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Mafia in Deutschland

Der Krake im Wandel - Vom Schläger zum Investor

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Mafia ein Geheimbund

Definition: Mafia
Definition: Mafia – am Beispiel der Cosa Nostra

Wie und Warum die Mafia nach Deutschland kam
Der „klassische Weg“
Die „neue“ Mafia: Von der Macht des Geldes

Eine Warnung

Literaturverzeichnis
Onlinequellen

Einleitung

Das Phänomen Mafia begegnet dem (gesetzestreuen) deutschen Staatsbürger selten bis gar nicht in seinem Alltag. Eher hört oder sieht man etwas darüber in den Nachrichten, diverse Reportagen berichten vom Leben in Gegenden, die von der Mafia regiert werden. All das spielt sich aber immer anderswo ab, denkt man. Fast zwangsläufig kommen einem bei dem Begriff Mafia die typischen Mafialänder – Italien, USA, Japan, China und manchmal auch noch Albanien und die Türkei – in den Sinn. Fakt ist aber, dass die Mafia auch in Deutschland agiert. Die Morde von Duisburg im August 2007 haben das auf dramatische Art und Weise bewiesen.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, einen historischen Überblick der Etablierung sowie der üblichen Aktivitäten der italienischen Mafiazellen in Deutschland zu geben. Das heißt zum einen soll mit dieser Arbeit gezeigt werden, warum und wie die italienische Mafia[1] nach Deutschland gekommen ist, was sie hier tut und wie sie dabei vorgeht. Zum anderen soll das Verständnis des Lesers für das „Problem Mafia“ als „deutsches Problem“ geschärft werden. Dem Leser soll klar werden, wo überall die Mafia in Deutschland interveniert. Abschließen wird die Arbeit mit einer Warnung dahingehend, was sich in Deutschland ändern müsste, um den Kampf mit der Mafia aufnehmen zu können.

Die Arbeit wird sich dabei wie folgt gliedern:

Als erstes gilt es das „Literaturproblem“ zu beleuchten, es versteht sich von selbst, dass eine so gefährliche Organisation wie die Mafia kein Interesse daran hat, dass ihre Machenschaften an die Öffentlichkeit gelangen. Dem entsprechend schwierig ist es, Material zu finden, dieser Problematik widmet sich das Kapitel „Die Mafia, ein Geheimbund“. Im Folgenden gilt es, Grundlagen zu schaffen, dazu wird der Begriff „Mafia“ definiert. Denn man kann keine Arbeit über etwas schreiben, ohne dem Leser Klarheit über den zentralen Forschungsgegenstand zu geben. Die Kapitel „Der „klassische Weg““ und „Die „neue“ Mafia: Von der Macht des Geldes“ stellen das Kernstück der Arbeit dar, mit ihnen soll das Ziel dieser Arbeit (siehe oben) erreicht werden. Das anschließende Kapitel „Eine Warnung“ ist Fazit, Ausblick und Stellungnahme des Autors zugleich. Hier soll nochmals gezielt auf das Problem sowie den daraus folgenden Handlungsbedarf aufmerksam gemacht werden.

Die Mafia ein Geheimbund

Bevor wir uns aber eingehender mit der Materie befassen, muss an dieser Stelle auf ein großes Problem der Mafiaforschung hingewiesen werden. Die Mafia wäre nicht so mächtig wie sie es ist, wenn sie es nicht schon seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit Jahrhunderten[2], verstünde, ihr Tun und Handeln so zu verschleiern, dass es von außen nahezu unmöglich ist, tiefgreifende Erkenntnisse über sie und ihr Vorgehen zu bekommen. Die wenigen Pentiti[3] haben es zwar den italienischen Behörden ermöglicht, ein Bild über Struktur und Hierarchie der jeweiligen Mafia zu entwickeln, und so konnten auch einigen Verbrechen aufgeklärt werden, dies gilt aber für Italien. In Deutschland sind solche Fälle jedoch Mangelware, selbst der durch den Spiegel als Mafia-Killer aus Deutschland bekannt gewordene Giorgio Basile, spricht nur am Rande des ihm gewidmeten Buches „Das Engelsgesicht. Die Geschichte eines Mafia-Killers aus Deutschland“ (von Andreas Ulrich) von den Mafiaaktivitäten in Deutschland[4]. Die logische Konsequenz aus diesen Aussagen ist folgende: Es gibt zum Themenkomplex „Mafia in Deutschland“ praktisch keine wissenschaftliche Literatur. Warum das so ist, soll nicht Thema dieser Arbeit sein, vielleicht gibt aber Giuseppe Gangemi darauf die Antwort, wenn er sagt, dass Wissenschaft die Realität immer nur verzögert analysieren kann[5]. Als Folge des Mangels an aktueller wissenschaftlicher Literatur stützt sich diese Arbeit daher überwiegend auf Werke aus dem Bereich „Investigativer Journalismus“. Die damit verknüpfte Gefahr liegt darin, dass eine Vielzahl der verwendeten Information nicht hundertprozentig als erwiesen angesehen werden können. Dieses Thema verlangt auf Grund seiner Brisanz nach Quellen, welche nicht genannt werden können, nach Vermutungen und Spekulation, welche sich auf Einzelaussagen stützen. Es ist daher Aufgabe/Anliegen des Autors dieser Arbeit, die Vielzahl verschiedener Informationen zu ordnen, zu sondieren und daraus ein schlüssiges Gesamtbild zu entwickeln. Auf Grund der genannten Widrigkeiten erscheint es aber nur logisch, den geneigten Leser dieser Arbeit erstens auf dieses Problem hinzuweisen und ihn zweitens dazu anzuhalten, in seiner Auseinandersetzung mit dem Thema zusätzlich zu den aus dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnissen noch evtl. erscheinende, also noch zu erwartende Literatur zu Rate zu ziehen.

Definition: Mafia

Wer oder Was ist die Mafia? Um diese Frage zu beantworten, sei an dieser Stelle eine vom Autor mit Blick auf die bis jetzt im Forschungsprozess gesammelten und gewonnenen Erkenntnisse selbst entworfene Definition von Mafia vorgestellt. Diese Definition ist deshalb notwendig, weil heutzutage der Begriff Mafia geradezu inflationär verwendet wird. Nahezu jede Art von organisiertem Verbrechen wird heutzutage als Mafia bezeichnet: die Transportmafia, die Subventionsmafia, die Mahagoni-Mafia, die Pharma-Mafia und die Computer-Mafia. Das sind nur wenige Beispiele dafür, was alles als Mafia „gehandelt“ wird. Diese Arbeit aber beschäftigt sich mit den Ablegern der „echten“ Mafia und zwar aus Italien[6]. Widmen wir uns daher nun der eigentlichen Definition oder besser den wichtigsten Grundvoraussetzungen einer kriminellen Organisation, um als Mafia in Hinblick auf diese Arbeit zu gelten.

1. Es müssen sowohl eine lange Gesichte als auch eine regionale Verankerung der Organisation gegeben sein.
2. Die wichtigsten Prinzipien innerhalb der Organisation sind die der Geheimhaltung und einer streng hierarchischen Struktur.
3. Innerhalb der Organisation gibt es ein großes Spektrum an kriminellen Aktivitäten[7].
4. Die Organisation verfügt über eine große Anpassungsfähigkeit sowie über (netzartige) Strukturen, welche die Zerstörung eben jener Organisation scheinbar unmöglich machen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass diese Definition auf die bekannten drei Mafia-Organisationen Süditaliens zutrifft: die Cosa Nostra auf Sizilien, die Camorra in und um Neapel und die ´Ndrangheta aus Kalabrien. Lässt man den in Punkt 1. genannten Aspekt der langen Geschichte außer Acht, so darf man wohl auch die vergleichsweise junge, aber auch sehr „erfolgreiche“ Mafia-Organisationen der Sacre Corona Unita aus Apulien mitzählen[8].

Als Folge dieser Vielzahl verschiedener Mafia-Organisationen allein aus/in Italien wird im Folgenden der Begriff Mafia immer stellvertretend für eine dieser Organisationen stehen. Da die Betätigungsfelder der Mafia-Varianten sich fast ausschließlich im Umfang und nicht in der Art unterscheiden, wie wir im kommenden Teil der Arbeit noch sehen werden, erscheint es nicht zweckmäßig, jedes Mal auf die genaue Organisation einzugehen, zumal dies teilweise auch gar nicht möglich ist, da man bei einigen Delikten zwar davon ausgeht, dass dahinter Ableger der italienischen Mafia stehen, aber nicht weiß, welche spezielle Mafia-Organisation.

Definition: Mafia – am Beispiel der Cosa Nostra

Zum besseren Verständnis der im vorhergehenden Kapitel getroffenen Aussagen wenden wir uns nun der Cosa Nostra zu, um an ihrem Beispiel die vier Punkte der Definitionen zu belegen.

„Cosa Nostra“ bedeutet übersetzt „Unsere Sache“, kommt aus dem Italienischen und ist gleichzeitig der Name der wohl bekanntesten Mafia weltweit, nämlich der sizilianischen. Vor allem die Inselhauptstadt Palermo spielt eine zentrale Rolle im Leben eines jeden Mafioso. Hier in Palermo, aber auch an anderen Orten der Insel, zum Beispiel auf den Zitrusplantagen an den Küsten oder in den Schwefelminen rund um den Ätna, entstand wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das, was heute die Cosa Nostra ist[9] (vgl. Punkt 1. der oben genannten Definition).

Auf Sizilien, wie in ganz Süditalien, herrscht das Gesetz der Omerta, das Gesetz des Schweigens. Auf Grundlage der Omerta ist es ein Leichtes, die neuen Mitglieder der Cosa Nostra während des Initiationsritus auf absolute Geheimhaltung im Sinne der Mafia einzuschwören[10]. Während des Rituals werden auch die Regeln der Mafia sowie ihre hierarchische Struktur erläutert[11] (vgl. Punkt 2.).

Wer einmal Mitglied der Mafia ist, wird schnell Zeuge davon, woher Geld in die Kassen der Organisation fließt: Schutzgelder, Erpressung, Entführung, Schmuggel[12], Drogenhandel, Einbrüche, Raubüberfälle[13], Geldwäsche[14] und Falschgeld[15] (vgl. Punkt 3.). Das viele Geld sowie die enorme Anpassungsfähigkeit der Mafia[16] sind Gründe dafür, dass trotz einiger erfolgreicher Polizeiaktionen der Vergangenheit – etwa die spektakuläre „Operation Perseus“ im Dezember 2008, bei der fast 100 Mitglieder der Cosa Nostra verhaftet wurden[17] – es bis heute keine glaubwürdige Meldung darüber gibt, dass es gelungen sei, eine Mafia zu vernichten.

[...]


[1] Korrekt müsste man an dieser Stelle im Plural schreiben, es gibt nicht die italienische Mafia, sondern gleich vier Stück, diese Problematik wird im Kapitel „Definition: Mafia“ näher beleuchtet.

[2] Siehe hierzu: Dickie, John, Cosa Nostra. Die Geschichte der Mafia, Aus dem Englischen von Sebastian Vogel, Erweiterte Ausgabe, Frankfurt am Main Oktober 2007.

[3] Pentito: wörtlich »Reuiger«, im strafrechtlichen Sinne ein Straftäter, der dem Verbrechen abgeschworen hat und nun mit den Behörden zusammenarbeitet.

[4] Siehe hierzu: Ulrich, Andreas, Das Engelsgesicht. Die Geschichte eines Mafia-Killers aus Deutschland, 2. Auflage, München 2007

[5] Gangemi, Giuseppe, Regieren und Zivilgesellschaft in Zeiten der Regierung Berlusconi.

Die offene Frage von Wertorientierung, Tugend und Moral in der italienischen Politik, S. 44, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 35-36/2004), S. 39-46.

[6] Der explizite Hinweis auf Italien ist deswegen so wichtig, weil in Deutschland nicht nur italienische Ableger/ Varianten einer Mafia operieren. Mehr dazu am Ende dieses Kapitels.

[7] Mit Blick auf die eingangs genannten Spielarten von Mafia tritt hier ein ganz offensichtlicher und grundlegender Unterschied zu Tage.

[8] Huber-Staub, Daniel, Die Mafia in Italien, auf: http://www.20min.ch/interaktiv/mafia/film.html, Stand: 16.04.2009.

[9] Vgl. Dickie, Kapitel: Die Entstehung der Mafia: 1860-1878, S. 47-96.

[10] Arlacchi, Pino, Mafia von innen. Das Leben des Don Antonino Calderone, aus dem Italienischen von Werner Raith, Frankfurt am Main 1993, S. 68-72.

[11] Ebenda: S. 33-36.

[12] Ebenda: S. 126-132.

[13] Ulrich, S. 249.

[14] Ebenda: S. 251.

[15] Ebenda: S. 217f.

[16] Eindrucksvoll nachzulesen bei Dickie in den Kapiteln: „Sozialismus, Faschismus, Mafia: 1893-1943“, „Krieg und Wiedergeburt: 1943-1950“, „Gott, Beton, Heroin und Cosa Nostra: 1950-1963“.

[17] Mustroph, Tom, Die Reihen stark gelichtet, auf: http://www.freitag.de/2008/52/08520301.php, Stand:14.03.09.

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640975778
ISBN (Buch)
9783640975891
DOI
10.3239/9783640975778
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176372
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Schlagworte
mafia deutschland krake wandel schläger investor

Autor

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Titel: Mafia in Deutschland