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Der Sozialstaat in der Globalisierung

Hausarbeit 2000 27 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Globalisierung
2.1 Definition Globalisierung
2.2 Indikatoren der Globalisierung
2.2.1 Die Entwicklung des Welthandels
2.2.2 Die Entwicklung der Auslandsinvestitionen
2.2.3 Die Entwicklung der internationalen Finanzmärkte
2.2.4 Die Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien

3 Der Sozialstaat

4 Auswirkungen der Globalisierung auf den Sozialstaat
4.1 Die Bedeutung der Globalisierung für die Arbeitsmarktlage
4.2 Die Bedeutung der Globalisierung als neoliberales Argument zur Standortschwäche Deutschlands
4.2.1 Die Sozialleistungsquote
4.2.2 Die Lohnstückkosten
4.2.2.1 Die Entwicklung der realen Lohnstückkosten
4.2.2.2 Die Entwicklung der nominalen Lohnstückkosten in einheitlicher Währung

5 Schlußbemerkung

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Diagrammverzeichnis

1 Einleitung

In Zeiten des fortschreitenden Globalisierungsprozesses unserer Erde und der damit einhergehenden veränderten weltwirtschaftlichen Rahmen­bedingungen gerät der Sozialstaat zunehmend unter Druck. Es steht die Frage im Raum, wieviel Platz die Globalisierung einer nationalen sozialstaatlichen Politik läßt und ob der Sozialstaat dem Wettbewerbsstaat weichen muß.

In meinen Betrachtungen gehe ich speziell auf den Sozialstaat in der Bundesrepublik Deutschland ein. Mittelpunkt meiner Untersuchungen stellt die neoliberale These dar, die die Aufrechterhaltung des bisherigen deutschen Sozialstaatmodells im Zuge der Globalisierung als nahezu unmöglich erklärt. Bei der Interpretation empirischen Datenmaterials stelle ich zudem Vergleiche zu den Staaten Großbritannien, Frankreich, USA und Japan her. Als wichtigste Datenquellen standen mir Datenbanken des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung zur Verfügung.

2 Globalisierung

2.1 Definition Globalisierung

Der Begriff der Globalisierung wird ungeachtet seiner häufigen Verwendung vielfältig ausgelegt und verstanden. Ulrich Beck beschrieb die Schwierigkeit der Definition mit dem Satz: „Ihn zu bestimmen gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln."1 Allgemein ist unter Globalisierung zu verstehen, daß nationalstaatliche Grenzen überwunden werden, um eine Ausdehnung und Intensivierung von sozialen Beziehungen zu erreichen, welche letztlich den gesamten Planeten umspannen. Die ökonomische Globalisierung, die für die Betrachtung des Themas ausschlaggebend ist, beschreibt den Prozeß der wachsenden wirtschaftlichen Verflechtungen der Nationalstaaten durch den Handel mit Dienstleistungen und Waren und die Mobilität von Kapital, Technologie und Arbeit2

2.2 Indikatoren der Globalisierung

Um den zunehmenden Globalisierungsprozeß zu beschreiben, lassen sich unterschiedliche Indikatoren herausarbeiten. Jürgen Hoffmann unternahm den Versuch und polarisierte beispielhaft die Indikatoren in die Entwicklung des Welthandels, die Zunahme der Auslandsinvestitionen, die Entwicklung der internationalen Finanzmärkte und die zunehmende Vernetzung im Bereich der Kommunikation und die damit einhergehende Senkung der Transport- und Kommunikationskosten.3

2.2.1 Die Entwicklung des Welthandels

Als wichtigstes Zeichen für die Existenz globalisierter Märkte dient die Betrachtung des raschen Wachstums des Welthandels. Der Anteil der grenzüberschreitenden Weltproduktion nahm im Zeitraum von 1950 bis 1993 von 7 Prozent auf 17 Prozent zu.4 Auch in der Bundesrepublik steigen die Exporte: Die sogenannte Exportquote, der Anteil der ausgeführten Waren an ^llen produzierten Gütern der Volkswirtschaft, ist zwischen 1980 und 1994 von 24 Prozent auf 35 Prozent gestiegen.5 Hoffmann zeigt allerdings auf, daß die Intensivierung des Welthandels in einem historischen Kontext betrachtet werden muß, denn erst jetzt nähern sich die Exportquoten der entwickelten Länder wieder den vor dem ersten Weltkrieg erreichten an, und zumindest für die EU und Japan gilt, daß der Anteil des Außenhandels am Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit Ende der achtziger Jahre wieder abnimmt.6 Geographisch betrachtet zeigt sich, daß der Welthandel überhaupt nicht „global“ verteilt ist, sondern sich zum größten Teil auf die Länder der OECD beschränkt.

Tabelle 1:

Anteil der verschiedenen Länderqruppen am Gesamtimport der OECD Länder - Summe aller Waren - (Angaben in Prozent)7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.2 Die Entwicklung der Auslandsinvestitionen

Auslandsinvestitionen beinhalten alle Kapitaltransfers, die dem Erwerb oder dem Aufbau von Produktionsanlagen im Ausland dienen. Auch der Erwerb von mehr als 20 Prozent des Aktienkapitals eines Unternehmens stellt eine „Direktinvestition“ im Ausland dar.

Die Veränderung der Auslandsinvestitionen sind ein weiteres Indiz für den Globalisierungsprozeß, für die veränderte Mobilität von Kapital und für den „Export von Arbeitsplätzen“, besonders in der Standortdebatte der Bundes­republik. Hohe Auslandsinvestitionen werden getätigt, um Märkte neu zu erschließen und um sie zu sichern. Allerdings entfällt über ein Drittel des weltweiten Direktinvestitionsbestandes auf intraregionale Direktinvestitionen, d.h. die Auslandsinvestitionen konzentrieren sich, wie beim Welthandel, auf die Länder der Triade. Der rasante Anstieg der Direktinvestitionen im Ausland zeigt sich deutlich, denn von 1960 bis 1992 nahmen sie von 67,7 Mrd. US$ auf 1,949 Billionen US$ zu. Die jährliche Steigerungsrate lag bei 11 Prozent. Seit den 80er Jahren stiegen die Kapitalabflüsse in Form von Auslandsdirektinvestitionen (ADI) jährlich um 27,8 Prozent. Damit stiegen die ADI fast dreimal so schnell wie der Export (11,1%) und viermal so schnell wie das Weltsozialprodukt (9,8%)8 Dennoch spielen sich die getätigten ADI, wie vorangegangen schon erwähnt, in den Ländern der Triade ab. Im Jahr 1993 entfielen 88 Prozent des Auslandsvermögens deutscher Unternehmen auf westliche Industrieländer und gerade 6,2 Mrd. DM wurden in den Reformländern Ungarn, Tschechien, Slowakei, Polen und in der Volks­republik China investiert. In die Entwicklungsländer flössen zu Beginn der 90er Jahre gerade einmal 10 Prozent der deutschen Direktinvestitionen. Bis 1980 lag der Wert noch bei 25 Prozent. Der größte Anteil fließt noch immer in die Länder der EU, vor allem nach Belgien, wo sich die Koordinierungs­zentren großer Unternehmen und Holdinggesellschaften angesiedelt haben, sowie nach Irland, wo sich große steuerliche Vorteile für ausländische Investoren ergeben.

Tabelle 2

Mittelbare und unmittelbare deutsche Direktinvestitionen (in Mio. DM)9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.3 Die Entwicklung der internationalen Finanzmärkte

Durch den steten Abbau von Kapitalverkehrskontrollen in den letzten 25 Jfldrpp bildeten sich Finanz- und Spekulationsmassen, die zu exorbitanten Finanzumsätzen führten. Im Zeitraum von 1979 bis 1994 verachtfachten sich die Devisenmarktumsätze; Geld fungiert nur noch zu einem Prozent als Zirkulationsmittel und zu 99 Prozent als Zahlungsmittel. Das Volumen von Transaktionen an den Devisenmärkten beläuft sich auf täglich 1 bis 3 Billionen US$. An manchen Tagen wird das Welthandelsvolumen von 5,7 Billionen US$ erreicht.10

Wie groß die Macht des Geldes geworden ist, zeigt sich am Beispiel der derivativen Finanzinstrumente auf den internationalen Märkten. Finanzderivate sind „(...) aus einem anderen Finanzprodukt (Basiswert) abgeleitete Finanzmarktinstrumente (zum Beispiel Swaps, Financial Futures, Optionen); können zur Absicherung bestehender Positionen, zur Arbitrage oder für Spekulationszwecke eingesetzt werden. Der Wert beziehungsweise Preis des derivativen Instruments wird beeinflußt vom Wert beziehungsweise Preis des zugrundeliegenden Finanzprodukts.“11 1993 wurden die Finanzderivate auf mehr als 14.000 Mrd. US$ geschätzt, 1994 lagen die Bestände bereits bei 20 Billionen US$ und Ende 1995, so „Die Zeit“, bei 40,7 Billionen US$.12

In der Bundesrepublik Deutschland hat sich der Bestand von Ende 1986 bis September 1994 fast verzehnfacht. 1986 lag das Volumen noch bei 875 Mrd. DM, 1994 belief es sich bereits auf 8.267 Mrd. DM. Der Handel mit Finanzderivaten stieg jährlich im Durchschnitt seit Ende 1990 um 53 Prozent; das gesamte Geschäftsvolumen hatte einen Zuwachs von 8 Prozent.13

2.2.4 Die Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien

Die Verbreitung der Kommunikationsnetze und das Sinken von Transport- und Kommunikationskosten ermöglicht eine global vernetzte Produktion. „Lean production“ und Just-in-time“ gehen als Ergebnis dessen hervor. Der technologische Fortschritt bietet ein großes Potential zur Erschließung neuer Märkte, dient der Zeitersparnis und kann eine Auslagerung der arbeits- und lohnintensiven Fertigungsbereiche in vorteilhaftere Länder begründen.

[...]


1 Beck, U.: Was ist Globalisierung? Irrtümer des Globalismus - Antworten auf Globalisierung. Frankfurt am Main 1997, S.44

2 Vgl. Dreßler, R. und Flassbeck, H.: Globalisierung und nationale Sozialpolitik- Thesenpapier- Bonn/Berlin 1996, S.2

3 Siehe Hoffmann, J.: Ambivalenzen des Globalisierungsprozesses. Chancen und Risiken der Globalisierung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 23/99, S. 3-10

4 Vgl Altvater, E. und Mahnkopf, B.: Grenzen der Globalisierung, Münster 1997, S. 19

5 Siehe Boxberger, G. und Klimenta, H.: Die 10 Globalisierungslügen, München 1998, S. 11

6 Näheres Hoffmann, J.: a.a.O., S. 5

7 Entnommen aus den Unterlagen des Kurses „Internationale Wirtschaftsprobleme - Globalisierung“ Sommersemester 2000, Prof. Wolfgang Schoeller

8 Vgl. Altvater, E. und Mahnkopf, B., a.a.O., S. 251

9 Siehe Altvater, E. und Mahnkopf, B., a.a.O., S. 253

10 Vgl. Siebert, H.: Disziplinierung der nationalen Wirtschaftspolitik durch die internationale Kapitalmobilität. In: Schriften des Vereins für Socialpolitik, Band 261, Berlin 1998, S. 42

11 Deutsche Bundesbank, Monatsberichte, Nr. 10, Oktober 1993

12 S. Altvater, E. und Mahnkopf, B., a.a.O., S. 160

13 Deutsche Bundesbank, Monatsberichte, Nr. 4, April 1995

Details

Seiten
27
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783640976805
ISBN (Buch)
9783668113381
DOI
10.3239/9783640976805
Dateigröße
5 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Erscheinungsdatum
2011 (August)
Note
1,5
Schlagworte
sozialstaat globalisierung

Autor

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