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Probleme beim Vertrauensaufbau in und zu Online-Partnerbörsen

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Probleme beim Vertrauensaufbau in und zu Online-Partnerbörsen

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit, geht es, wie der Titel „Probleme beim Vertrauensaufbau in und zu Online-Partnerbörsen“ bereits vermuten lässt, um die Frage des Vertrauens bei der gezielten Partnersuche im Internet. Die Arbeit richtet sich aus an der Forschungsfrage: Mit welchen Problemen des Vertrauensaufbaus ist der User eines Online-Dating-Portals konfrontiert?

Als Beispiele für Dating-Portale gelten in dieser Arbeit sechs der größten Plattformen Deutschlands, die außerdem von der Seite singleboersen-vergleich.de die besten Bewertungen erhalten haben. Diese Portale sind Parship, eDarling und ElitePartner (Partnervermittlungen), sowie neu.de, Friendscout24 und Dating Cafe (Singlebörsen). Eine nähere Abgrenzung der Begriffe „Partnervermittlung“ und „Singlebörse“ findet in Kapitel 3 statt.

Nach einer theoretischen Betrachtung des Vertrauensbegriffs und der Voraussetzungen zur Entstehung einer Vertrauensbeziehung, gibt die Arbeit eine Einführung in das Feld des Web 2.0 und der Online-Partnerbörsen. Hierbei wird kurz auf die Entwicklung des Marktes eingegangen und eine Unterscheidung verschiedener Formen von Dating-Portalen vorgenommen.

Der Kern der Arbeit bildet die Betrachtung der Vertrauensverhältnisse zwischen Usern und Online-Dating-Plattformen sowie zwischen Usern unter sich. Entscheidende Fragen, wie zum Beispiel wie Vertrauen aufgebaut werden kann und welche Maßnahmen seitens der Online-Plattformen hierzu ergriffen werden, sollen ebenso beleuchtet werden wie Datenschutzrichtlinien. Mithilfe von empirisch gewonnenen Daten kann außerdem aufgezeigt werden, welche Hürden sich im Internet bezüglich der Entstehung von Vertrauen ergeben.

Insbesondere bei der Frage, wie Vertrauen zwischen den Usern entstehen kann, ergeben sich viele Ungewissheiten und Unsicherheiten, die nicht (ausschließlich) durch formale Kriterien gelöst werden können. Einige Lösungsansätze sollen jedoch im Schlussteil vorgestellt werden, ebenso wie eine Zukunftsperspektive für den Online-Dating-Markt.

2. Der Begriff des Vertrauens

Der Begriff des Vertrauens ist ein sehr komplexer, den man durch Definitionen nur begrenzt erfassen kann. Auch die Handlung, jemandem zu vertrauen, bleibt meist unreflektiert, da sie unbewusst abläuft, obwohl – oder gerade weil – Vertrauen zu schenken ein oft wiederholter Prozess im menschlichen Alltag ist. Ob jemand vertrauenswürdig ist oder nicht wird nur selten aktiv durchdacht, ebenso „[…] wie die Frage nach den Voraussetzungen, die für die Bildung von Vertrauen erfüllt sein müssen“.[1] Doch gerade in Bezug auf das Internet und die Nutzung von Netzwerken, wie beispielsweise Dating-Portalen, muss der Prozess des Vertrauens näher beleuchtet werden, da dieses neue Umfeld auch neue Gegebenheiten bietet. Gerade der hohe Grad an Anonymität und die Tatsache, dass das Internet ein „[…] fast gesetzloser Raum […]“[2] ist, machen deutlich, dass Vertrauen hier eine neue Rolle spielt.

Der von Fleishman-Hillard und Harris Interactive vorgelegte Digital Influence Index zeigt zum Beispiel, dass Informationen, die von der Regierung im Internet veröffentlicht werden deutlich mehr Vertrauen genießen als Informationen, die von anderen Internetnutzern zur Verfügung gestellt werden.[3] Auch hat das Internet, insbesondere im Zeitalter des sogenannten Web 2.0, das Konsumverhalten der Menschen deutlich geprägt: „Wenn Verbraucher entscheiden, ob sie ein Produkt kaufen oder eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, ist das Internet das mit Abstand wichtigste Medium für die Entscheidungsfindung.“[4] Im Internet wächst die Welt zu „unkontrollierbarer Komplexität"[5], welche in Niklas Luhmanns Vertrauenstheorie näher betrachtet wird. Vertrauen hat demnach die Funktion, diese Komplexität zu reduzieren. Es wird als eine Mischung aus Wissen und Nichtwissen beschrieben, da es der Geschichte (dem Wissen) bedarf, um „[…] eine Bestimmung der Zukunft […]“ zu riskieren.[6]

Besonders entscheidend für diese Arbeit sind vor allem die Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, damit Vertrauen überhaupt entstehen kann. Luhmann nennt hier verschiedene Kategorien, von denen allerdings in diesem Kontext nur zwei betrachtet werden sollen.

Zum einen handelt es sich um die Motivationsstruktur des Gegenübers, die betrachtet werden sollte, bevor Vertrauen geschenkt wird. Hierbei muss beachtet werden, dass beide Partner durch ihr Handeln Einfluss auf das zukünftige Schicksal des Anderen ausüben können. Um also das Risiko eines Vertrauensbruchs einzuschätzen, sollte man sich zunächst die Frage stellen: „Würde ein Vertrauensbruch ihm besonders große, verlockende Vorteile bieten?“[7]

Die zweite Voraussetzung zum Entstehen von Vertrauen ist die Erwartung von Sanktionen. Besonders die Aussicht auf negative Sanktionen bietet einen gewissen Schutz vor Täuschung und Betrug. „In sozialen Zusammenhängen, die so strukturiert sind, nämlich durch relative Dauer der Beziehung, wechselnde Abhängigkeiten und ein Moment der Unvorhersehbarkeit ausgezeichnet sind, findet man einen günstigen Nährboden für Vertrauensbeziehungen. Es herrscht das Gesetz des Wiedersehens. [...] Das erschwert Vertrauensbrüche.“[8]

Brinkmann und Seifert definieren Vertrauen des Weiteren als „[…] die gefühlsmäßige und/ oder kalkulierte Bereitschaft eines Akteurs, auf die Kontrolle eines anderen zu verzichten und eine riskante Vorleistung (Handlung) zu erbringen, die meistens mit der kognitiven Erwartung und dem Gefühl einhergeht, dass der oder die VertrauensempfängerIn gleichzeitig kompetent, integer und wohlwollend ist.“[9]

Bei der Kompetenzerwartung setzt der Vertrauende bestimmtes Wissen oder Fähigkeiten voraus[10], wobei „[…] unterschiedliche Indikatoren als Signale für Vertrauenswürdigkeit […]“[11] (Kleidung, Hautfarbe, Sprache, Alter u.v.m.) eine Rolle spielen. Diese Indikatoren lassen sich jedoch nur bei einem persönlichen Treffen bestimmen. Vertrauen hingegen muss oft auch ohne solchen „face-to-face-Kontakt“ aufgebaut werden. Dies geschieht dann zum Beispiel über die Reputation von Dritten, wobei dieser Dritte sowohl eine natürliche Person als auch ein Medium sein kann.[12] Im Zusammenhang dieser Arbeit spielen allerdings die beiden anderen Erwartungen eine größere Rolle: die Gesinnungserwartung und die Integritätserwartung.

„Die Integrität einer Vertrauensperson setzt sich zusammen aus ihrer Offenheit/Erreichbarkeit, Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit.“[13] Hierbei spielt sowohl der freie Fluss von Informationen und die Erreichbarkeit („ein offenes Ohr haben“[14]) als auch das Einhalten von Versprechen eine wichtige Rolle. Der Vertrauende erwartet von seinem Gegenüber ebenso, dass dessen Aussagen mit einem „[…] zugrunde liegenden Sachverhalt übereinstimmen […]“[15] und dass er/sie bei seinen Aussagen bleibt, auch wenn sich die Umstände ändern.

Die Gesinnungserwartung beschreibt im Grunde die Erwartung des Vertrauenden, dass sich die Vertrauensperson wohlwollend und loyal verhält und bei der Erreichung eines gewünschten Ziels hilfreich ist.[16] Im Detail bedeutet dies, dass man darauf vertraut, dass die „[…] eigenen Interessen nicht verletzt und der eigenen Person kein Schaden zugefügt wird, selbst wenn dazu für eine Vertrauensperson die Gelegenheit und ein Anreiz besteht.“[17] Vertrauen ist also eine Aufforderung, sich rücksichtsvoll und entgegenkommend zu verhalten. Es kann durch vorsätzlich unfaires Handeln zum eigenen Vorteil (auf Kosten des Anderen) enttäuscht oder gebrochen werden.

[...]


[1] Weinzinger, Caroline: Vertrauensbildung im Internet. Aarau 2004, S.2

[2] Weinzinger, Caroline (2004), S.2

[3] Fleishman-Hillard Inc. (Hrsg.): Digital Influence Index Studie, o.O. 2010a

[4] Fleishman-Hillard Inc. (Hrsg.): Digital Influence Studie, o.O. 2010b

[5] Luhmann, Niklas: Vertrauen. Stuttgart 1968, S.21

[6] Luhmann, Niklas (1968), S.17f

[7] Luhmann, Niklas (1968), S.32

[8] Luhmann, Niklas (1968), S.35

[9] Brinkmann, Ulrich; Seifert, Matthias: „Face to interface“, Trier 2001, S.27

[10] ebenda, S.24

[11] ebenda, S.24

[12] Ein Beispiel hierfür wäre die Verkäufer-Bewertung auf der Auktionsplattform ebay.de

[13] Brinkmann/Seifert (2001), S.25

[14] ebenda, S.26

[15] ebenda, S.26

[16] Vgl. Brinkmann/Seifert (2001), S.26

[17] Brinkmann/Seifert (2001), S.26

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640976089
ISBN (Buch)
9783640976225
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175510
Institution / Hochschule
Universität Trier – Fachbereich IV - Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Vertrauen Internet Partnerbörse Online Partnersuche Parship Soziologie Glaubwürdigkeit Luhmann

Autor

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