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Selbstperpetuierung und Auflösung von Konflikten. Eine weltgesellschaftliche Betrachtung am Beispiel Somalias

Masterarbeit 2011 113 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einführung

2. Konfliktreiche Weltgesellschaft
2.1. Konfliktpotential derWeltgesellschaft
2.2. (Somalia-)Konflikt als soziales System

3. Selbstperpetuierung des Somalia-Konflikts
3.1. Gesellschaftliche Gegebenheiten als Konfliktgrundlage
3.2. Kontinuierliche Steigerung von Gewalt und Komplexität
3.2.1. Momente und Prozesse im Konfliktverlauf(1960-2010)
3.2.2. Zeit-, Lern- und Verteilungsprobleme
3.2.3. Söhne als Konfliktressource und Antriebskraft
3.2.4. Ausdifferenzierung im somalischen Konfliktsystem
3.2.5. Eigendynamik versus Deeskalation
3.3. Somalia-Konflikt als Modernitätskonflikt
3.4. Zwischenfazit

4. Vertrauen wider Selbstperpetuierung
4.1. Vertrautheit, Vertrauen und Zuversicht
4.2. Prozess der Vertrauensbildung im somalischen Politiksystem
4.3. Zwischenfazit

5. Conclusio

6. Literatur-, Abbildungs-undTabellenverzeichnis

Zusammenfassung

Der Somalia-Konflikt, als Beispiel für einen territorialen Konflikt in der Weltgesellschaft der Gegenwart, ist von einer kontinuierlichen Steigerung seiner Gewalt und Komplexität geprägt. In ihm spiegelt sich die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ wider, deren Ursprung in der Kolonialzeit zu finden ist. Das gleichzeitige Auftreten unterschiedlicher kultureller Zeiten führt zur Selbstperpetuierung des Konflikts.

Seit dem Ende der britischen und italienischen Kolonialherrschaft und der Gründung der „Republik Somalia“ im Jahre I960, wurde das Land in die politische Struktur der Weltgesellschaft absorbiert. Seither haben sich regionale, nationale und internationale Konfliktlinien entwickelt und münden in einem somalischen Konfliktsystem, das durch seinen parasitären Charakter Einfluss auf andere soziale Systeme ausübt.

Dem eigendynamischen Charakter des Somalia-Konflikts ist entgegenzuwirken, doch haben bislang sämtliche UN-Resolutionen/-lnterventionen nicht das gewünschte Ergebnis erzielt. Um das Problem der Selbstperpetuierung bzw. Eigendynamik zu lösen, liegt ein möglicher Lösungsansatz in der „Aufklärungskommunikation“ begründet, mit deren Möglichkeiten Vertrauen geschafft, etabliert und gefestigt werden soll. Das gilt besonders für das politische System, welches dem Konfliktsystem übergeordnet ist. Ein Schwerpunkt kommt dabei der Ressource „Mensch“ zu. In ihrer Ausrichtung und Bestimmung liegt der Weg begründet, um Komplexität und Gewalt zu reduzieren und damit zur Auflösung von Konfliktlinien beizutragen.

Abstract

The Somali conflict - an example of territorial conflict in today's world society - is characterized by the continuous increase of its violence and complexity. It reflects the "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen", that has origined from the colonial times. The simultaneous occurence of different cultural times leads to the “self-perpetuation” of this conflict.

Since the end of the British and Italian colonial domination in the region and the founding of the “Republic of Somalia” in I960, the country had been absorbed into the political structure of the world society. Since then, regional, national and international lines of conflict have developed and lead to the Somali conflict system which - by its parasitic nature - has influenced other social systems.

It is necessary to counteract this intrinsically dynamic nature of the conflict in Somalia; so far, however, all resolutions and interventions by the UN have not achieved the desired result. In order to bring an end to the problem of self-perpetuation, or momentum, an approach following the concept of the "communication of enlightenment may help since it is supposed to create, establish and strenghten trust. This is particularly true for the political system that is superior to the conflict system. The focus of this paper is on "the human being" as resource. It can help reducing complexity and violence and by this way contribute to the resolution of conflict lines.

1. Einführung

ln der Weltgesellschaft der Gegenwart scheinen Raum- und Zeitgrenzen durch moderne Kommunikationsmedien nahezu überwindbar geworden zu sein. Der qualitative und quantitative Fortschritt in der Kommunikationstechnik hat dazu beigetragen, Informationen zu jeder Zeit und an jedem Ort über sämtliche globale oder regionale Ereignisse aufzunehmen. Waren es früher überwiegend die Printmedien, das Radio oder Fernsehen, die zum Informationsfluss und -austausch geführt haben, ist es gegenwärtig das Internet, welches alle bisherigen Kommunikationsmedien miteinander zu vereinen im Stande ist. Besonders zu erwähnen sind soziale Netzwerke und Austauschplattformen, wie Facebook, XING, Twitter oder YouTube, durch die der globale Informationsfluss alle Lebensbereiche durchdringt und mit seiner Aktualität dazu beiträgt, dass wir an allen Geschehnissen direkt beteiligt sind oder indirekt beteiligt werden.

Ein aktuelles Beispiel bieten die Wikileaks-Enthüllungen Ende 2010. Es zeigte sich, welchen Schaden zu viele Informationen anrichten können. Die Veröffentlichungen geheimer Depeschen hatten direkte Auswirkungen auf das politische System der Länder, für die ein Informationsfluss solchen Ausmaßes unerwartet kam. Die daraus resultierenden Folgen werden neben dem Politiksystem auch das Rechts- Oder wirtschaftssystem nachhaltig prägen und beeinflussen.

Nichts scheint mehr unmöglich zu sein. Es gibt keine Vorfälle oder Phänomene, von denen wir nichts wissen könnten. Wir können überall und immer mit dem Weltgeschehen in Kontakt treten, denn nichts bleibt im Verborgenen.

Dass in unserer heutigen Zeit jede einzelne Kommunikation im Allgemeinen global ist, kann man als Charakteristikum der gegenwärtigen Weltgesellschaft bezeichnen. Um die Weltöffentlichkeit nicht mit zu vielen Informationen zu überfordern, selektieren die Medien bewusst Kommunikation und damit Information. Es entsteht der Eindruck, als ob der Wert der Information sich nicht an der Tatsache bemisst, sondern sich vielmehr an der Nachfrage orientiert. In Bezug auf das weltweite Konflikt- und Kriegsgeschehen treten daher vorrangig Länder in Erscheinung, die mit Begriffen, wie Terror, Bürgerkrieg, Gewalt oder (islamischen) Fundamentalismus assoziiert werden können. Diese starke, eindimensionale Fixierung verhindert den Blick auf scheinbar nebensächliche Ereignisse, welche man in ihrer Bedeutung und Wirkung nicht unterschätzen darf.

Vor diesem Hintergrund hat die 'Harvard Law School' ein Projekt initiiert, welches die globale Medienaufmerksamkeit (global media attention profiles, GAP) analysiert. Diese Profile bieten wertvolle, empirische Daten dafür an, wie die unterschiedliche Sichtbarkeit von Staaten zu bewerten ist (vgl. Zuckerman 2003). Auf Grundlage von englischsprachigen Medienberichten international ausgewählter Nachrichtenagenturen (beispielsweise: CNN, Reuters, The New York Times, The Washington Post) wurde, im Zeitraum von 1996-2001, der Frage nachgegangen, welche Faktoren bestimmte Staaten sichtbarer machen als andere.

Das Resultat der Analyse ergab, dass die reicheren bzw. populäreren Staaten eine höhere (Medien-)S/cMbarke/r aufweisen, als beispielsweise Länder der Dritten Welt (vgl. Stetter2007: 40): „Generally speaking, coverage is concentrated in Western Europe, the Middle East and Southeast Asia, with good coverage in the large economies of China, Japan, Mexico and Canada. There is very little coverage in most of Africa (...), in Central Asia, Eastern Europe and in most of Central and South America (the large economies of Mexico, Brazil and Argentina are exceptions“ (Zuckerman 2003: 13).

Die GAP lassen deutlich werden, dass bei zwei spezifischen (Konflikt-)Regionen der Weltgesellschaft eine größere Medienaufmerksamkeit zu beobachten ist: Einerseits die arabische Halbinsel (mit Afghanistan, Israel, Irak, Pakistan und die Türkei) und andererseits das subsaharische Afrika (mit Burundi, DR Kongo, Kenia, Ruanda, Somalia) (vgl. Stetter2007: 42f).

Die Motivation zur Auseinandersetzung mit dieser Thematik ist der oben genannten, mangelnden Wahrnehmung einzelner Staaten geschuldet, die in ihren politisch-sozialen Missständen mangelnder Popularität ausgesetzt sind. Beobachtet man das globale Konfliktgeschehen intensiver, sind Parallelen bei den einzelnen Konfliktregionen festzustellen. Mehr oder weniger problematisieren sie alle die Frage nach Identität, Zugehörigkeit, Raum und Macht. Diese territorialen Konflikte sind gegenwärtig zu beobachten:

- in Spanien und den Auseinandersetzungen mit der ETA um ein unabhängiges Baskenland und die Autonomie-Frage Kataloniens;
- zwischen Aserbaidschan und Armenien, um die Zugehörigkeit der Bergkarabach-Region;
- zwischen Griechenland und der Türkei, um die Zugehörigkeit Zyperns;
- im Streben nach Unabhängigkeit des christlichen Südsudans vom islamisch geprägten Nordsudan;
- in Somalia, wo verschiedene ethnische Clans untereinander und gegen die Übergangsregierung um Raum und Macht kämpfen.

Die Arbeit thematisiert den Somalia-Konflikt von 1960-2010 und konzentriert sich dabei auf die in- und externen Konfliktlinien, ihren Ursachen, Vernetzungen und Auswirkungen. Zwar wurden von der Weltöffentlichkeit in jüngster Zeit einzelne Ereignisse aus Somalia wahrgenommen (häufig Piraterie-Verbrechen), doch erfahren diese nicht den gleichen Stellenwert, wie beispielsweise jene aus Afghanistan oderdem Irak.

Mangelndes Interesse der internationalen Gemeinschaft und Weltöffentlichkeit stellt ein Fehlverhalten dar, denn Somalia kann man mit den oben genannten Begriffen ebenso assoziieren, wie Afghanistan oder den Irak. Die Somalia-Halbinsel gehört zu einer der gefährlichsten Krisenregionen der Welt, in der Terrornetzwerke wie Al-Shabaab und Al-Qaida ihren Rückzugsort finden. In der publizistischen Wahrnehmung wird, auf Grund politischer Krisen sowie des abnehmenden Anteils Afrikas an den formellen Austauschformen des Weltmarktes, der afrikanische Kontinent zum Kernbereich der „Zonen des Durcheinander“ und der „kommenden Anarchie“ degradiert (vgl. Schlichte 2005: 174).

Die Filmindustrie hat diese „Wahrnehmungslücke“ erkannt und zielt bewusst mit ausgewählten Ereignissen und Geschichten aus Somalia darauf hin, diese tragischen Umstände in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen. Das geschah beispielsweise mit dem US-amerikanischen Kriegsfilm „Black Hawk Down - Leave no man behind“ aus dem Jahr 2001. Der Spielfilm zeigt die Schlacht um Mogadischu vom 03./04. Oktober 1993. Viele Zuschauer erfuhren erst dadurch einen Zugang zum Bürgerkrieg in Somalia, da ihnen auf beeindruckende Weise vor Augen geführt wurde, in welchem Ausmaß die Auseinandersetzungen ihren katastrophalen Ausdruck finden. Deutlich wird diese Situation im Eingangsdialog zwischen dem afrikanischen Waffenverkäufer (Mr. Aito) und dem General der U.S.- Army (William Garrison).

Ein weiteres Beispiel findet sich im Spielfilm „Wüstenblume“ (2009) wieder. Basierend auf dem gleichnamigen, autobiografischen Roman von Waris Dirie (2007), wird das Leben eines somalischen Nomadenmädchens und ihrem Weg zum Topmodel bis zur UN-Sonderbotschafterin eindrucksvoll nacherzählt. Während „Black Hawk Down“ vorrangig auf politische, militärische Umstände eingeht, verweist „Wüstenblume“ auf die ethnographisch-kulturellen Besonderheiten in Somalia.

Fernab der intensiven Diskussionen über Sinn, Ursachen, (Aus-)Wirkungen des Irak- und Afghanistan-Krieges, widmet sich die Arbeit dem Somalia-Konflikt und stellt damit einen viel zu sehr vernachlässigten Kriegs- und Konfliktgegenstand in das Zentrum der Betrachtungen.

Somalia, mit seiner Geschichte, Tradition, politischen und sozialen Struktur und Kultur, ist noch zu wenig bekannt und präsent, um auf eine Art und Weise wahrgenommen zu werden, wie es mit anderen Konflikten geschieht, die durch die Medien ausführlicher aufgenommen und verarbeitet werden. Der Bürgerkrieg in Somalia erscheint weltfremd und vergessen zu sein. Die Tatsache, dass der Somalia-Konflikt nahezu fünfzig Jahre andauert und das Land seit zwanzig Jahren keine funktionierende Zentralregierung hat, ist vielen unbekannt: Gesetzlosigkeit, die brutale Machtpolitik der Clanführer, Warlords und islamischen Fundamentalisten sowie eine desaströse soziale, politische und wirtschaftliche Situation prägen das Leben der somalischen Bevölkerung.

Trotz zahlreicher UNO-Friedensmissionen und -Resolutionen konnte keine wirkliche Verbesserung in Somalia erreicht werden. Dem Land haftet ein „Vietnam-Syndrom“ an, da die westliche Welt gegenüber den somalischen Konfliktlinien macht- und mittellos wirkt. Es scheint, als ob sich das somalische Konfliktpotential immer wieder selbst und neu motiviert und stets auf in- und externe Eingriffe zu reagieren vermag. Der Zustand in Somalia ist von einer charakteristischen Selbstperpetuierung geprägt, in der ein eigendynamischer Charakter zum Vorschein kommt. Die Fortdauer und Aufrechterhaltung dieser Konfliktsituation gleicht einem sozialen Phänomen, das einer besonderen Ressource bedarf.

In dieser Arbeit wird das Problem der Selbstperpetuierung sowie der eigendynamische Charakter des Somalia-Konftliks betont. Dabei werden Gründe für diese ständig neuwirkende Kraft aufgezeigt. Zudem soll ein möglicher Lösungsansatz skizziert werden, der dieser Selbstperpetuierung entgegenwirken kann.

Es stellt sich die Frage, wie sich die Selbstperpetuierung des Somalia-Konflikts vor einem weltgesellschaftlichen Hintergrund erklären und abschwächen, womöglich beenden lässt, und was die Ursachen ihrer Entstehung und Fortdauer sind. Es kommt nicht darauf an, den somalischen Staat (wenn es einen solchen geben sollte) als Analyseeinheit zu verwenden, sondern vielmehr die Gesellschaft (d.h. ihren Konstitutionsprozess) in den Fokus der Ausführungen zu stellen.

Der Aufbau der Arbeit orientiert sich an einer Hypothese, die auf die aufgeworfene Problematik eine Antwort anbietet: Die Selbstperpetuierung des Somalia-Konflikts ist auf die kontinuierliche Steigerung seiner Gewalt und Komplexität zurückzuführen und lässt sich mit Hilfe von Vertrauen im politischen System aufheben.

Dabei sollen (1) durch historische Betrachtungen das Verständnis für die verschiedenen regionalen, nationalen und internationalen Konfliktlinien aufgezeigt, (2) durch Beschreibungen gegenwärtiger demografischer Entwicklungen das Potential der „Ressource Mensch“ herausgestellt, und (3) mit Hilfe des luhmannschen Ansatzes von Vertrauen eine zukünftige Friedens- und Lösungsoption vorgestelltwerden.

Dementsprechend teilt sich die Arbeit in folgende inhaltliche Abschnitte:

- Im ersten Abschnitt (Konfliktreiche Weltaesellschaft') werden theoretische Grundlagen zum Verständnis von Weltgesellschaft und Konflikt(-system) gegeben. Beide Inhalte sind später in einen Kontext zu setzten. Dabei wird deutlich, dass die Weltgesellschaft Konfliktpotential trägt, aus welchem Konflikte bzw. Konfliktsysteme entstehen.

Im Zeichen von Weltgesellschaft steht damit auch der Somalia-Konflikt, der vor einem weltgesellschaftlichen Hintergrund aus zu betrachten ist.

- Der zweite Abschnitt (Selbstperpetuierung des Somalia-Konflikts^ skizziert verschiedene Erklärungsansätze, die das oben genannte Phänomen zu beschreiben und erklären versuchen.
- In einem ersten Ansatz bedarf es einer hinreichenden Beschäftigung mit der Historizität des Konflikts sowie mit der damit einhergehenden Berücksichtigung und Verödung weltgesellschaftlicher und regionaler Momente. Sie lassen die kontinuierliche Steigerung von Gewalt und Komplexität sichtbar werden und geben zugleich ein Beispiel für die charakteristische Persistenz und Resistenz des Konflikts.
- Ein zweiter Ansatz skizziert drei Probleme, die bei langjährigen Konflikten bzw. Bürgerkriegen zu beobachten sind.
- Der dritte Ansatz stellt mit Hilfe demographischer Entwicklungen das Potential, die Herausforderung und Bedrohung der (Kriegs-)Ressource „Mensch“ heraus, die als Erklärung für die Selbstperpetuierung dient.

Mit diesen Ausführungen folgen zwei Rückschlüsse: So kommt es zur Ausdifferenzierung im somalischen Konfliktsystem, wodurch sich die spezifische Eigendynamik der Gewaltverläufe offenbart. Eigendynamik wird damit selbst zum Gesetz, welches die Selbstperpetuierung beherrscht, diese stets antreibt und motiviert.

Zusammenfassend ist der Somalia-Konflikt als ein Modernitätskonflikt zu verstehen und ist als solcher in die Weltgesellschaft einzuordnen.

- Vor diesem Hintergrund schließt sich der dritte Abschnitt an (Vertrauen wider Selbstperpetuierung). der auf den beschriebenen Konfliktgegenstand einen Lösungsansatz anwendet. Mit der Idee von sozialen und persönlichen Vertrauen sollen systeminterne Komplexität und Gewalt reduziert werden.

Dynamische Prozesse sind eine Signatur unserer Zeit, wie das Zitat von Drewes zu Beginn der Arbeit ausdrückt. Durch sie und mit ihnen treten zum Teil unerwartete Veränderungen auf, mit denen wir leben und umgehen müssen. Einen solchen Charakter trägt auch der Somalia-Konflikt: Müssen wir bei ihm auch mit Neuem und Unbekannten rechnen oder lassen sich zukünftige Konfliktlinien historisch ableiten?

Um in Zukunft die Möglichkeit zu haben den weiteren Konfliktverlauf zu beeinflussen, ist es notwendig diese eigendynamischen Prozesse zu verstehen und mit ihnen zu arbeiten. Denn der Weg aus diesem Kreislauf führt nicht im Gegeneinander, sondern im Miteinander hinaus.

Am Ende stellt sich die Frage, welches Gesicht dieses Miteinander trägt:

- Wie viel Raum ist der westliche Wertekosmos bereit anderen politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder religiösen Vorstellungen gegenüber frei- und aufzugeben?
- Wie stark vertrauen wir auf Fremdes?

Letztendlich zielt alles darauf hin, inwieweit der westliche Universalismus, den besonders die USA und ihre Verbündeten in die Welt als Heilsbotschaft tragen, Erfolg verspricht und an Stelle von Akzeptanz Wut erzeugt. Somalia ist ein Beispiel dafür, dass der westliche Universalismus eben keine Spiegelung in den Problemzonen Afrikas findet (vgl. Kremp 2010).

2. Konfliktreiche Weltaesellschaft

Unabhängig vom Ort oder der Dauer eines Konflikts, er steht im Zeichen der Weltgesellschaft. Die Ursachen, derVerlauf und die Auflösung von Konflikten finden sich in und durch die Strukturen und Prozessen der Weltgesellschaft wieder. Analysiert man das gegenwärtige globale Konfliktgeschehen, so ist es unerlässlich, weltgesellschaftliche Elemente zu berücksichtigen, denn „Konflikte sind immer häufiger Konflikte der Weltgesellschaft“ (Bonacker 2006a: 9).

Was sie charakterisiert, ist nicht nur eine grenzüberschreitende Dimension, sondern auch das Merkmal, dass ihre Austragung und Wahrnehmung sowie ihre Akteure, Gegenstände und Bearbeitungsformen von einem größeren Teil globaler Rahmenbedingungen bestimmt werden. Damit sind gegenwärtige Konflikte in einem globalen Zusammenhang zu betrachten und zu analysieren.

In Anbetracht der steigenden Zahlen von UNO-Friedensmissionen[1] und der vielen lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen, die besonders im Bereich der zivilen Konfliktbearbeitung, Krisenprävention und der humanitären Hilfe aktiv sind, zeigt sich, welche Bedeutung der Weltgesellschaft für das weltweite Konfliktgeschehen zukommt. Global vernetzte Konflikte verlangen global vernetzte Hilfsmechanismen (vgl. Bonacker2006a: 9f).

Die Tatsache, dass Konflikte eben „Konflikte (in) der Weltgesellschaft“ sind, soll in den nachfolgenden Ausführungen ihre Legitimation finden. Hat man bislang Konflikte danach unterschieden, ob sie zwischen- oder innerstaatlich sind, so fordern die zunehmenden globalen Zusammenhänge sowie das Ende des Ost-West-Konflikts ein theoretisches Umdenken heraus.

In einem ersten Zugang werden die Begriffe „Weltgesellschaft“, „Kommunikation“ und „Konflikt“ erläutert, während die Weltgesellschaft zudem als (Austragungs-)Ort von Konflikten beschrieben wird. In einem konflikttheoretischen Kontext nimmt das Strukturmerkmal der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ eine zentrale Rolle ein, welches das Konfliktpotential in der Weltgesellschaft herausstellt.

Im weiteren Verlauf wird der Konflikt mit Hilfe der luhmannschen Sichtweise als System definiert. Der Somalia-Konflikt bettet sich in das somalische Konfliktsystem[2] ein und ist im Zeichen von Weltgesellschaftzu betrachten.

2.1. Konfliktpotential der Weltgesellschaft

Der Gesellschaftsbegriff ist zu umfassend, um ihn im Rahmen der Arbeit in gerechter Form definieren zu können. Was jedoch aus vielen Gesellschaftsdefinitionen hervorgeht, ist die Tatsache, dass es sich bei „Gesellschaft“ um Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen Menschen handelt[3].

Die inhaltliche Kernaussage des Begriffs der Weltgesellschaft besteht darin, Gesellschaft nicht mehr nationalstaatlich zu denken, sondern sie als globale Totalität sozialer Beziehungen (vgl. Schlichte 2005: 44) zu begreifen. Sie richtet sich zentral gegen die traditionelle Vorstellung einer gleichzeitigen Existenz von bestimmten Gesellschaften, welche sich entlang staatlicher Grenzen orientieren und unterscheiden lassen. In ihr gibt es daher keine französischen, japanischen oder mexikanischen Gesellschaften mehr, da sich durch globale Vergesellschaftung aus vielen (nationalen) Gesellschaften ein einziges, weltweites Gesellschaftssystem entwickelt hat (vgl. Schlichte 2005: 40-45).

Weiterhin lenkt der Weltgesellschaftsbegriff seine Aufmerksamkeit auf die Gegebenheit, „dass nicht politische Institutionalisierungen soziologisch die entscheidenden Differenzen abgeben müssen, denn die Grenzen der Staaten sind mit den Grenzen des Sozialen nicht durchgehend identisch“ (Schlichte 2005: 44). Daher ist die Weltgesellschaft „die Vorstellung, dass Gesellschaft als das umfassende Sozialsystem, das alle relevanten sozialen Strukturen und Prozesse in sich einschließt, in der gegenwärtigen Situation der Welt nur noch einmal und also als weltweites Gesellschaftssystem vorkommt“ (Stichweh 2004: 486).

Durch die damit verbundene Neufassung des Gesellschaftsbegriffs wird die Bindung des Sozialen an die politische Organisation getrennt und Politik als ein Spezialfall von gesellschaftlichen Beziehungen gesehen. Dass sich die Weltgesellschaft von politischen Grenzen löst, wird auch erkennbar, wenn man den differenzierungstheoretischen Ansatz nach Niklas Luhmann miteinbezieht. Für ihn ist die moderne Gesellschaft primär funktional differenziert und die daraus folgende funktionale Differenzierung von Beginn an auf die Weltgesellschaft ausgerichtet (vgl. Bonacker 2006a: 30). Von der Forschungsgruppe Weltgesellschaft wurden Luhmanns Überlegungen zu einer Theorie der Entgrenzung politischer Ordnungen weiterentwickelt: Im Zuge der Durchsetzung funktionaler Differenzierung wandelt sich die Bedeutung territorialer Grenzen für das politische System. Die Formen der Vergesellschaftung und der Vergemeinschaftung treten zunehmend auseinander. Durch den damit einhergehenden Entgrenzungsprozess kommt es zur Genese von neuen Grenzen (politische Ordnungen sind immer auf Grenzziehungen angewiesen), die zwangsläufig neue inter- und transnationale Konflikte produzieren (vgl. Bonacker2006a: 31).

Diese Beschreibungen von Weltgesellschaft deuten auf einen dramatischen Umbruch hin:

„Dieser [Umbruch] hat sich in den letzten fünf- bis sechshundert Jahren langsam vollzogen, seit mit dem Aufstieg und der globalen Expansion des europäisch-atlantischen Gesellschaftssystems zum ersten Mal ein globales Makrosystem entstand, das nie mehr politisch vereinheitlicht wurde, also nicht die Form eines 'Großreichs' annahm, das man wegen der in ihm fortdauernden kommunikativen Verdichtung aber eine 'Gesellschaft' nennen sollte“ (Stichweh 2001a: 1).

Für das Verständnis und Bestehen von Weltgesellschaft ist Kommunikation der wichtigste Grundstein. Sie ist nach Luhmann ein „Prozessieren von Selektion“ (Luhmann 1984: 194). In der Theorie moderner Systeme ist Kommunikation als Einheit aufzufassen, in der drei Selektionen zusammengebracht werden, damit Kommunikation als ein emergentes Geschehen zustande kommt. Unter Selektionen sind gemeint (vgl. Luhmann 1984: 196ff):

- Information (aus einer Anzahl von Möglichkeiten wird das selektiert, was kommuniziert wird),
- Mitteilung (der Absender der Information (alter) wählt ein Verhalten, mit dem er dem Empfänger (ego) etwas mitteilt),
- Verstehen (ego versteht das Kommunikationsangebot, indem es in einer bestimmten Weise die Information selektiv auf Basis der Unterscheidung von Information und Mitteilungsverhalten rekonstruiert).

Nicht individuelle Akteure formen die Grundlage der Gesellschaft, sondern Kommunikation. Alle Kommunikation ist von einer globalen Reichweite gekennzeichnet und findet nur in der Weltgesellschaft statt. Demzufolge ist Kommunikation außerhalb der Weltgesellschaft nicht möglich. Mit und in jeder Kommunikation beobachtet sich Weltgesellschaft von selbst (vgl. Stetter 2007: 2f):

„This argument rests on the observation that society is constituted by communication only and that the (actual or potential) reach of every single communication in the modern era is generally global“ (Stetter2007: 37).

Der häufigste Weg der politischen (Selbst-)Beobachtung von Welt führt über die (politische) Differenzierung in „Staaten“:

„Looking at any wall map or atlas, we see a world composed of states. The earth's surface is divided into distinct state territories. Each is demarcated by linear boundary, an edge dividing one sovereignty from the next. The division is accentuated when each territory is blocked out in a separate color from neighboring states, implying that its interior is a homogenous space, traversed evenly by state sovereignty. Our world is a jigsaw of territorial states, and we take this picture for granted“ (Biggs 1999: 374).

Interessant dabei ist, dass bei dieser staatszentrierten Beobachtung keine formalen Unterschiede zwischen den Staaten in Erscheinung treten; es gibt keine Hierarchie. So werden religiöse, kulturelle, ökonomische, militärische und politische Differenzen unsichtbar, während die staatliche Souveränität hervorgehoben wird.

Ein Beispiel: Auf einer beliebigen politischen Weltkarte sind verschiedene Staaten in derselben Farbe abgebildet. Abgesehen von ihrer Größe könnte ein uniformierter Betrachter nichts über Macht, den Wohlstand oder andere soziale Merkmale der einzelnen Staaten schlussfolgern. Eine solche Form der Repräsentation erlaubt es einerseits, diese Staaten als souveräne, räumliche Gebilde in der Weltgesellschaft hervorzuheben, während dabei andererseits die eigentlichen Unterschiede in den Hintergrund geraten (vgl. Stetter2007: 39f).

Ausgehend von einem westlichen Ursprung hat die Weltgesellschaft durch ihre weltweite Ausbreitung andere große Kulturen der Vormoderne in sich absorbiert. Dadurch können kulturelle Unterschiede und die sich damit entwickelnde Konfliktanfälligkeit als gesellschaftsbildende Momente angesehen werden. In diesen Differenzen, zum Teil sozialen und politischen Gegensätzlichkeiten, trägt die Weltgesellschaft ihr Konfliktpotential hinein, welches in der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“[4] ihren Ausdruck findet (vgl. folgend: Schlichte 2005: 45-47). Mit „Tradition“ und „Moderne“, als Argument für den Bestand von Ungleichzeitigkeiten, sollen koexistierende Zustände in der Gesellschaft der Gegenwart verstanden werden (vgl. Stichweh 2000: 211). In der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ entfaltet sich daher weder eine kapitalistische Moderne gleichmäßig, noch sind die Ergebnisse der kapitalistisch-induzierten Prozesse überall strukturgleich. Die Grunderfahrungen der Moderne gehen auf die Entwicklung des Kapitalismus zu einem globalen Vergesellschaftungszusammenhang zurück, „nämlich aus der Beschleunigung der Geschichte durch die Dynamisierung der Lebensverhältnisse und aus dem Kontakt zwischen Völkern unterschiedlicher Entwicklungsstufen infolge der europäischen Weltexpansion“ (Schlichte 2003: 30).

Durch die gleichzeitige Existenz von Moderne und Tradition schieben sich in der politischen Realität verschiedene Logiken und Geltungen ineinander. Beide verschränken sich auf Grund unterschiedlicher Gestalten in den Vorstellungswelten, im sozialen Habitus und den handlungsleitenden Sinngehalten der Akteure sowie in den Logiken von Institutionen.

Allein durch den historischen Blick könnte es gelingen, die Schritte und Elemente dieser Vermittlungen bzw. die Linien der Gemengelage zu erkennen. Bei der Konstituierung staatlicher Herrschaft in allen Regionen wirken Ungleichzeitigkeiten als dynamisierende Elemente fort. Besonders in nicht-westlichen Staaten spielt dieser Faktor eine nahezu belebende Rolle im Konfliktgeschehen, da das Traditionelle in allen gesellschaftlichen Bereichen noch stärker vorherrscht, während westliche Strukturen und Prozesse fremd(-artig) und ungewohnt wirken:

„In politischen Werthaltungen, in Praktiken und Ritualen des Politischen dominieren charismatische und traditionale Elemente. Sie sind für die politische Legitimation vielfach entscheidend geblieben, auch wenn sich im Zuge der globalen Ausbreitung bürgerlicher Politikverständnisse Erwartungsmuster des legal-rationalen Typs ausbreiten“ (Schlichte 2005: 46).

So ist auch in Lateinamerika, Asien und Afrika der rationale Anstaltsstaat als Apparat auf Enklaven begrenzt, in dem die Mehrzahl der sozialen Beziehungen von personalen Elementen, überlieferten Formen und Konstruktionen der Tradition bestimmt werden. Diese Strukturen sind daher keine Defekte, sondern vielmehr historische Ergebnisse[5].

Kennzeichnend für Ungleichzeitigkeiten sind drei Eigenschaften (vgl. Schlichte 2005: 47):

- Sie sind nicht räumlich aufzufassen, da sie auch als unterschiedliche Geltungslogiken in allen sozialen Bereichen und auf allen Ebenen wirken können.
- Sie durchziehen den sozialen Habitus von Akteuren sowie ganze Kontexte.
- Sie sind krisenhaft, wenn alte habituelle Formen auf neue (westliche) Konstellationen treffen und wenn damit die alten Schemata und Muster der Bewertung und Wahrnehmung nicht mehr ausreichen, um weitere Strategien zu entwickeln.

Beat Dietschy beschreibt Ungleichzeitigkeit als einen „Ausdruck und Effekt der universellen Durchsetzung kapitalistischer Entwicklung“ (Dietschy 1988: 18). Damit kommt es zur Überlagerung und zum Aufeinandertreffen unterschiedlicherhistorischerZeiten[6], die zu einer Unterscheidung von fortschrittlichen und rückständigen Teilen der Menschheit führen und als kulturelle Differenzen wahrgenommen werden.

Diese Differenzen müssen allerdings nicht zwangsläufig zu Konflikten führen. Die Logik fortschreitender globaler Vergesellschaftung zeigt allerdings, „dass sich aus modernen und traditionalen Elementen heterogen zusammengesetzte gesellschaftliche Strukturen und hybride Sozialformen entwickeln“ (Schlichte 2003: 30). Verbinden sich diese mit den konkurrierenden Geltungs- und Herrschaftsansprüchen, entstehen soziale Konflikte (vgl. Schlichte 2003: 30).

Demnach generiert sich das Konfliktpotential der Weltgesellschaft durch das Be- und Entstehen einer gewissen Einheit an Strukturen und Prozesse der Weltgesellschaft, doch führen diese in vielfältigen Entwicklungsstufen zu Differenzen und einer gewissen Hierarchie. Die sich daraus entwickelnden Ungleichzeitigkeiten rufen soziale Spannungen und letztendlich Konflikte hervor (vgl. Schlichte 2003: 32f).

2.2. (Somalia-)Konflikt als soziales System

Den Konflikt als reinen Gegenstand zu definieren, soll dabei helfen, ihn in einem weltgesellschaftlichen Kontext zu setzen. Wie bei dem Gesellschaftsbegriff liegt auch dem des Konflikts eine Vielfalt von Definitionen[7] zu Grunde.

Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf den Konfliktbegriff, den Friedrich Glasl geprägt hat. Es wird sich vorrangig auf den sozialen Konflikt bezogen, da sich der hier zu untersuchende Konfliktgegenstand durch Verfügungsgewalt über gesellschaftliche Herrschaft (Positionen) motiviert. Dabei zählt nur der Bezug auf herrschaftsrelevante Strukturen. Sozialstrukturelle Korrelate müssen nachweisbar sein (vgl. Messmer2003: 23).

Vorneweg seien zwei Definitionen zum sozialen Konflikt von Prein und Rüttinger erwähnt:

- „Wir sprechen von einem sozialen Konflikt, wenn wenigstens zwischen zwei Parteien die Interessen, Ziele, Rollen und/oder Auffassungen miteinander unvereinbar sind oder scheinen. Ein Konflikt ist erst dann eine psychologische Wirklichkeit, wenn sich wenigstens eine Partei (gleichgültig ob zu recht oder nicht) der Tatsache bewusst ist, dass die andere Partei sie bei der Verwirklichung der Interessen, Ziele und Rollen und/oder Auffassungen frustriert, darüber Gefühle der Feindseligkeit erlebt und auch ihrerseits die Gegenpartei hindert“ (Prein 1982: 1).
- „Soziale Konflikte sind Spannungssituationen, in denen zwei oder mehrere Parteien, die voneinander abhängig sind, mit Nachdruck versuchen, scheinbare oder tatsächliche unvereinbare Handlungspläne zu verwirklichen und sich dabei ihrer Gegnerschaft bewusst sind“ (Rüttinger 1980: 22).

Während Prein die Möglichkeit der einseitigen Konfliktsicht, Interessen oder Verhaltensweisen betont, die zu einer Konfliktsituation führen können, wird Rüttinger der Erfahrungstatsache gerecht (die Abgrenzung zu Nicht-Konflikten wird dadurch besser unterscheidbar) (vgl. Glasl 2004: 16). FürGlasI sind, in Anlehnung an die beiden oben genannten Definitionen, soziale Konflikte

„eine Interaktion zwischen Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.), wobei wenigstens ein Aktor eine Differenz bzw. Unvereinbarkeit im Wahrnehmen und im Denken bzw. Vorstellen und im Fühlen und im Wollen mit dem anderen Aktor (den anderen Aktoren) in der Art erlebt, dass beim Verwirklichen dessen, was der Aktor denkt, fühlt oder will eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor (die anderen Aktoren) erfolge“ (Glasl 2004: 17).

Die darin deutlich werdenden vertikalen und horizontalen Machtkämpfe sind als Austragungsorte innenpolitischer Konflikte zu sehen. Die Abbildung 1 veranschaulicht diese Machtkämpfe zwischen Regimeautoritäten und den Regimegegnern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Horizontale und vertikale Machtkämpfe

Regimeautoritäten und Regimegegner sind weitestgehend als Regierung und Opposition zu kennzeichnen, die stets in Konkurrenz und Widerspruch (bei normativen Erwartungen) stehen und einen vertikalen Machtkampf austragen. Die Dynamik erwächst aus den sich dadurch entwickelnden politischen und sozialen Konflikten, die auf Grund des Kampfes der Meinungen und Interessen entstehen und von ihren Stellvertretern, in Form verschiedener sozialer Gruppierungen, in einem sozialen Konflikt enden.

Charakteristisch dafür sind folgende Merkmale (vgl. Glasl 2004: 17f): Durch aufeinander bezogenes Kommunizieren (oder Handeln) entsteht eine Interaktion, die nicht unbedingt durch grobes Gewalthandeln gegeben sein muss. Erlebt ein Aktor die Unvereinbarkeit als solche und handelt subjektiv danach, so entsteht ebenso eine Interaktion. Diese Unvereinbarkeit kann in verschiedenen Formen auftreten, beispielsweise im Wahrnehmen, Vorstellen oder Denken (aufder perzeptiven bzw. kognitiven Ebene). Jedoch muss dazu noch ein entsprechendes Realisierungshandeln (durch verbale Kommunikation) kommen, um einen sozialen Konflikt entstehen zu lassen. Dabei erlebt eine Partei die Interaktion so, „dass sie die Gründe für das Nicht- Verwirklichen der eigenen Gedanken, Gefühle und/oder Intentionen der anderen Partei zuschreibt“ (Glasl 2004: 17).

Eine Partei (oder Akteur) muss diese Beeinträchtigung realisieren, damit von einem sozialen Konflikt zu sprechen ist. In ihrer Kommunikation und ihrem übrigen Verhalten will diese Partei die Uneinigkeit durch den anderen Aktor unwirksam machen. Treffen all diese Merkmale zu, ist von einem sozialen Konflikt die Rede, der sich von Nicht-Konflikten eben dadurch abgrenzt, dass in ihm Unvereinbarkeiten im Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Wollen und Handeln erlebt werden (vgl. Glasl 2004: 19).

Bei Glasl wurde (indirekt) der Aspekt von Kommunikation angesprochen, durch den soziale Konflikte ihren wahrnehmbaren Ausdruck finden. Die Weltgesellschaft besitzt einen solchen kommunikativen Charakter: Kommunikation kann demnach als bindendes Element zwischen der Theorie derWeltgesellschaft und sämtlichen Konflikttheorien gesehen werden.

Diese Verbindung soll der Ausgangspunkt dafür sein, den Konflikt als ein soziales System der Weltgesellschaft zu betrachten. Die Konflikttheorie bettet sich damit in die Theorie der Weltgesellschaft ein, wodurch sich der Zugang zum Konfliktbegriff und dem weltgesellschaftstheoretischen Theoriegebäude nur erschließt, wenn man sich auf die kommunikationstheoretischen Grundlagen der Systemtheorie bezieht:

„Der Begriff der Weltgesellschaft ist - in analytischer Hinsicht - von vornherein auf Konflikt bezogen, auch wenn dies von wenigen Ausnahmen abgesehen, bislang weder in der Konfliktforschung noch in der Weltgesellschaftsforschung bemerkt wurde“ (Bonacker 2006a: 61[8] ).

Mit seinen Ausführungen in „Soziale Systeme“ hat Niklas Luhmann dem Konflikt eine theorietechnische Rolle zugewiesen (vgl. Luhmann 1984: 488-501). In der Weltgesellschaft ist Kommunikation die zentrale theoretische Analyseeinheit, denn Weltgesellschaft bezeichnet „die Einheit der Differenz des Weltgesellschaftssystems und wird ausschließlich durch Kommunikation konstituiert“ (Albert 2002: 36).

Die Voraussetzung dafür ist die Bereitstellung von Sinn, welcher als „Universalmedium“ (Krause 2001: 199) bezeichnet werden kann. In allen Systemen (soziale Systeme, Organisationen, Interaktionen) wird Sinn ungefiltert zur Verfügung gestellt. Zudem bildet er die Basis für die binäre Ja/Nein-Struktur aller Kommunikation und damit von Zustimmung oder Ablehnung.

In Anlehnung an Krause ist diese konflikttheoretische Ja/Nein-Codierung der Sprache der Universalcode der Gesellschaft: „Kommunikation bedeutet also die grundsätzliche und dauerhaft gegebene Möglichkeit des Jas und des Neins“ (Bonacker 2006a: 63).

Diese zwei Arten von Kommunikation bedingen den Konflikt: Während der positive Kommunikationsanschluss das Fortbestehen der Autopoiesis[9] gewährleistet (dadurch wird der Eindruck von „Konsens“ geweckt), entstehen durch den negativen Anschluss Widersprüche (wenn eine Kommunikation eine andere ablehnt). Damit sind Widersprüche zugleich

Beobachterkonstruktionen. Eine kommunikative Ablehnung einer Kommunikation negiert jedoch die Sinnselektion und setzt eine andere dagegen. Sinn negiert sich durch Sinn:

„Jeder Sinn ist widerspruchsfähig, jeder Sinn kann zu einem Widerspruch aufgebaut werden. (...) Widerspruch ist ein Moment der Selbstreferenz von Sinn, da jeder Sinn die eigene Negation als Möglichkeit einschließt“ (Luhmann 1984: 494).

Die Kommunikation ist nur als Kommunikation negierbar:

„DerWiderspruch entsteht dadurch, dass er kommuniziert wird“ (Luhmann 1984: 498). Dadurch entstehen ein neu-aktualisierter Sinn, eine neue Selektion, ein neuer Überschuss sowie letztlich neue Widerspruchschancen. Auf der Basis von Sinn strukturieren Kommunikationen

Erwartungen, sodass die Negation von Kommunikation die Zurückweisung einer Erwartung, nämlich der Erwartung der Annahme der Kommunikation, bedeutet. Erst in der Unterscheidung von Erwartungen entstehen Konflikte. Kommt es zum Widerspruch bei kognitiven Erwartungen, folgt lediglich eine Änderung der Erwartungshaltung, während der Widerspruch bei normativen Erwartungen zwischen Alter und Ego zum Konflikt führt, weil beide Erwartungen kontrafaktisch abgesichert sind:

„Ein Konflikt ist die operative Verselbständigung eines Widerspruchs durch Kommunikation.

Ein Konflikt liegt also nur dann vor, wenn Erwartungen kommuniziert werden und das Nichtakzeptieren der Kommunikation zurückkommuniziert wird“ (Luhmann 1984: 530). Konflikte müssen kommuniziert sein, ansonsten sind sie kein Bestandteil von Gesellschaft und kein soziales Ereignis.

Will man Konflikte als System auffassen, so muss man Luhmanns Definition erweitern. Der Konflikt, als ein kommunizierter Widerspruch, ist nur ein aus zwei Kommunikationen bestehendes Interaktionssystem. Dauerhafte Konflikte, wie jener in Somalia, sind jedoch mehr als ein kommunizierter Widerspruch. In ihnen lassen sich eine Kette kommunizierter Widersprüche finden. Luhmanns Konfliktdefinition ist dahingehend zu modifizieren, „dass Konfliktsysteme (entsprechend seiner systemtheoretischen Definition sozialer Systeme) als durch einen Zusammenhang kommunizierterWidersprüche gekennzeichnet aufzufassen sind“ (Thiel 2003: 42).

Ein Konfliktsystem erfährt erst dann einen stabilen Zustand, wenn die Handlungsereignisse (später regionale, weltgesellschaftliche Momente) miteinander verknüpft werden und sich dadurch generalisierte Verhaltenserwartungen, meint „sinnhaft vermittelte Modalformen von Wirklichkeit“ (Tremi 1982: 129) ausbilden. Diese Verhaltenserwartungen bleiben in Kraft, selbst wenn sie im Einzelfall enttäuscht werden (vgl. Thiel 2003: 55).

Ein solches stabiles Konfliktsystem ist auch in Somalia vorhanden. Kennzeichnend dafür ist die Intention der Kommunizierenden (also der einzelnen Konfliktakteure). Es wird generell das nicht getan, was der andere möchte, im Falle, dass dieser das nicht tut, was man selber möchte. In Folge dessen kommt es zu einer zunehmenden Stabilisierung affektlogischer Wirklichkeits­konstruktionen, es resultiert eine Eigendynamik negativer Erwartungserwartungen: Was dem einen schadet, wird selbst als nützlich betrachtet, weil angenommen wird, dass der Gegenüber das, was einem selbst schadet, als eigenen Nutzen ansieht (vgl. Luhmann 1984: 531).

Der Konflikt entwickelt damit eine spezifische Eigendynamik, die Beteiligten können sich dieser nicht mehr entziehen.

Vor diesem Hintergrund lassen sich „Konflikte (in) der Weltgesellschaft“ durch ihren kommunikativen Charakter erklären (und aufklären). Auf Grund der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ kommt es zu einer negativen Kommunikation, beispielsweise zwischen einem westlich geprägten Staat und einem afrikanischen Entwicklungsstaat.

Die kulturelle Differenz offenbart Widersprüche (im politischen, sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen oder religiösen Kontext), negiert damit die eigentliche Sinnselektion und setzt die eigene, traditionelle dagegen. Durch den Widerspruch normativer Erwartungen (westliche, moderne Prägung) durch andersartige Vorstellungen (nicht westliche, traditionelle Prägung) entstehen Konflikte, wie jene in Somalia.

Nicht die Beteiligten konstituieren den Konflikt, sondern der Konflikt konditioniert die Beteiligten (deren Verhalten, Absichten, Interessen). Damit geht zugleich ein Paradigmenwechsel in der Konflikttheorie einher bzw. eine konflikttheoretische Neuorientierung, die maßgeblich auf systemtheoretischen Mitteln fundiert ist. Der von Luhmann ausgearbeitete systemtheoretische Kategorienapparat hilft dabei alle Sachverhalte auf das Soziale zu übertragen, „so dass die allgemeinen Merkmale sozialer Systeme auch auf Konfliktsachverhalte anwendbar sind“ (Messmer 2003: 45).

Die zentrale Bedeutung des Konflikts in der Theorie der Weltgesellschaft liegt in der Tatsache begründet, „dass derart stabilisierte Strukturen von Widerspruchskommunikation als Konfliktsysteme begriffen werden können“ (Bonacker 2006a: 63).

Damit besitzen Konflikte systembildenden Charakter für und in der Weltgesellschaft. Wenn Konflikte demnach als Systeme verstanden werden können, erschließt sich eine neue Betrachtungsweise bzw. erlaubt dies auch eine empirische Analyse von Konflikten in der Weltgesellschaft auf Grund der schärferen Grenzziehung zwischen dem Konfliktsystem und seiner Umwelt. Das bedeutet auch, den „Konflikt primär nicht als Produkt seiner Umwelt, sondern umgekehrt, die Umwelt als Produkt von Konflikten“ (Messmer 2003: 279) erscheinen zu lassen. Konflikte stehen im Gegensatz zu anderen Teilsystemen und den Systemebenen (Organisation und Interaktion) „in einer engen und eigentümlichen Form der strukturellen Kopplung mit ihrer weltgesellschaftlichen Umwelt“ (Bonacker2006: 65).

Um Konflikte als „System“ begreifen zu können, müssen für den Konflikt zwei Kommunikationen vorliegen, welche sich einander widersprechen. Mit dem gleichzeitigen Auftreten unterschiedlicher historischer Zeiten wäre eine solche Widerspruchskommunikation in Somalia gegeben:

„Die Einheit der Sinnform Widerspruch synthetisiert zwei Kommunikationen, die jeweils ihrerseits soziale Synthesen dreier Selektionen sind, und der Konflikt übernimmt für eine Weile die Autopoiesis, die Weiterführung der Kommunikation“ (Luhmann 1984: 530).

Von einem Konfliktsystem kann man daher nur sprechen, „wenn sich im Rahmen der Widerspruchskommunikation eine Struktur auskondensiert, welche die elementaren Operationen des Systems dergestalt relationiert, dass sie sich im rekursiven Kontakt dauerhaft reproduzieren“ (Messmer2003: 86).

Luhmann umreißt diese Funktion mit zwei Begriffen: Konflikt als „parasitäres System“ und als „Immunsystem“. Da Konfliktsysteme auf ihre Umwelt angewiesen sind und diese geradezu ausnutzen, gelten sie in der systemtheoretischen Literatur als „parasitäre Systeme“.

Der Konflikt bindet „auch mehr als jede andere Systemebene (...) die persönliche Identität der Beteiligten ein“ (Kieserling 1999: 269), was wiederum die Herausbildung einer scharfen Trennlinie zwischen Konfliktparteien fördert. Gerade in der Analyse von anhaltenden Konflikten in den internationalen Beziehungen ist die Beobachtung, dass „der Konflikt ein Parasit ist, der zur Vertilgung seines Gastgebers neigt“ (Kieserling 1999: 282) von großer Bedeutung.

Ausgehend vor diesen theoretischen Beschreibungen, ist der Konflikt in Somalia als ein Konfliktsystem zu definieren, der als solcher im Zeichen von Weltgesellschaft steht und sich dauerhaft selbst reproduziert. Zudem scheint es, als könnte man das somalische Konfliktsystem als ein parasitäres bezeichnen, welches sich wie ein Parasit durch die strukturelle Kopplung mit anderen Systemen „ernährt“ und aus dem die eigendynamischen Prozesse ihre Berechtigung und Antriebskraft finden. Die Umwelt des somalischen Konfliktsystems fungiert, vom System aus gesehen, als Informationsquelle, Anregung und Materialsammlung, die genutzt wird, um den Konflikt aufrechterhalten zu können (vgl. Bonacker2008: 274).

Was in Luhmanns Ausführungen zum Konflikt in Zusammenhang mit Systembildung unzureichend thematisiert wird, sind die typischen Verläufe und Bedingungen einer eskalatorischen Dynamik von Konflikten. Gerade diese eskalierenden Konflikte bringen für das gastgebende System den größten Schaden (vgl. Thiel 2003: 43).

3. Selbstperpetuierung des Somalia-Konflikts

Mit den vorangegangenen theoretischen Überlegungen im Hintergrund, gilt es in diesem Abschnitt die Selbstperpetuierung des Somalia-Konflikts historisch nachzuzeichnen, um alte und neue Konfliktlinien aufzeigen zu können.

Möchte man den Somalia-Konflikt verstehen, bedarf es eines historischen Verständnisses des Konfliktgeschehens. Daher werden einführend wesentliche gesellschaftliche Gegebenheiten in Somalia beschrieben, bevor verschiedene Erklärungsansätze auf die Selbstperpetuierung des Konflikts eingehen.

Der erste Erklärungsansatz zielt darauf hin, entscheidende regionale und weltgesellschaftliche Momente im Konfliktverlauf von 1960-2010 zu definieren und zu verorten. Aus der somalischen Geschichte lässt sich später die territoriale Dreiteilung ableiten, die zur Ausdifferenzierung des Konfliktsystems führte.

In einem zweiten Ansatz werden charakteristische Probleme herausgestellt, die auftreten, wenn Bürgerkriege chronisch werden. So sind diese auch in Somalia festzustellen und damit eine weitere Begründung für dessen Selbstperpetuierung gegeben.

Die Antriebskraft für das Gewalt- und Konfliktpotential findet sich in den demographischen Entwicklungen, die der dritte Erklärungsansatz aufgreift. Es wird mit der „youth-bulge“-These argumentiert, die davon ausgeht, dass ein bestimmter Kinder- und Jugendanteil in der Bevölkerung eine gewisse Konfliktanfälligkeit mit sich bringt.

Die sich abzeichnende Eigendynamik wird selbst zum Gesetz und fördert den Fortbestand der regionalen, nationalen und internationalen Konfliktlinien. Mit diesen Entwicklungen geht ein Wandel des Politischen einher: Die Konfliktdynamiken in Somalia führen zu einer Transformation des Nationalstaates. Vor diesem Hintergrund ist der Somalia-Konflikt als ein Modernitätskonflikt zu betrachten, der in der Weltgesellschaft eingebettet ist.

3.1. Gesellschaftliche Gegebenheiten als Konfliktgrundlage

Die ersten und lange Zeit einzigen ethnographischen Untersuchungen führte Richard Burton Mitte des 19. Jahrhunderts durch. Im Jahr 1961 erschien von loan Lewis das Werk ,,A Pastoral Democracy“ und damit eines der ersten systematisch ethnologischen Untersuchungen der nördlichen Gebiete Somalias. Es zeigte sich, dass Somalia zwar als eines der ethnisch, kulturell und religiös homogensten Länder im subsaharischen Afrika gilt, jedoch auch über eine höchst komplexe sozio-politische, wie auch teils regional divergierende Gesellschaftsordnung verfügt. So erstreckte sich das Siedlungsgebiet der somalischen Clans (siehe Abbildung 2) weit über das spätere Staatsterritorium hinaus (vgl. Holzer2009: 35).

Ethnologen bezeichnen die somalische Gesellschaft als eine akephale, d.h. eine Gesellschaft ohne Regierungsoberhaupt. Die Politik, das Recht und soziale Leben folgen dem vertikalen 'segmentary lineages systems', d.h. der „segmentären Gesellschaftsordnung“, die als „eine (d.h. politisch nicht durch eine Zentralinstanz organisierte) Gesellschaft, deren politische Organisation durch gleichartig unterteilte mehr- oder vielschichtige Gruppen vermittelt ist“ (Sigrist 2005: 30).

Der Einzelne nimmt seine Position nach der patrilinearen Abstammungslinie ein (entlang der Vaterlinie). So gliedert sich das somalische Lineage-System in die Ebenen: clan family, clan, sub­clan, primary lineage und dia-paying group (vgl. Holzer 2009: 36f).

In Somalia gibt es sechs Clanfamilien, die sich bis zu 30 Generationen zurückverfolgen lassen. Die Abstammungslinien von „Samaale“ und „Sab“ (in der Mythologie Nachfahren des Onkels von Mohammed) sind jedoch mit wachsendem historischen Abstand eher fiktiver Natur. Zu den Clanfamilien (Abstammungslinie der Samaale) gehören: Isaaq, Dir, Hawiye und Daarood. Diese vier Clans leben als Pastorainomaden und haben ihre Ursprünge im Norden. Heute verteilen sie sich über das ganze somalische Territorium. Während der Norden vom Isaaq-Clan dominiert wird, ist der Hawiye-Clan im Gebiet nördlich von Mogadischu beheimatet (siehe Abbildung 2). Zu der Abstammungslinie der Saab zählen die Clanfamilien: Digil und Rahanweyn. Sie leben vorwiegend als sesshafte Bauern im zentralen Süden (vgl. Lewis 1961: 6ff).

Die einzelnen Clanfamilien teilen sich wie folgt auf:

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Tabelle 1: Verteilung der Clanfamilien in Somalia

Die territoriale Ausbreitung der Clanfamilien:

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Abbildung 2: Territoriale Verbreitung ethnischer Gruppen (Clanfamilien)

Wie aus der Abbildung 2 zu erkennen ist, sind die somalischen Clanfamilien auch außerhalb der „Republik Somalia“ ansässig. Besonders der Darod-Clan, der 20 Prozent der Bevölkerung ausmacht, befindet sich in der Ogaden-Region und damit im Grenzgebiet zwischen Äthiopien und Somalia.

Alle Clans haben gemeinsam, „dass sie der allgemeinen mythologischen Perzeption folgend, ursprünglich von der Familie des Propheten Mohammed abstammen“ (Holzer 2009: 37). Die Identifikation der Clans (als Abstammungsgemeinschaft) mit einer Genealogie ist variabel, da sie kontextbezogen ist. So entstehen beispielsweise Solidaritätsgruppen durch gemeinsame Gegner (Loyalitäten sind daher auch volatil).

Die bereits oben angesprochenen 'dia-paying-group'[10] bildet das Fundament der somalischen Gesellschaft, da sie die wichtigste Ebene für die soziale Organisation des Individuums darstellt: ,,lt is only through membership of a (dia)-paying group that an individual has any political and juralstatus. An individual cannot himself act as a viable and independentpolitical unit, i.e he can’t alone pay 100 camels, without the assistance of others. In this way a man is forced to sub-ordinate himself to the collective rights and interests of the mag-paying group. Below the mag group there is a further sub-division called jiffo or rafiso-paying group (40 or 33 camels depending on the area) and below that again you find the jilib or raas- paying group (20 or11 camels)” (Gundel 2006: 6).

Die 'dia-paying-group' umfasst mit vier bis acht Generationen zwischen ein paar Hundert und ein paar Tausend Menschen. Zudem stehen sie sich für die Einforderung oder Zahlung von Kompensation (für erlittenes oder verursachtes Unrecht) bei. Auf dieser Ebene tritt das Vertragselement (xeer) auf, da man die Zugehörigkeit zur dia-paying-group, neben der patrilinearen Verwandtschaft, eben auch durch Vertragsbindung hersteilen kann.

Es zeigt sich, dass Verwandtschaft (clan-lineages) und Vertrag die beiden „fundamental principles in the constitution of Somali political units“ (Lewis 1961: 161) sind.

In den darin festgelegten Rechten und Pflichten wird die kollektive Verantwortung in den Außenbeziehungen mit anderen Gruppen definiert. Sie bilden die Grundlage für die Friedensvereinbarungen zwischen den verfeindeten Gruppen. Ausgehend von der Gesellschaftsstruktur, entwickelt sich eine eigene charakteristische Dynamik, die in einem Kräfteverhältnis ihren Ausdruck findet (vgl. Holzer2009: 39):

„'Lineages' treten in verschiedenen Situationen in unterschiedlicher Stärke auf, sei es als politische, wirtschaftliche oder soziale Einheiten. Ebenso werden in Konfliktfällen kurzfristige Bündnisse eingegangen, die stets auf einen bestimmten Konflikt bezogen sind. Dadurch entstehen Situationen, in denen zwei verfeindete Segmente sich in einem neu entstehenden Konflikt problemlos kurzfristig gegen einen gemeinsamen Feind verbünden können, bevor sie ihren bilateralen Konflikt fortsetzen. Diese wechselnde Bündnispolitik - ein häufiges Merkmal segmentärer Gesellschaften - führt in ihrer Gesamtheit zu einem Gleichgewicht der Kräfte: Die Stellung der einzelnen Segmente zueinander verändert sich ständig, aber die Balance insgesamt bleibt erhalten“ (Spilker 2008: 12f).

Auf Grund ihrer akephalen, nomadischen Gesellschaftsstruktur weist die somalische Kultur eine hohe Konfliktanfälligkeit auf. Möchte man Konfliktlösungsmechanismen finden, muss man neben der Clanstruktur und ethnischen, religiösen sowie kulturellen Homogenität auch die zentrale Rolle so genannter traditioneller Autoritäten berücksichtigen. Diese soziale Kategorie ist schwer verständlich, da sie in der somalischen Gesellschaft fließend ist: Es kann sich sowohl um Vertreter einer Abstammungslinie (lineage) handeln, als auch um religiöse Führer, Geschäftsleute oder Politiker. Wie man zu einer solchen Machtfigur kommt, hängt nicht von familiären Hintergründen ab, sondern vielmehr ist es eine Frage individueller persönlicher Qualitäten, welche sich positiv auf die Gemeinschaft auswirken. Welche Stellung traditionelle Autoritäten in der somalischen Gesellschaft innehaben, verdeutlicht ein somalisches Sprichwort:

„lllaahay hadal gaf ah wuu kaa yeedhsiiyaa kaamase tago abeesona dhul и eki bay, kugu dishaa, Culimana dad u eki“ „People believe that in wrong doing or not obeying the elders may bring Allah’s Anger“ (Gundel 2006: 13).

Die Kolonialzeit (Auslöser war die Fertigstellung des Suezkanals 1869) hat die traditionellen sozio- politischen Grundlagen massiv beeinflusst, was durch den unterschiedlichen Governance-Stil der britischen und italienischen Kolonialherren zurückzuführen ist. Die Kolonialisierung führte zu einer Zweiteilung: In einen britischen Nordwesten und einen italienischen Süden:

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Abbildung 3: Kolonialgebiete von 1889 bis 1940

Die Kolonialmächte erkannten die Bedeutung der traditionellen sozio-politischen Ordnung in Somalia und nahmen auf Grund fehlender formaler politischer Institutionen starken Einfluss auf diese Strukturen; sie versuchten ihre Herrschaft über die schon vorhandenen somalischen Autoritäten durchzusetzen (in Form von Bezahlung, Kooperation oder Abberufung, Einsetzung neuer traditioneller Autoritäten). Das sich dennoch die traditionellen somalischen Formen bewahrt haben, ist dahingehend zu begründen, dass die Briten kein großes Interesse an ihrer Kolonie am Horn von Afrika hatten, da z.B. keine natürlichen Ressourcen vorhanden waren. Aus diesem Umstand, dass sie in Nordsomalia (später: Somaliland) keine speziellen Interessen verfolgten, also Desinteresse zeigten, sollte sich später ein Vorteil ergeben. Jedoch war die italienische Kolonialverwaltung zentralistischer und unterminierte nachhaltig die somalischen sozio-politischen Institutionen. Im Gegensatz zu den Briten, setzten die Italiener die höchsten Clanautoritäten ab, um ihre eigene Herrschaft zu festigen. Im fruchtbaren Süden etablierte sich eine Plantageökonomie (im italienischen Interesse). In der Einführung zentralstaatlicher Strukturen in eine akephal-organisierte Gesellschaft liegt die Ursache für die kommenden internen und externen Konflikte begründet. Diese werden später den totalen Staatszerfall und Bürgerkrieg hervorrufen. Zudem erklären sie die unterschiedliche Entwicklung der beiden Kolonien (vgl. Holzer2009: 41ff).

Drei Erscheinungen sind festzustellen, welche die Auswirkungen der Kolonialherrschaft auf die spätere Republik Somalia zeigen (vgl. Höhne 2002: 30-32):

- Auf Grund der künstlich gezogenen politischen Grenzen wurden nicht nur ganze Clanfamilien getrennt (besonders in der Ogaden-Region und im Grenzgebiet zu Kenia, siehe Abbildung 2), sondern auch die mit der nomadischen Lebensweise verbundene Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Der damit einhergehende Verlust von somalischen Regionen führte zu pansomalischen Bestrebungen, die später Siad Barre aufgreifen wird.
- Die Kolonialherrschaft förderte nicht nur das Erstarken des somalischen Nationalbewusstseins, sondern trug ebenso zur Fragmentierung aller Somalis bei. Das bedeutet, dass sich die italienischen Besitzungen (als „Siedlerkolonie“ geplant) im Süden vom ökonomisch, soziopolitisch vernachlässigten Nordwesten absetzte. Auf der politischen Ebene bildete sich während der Kolonialzeit zwischen den Clanfamilien und den lokal ansässigen Kolonialverwaltungen eine besondere Beziehung heraus, wodurch andere Gruppen politisch marginalisiert wurden.
- In der Konfliktregelung der traditionellen Gesellschaftsordnung wirkten die Kolonialmächte als dritte Konfliktpartei mit und beeinflussten damit den Rechts- und Autoritätsbereich. Durch die Einführung einer kolonialen Verwaltungsordnung und einer westlich geprägten Vorstellung von Staatlichkeit wurde das sozialpolitische Gefüge grundlegend verändert:

„As new forms of wealth accumulated in the state, the mandate of political leadership altered from regulating kin relations and entitlements to pastoral resources, to regulating access to the political and economic benefits of the state, thus sowing seeds of disunity and conflict“ (Bradbury 1997: 5).

Diese Entwicklungen führten zum klassischen Konfliktpotential, einerseits zwischen den Clanfamilien und andererseits zwischen Nord- und Südsomalia sowie zwischen den Somalis und den (ehemaligen) Kolonialmächten.

Im Jahr I960 kam es in Somalia nach der staatlichen Unabhängigkeit und damit dem Ende der Kolonialisierung nicht zu einer Verallgemeinerung bürgerlich-kapitalistischen Vergesellschaftungs­formen. Zwar lässt es sich nicht leugnen, dass Somalia in Wirkungszusammenhänge der Weltgesellschaft integriert wurde, doch sind nach wie vor „die westlichen Strukturen afrikanischer Gesellschaften von der widersprüchliche Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ gekennzeichnet (Schlichte 2003: 160). Beispielhaft trifft hier Tradition auf Moderne und lässt die kulturelle Differenz Sichtbarwerden (Konflikte sind vorprogrammiert).

Auf ökonomischer Basis war Somalia vor der kolonialen Unterwerfung nur unvollständig in den sich entwickelnden Weltmarkt eingebunden. Die ökonomische Anbindung an den kapitalistischen Weltmarkt erfolgte während der kolonialen Unterwerfung in Tauschformen: Das Geld erlangte als allgemeines Äquivalent mehr Bedeutung, blieb aber auf der Zirkulationsebene beschränkt.

Eine wirkliche Umwälzung der Ökonomie hat nie stattgefunden. Weder Boden noch Arbeitskraft erlangten während der Kolonialzeit den Charakter von „Waren“.

Die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ äußert sich im „Nebeneinander kapitalistischer Enklaven der Exportproduktion und Subsistenzwirtschaft, in fortschreitender Monetarisierung von Sozialbeziehungen und der Persistenz redistributiver und reziproker Tauschformen, die mit dem kapitalistischen Markttausch vielfältigste Mischformen eingehen“ (Schlichte 2003: 160f).

Interessant erscheint in politischer Hinsicht auch der mit der Kolonialzeit einhergehende Versuch der „politischen Modernisierung“. Da diese nicht mit einer vergleichbar fortgeschrittenen ökonomischen Umwälzung (mit einer kapitalistischen Inwertsetzung) einherging, wurden die europäischen politischen Formen mit traditionalen Elementen durchsetzt. So bildete sich eine hybride Form politischer Herrschaft heraus, „deren innere Funktionsweise sich im Idealtypus des neopatrimonialen Staates zusammenfassen“ (Schlichte 2003: 163) lässt. In einem solchen Staat beruht das politische Leben auf der Konkurrenz klientelistischer Netzwerke (Konflikte sind auch hier wieder vorprogrammiert). Auf Grund, dass sich zentrale Strukturen, wie beispielsweise die erweiterte Familie, neopatrimoniale Herrschaft oder ethnisches Bewusstsein bedingen, sind sie als zusammenhängende Erscheinungen zu verstehen:

„Die Ökonomie der erweiterten Familie durchzieht die Praxis der Verwaltung und findet ihren symbolischen Ausdruck im ethnischen Bewusstsein. Die Logik neopatrimonialer Herrschaft nutzt das ethnische Bewusstsein zur Mobilisierung politischer Unterstützung und Repression, während umgekehrt die Herrschaftspraxis in den Schemata des ethnischen Bewusstseins interpretiert wird“ (Schlichte 2003: 164).

Nur in ihrem Zusammenspiel provozieren diese Strukturen die notwendigen Voraussetzungen für das Kriegs- und Konfliktgeschehen.

Um Dynamiken zu zeigen, ist es notwendig diese Verstrickungen aufzudecken, um die Funktionsweise der hybriden politischen Systeme bzw. die Mechanismen und Grenzen staatlicher Herrschaft außerhalb Europas zu verstehen.

In der Minimalrekonstruktion der historischen Verläufe ergeben sich Aufschlüsse über Widersprüche und Geltungen, mit denen die politische Herrschaft in Somalia, besonders in unserer heutigen Zeit derzunehmenden Internationalisierung, zu tun hat (vgl. Bonacker2006: 207):

„The origins of the Somalian conflict cannot be attributed to any one factor. Instead, one must look at the nation's history, clan rivaries, the colonial legacy, the breakdown of traditional conflict resolution mechanisms, and the Cold War superpower comeptition“ (Deonandan 1994: 453).

3.2. Kontinuierliche Steigerung von Gewalt und Komplexität

Die historische Minmalrekonstruktion des somalischen Konfliktverlaufs soll dazu beitragen den eigendynamischen Charakter heraus- und darzustellen. Durch regionale und weltgesellschaftliche Momente werden einzelne Prozesse ausgelöst oder beendet, Situationen verändert oder neu geschaffen. Das Eine bedingt sich aus dem Anderen, ohne das Eine könnte das Andere nicht seine Daseinsberechtigung erlangen.

3.2.1. Momente und Prozesse im Konfliktverlauf (1960-2010^

Um die Hypothese in der Empirie bestätigen zu können, ist es notwendig im Vorfeld wenige theoretische Überlegungen zu den Begriffen „Moment“ und „Prozess“ zu skizzieren:

Zunächst bedarf es einer Definition von „Moment“:

- In Anlehnung an Ackermans Theorie, ist von einem „konstitutionellen Moment“ zu sprechen. Diese Theorie geht von der Grundannahme aus, dass ohne konstitutionelle Momente revolutionäre Veränderungen nicht gelingen können. Konstitutionelle Momente sind jene Augenblicke, die vom gewöhnlichen Gang der Politik abweichen und in denen eine Neuorientierung stattfindet (vgl. Poliak 2005: 1-4).
- Eine weitere hilfreiche Definition ist der Dramaturgie (nach Freytag 1863) zu entnehmen. Als „(retardierendes^ Moment“ bezeichnet man Unterbrechungen im Handlungsverlauf, die durch Ereignisse ausgelöst werden und dazu führen, dass das eigentliche Handlungsziel verändert oder umgekehrt wird.

Würde man sich den Somalia-Konflikt als eine „Tragödie“ (Konfliktphase) vorstellen, wäre die trügerische Hoffnung auf Rettung (des Helden) charakteristisch, während die Vorstellung als „Komödie“ (Friedensphase) die Befürchtung mit sich tragen würde, dass das Ganze letztlich doch nicht gut ausgehen könnte.

Um die unterschiedlichen Grundlagen zu differenzieren, wird zwischen regionalen und weltgesellschaftlichen Momenten unterschieden. Sie bezeichnen nicht das Auftreten von Akteuren, sondern vielmehr die gegebenen externen (durch die Weltgesellschaft) oder internen (durch regionale Geschehnisse) Hintergrundbedingungen, die den Handlungsverlauf unterbrechen und verändern. Letztendlich führen sie zu einer Neuorientierung und provozieren zukünftige Handlungen. Damit sind sie Auslöser und Wegbereiter für zukünftige Kommunikationen, die entweder einen positiven oder negativen Anschluss erfahren. Entstehen Widersprüche, auf Grund eines negativen Anschlusses, kommt es zum Konflikt bzw. einer weiteren Konfliktphase. Momente wirken für das Konfliktgeschehen als „Katalysator“.

[...]


[1] Bundeszentrale für politische Bildung (2009): Übersicht der UN-Friedenseinsätze (Stand September 2009), URL: http://www.bpb.de/files/XR713N.pdf (22.01.2011).

[2] Man könnte ebenso von einem somalischen Gewaltsystem sprechen.

[3] So spricht Max Weber von „sozialen Beziehungen“ (vgl. § 3. In: Wirtschaft und Gesellschaft); Karl Marx: „Die Gesellschaft besteht nicht aus Individuen, sondern drückt die Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus, worin diese Individuen zueinander stehen“ (Marx 1939/1983: 189); Georg Simmel: „Gesellschaft ist dann nur der Name für einen Umkreis von Individuen, die durch derartig sich auswirkende Wechselwirkungen aneinander gebunden sind und die man deshalb als eine Einheit bezeichnet (...)“ (Simmel 1984: 13f).

[4] Meint auch die „Gleichzeitigkeit einer Diversität von Möglichkeiten“ (Stichweh 2000: 214).

[5] Eine solche Argumentation ist auch auf den Somalia-Konflikt anzuwenden: Die gegenwärtigen Konfliktlinien sind als Konstruktionen der Geschichte entstanden (siehe Punkt: 3.2.1.).

[6] Zeigt sich beispielsweise in der Wahrnehmung und dem Stellenwert von religiösen Werten und Ansichten.

[7] Es sind besonders die Konflikttheorien von Hobbes (Ordnung als Problem), Simmel (Vergesellschaftung durch Konflikt), Weber (Konflikte als Machthandeln) und Marx (Konflikte als Klassenkampf) zu erwähnen.

[8] Beide Theorien münden in einer noch jungen weltgesellschaftlichen Konflikttheorie (weiterführend: Bonacker 2006c).

[9] Es wird von „Autopoiesis“ gesprochen, wenn sich soziale Systeme durch Anschlusskommunikationen konstituieren, reproduzieren und sich operativ gegenüber einer systemspezifischen Umwelt schließen. Damit ist die Fähigkeit von Systemen gemeint, die eigenen Elemente selbst herzustellen und sich von der Umwelt abzugrenzen.

[10] „Dia“ (arabisch) bedeutet so viel wie „Blut-Kompensation“. Synonym: 'mag-paying-group'

Details

Seiten
113
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640974054
ISBN (Buch)
9783640973910
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176181
Institution / Hochschule
Universität Luzern – Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
Gut (5,2)
Schlagworte
Weltgesellschaft Kolonialisierung Vertrauen Luhmann Komplexität Selbstperpetuierung soziales System Systemtheorie Aufklärung Eigendynamik Vertrauensbildung Vertrautheit Zuversicht youth bulge children bulge Horn von Afrika Terror Terrornetzwerke Al-Shabaab Konflikt System

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Titel: Selbstperpetuierung und Auflösung von Konflikten. Eine weltgesellschaftliche Betrachtung am Beispiel Somalias