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Grundlagentexte der Cultural Studies im Macht-Wissens-Kontext

Ein Überblick

Essay 2011 7 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

„ Macht läß t sich ohne Abh ä ngigkeit auf der anderen Seite nicht denken “

stellt Eva Julia Fischkurt fest. Dieser zentralen Einsicht stimmt man nach Lektüre zahlreicher Schlüsseltexte der Cultural Studies zu, und soll aus diesem Grund an zentraler Stelle dieser Arbeit stehen. Nicht alle Arbeiten der Cultural Studies jedoch gehen mit dieser Ansicht synonym, so betonte bereits Stuart Hall die Heterogenität, Transdisziplinarität und den multiplen Charakter der Cultural Studies (vgl. Hepp 2008: S. 10) wie viele andere wichtige Theoretiker es ihm bis heute gleich tun. Demzufolge haben die teils doch sehr verschiedenen Ansätze die Disziplin ‚Cultural Studies‘ selbst zu einem heterogenen Untersuchungsfeld gemacht, innerhalb welchem es dennoch möglich sein sollte Konvergenzen sowie Divergenzen einiger Theorien herauszustellen, welche teils zu heftigen Kontroversen der Vertreter Selbiger geführt haben, durch welche sich ein Spannungsfeld innerhalb der Forschungsdisziplin auftut, das Selbiges noch reizvoller macht, und nur die eigenen Erkenntnisse proklamiert, sieht dieses doch die Heterogenität von Theorien und die Existenz verschiedenartiger Meinungen/Kulturen ein, was zu einer der Ausgangsthesen der Cultural Studies wurde. Rainer Winter, einer der aktuellen Vertreter des Feldes im deutschsprachigen Raum erklärt die gegenwärtige Vielfalt an Erklärungsversuchen der zeitgenössischen Gesellschaft dadurch, dass Selbige nur verschiedenartige Antworten auf heterogene Fragestellungen sind, welche in unterschiedlichen Kontexten verortet sind, was erneut eine der Grundeinsichten der CS herausstellt, indem die kontextuelle Bedingtheit der Bedeutungsstrukturen betont wird. Somit beschreibt Winter das Ziel der CS nicht in der Hervorbringung objektiver Theorien, sondern im der der Hervorbringung eines Dialoges verschiedener Theorien und Wissensformen (vgl. Hepp 2008: S. 81).

Im Folgenden will ich mich auf die Theorien von Michel Foucault, Stuart Hall, Michel de Certau und nicht zuletzt auf John Fiske beziehen und diese im medialen Macht - Wissens Kontext diskutieren, welcher seinerseits das Hauptuntersuchungsfeld der Cultural Studies darstellt, um deren zentrale Thesen herauszuarbeiten, um demgemäß deren Aktualität, Fundierung und Verortung innerhalb des theoretischen Feldes festzustellen.

Das Thema Macht zieht sich durch alle Werke von Michel Foucault, der in der Tradition Max Webers steht, welcher Macht folgendermaßen definierte: „Macht ist jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen gegen Widerstreben durchzusetzen […]“ (Weber 1921: S.28). Webers Machtdefinition proklamiert einen monolitischen Macht-Gesellschaftskontext dessen Gründe wohl primär in der noch jungen Forschungstradition, sekundär in deren Entstehungszeit zu suchen sind. Als Weiterentwicklung von genanter These zur Macht, enthält Foucaults´s Machtbegriff bereits eine Binarität in sich indem er besagt: „Machtausübung bezeichnet […] die Wirkungsweise gewisser Handlungen, die andere verändern.“ (Foucault 2005: S. 254) Damit kann Foucault, der von einer „Vermachtung der Gesellschaft“ (Foucault 1976: S. 114) spricht, die Subjekte produziert, einer postmodernen Gesellschaftstheorie zugerechnet werden, da er das Bestehen machtstruktureller Gegebenheiten mit der Bedingung der Existenz Bemächtigter erklärt. Somit spricht Foucault nicht von Macht, sondern im Plural, von Machtverhältnissen unter welchen die globalen Allianzen moderner Medien- und Kulturindustrien verstanden werden können, und grenzt sich demzufolge von einer modernen, (kritischen) Theorie, welcher Adorno/Horkheimer, Habermas und, wenngleich im Kontext der Systemtheorie, auch Luhmann zugerechnet werden können, welche im Einfluss von Marx und Durkheim ihre Gesellschafts- und (System)Theorien hervorgebracht haben. In Abgrenzung zu diesen haben die erstens genannten Autoren der Cultural Studies einen (wenngleich uneinheitlichen) Ansatz hervorgebracht, in welchem trotz bestehender Heterogenität Einhelligkeit über folgende Thesen herrscht: Analysegrundlage ist der Sprach- und Zeichengebrauch in gesellschaftlichen Praktiken, Bedeutungen sind sozial konstruiert ferner wird auf deren Basis die gesellschaftliche Realität gestaltet, innerhalb derer Kommunikationsakte Realisierungen ferner Reproduktionen von Diskursstrategien sind. (vgl. Keller 2008: S.175) Innerhalb dieser Realität existieren Institutionen die über Strukturen verfügen welche es ihnen erlauben hegemonielle Kontrolle über andere Individuen auszuüben. In diesem Zusammenhang teilt Foucault mit Gramsci die Ansicht, dass Hegemonie durch verschiedene Strategien der dominanten Klassen hervorgebracht werden, mit welchen diese ihre Interessen vermitteln und es den subalternen Klassen ermöglicht sich in gewissem Ausmaß in Selbigen wiederzufinden (vgl. Hepp 2008: S.132). Somit kann Foucault´s Machtbegriff vielschichtig, als, aufgrund keiner Örtlichkeit zuordenbar, weder an-, noch einer Produktionsweise zuordenbar, durch die Charakteristika der ständigen Reproduktion und Fluktuation, eine allgegenwärtige, nicht greifbare Größe bezeichnet werden, die wirkt und gegenwirkt. (vgl. Foucault 1976: S.114) Dieser Einsicht folgend lässt sich die aktuelle Macht als nicht sichtbares Kriterium einer modernen (Disziplinar)Gesellschaft charakterisieren, welche aufgrund ihrer Beschaffenheit und ihrer ständigen medialen Replikation als, uns längst völlig durchdrungene, naturalisierte Ideologie Einzug in unsere Lebenswelt gehalten haben. (vgl. Hall 1989: S. 158; Hall: 1999: S. 99; de Certeau 1988: S.87f) Als besonders brauchbare Institutionen für die Erweiterung der Macht(räume) durch Naturalisierung kennzeichnender Diskurse, mittels Produktion und Reproduktion Selbiger, identifiziert Stuart Hall die Medien, (vgl. ebd. S.155) da die ‚Texte‘ die Selbige uns vermitteln ausgeklügelte Diskursstrategien bergen, die durch eine bestimmte Art der „Encodierung“ (Hall 1999: S. 94) einerseits, die wir durch aktive Reproduktion, verschiedene, unserer sozialen Situiertheit entsprechende Lesarten, (vgl. Hall: 1999: S.108ff) „dekodieren“ (Hall 1999: S. 96) und demzufolge in unsere eigene Lebenswelt implizieren, andererseits. Die Macht die Hall den Medien zuschreibt baut hauptsächlich auf der Sprache und den Bildern durch die Selbige unsere Leben medial besetzen und dadurch umstrukturieren.

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Details

Seiten
7
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640968848
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175745
Note
Schlagworte
Stuart Hall Michel de Certau John Fiske Rainer Winter Macht Wissen

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Titel: Grundlagentexte der Cultural Studies im Macht-Wissens-Kontext