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Berufliche Rehabilitation und die zentrale Rolle der Sozialen Arbeit

Studienarbeit 2010 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition der Rehabilitation
2.1 Geschichte der Rehabilitation
2.2 Gesetzliche Grundlagen der Rehabilitation

3. Formen der Rehabilitation
3.1 Medizinische Rehabilitation
3.2 Berufliche Rehabilitation

4. Definition von Behinderung
4.1 Internationale Modelle der Behinderung
4.2 Behinderung als soziales Konstrukt

5. Soziale Arbeit in der Rehabilitation
5.1 Aufgaben der Sozialen Arbeit in der Rehabilitation
5.1.1 Anwaltsfunktion in der beruflichen Rehabilitation
5.1.2 Tätigkeitsfelder der Sozialen Arbeiter in der beruflichen Rehabilitation
5.1.3 Sozialarbeiter als Case-Manager in der Rehabilitation
5.2 Ausblicke für die Sozialen Arbeit in der Rehabilitation

6. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Einer der wichtigsten und zentralsten Arbeitsfelder der sozialen Arbeit ist die berufliche Rehabilitation. Hier ist es nicht nur von immenser Bedeutung, rehabilitative Maßnahmen vieler Arten zu initiieren, sondern umfassend zu begleiten. Der betroffene Mensch ist nicht nur in seinem Selbstverständnis angegriffen und verunsichert, sondern insbesondere in seiner Arbeitswelt, die wegbricht, ihn sozusagen ohne Aufgabe zurücklässt die er bewältigen könnte. Wichtig ist nicht nur empathisch und individuell auf diese Problemlagen einzugehen, sondern zwischen demjenigen Betroffenen und den Leistungsträgern zu vermitteln, denn auch hier können Verunsicherungen weiter zusetzen. Natürlich ist ein Einstimmen auf diese Schwierigkeiten nur bedingt förderlich, solange es um ein Aufzeigen der Problematik geht. Weiter führend ist jedoch eine Lösung dieser Problematik die Intention der Rehabilitation und der Sozialen Arbeit. Diese Arbeit möchte die Rehabilitation betrachten, ihre Formen verständlich darlegen, gesetzliche Grundlagen nennen, sowie die initialen Problemstellungen der Behinderung und chronischen Krankheit aufzeigen. Die berufliche Arbeit – als elementarer Faktor für die Aufrechterhaltung des persönlichen Schaffens- und Wirkungskreises – soll ausführlich beleuchtet werden. Ihr Wegfall ist aber nicht nur Gegenstand negativer Betrachtungsweisen, sondern auch des genauen Gegenteils. Es ist auch Anliegen dieser Arbeit die sozialstaatliche Berechtigung aufzuzeigen, da dies häufig nicht offensichtlich ist. Natürlich liegt der Schwerpunkt hier auf der Bundesrepublik Deutschland, doch sollen auch internationale Haltungen genannt sein. Die Bedeutung der Sozialen Arbeit in dem Bereich der beruflichen Rehabilitation ist das Hauptanliegen dieses Schriftstückes und soll ein abschließendes rundes Bild der beruflichen Rehabilitation geben. Leider ist der Umfang dieser Arbeit nicht ausreichend, um die übrigen, mannigfaltigen und nicht weniger wichtigen Aspekte dieses Themengebietes zu erläutern. Es soll jedoch hier eine sozusagen verknüpfende Betrachtungsweise nahe gelegt werden, denn die Rehabilitation stütz sich in ihrer Gesamtheit auf die Soziale Arbeit.

Abschließend soll ein persönliches Fazit gezogen werden und der Blick auf dieses Themengebiet eine generelles Verständnis für die Soziale Arbeit in der beruflichen Rehabilitation fördern.

2. Definition der Rehabilitation

Der Begriff der Rehabilitation bedeutet (vom lat. rehabilitatio) Wiederherstellung. und richtet sich an die Wiedererlangung der vor dem Auftreten einer Behinderung und/oder Krankheit vorhandenen Fähigkeiten, die aufgrund dieses Auftretens verloren gegangen oder zumindest eingeschränkt sind. In diesem Sinne versteht man die Rehabilitation als „(Wieder-)Eingliederung Behinderter und von Behinderung bedrohter in Beruf und Gesellschaft“ (Mühlum, 2003, S. 18). Es kann sich dabei sowohl um psychische oder um physische Fähigkeiten bzw. Einschränkungen handeln. Die Wiederherstellung kann durch vielfältige Intervention erreicht werden und die weiteren Folgen der genannten gesundheitlichen Einschränkungen durch Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation, die explizit weiter unten angesprochen werden, abgemildert werden. Dies ist Sinn und Zweck der Rehabilitation. Egal um welche Form der Rehabilitation es sich handelt, so wird sie als Maß der jeweiligen Gesellschaft gesehen (vgl. Mühlum, 2003) und daran ihre sozialen Bemühungen – im Sinne der Bevölkerung – gemessen werden.

Da die Rehabilitation u.a. Leistungen zu ihrer Durchführung benötigt, wird sie in ihrer Gesamtheit – das gesamte Verfahren, alle Maßnahmen und Leistungen – als Rehabilitation bezeichnet (vgl. Fachlexikon, S. 762, 763). Dabei ist es wichtig zu beachten, dass es im Fall einer Rehabilitation unerheblich ist, ob die Behinderung – die zum Rehabilitationsbedarf führte – von Geburt an bestand, später durch Krankheit oder einen Unfall auftrat (ebd.). Erforderlich für die Inanspruchnahme einer Rehabilitation, und das Recht auf solche, ist nicht die vorherige Einbezahlung in gesetzliche Versorgungssysteme, sodass auch schwerstbehinderte Menschen, die sozusagen nicht in die Gesellschaft integriert waren, Nutznießer einer Rehabilitation werden können (ebd.).

2.1 Geschichte der Rehabilitation

Der historische Beginn der Rehabilitation wird in der Begriffsformung und seiner Verwendung gesehen, die auf Ritter von Buß zurückgeht, der 1846 diesen Begriff verwendete und sich auf die ‚… Wiedererlangung der Würde, der gesellschaftlichen Stellung und eines „neuen Lebens“‘ bezog (Thiersch, 2010, S. 1481). Jedoch ist der Beginn von Rehabilitation körperbehinderter Menschen – ob nun wie gesagt aus Gründen der Erkrankung oder durch Angeborene – schon immer Bestandteil der menschlichen Geschichte auf diesem Planeten gewesen. Genetische Veränderungen und damit einhergehende Varianzen des Erscheinungsbildes sind ebenso prähistorisch nachweisbar, als wie körperliche Schäden durch Kampf, Unfall oder Krankheit. Somit war dies schon immer ein Ringen um Anpassung – sowohl des Individuums als auch der Gesellschaft (vgl. Bergeest, 2006, S. 11). Somit zeigt sich, dass die menschliche Geschichte immer auch von der Rehabilitation und Integration ihrer schwächsten Mitglieder begleitet ist. Die menschliche Verpflichtung zur Solidarität wird hierdurch immer wieder offensichtlich (ebd., S. 12).

Lange Zeit änderte sich wenig und die Rehabilitation nahm keine konkreten Formen an, sondern war unstrukturiert und praktisch nicht vorhanden. Die enge Verknüpfung an den Begriff der Behinderung soll in dieser Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt erörtert werden. Mit der Industrialisierung begann die Einführung der Kriegsgeschädigten-fürsorge nach dem Ersten Weltkrieg, danach die Krüppelfürsorge und damit der Rehabilitation (Thiersch, 2010, S. 1482). In der Weimarer Republik begann 1919 damit ein Prozess, der revolutionär war auf der Welt und bis heute die Grundlage für unser heutiges Verständnis der sozialen Absicherung und Daseinsvorsorge bildet: ein staatliches System das die versicherungstechnische Absicherung bot, die die Bevölkerung verlangte. Die Weimarer Reichsverfassung umfasste Abschnitte über Gemeinschaftsleben, Bildung und Schule und das Wirtschaftsleben. Damit bekam die damalige Verfassung soziale Ziele und diese wiederum Gesetzgebungscharakter (Welti, 2005, S. 210). Wie Felix Welti in seinem Werk „Behinderung und Rehabilitation im sozialen Rechtsstaat“ gibt diese Arbeit folgende Paragraphen der Weimarer Reichsverfassung wieder, da sie zur Veranschaulichung bestens geeignet sind:

Art. 157 WRV: Die Arbeit steht unter besonderem Schutz des Reichs. Das Reich schafft ein einheitliches Arbeitsrecht.

Art. 161 WRV: Zur Erhaltung der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit, zum Schutz der Mutterschaft und zum Schutz gegen wirtschaftliche Folgen von Alter, Schwäche und Wechselfällen des Lebens schafft das Reich ein umfassendes Versicherungswesen unter maßgebender Mitwirkung der Versicherten.

Diese damalige Neuerung stellt eine Kulturhistorische Errungenschaft (vgl. Schmidt, xxx) dar, die ohne jeden Zweifel auch sie Rehabilitation mit einschloss. Diese Gesetzgebung war deutlich auf den Schutz der Arbeitskraft formuliert und musste sich somit auch um die rehabilitationsbedürftige bzw. behinderte Arbeitskraft bemühen (Welti, 2005, S. 211). Die Integration von Kriegsgeschädigten durch den Ersten Weltkrieg in das Arbeitsleben war unbedingt notwendig für die neue Republik – nach dem Ende des Krieges 1918 durch die Revolution – da es sich um Ausmaße handelte (bis zu 2,5 Mio.), die dies 1919 von der Weimarer Verfassung zu verlangen schienen (vgl. Welti, 2005, S. 211). Hier wurde und wird deutlich, dass die Integration und Versorgung hilfebedürftiger Menschen, zum sozialen Frieden beitragen kann.

Doch diese soziale Weiterentwicklung wurde jäh – obwohl abzusehen – von der Machtergreifung der Nationalsozialisten unterbrochen. Diese Arbeit hat nicht den Nationalsozialismus zum Thema und daher nicht den Anspruch diesen umfassenden Themenbereich weiter auszuführen, doch ist die Erwähnung wichtig, da es in Deutschland bekannter Maßen einen Rückfall in barbarische Ansichten gab und dies zeigt einen krassen Kontrast zu dem, dem Menschen innewohnenden Solidaritätsgefühls. Die Ausgrenzung und Verfolgung sowie Vernichtung vieler Bevölkerungsgruppen – darunter auch behinderte Menschen – stellt sozusagen einen Rückschritt in die Antimoderne dar, der trotz seiner unbedingt notwendigen Erwähnung, weil historisch nahezu einmalig und kurzfristig, kaum objektiv zu betrachten ist (vgl. Kuhlmann & Thole, 2010, S. 88).

2.2 Gesetzliche Grundlagen der Rehabilitation

Die Geschichte der Rehabilitation setzt sich in der Gründung der Bundesrepublik fort, bildet in der bestehenden Bundesrepublik das rechtlich gültige Fundament und ist durch das Sozialstaatspostulat der Artikel 20, 28 des Grundgesetzes Bestandteil der Verfassung. Mit diesen Artikeln erhielt die Behindertenhilfe ebenso wie die medizinische und berufliche Rehabilitation Aufbau und Förderung (Thiersch, 2010, S. 1482). Ab 1984 dann wird auch die soziale Rehabilitation in den Berichten der Bundesregierung über die Lage der Behinderten und die Entwicklung der Rehabilitation erwähnt und wird seit 1994 durch das Benachteiligungsverbot in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes untermauert (ebd., S. 1482). In der Bundesrepublik ist somit für eine Rehabilitation – unter Bedingung einer Notwendigkeit zu solcher – für jeden Bürger ein Rechtsanspruch vorhanden.

Wichtig ist die Besonderheit für Deutschland, dass die Erbringung der Rehabilitation in einem gegliederten System erbracht wird. Dies bedeutet eine Aufteilung in die Verantwortlichkeiten verschiedener Leistungsträger, die jeder für sich, die Leistungen zu einer entsprechenden Rehabilitation erbringen können. In anderen, beispielsweise europäischen Ländern, ist diese historische – und für Deutschland besondere – historisch gewachsene Gegebenheit nicht vorhanden (Rolf Klein in Oppl & Weber-Falkensammler, 1985, S. 100, 101):

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Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640969944
ISBN (Buch)
9783640970384
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175827
Institution / Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
1,3
Schlagworte
Rehabilitation Beruf Behinderung Hilfe Krankheit Soziale Arbeit Berufsunfähigkeit

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Titel: Berufliche Rehabilitation und die zentrale Rolle der Sozialen Arbeit