und Feuer vor ihrer Vernichtung standen.[18]

„Unter Wassermangel leiden auch das südliche Afrika, Australien und der Westen Indiens – dort grassiert die schlimmste Trockenheit seit mehr als hundert Jahren“ schreibt Vorholz weiter[19] und stellt im gleichen Artikel ebenfalls klar, dass die anthropogene Erdwärmung die Wüsten wachsen lässt. In Australien hat der Versuch, den Wassermangel in den Griff zu bekommen, inzwischen derartige Ausmaße angenommen, dass man anonym Mitbürger melden kann, die Wasser verschwenden – dieses Angebot hat regen Zuspruch erfahren.[20]

Allerdings wird anderenorts auf die UN und deren Aussage, dass der primäre Grund für das Wüstenwachstum Überwirtschaftung und Erosion seien, verwiesen.[21]

2.3 Zukunftsszenarien

Nach der Betrachtung der Berichterstattung um die aktuellen Ereignisse der Klimaveränderungen wird in diesem Punkt die Berichterstattung um die erwarteten zukünftigen Ereignisse, insbesondere die von den Medien immer wieder gern herangezogenen Schreckensszenarien, betrachtet.

[...]


[1] vgl. Greenpeace – Start – Themen – Öl – Brent Spar – Glaubwürdigkeit – das wichtigste Kapital einer NGO, Homepage (WWW v. 30.01.2007)

[2] vgl. DRÖSSER/RAUNER, Aus allen Wolken gefallen (Die Zeit, 34/2002)

[3] SCHNABEL, Wer im Treibhaus sitzt... (Die Zeit, 05/2001)

[4] DRÖSSNER/RAUNER, Aus allen Wolken gefallen (Die Zeit, 34/2002)

[5] vgl. FALLER, Todtmoos, kein Wintermärchen (Die Zeit, 14/2002)

[6] DRÖSSNER/RAUNER, Aus allen Wolken gefallen (Die Zeit, 34/2002)

[7] SCHNABEL, Wer im Treibhaus sitzt... (Die Zeit, 05/2001)

[8] VORHOLZ, F., Deutschland im Fieber (Die Zeit, 51/2004)

[9] VORHOLZ, F., Die große Flut, die große Dürre (Die Zeit, 35/2002)

[10] DRÖSSNER/RAUNER, Aus allen Wolken gefallen (Die Zeit, 34/2002)

[11] VORHOLZ, F., Die große Flut, die große Dürre (Die Zeit, 35/2002)

[12] vgl. SCHUH, Deutschlands Dämme brechen (Die Zeit, 34/2002)

[13] vgl. SCHNABEL, Wer im Treibhaus sitzt... (Die Zeit, 05/2001)

[14] SCHNABEL, Wer im Treibhaus sitzt... (Die Zeit, 05/2001)

[15] SCHUH/SENTKER, Baut Dämme auf (Die Zeit, 11/2002)

[16] vgl. VORHOLZ, F., Deutschland im Fieber (Die Zeit, 51/2004)

[17] vgl. SCHNABEL, Wer im Treibhaus sitzt... (Die Zeit, 05/2001)

[18] vgl. VORHOLZ, F., Die große Flut, die große Dürre (Die Zeit, 35/2002)

[19] VORHOLZ, F., Die große Flut, die große Dürre (Die Zeit, 35/2002)

[20] vgl. BAALCKWOOD, Down Under tobt der Wasserkrieg (Stern, 18.01.2007)

[21] vgl. HÜRTER, T., Warme Welt (Die Zeit, 06/2006)

Details

Seiten
30
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640964642
ISBN (Buch)
9783640964895
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175490
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Schlagworte
Nachhaltigkeit Nachhaltiges Management Klimawandel Medien

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