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Der Malerphilosoph Anton Raphael Mengs und sein Werk "Gedanken über die Schönheit und über den Geschmack in der Malerei"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 24 Seiten

Kunst - Allgemeines, Kunsttheorie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Biografie von Anton Raphael Mengs

3. Das Malerische Werk Mengs’

4. Mengs Schrift: Gedanken über die Schönheit und über den Geschmack in der Malerei
4.1. Von der Schönheit
4.2. Von dem Geschmack
4.3. Beispiele des guten Geschmacks

5. Diskussion der Schrift

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Werk „Gedanken über die Schönheit und über den Geschmack in der Malerei“ von Anton Raphael Mengs. Beginnen werde ich diese Ausarbeitung mit einer kurzen biografischen Einleitung üben den Malerphilosophen Anton Raphael Mengs. Der zweite Abschnitt meiner Arbeit befasst sich überblicksweise mit dem Malerischen Werk des Künstlers.

Im Anschluss sollen einige allgemein Dinge zu der Schrift Mengs’ gesagt werden, welche im weiteren Verlauf in die drei Hauptabschnitte seines Werkes überleiten. Der erste Abschnitt „Von der Schönheit“ befasst sich mit dem Begriff der Schönheit in der Kunst.

Der Geschmack in der Kunst ist Hauptpunkt des zweiten Abschnittes von Mengs Schrift.

Dem dritten Teil von „Gedanken über die Schönheit und über den Geschmack in der Malerei“ widmet diese Hausarbeit ein weiteres Kapitel, in welchem dem Leser die Beispiele von Raphael, Corregio und Titian näher gebracht werden. Der folgende Abschnitt dieser Arbeit beschäftigt sich mit einer Diskussion und Kommentierung der Schrift von Anton Raphael Mengs.

Zum Abschluss der Arbeit folgt eine kurze Schlussbemerkung, sowie das Literatur- und Abbildungsverzeichnis. Im Anhang finden sich auf die im Text verwiesenen Abbildungen.

2. Biografie von Anton Raphael Mengs

Der Malerphilosoph Anton Raphael Mengs wurde am 12. März des Jahres 1728 in Aussig, Böhmen, als Sohn des aus Coppenhagen stammenden sächsischen Miniatur- und Hofmalers Ismael Mengs geboren. Ersten Zeichenunterricht erhielt der junge Mengs zusammen mit seiner Schwester Theresa Concordia vom Vater.

Zwischen 1741 und 1744 hielt er sich mit dem Vater zum Studium der Antike und der alten Meister in in der ewigen Stadt Rom auf. Nach seiner Rückkehr wurde er mit gerade einmal siebzehn Jahren zum Kabinettmaler in Dresden ernannt.

1746 reiste Anton Raphael Mengs ein weiteres Mal nach Rom.

Dort konvertierte er zum Katholizismus und heiratete die Römerin Margherita Guazzi.

1749 kehrte Mengs nach Dresden zurück und wurde 1751 dort, mit einem jährlichen Gehalt von 1000 Talern, zum sächsischen Oberhofmaler ernannt. 1751 kehrte er nach einigen Stationen in Florenz und Venedig nach Rom zurück.

Anton Raphael Mengs lernte 1755 Johann Joachim Winckelmann1 kennen, der schon bald zu seinen engsten Freunden zählte und welcher auch großen Einfluss auf die kunsttheoretischen Vorstellungen Mengs' nahm. Besondere Förderung erhielt der junge Mengs durch den befreundeten spanischen Kunstmäzen und Diplomaten José Nicolás de Azara, welcher Mengs bei der Herausgabe seiner schriftlichen Werke unterstützte.

1755 wurde Mengs die Ehre zuteil, von Papst Clemens XIII. zum Cavaliere des Ordens Speron d'oro ernannt zu werden.

Ende 1759 reiste er nach Neapel, um vor Ort die königliche Familie zu porträtieren. Im selben Jahr verließ Karl III. Neapel, um in Madrid die Nachfolge seines Vaters als spanischer König anzutreten.

Mengs reiste erneut nach Rom. Im Frühjahr begann er mit der Arbeit am Deckenfresko Der Parnass in der Villa Albani, welches als ein Schlüsselwerk des deutschen Klassizismus angesehen wird.

1761 reiste Anton Raphael Mengs ein weiteres mal nach Madrid. Gemeinsam mit Giovanni Battista Tiepolo arbeitete er an der Ausgestaltung des herrschaftlichen Palastes. Die Honorare beider Künstler waren gleich hoch, was ein Zeichen der Wertschätzung war, welche Anton Raphael Mengs am spanischen Hof genoss.

Im Oktober 1766 kam es zwischen Mengs und Winkelmann zu einem Streit. Der Kontakt zwischen den beiden ehemaligen Freunden endete vollständig. Von 1772 bis 1773 hielt sich Mengs zum Porträtiern der königlichen Familie in Neapel auf.

1773 wurde Mengs die Ehre zuteil, dass sein Selbstbildnis in den Uffizien unter dem Bild Raffaels aufgehängt wurde.

1774 lernte Mengs bei seiner Rückkehr nach Spanien den jungen Goya kennen, dessen Begabung er wohl früh erkannte und dem er eine Stelle in der königlichen Teppichmanufaktur vermitteln konnte.

Da die kalten Winter in Madrid dem an römische Temperaturen gewöhnten Maler nicht sonderlich bekamen, erkrankte Anton Raphael Mengs und kehrte 1777 endgültig nach Rom zurück.

Mengs verstarb am 16. Juni 1779 nach schwerer Krankheit in Rom, wo er in der Kirche SS Michele e Magno beigesetzt wurde.

Mengs genoss zeit seines Lebens hohes Ansehen, was auch die Aufahme in die Akademien von Bologna, Rom, Florenz, Genua, Venedig, Augsburg und Madrid zeigten.

Das von Anton Raphael Mengs verfasste Buch „Gedanken über die Schönheit und den Geschmack in der Malerei“ wurde auch in vielen Akademien als Lehrbuch verwendet.2

3. Das Malerische Werk Mengs’

Anton Raphael Mengs war ein hervorragender Porträtmaler. Seine Porträts sind von bestechender Präzision und Klarheit. Er malte die Herrscher seiner Zeit, von Papst Clemens XIII. bis zu Friedrich dem Großen, der russischen Zarin Katharina II und den Königen von Sachsen und von Spanien. Ein weiteres Gebiet, in welchem Mengs versiert war, ist die im Barock entwickelte und praktizierte illusionistische Deckenmalerei.

Seine Deckenfresken die Verherrlichung des Herkules im Palazza Real von Madrid, die Verherrlichung des Hl. Eusebius in Rom, und die Allegorie der Geschichte im Vatikan sind in der Tradition des barocken Illusionimus verpflichteten Art und Weise gemalt.

Unter dem Einfluss von Johann Joachim Winckelmann malte Mengs für die Villa Albani in Rom das Deckenfresko Der Parnass, welches sich grundlegend von den zuvor genannten Gemälden unterschied. In der Art eines gerahmten Tafelbildes stellt das Fresko Apollo im Kreise der Musen mit deren Mutter Mnemosyne dar. Die Erweiterung um eine zusätzliche Person erlaubte dem Maler eine streng symmetrische Anordnung der Figuren. Das Bild spielt auf das berühmte Parnassbild von Mengs großem Vorbild Raffael an, wobei Mengs die Anzahl der Figuren enorm verringerte und die Figuren nach dem zu seiner Zeit verbreiteten Kenntnisstand der antiken Kunst ausstattet und einkleidet.

Eines der Kuriosa in der Kunstgeschichte ist Mengs Fresco Jupiter küsst Ganymed, gemalt um 1758/59, welches heute in der Galleria Nazionale in Rom ausgestellt ist. Dieses Bildnis war der Anlass für die Streitigkeiten zwischen Johann Joachim Winckelmann und Mengs.

Anton Raphael Mengs malte ein antikes Thema, für das es bis heute keine authentische Quelle gibt. Er spielt in diesem Fresko mit den Stilmitteln der in Pompeji ausgegrabenen Wandbilder. Goethe lobte zuerst das Bild und hielt es für ein antikes Original. Winckelmann würdigt es voreilig in seiner Geschichte der Kunst des Altertums. Als jedoch herauskommt, dass es sich bei diesem Bild um eine neuzeitliche Fälschung Mengs’ handelt, konnte Winkelmann dies seinem Freund Mengs nicht verzeihen.

Weitere wichtige Werke Mengs sind König August III von 1745 welches heute in der Dresdener Gemäldegalerie zu bewundern ist, König Ferdinand IV. von Spanien, 160 gemalt und heute im Museo del Prado in Madrid, Maria mit Kind und zwei Engeln von 1770 im Wiener Kunsthistorischen Museum und Ausgießung des Hl. Geistes von 1765, was heute in St. Petersburg, in der Ermitage, ausgestellt ist.

4. Mengs Schrift: Gedanken über die Schönheit und über den Geschmack in der Malerei

Anton Raphael Mengs gliedert sein Hauptwerk „Gedanken über die Schönheit und über den Geschmack in der Malerei“ von 1762 in drei große Abschnitte. Zum einen den Abschnitt „Von der Schönheit“, zum anderen in den Abschnitt „Von dem Geschmacke“. Zuletzt noch ein Abschnitt mit Beispielen des guten Geschmacks. Hierbei macht der Teil über die Schönheit jedoch nur einen kleinen Teil der gesamten Schrift aus. Im 1992 erschienen Nachdruck der Originalschrift findet sich ein Vorwort des Herausgebers F. Caspar Fueßli.

In diesem Vorwort schreibt er, dass Mengs seine Schrift zuerst nur für sich selbst geschrieben habe, um seine Gedanken schriftlich festzuhalten. Anton Raphael Mengs schreckte vor einer Veröffentlichung des Textes zurück, da es für ihn sehr viel Arbeit gewesen sei, die Schrift für den Druck zu überarbeiten. Schließlich konnte er sich doch zu einer Veröffentlichung durchringen, da seiner Meinung nach alle an seinen Gedanken teilhaben sollten. Diese Veröffentlichung sollte jedoch ohne seinen Namen von statten gehen, da er sich selbst nicht für einen Schriftsteller hielt.

Junge Maler sollten diesen Text lesen um sich in der Schönheit und dem Geschmack zu schulen. Jedoch sollten sie zuerst die Grundlagen der Malerei erlernen. Und erst, wenn sie erfahrene Maler seine, sollten sie aus Mengs Schrift lernen, was Geschmack und Schönheit sind.

4.1. Von der Schönheit

Der Abschnitt über die Schönheit wurde von Mengs wiederum in fünf Kapitel unterteilt - Erklärung der Schönheit - Gründe der Schönheit sichtbarer Dinge - Wirkung der Schönheit - Die vollkommene Schönheit könnte sich in der Natur finden, die findet sich aber nie - In der Schönheit kann die Kunst die Natur übertreffen.

Im ersten Kapitel „Erklärung der Schönheit“ schreibt Anton Raphael Mengs, dass Schönheit die Kategorie ist, welche der göttlichen Vollkommenheit am nächsten unter den Menschen kommt. Der Mensch erfährt die göttliche Vollkommenheit in der Schönheit. Jedoch ist die eigentliche Vollkommenheit nicht mit den menschlichen Sinnen erfassbar.3

Die Menschen streben immer danach, Gott ähnlicher zu werden. Doch die göttliche Vollkommenheit kann nicht erreicht werden. Das vollkommenste überhaupt ist Gott. Doch die Schönheit, welche Mengs in diesem Kapitel erklärt ist das, was dem göttlichen, der göttlichen Vollkommenheit am ähnlichsten ist. Schönheit kommt daher laut Mengs göttlicher Vollkommenheit am nächsten. Diese Vollkommenheit des Schöpfers erfährt der Mensch auf Erden durch die Schönheit, welche in allen Dingen zu finden sein kann. Allerdings ist die eigentliche Vollkommenheit Gottes, und daher die Schönheit auch nicht mit den Sinnen eines Menschen, also dem Seh-Sinn, dem Tast- Sinn oder auch dem Hör-Sinn, erfahrbar.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema „Gründe der Schönheit sichtbarer Dinge“. Hier schreibt Mengs, dass die Gestalt der Materie das Maß ihrer Kraft ist. Die vollkommenste Gestalt sei die runde Gestalt. Die Natur habe nichts unnützes geschaffen, weshalb die Schönheit in jedem Ding zu finden sei. Alles muss passen, was heißt, dass beispielsweise ein Kind, welches aussieht wie ein reifer Mensch, garstig, also unschön sei. Ebenso verhält es sich bei Männern, die aussehe wie Frauen. Die Schönheit kommt von der Übereinstimmung der Materie mit unseren Begriffen. Unsere Begriffe wiederum kommen von der Erkenntnis der Bestimmung der Sache.4

[...]


1 Johann Joachim Winckelmann (Stendal 09.12.1717 - Triest 08.06.1768). Sein anerkanntes Lebenswerk bestand in der Gründung der klassischen Archäologie und der neuen deutschen Kunstwissenschaft. J.J. Winckelmann wurde als Sohn eines Schuhmachers in Stendal geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in Berlin, dort lernte er am Cöllnischen Gymnasium. Winckelmann studierte unter anderem Theologie in Halle, besuchte Vorlesungen in Philosophie und Ästhetik, begann mit dem Studium der Mathematik und mit einem Medizinstudium, brach beide jedoch ab. Winckelmann arbeitete darauf einige Jahre als Lehrer, konnte sich in diesem Beruf aber nicht behaupten. In Dresden begann Winkelmanns Einstieg in die Kunst. 31-jährig wurde er historischer Hilfsarbeiter des sächsischen Grafen Bünau. Winckelmann intensivierte seine Kenntnisse durch Literatur und Gespräche in Dresdner Künstlerkreisen. 1763 wurde er Oberaufseher der Altertümer in und um Rom. Sein Hauptwerk "Geschichte der Kunst des Altertums"(1764-1768) gibt eine zusammenfassende Beschreibung altertümlicher Kunstwerke. Mit seiner Arbeit bewirkte er eine Neuorientierung an der griechischen Kunst und dem klassizistischen Schönheitsbegriff ("edle Einfalt, stille Größe").

2 Zu diesem Abschnitt vgl. Brockhaus Conversations-Lexikon, Bd. 3, Amsterdam 1809, S. 118-120 und http://www.zeno.org/Brockhaus-1809/A/Anton+Raphael+Mengs (26.09.2007)

3 Zu diesem Abschnitt vgl. Anton Raphael Mengs, Gedanken über die Schönheit und über den Geschmack in der Malerei, Nachdr. d. Ausg. v. 1762, Eschborn 1992, S. 1 ff.

4 Zu diesem Abschnitt vgl. Ebd., S. 3 ff.

Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640968695
ISBN (Buch)
9783640968183
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175805
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Institut für Kunstgeschichte
Note
2,7
Schlagworte
Mengs Anton Raphael Mengs Gedanken über die Schönheit Ästhetik Schönheit Malerei Kunsttheorie

Autor

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Titel: Der Malerphilosoph Anton Raphael Mengs und sein Werk "Gedanken über die Schönheit und über den Geschmack in der Malerei"