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Die Seele in der Antike und bei Descartes

Ein Vergleich

Essay 2008 5 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Aufgabe: Erklären Sie in einer Gegenüberstellung der antiken und der Car-tesischen Seelenauffassung die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kon-zepte.

Die Seele in der Antike und bei Descartes

Was die Seele ist und was ihre Eigenschaften sind hat Philosophen schon seit Jahrtausenden beschäftigt. Dabei sind viele Ansätze und Theorien entwickelt worden. In diesem Essay soll kurz die antike Vorstellung der Seele, hier repräsentiert durch die Theorien Platons und Aristoteles', beschrieben werden. Ihr soll die Sicht Descartes' entgegengestellt und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Dabei sollen die Vorstellungen von der Seele keineswegs vollständig mit allen ihren Feinheiten und Lücken erklärt werden. Vielmehr werden nur ihre wesentlichen Merkmale grob skizziert und verglichen.

Wenn man von antiker Vorstellung der Seele redet, darf man sich kein homogenes, einheitliches Bild der Seele vorstellen. Sie sind beinahe so vielfältig und vielseitig wie die Menschen der Antike. Trotz der Unterschiede herrscht in einigen Punkten auch Übereinstimmung. Und diese Gemeinsamkeiten kennzeichnen die Seele in der Antike.

Für Platon ist die Seele ein nicht-physisches Wesen. Sie gehört zu dem unsichtbaren, unsterblichen und unveränderlichen Bereich der Welt.[1] Die Seele wird scharf von dem Körper unterschieden.[2] Während dieser teilbar ist und sich in seine Bestandteile auflösen kann, bleibt die Seele als unteilbare Einheit erhalten.[3]

In welcher Beziehung stehen Körper und Seele? Zum einen kann die Seele das Verlangen des Körpers (zumindest teilweise) kontrollieren.[4] Aber für Platon ist die Seele auch ganz allgemein das Prinzip des Lebens. Überall wo sie ist, ist leben.[5] Das ist ein wesentliches Merkmal für Platons Seelenvorstellung: „the soul [...] has life essentially, the way fire has heat essentially.“ (Lorenz ?Jahr?, Kap. 3.1). Die Seele macht Dinge, die sonst nur tote Materie wären, zu lebendigen Wesen. Und das nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren und Pflanzen.[6]

Was aber entscheidend für das Verständnis von Platons Sicht ist, ist die Identifikation der Person mit ihrer Seele. Daher lässt er auch Sokrates sagen: „[Kriton] wird dann auch bei der Bestattung nicht sagen, es sei Sokrates, den er aufbahrt, den er zu Grabe trägt oder den er begräbt.“ (Platon, Phaidon, 115e3-5). Nicht der Körper macht die Person aus, dieser wird als Hülle begraben, sondern die Seele, die sich von ihm löst und die Zukunft im Kreis der Götter verbringt.[7]

Zusammengefasst beinhaltet Platons Seelenauffassung im Wesentlichen folgende Elemente: Sie ist immateriell und unsterblich, sie macht die Person aus und sie ist das, was einen toten von einem lebenden Gegenstand unterscheidet.

Eine in einigen Punkten ganz andere Vorstellung von der Seele hat Aristoteles. Zunächst unterscheidet er bei allen Gegenständen drei Dinge:

1.) der Stoff oder das Material aus dem er besteht (z.B. Metall),
2.) die Form (z.B. flach, länglich mit scharfen Schneiden) und
3.) die Zusammensetzung aus Material und Form, die den Gegenstand bildet (z.B. ein Schwert). Genauso bildet ein Körper (der Stoff) mit der Seele (die Form) einen Menschen.[8]

Auch wenn die Seele an sich nichts materielles (sondern eine Form) ist, scheint es Aristoteles' Auffassung zu sein, „[that] even human souls are not capable of existence and [...] activity apart from the body.“ (Lorenz ?Jahr?, Kap. 4). Für Aristoteles ist die Seele keine unabhängige Größe. Weil er den lebenden Organismus als Ganzes sieht, ist er kein Substanzdualist wie Platon, der Seele einem ganz anderen Wirklichkeitsbereich zuordnet als den Körper.[9]

Aber auch für Aristoteles gilt, wie schon für Platon, „dass sich das Beseelte vom Unbeseelten dadurch unterscheidet, dass es Leben besitzt.“ (Aristoteles, De Anima, II.2.413a20-22). Alles was die Fähigkeit zu leben hat, ob Mensch, Tier oder Pflanze, hat eine Seele.[10] Sowohl bei Platon, als auch bei Aristoteles ist sie das universelle Prinzip des Lebens.

Auch René Descartes entwickelte eine individuelle Seelentheorie, die sich in einigen Punkten von der antiken abhebt.

[...]


[1] Vgl. Platon, Phaidon, 79d.

[2] Vgl. Ibid. 80a.

[3] Vgl. Ibid. 80b.

[4] Vgl. Ibid. 94a-b.

[5] Vgl. Ibid. 105d.

[6] Vgl. Lorenz ?Jahr?, Kap. 3. Tiere und Pflanzen müssen eine weniger ausgeprägte Seele haben, da sie im deutlich geringeren Maße denken und wünschen können.

[7] Vgl. Platon, Phaidon, 80e-81a.

[8] Vgl. Aristoteles, De Anima, II.1.412a3.

[9] Vgl. Ritter & Gründer 1995, 5 und Hügli & Lübcke 2005, 568.

[10] Vgl. Aristoteles, De Anima, II.1.412a28 und Lorenz ?Jahr?, Kap. 4.

Details

Seiten
5
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640974221
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176115
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Schlagworte
seele antike descartes vergleich

Autor

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