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Soziale und wirtschaftliche Krisenvorstellungen in Carlos Fuentes "La Muerte de Artemio Cruz"

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

1 Einleitung

Mit dem Roman “La muerte de Artemio Cruz”, der 1962 von Carlos Fuentes verfasst wurde, wird ein wichtiger Einschnitt in der mexikanischen Geschichte - die Revolution - thematisiert. Damit gelang es Fuentes einer der bedeutendsten Vertreter der lateinamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts zu werden.1 Dies mag auch daran liegen, dass der Autor anstelle allgemeiner revolutionärer Fakten und ausschließlichen Kriegsschilderungen das Individuum in den Vordergrund stellt. Durch das Leben des Protagonisten Artemio Cruz werden die wichtigsten Ereignisse der Revolution repräsentiert, indem neben den wirtschaftlichen Krisen auch die sozialen Krisenmomente näher gebracht werden.

In der folgenden Arbeit werden zum einen formaler Aufbau und strukturelle Besonderheiten des Romans thematisiert, auf der anderen Seite aber auch die zeitgeschichtlichen Fakten der Revolution mit dem Inhalt des Romans verglichen. Der Inhalt des Buches, dessen Titel im Deutschen auch unter „Nichts als das Leben“ oder „Der Tod des Artemio Cruz“ bekannt ist, wird nur grob und bezugnehmend auf die zu veranschaulichenden Krisenmomente wiedergegeben. Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit liegt jedoch auf diesen ausgewählten wirtschaftlichen und sozialen Krisenvorstellungen, die im Roman neben vielen weiteren unterschwelligen Denkanstößen Fuentes´, zum Ausdruck kommen.

2 Zum Romanaufbau Fuentes´

Anders als in vielen anderen Romanen ist „La muerte de Artemio Cruz“ nicht in Kapitel unterteilt. Der Roman besteht aus zwölf Sequenzen, die in sich noch einmal dreigeteilt sind. Diese Dreiteilung findet durch die Benutzung verschiedener Erzählperspektiven statt: Die Perspektive des yo (Ich), tú (Du) und él (Er). Die Reihenfolge der genannten Erzählperspektiven zieht sich durch die gesamten zwölf Sequenzen.2 Die Besonderheit liegt aber nicht nur darin, dass jede Romansequenz in drei Erzählperspektiven geschrieben ist, sondern jeder einzelnen Sequenz auch noch eine ganz bestimmte Tempora zugeordnet ist. Der erste Teil eines jeden Abschnittes, die Ich-Erzählung, wird im Präsens geschrieben. Diese Darstellung stellt den subjektivsten Teil der Persönlichkeit Artemio Cruz´ dar, da es das unmittelbare Erleben und Empfinden der Hauptfigur widerspiegelt. Das Sterben wird aus eigener Sichtweise als innerer Monolog dargestellt.

Während die Du-Perspektive in Futur zum Ausdruck kommt, wird die Erzählperspektive der dritten Person in Vergangenheitsform niedergeschrieben. Die Form des Präsens erfasst eine unmittelbare Wirklichkeit am Krankenbett, die Zukunftsform der Du-Perspektive dagegen verweist auf eine innere, warnende Stimme des Protagonisten. Vom Ich ins Du gewechselt, handelt es sich dennoch um dieselbe Person, nämlich den Protagonisten Artemio Cruz. Was den Leser des Romans zuerst stutzig macht, ist die Beschreibung von Erinnerungen und bereits vergangenen Geschehnissen, die jedoch in Futur wiedergegeben werden. Auch hier soll es sich um einen weiteren inneren Monolog des Protagonisten handeln.3 Sein Unterbewusstsein warnt ihn selbst vor Ereignissen, die bereits geschehen sind, so als ob er noch Einfluss auf die Zukunft hätte. Der sich stets wiederholende, dritte Teil der Sequenz ist die Er-Perspektive. In Vergangenheitsform werden Erinnerungen, oft auch unter Angabe eines bestimmten Datums, in dritter Person geschildert. In diesem Teil werden aus objektiver Sicht vergangene Ereignisse beschrieben.

In jedem der zwölf Sequenzen wird ein einschneidendes Erlebnis aus Artemios Leben geschildert. Dass es sich bei der Zahl zwölf nicht um einen Zufall in Carlos Fuentes´ Roman handelt, wird deutlich, da sich auch die Zeit bis zum letztendlichen Tod Artemios bis auf zwölf Stunden hinzieht. In diesen Stunden resümiert der Protagonist sein Leben und seine entscheidenden und wichtigen Erlebnisse und Entscheidungen.4 Trotz der bleibenden Reihenfolge der Erzählperspektiven wird durch das ständige Wechseln von subjektiver zu objektiver Sichtweise, sprachlicher Nähe und Distanz, die Verwirrung des geschwächten Mannes deutlich. “De esta forma, la materia narrativa se organiza entorno a una cadencia continua en la que se alternan los tres niveles de conciencia de la mente de Cruz: el „yo-ahora-consciente“, el „túatemporal-subconsciente“, y el „él sueño-memoria“.5

Auch, dass der Roman nicht in Kapitel unterteilt wurde, liegt in Carlos Fuentes´ Absicht. Es lag der Wille dahinter, den Roman als einen langen, inneren Monolog zu konzipieren. “[...] el hecho de que no existan capítulos no es algo arbitrario, sino que responde a la concepción de la novela como un solo bloque, o, si quiere, monólogo.”6

3 Die mexikanische Revolution und die Stellungnahme Fuentes´ mit seinem Roman „La muerte de Artemio Cruz“

3.1. Zusammenfassung historischer und zeitgeschichtlicher Fakten in der mexikanischen Revolution

Die Revolution fand hauptsächlich in den Jahren von 1910 bis 1917 statt, bevor Lenin zur Macht kam. Sie wurde ausgelöst, indem der von den Vereinigten Staaten kommende Francisco I. Madero, hundert Jahre nach der Unabhängigkeit, den seit 1887 regierenden General und Diktator Porfirio Díaz stürzte.7 Nach dem Tod Maderas trat General Venustiano Carranza auf, der bis 1920 regierte. Sein Name tritt auch in dem Roman La muerte de Artemio Cruz auf, da Artemio den Truppen Carranzas unter Obregón diente. Wie weit der Roman Bezug auf die revolutionären Fakten nimmt, wird im folgenden Kapitel thematisiert.

[...]


1 Vgl. Klaus-Dieter Ertler, “La muerte de Artemio Cruz von Carlos Fuentes”, in: ebd., Kleine Geschichte des lateinamerikanischen Romans. Str ömungen. Autoren. Werke., S.216.

2 Vgl. Franz K. Stanzel, Theorie des Erzählens, S.98ff.

3 Vgl. Klaus-Dieter Ertler, “La muerte de Artemio Cruz von Carlos Fuentes”, in: ebd., Kleine Geschichte des lateinamerikanischen Romans. Str ömungen. Autoren. Werke., S.220.

4 Vgl. ebd., S.221.

5 Francisco Javier Ordiz Vázquez, El mito en la obra narrativa de Carlos Fuentes, S.45.

6 José Carlos González Boixo, “Imaginar el pasado, recordar el futuro”, in: Carlos Fuentes, La muerte de Artemio Cruz, S.29.

7 Vgl. Germán Arciniegas, Geschichte und Kultur Lateinamerikas. Entdeckung, Eroberung, Unabhängigkeit, S.574.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640971190
ISBN (Buch)
9783640970896
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175931
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Schlagworte
soziale krisenvorstellungen carlos fuentes muerte artemio cruz

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Titel: Soziale und wirtschaftliche Krisenvorstellungen in Carlos Fuentes "La Muerte  de Artemio Cruz"