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Synästhetische Beziehung zwischen auditiven und visuellen Elementen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Synästhesien zwischen auditiven und visuellen Elementen
2.1 Was ist Synästhesie?
2.2 Musik und Farbe
2.3 Musik und Form
2.4 Musik und Bewegung

3 Inszenierungen von Musik, Farbe, Form und Bewegung im 21. Jh

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Beziehung zwischen visuellen und auditiven Reizen oder die Visualisierung von Musik wurde schon in der Antike von Aristoteles (384-322 v. Chr.) erforscht und versucht eine feste Zuordnung von Tönen und Farben zu finden.[1] Mit den ersten Farbklavieren ab dem 18. Jahrhundert, beispielsweise dem Augenklavier Clavecin oculaire von Louis-Bertrand Castel 1725 oder Alexander Skrjabins Orchesterwerk Prometheus, in dem sein Farbenklavier Clavier à lumière mitspielte, begann die künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema.[2] Neue technische Errungenschaften ermöglichten ein noch größeres Spektrum an Experimenten.[3] Nach musikalisch-graphischen Einflüssen in der Kunst, besonders am Bauhaus[4] durch Paul Klee, Wassily Kandinsky, Ludwig Hirschfeld-Mack, Alexander László und weiteren Künstlern, dem abstrakten Film von Oskar Fischinger[5] und letztendlich der digitalen Umrechnung von Musik in Bilddaten, wird die Musik heutzutage auf fast jedem Konzert sowie in Diskotheken in Form von frequenzgesteuerten Lichtorgeln oder Videoprojektionen visuell untermalt.[6]

Die Synästhesie spielte bei dieser Entwicklung eine große Rolle und war von jeher unter den Künstlern von großem Interesse. Der Musiker Alexander Skrjabin beispielsweise war Synästhetiker und versuchte mit seiner Kunst, seine eigene Sinnes-Wahrnehmung anderen zugänglich zu machen.[7] Was genau die Synästhesie kennzeichnet, wird im Folgenden erläutert. Im Anschluss daran wird auf die geschichtliche Entwicklung und die Beziehung zwischen Musik und Farbe, Form und Bewegung und die Verbindung zur Synästhesie eingegangen. Anhand dieser Grundlagen gilt es herauszufinden, ob es wirklich möglich ist, synästhetische Empfindungen künstlich herzustellen und einem Publikum begreiflich zu machen.

2 Synästhesien zwischen auditiven und visuellen Elementen

Im Folgenden wird grundsätzlich dargelegt, was man unter Synästhesie versteht, um dann auf die Geschichte der Experimente und Theorien von verschiedenen Künstlern und Autoren einzugehen, die bis heute versuchen, eine Analogie und objektive Zuordnung zwischen visuellen und auditiven Elementen herzustellen.

2.1 Was ist Synästhesie?

Abgeleitet wird das Wort Synästhesie von den altgriechischen Wörtern syn (zusammen) und aisthesis (Empfinden).[8] Synästhesie wird als eine spezifische, neuronale Vernetzung im Gehirn definiert. Dabei sind mindestens zwei Sinne miteinander gekoppelt und werden gleichzeitig aktiviert. Menschen, bei denen solch eine Verknüpfung der Sinne im Gehirn vorliegt, nennt man Synästhetiker.[9] Synästhesie ist weder eine Krankheit noch eine bloße Einbildung. Sie tritt relativ selten auf und betrifft eine größere Anzahl von Frauen als Männer. Genaue Zahlen sind jedoch unbekannt. In der Literatur der letzten 12 Jahre werden Zahlen zwischen 1:100.000 und 1:22 angenommen, das heißt, ein Synästhetiker kommt auf 100.000 oder 22 Menschen. Zudem wird von verschiedenen Forschern ein Verhältnis zwischen den Geschlechtern von 1:2 und 1:6 diskutiert.[10] Es wird angenommen, dass Synästhesie genetisch vererbbar ist, da oft innerhalb einer Familie mehrere Synästhetiker vorkommen.[11] Viele Synästhetiker wissen überhaupt nichts von ihrer besonderen Gabe, nehmen es nur unbewusst wahr und halten es für einen normalen Zustand, den andere Menschen ebenfalls so erleben.[12]

Es gibt verschiedene Arten von Synästhesie: Zum einen gibt es die genuine Form. Diese tritt unwillkürlich auf, was bedeutet, dass der Synästhetiker sie nur sehr gering bis gar nicht beeinflussen kann. Die Sinneseindrücke, die durch einen anderen Sinneseindruck ausgelöst werden, sind individuell und werden bei anderen Synästhetiker, in der Regel unterschiedlich wahrgenommen. Sie treten zudem unveränderlich auf. Das heißt, wenn zum Beispiel ein Synästhetiker ein Wort hört, sieht er automatisch eine Farbe um dieses Wort. Diese bestimmte Farbe gehört unveränderbar und konstant, ein Leben lang, zu einem bestimmten Wort. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie die Sinne verknüpft sein können. Manche Synästhetiker können zum Beispiel Worte fühlen oder Töne schmecken.[13] Am häufigsten tritt jedoch das Phänomen des Farbenhörens auf, das heißt, dass bei gesprochenen Wörtern, Zahlen, Buchstaben oder Tönen, visuelle Eindrücke wie Farben, Formen oder Bewegungen vor dem geistigen Auge des Synästhetikers ausgelöst werden. Diese Sinneseindrücke nennt man Photismen. Beim Tönesehen nennt man den erzeugten Sinneseindruck Phonismus. [14] Zudem kann es auch vorkommen, dass bei einem Synästhetiker mehr als zwei Sinne verknüpft sind. Beispielsweise gibt es eine Frau, die Töne sowohl schmeckt als auch farbig wahrnimmt, wenn sie Musik hört.[15]

Weitere Arten, wie synästhetische Wahrnehmungen hervorgerufen werden können, sind Drogenkonsum oder eine neuronale Fehlfunktion, welche jedoch im Gegensatz zur genuinen Form nur vorübergehend auftreten.[16]

Des Weiteren gibt es die Form der metaphorischen Synästhesie, oder auch Gefühlssynästhesie genannt. Es handelt sich dabei um Menschen, bei denen Sinneseindrücke mit bestimmten Emotionen verknüpft sind oder bei denen in bestimmten emotionalen Stimmungen, synästhetische Sinneseindrücke erscheinen.[17]

2.2 Musik und Farbe

Schon lange wurde von verschiedenen Theoretikern und Künstlern ein Zusammenhang von Farbe und Ton angenommen.[18] Seit Menschengedenken wurde versucht diese miteinander zu verbinden. Dabei änderte sich im Laufe der Jahre nur die jeweilige Zuordnung von Farben und Tönen.[19] Der Philosoph Aristoteles teilte in der Antike die Farben in sieben Teile: Schwarz, Weiß, Gelb, Rot, Violett, Grün und Blau und ordnete diese der Tonskala nach dem Muster hell bis dunkel beziehungsweise hoch bis tief zu.[20] Damit beeinflusste er bis in das 17. Jahrhundert alle folgenden Versuche, eine Ton-Farbe-Beziehung zu definieren. Aus dem, von dem Mathematiker Franciscus Aguilonius 1613 entwickelten System der drei Grundfarben Gelb, Rot und Blau entstanden mehrere Theorien zur Farbe-Ton-Beziehung auf Basis einer Fünfteilung (Schwarz, Weiß, Gelb, Rot und Blau), wobei diese Skala von Weiß = Einklang bis Schwarz = Dissonanz reichte. Die Autoren waren sich uneinig über die Sonderstellung der Mischfarbe Grün, die sie auf verschiedene Weisen versuchten in die Skala mathematisch nach ihrer Symbolik oder Helligkeit einzuordnen, um so eine entsprechende Tonart zu definieren.[21]

[...]


[1] Vgl. Barbara Kienscherf: Das Auge hört mit. Die Idee der Farblichtmusik und ihre Problematik. Münster 1995, S. 19.

[2] Vgl. Jörg Jewanski: Von der Farbe-Ton-Beziehung zur Farblichtmusik. In: Natalia Sidler/Jörg Jewanski (Hrsg.): Farbe – Licht – Musik. Synästhesie und Farblichtmusik. Bern 2006, S. 13.

[3] Vgl. Kienscherf: Das Auge hört mit, S. 12.

[4] Das Staatliche Bauhaus ist eine 1919 gegründete, berühmte Kunstschule, die bis heute großen Einfluss auf die Kunst, die Architektur und das Design hat.

[5] Vgl. Kienscherf: Das Auge hört mit, S. 239ff.

[6] Vgl. ebd. S. 246.

[7] Vgl. Farblichtmusik und Synästhesie, URL: http://www.farblicht.ch/farblichtmusik (10.03.2011).

[8] Vgl. URL: http://www.synaesthesie.org/3synaesthesia/Syn_e4sthesie (08.03.2011).

[9] Vgl. URL: http://www.synaesthesie.net/ (08.03.2011).

[10] Vgl. Michael Haverkamp: Synästhetisches Design. Kreative Produktentwicklung für alle Sinne. München 2009, S. 250.

[11] Vgl. Jewanski: Von der Farbe-Ton-Beziehung zur Farblichtmusik, S. 21.

[12] Vgl. URL: http://www.synaesthesie.net/displayPublicPage.php?page_ID=3 (08.03.2011).

[13] Vgl. Hinderk M. Emrich/Udo Schneider/Markus Zedler: Welche Farbe hat der Montag? Synästhesie: Das Leben mit verknüpften Sinnen, Stuttgart 2004, S. 33ff.

[14] Vgl. Hinderk M. Emrich/Janina Neufeld/Christopher Sinke: Synästhesie, ein neurologisches Phänomen, URL: http://www.see-this-sound.at/kompendium/text/36/2 (08.03.2011).

[15] Vgl. Synästhesie extrem, URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,344443,00.html (11.03.2011).

[16] Vgl. URL: http://www.synaesthesie.info/synPOP.php?sprache=de&raum=v_I.php&object=formen&page=1 (08.03.2011).

[17] Vgl. Hinderk: Welche Farbe hat der Montag? S. 37ff.

[18] Vgl. Loef, Carl: Farbe Musik Form, Göttingen 1974, S. 10.

[19] Vgl. Jewanski: Von der Farbe-Ton-Beziehung zur Farblichtmusik, S. 132.

[20] Vgl. Kienscherf: Das Auge hört mit, S. 19

[21] Vgl. Jewanski: Von der Farbe-Ton-Beziehung zur Farblichtmusik, S. 138.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640971763
ISBN (Buch)
9783640972791
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176028
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Theater- Film- und Fernsehwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Synästhesie Farblichtklavier Farblichtmusik auditiv visuell Synästhetiker Farben sehen Buchstaben fühlen Töne schmecken

Autor

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