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Fehler bei der Erstellung des Risiko- und Prognoseberichts

Bestandsaufnahme und Analyse anhand beispielhafter Veröffentlichungen nach § 37q Abs. 2 Satz 1 WpHG

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 26 Seiten

BWL - Revision, Prüfungswesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

A) Problemstellung

B) Risiko- und Prognoseberichterstattung deutscher Unternehmen
1. Einordnung der Risiko- und Prognoseberichterstattung
2. Historie der Risiko- und Prognoseberichterstattung
3. Zusammenhang der Risiko- und Prognoseberichterstattung

C) Risiko- und Prognoseberichterstattung gemäß DRS 5 und DRS 15
1. Definitionen und Grundsätze
2. Chancen- und Risikoberichterstattung nach DRS 5
3. Prognoseberichterstattung nach DRS 15

D) Fehlerbekanntmachungen der DPR hinsichtlich der Prognose- und Risikoberichterstattung
1. Die Fehlerfeststellungen der DPR
2. Die Fehlerfeststellungen in der Risikoberichterstattung
2.1 MISTRAL Media AG
2.2 Sky Deutschland AG
3. Die Fehlerfeststellungen in der Prognoseberichterstattung
3.1 Merck KGaA
3.2 Dom-Brauerei AG

E) Thesenförmige Zusammenfassung

Anhang – Veröffentlichte Fehlermeldungen

Anhang – Fehlerfeststellungen nach Fehlerarten (DPR Prüfung 2010)

Rechtsquellenverzeichnis

Rechtsprechungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Geschäftsberichte

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A) Problemstellung

Dem Risiko- und Prognosebericht kommt eine herausragende Bedeutung inner- halb des Geschäftsberichts zu. Beide sind Bestandteile des Lageberichtes und ent- halten im Gegensatz zum Jahresabschluss zukunftsorientierte Informationen. Die Lageberichterstattung ist für das Jahr 2011 ein Prüfungsschwerpunkt der Deut- schen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) und gewinnt dadurch zusätzlich an Relevanz.1 Es handelt sich um ein subjektives Bewertungs- und Erwartungsbild der Unternehmensführung. Aufgrund dieser besonderen Charakteristik haben die Informationen der Risiko- und Prognoseberichterstattung für Analysten, Anteils- eigner und Stakeholder einen besonderen Wert. Da sich die Informationen auf die Zukunft beziehen, ist ihre Verlässlichkeit kritisch zu hinterfragen. Um entschei- dungsnützliche Informationen zu generieren, sind die Berichtsteile einerseits im individuellen unternehmensspezifischen Kontext zu erstellen, andererseits muss ein allgemein gültiges Regelungssystem bestehen. Zusätzlich ist eine ausreichen- de Sicherheit gegen einen hinreichenden Prognosehorizont abzuwägen. Aus die- sem Spannungsverhältnis resultieren wesentliche Probleme. Ziel dieser Arbeit ist es, dass vorhandene Regelwerk des Risiko- und Prognoseberichts zu erläutern, sowie deren Umsetzung in der Praxis kritisch zu hinterfragen und anhand exemp- larischer Fehlerveröffentlichungen zu analysieren.

B) Risiko- und Prognoseberichterstattung deutscher Unter- nehmen

1. Einordnung der Risiko- und Prognoseberichterstattung

Der Lagebericht ist neben dem Jahresabschluss ein eigenständiges Rechnungsle- gungsinstrument. Es besteht trotz formaler Trennung eine inhaltliche Abhängig- keit. Er ergänzt und verdichtet die Informationen des Jahresabschlusses mit dem Ziel, dem Adressaten eine Gesamtbeurteilung der Unternehmung zu ermögli- chen.2 In Deutschland ergibt sich die Aufstellungspflicht des Lageberichtes für den Einzelabschluss mittelgroßer- und großer Kapitalgesellschaften3, sowie diesen gleichgestellten Unternehmen aus §§ 264 Abs. 1, 264a Abs. 1 HGB. Außerdem besteht die Aufstellungspflicht gem. § 290 Abs. 1 HGB für alle Kapitalgesell- schaften mit Sitz im Inland, die mittelbar oder unmittelbar herrschenden Einfluss auf andere Unternehmen ausüben können (Konzernlagebericht).4 Kapitalmarkt orientierte Unternehmen sind im Grundsatz ab dem Geschäftsjahr 2005 verpflich- tet, einen Konzernabschluss gemäß den IFRS-Regelungen zu erstellen.5 Das IFRS-Regelwerk sieht dabei keine Veröffentlichungspflicht eines Lageberichtes vor. Deutsche kapitalmarktorientierte Unternehmen und freiwillige IFRS- Anwender sind verpflichtet, einen Lagebericht nach den nationalen Vorschriften aufzustellen.6 Der grundsätzliche Inhalt des Lageberichtes ist in den §§ 289, 315 HGB dargestellt.7 Die genaueren Anforderungen an die Chancen- und Risikobe- richterstattung (im folgenden Risikobericht) und den Prognosebericht ergeben sich nicht aus dem HGB, sondern durch die Deutschen Rechnungslegung Stan- dards (DRS).8 Insbesondere DRS 15 und DRS 5 präzisieren die Anforderungen.9 Die von der privaten Organisation Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) entwickelten DRS sind nicht unmittelbar geltendes deutsches Recht, werden aber im Rahmen des § 342 HGB legitimiert. Aufgrund des Vor- rangs des HGB müssen sich die DRS-Regelungen innerhalb des HGB Rahmens bewegen.10 Die Anwendung der DRS ist für Mutterunternehmen verpflichtend und wird vom DRSC auf Einzelabschlussebene empfohlen.11

2. Historie der Risiko- und Prognoseberichterstattung

Die Lageberichterstattung hat in Deutschland eine lange Tradition. In den letzten Jahren ist eine stetige Weiterentwicklung zu erkennen.12 Ein wesentlicher Ent- wicklungsschritt war das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz (KonTraG) im Jahr 1998. Hierdurch wurde die Pflicht der Berichterstattung über künftige Risi- ken eingeführt (Risikobericht), woraufhin im April 2001 die Risikoberichterstatung in den DRS 5 konkretisiert wurden.13 Im Rahmen des Bi- lanzreformgesetzes (BilReG) vom Dezember 2004 fand eine deutliche Ausdeh- nung der Berichtspflicht statt. In §§ 289, 315 HGB wird seitdem verlangt, die vo- raussichtliche Entwicklung mit ihren wesentlichen Chancen und Risiken zu beur- teilen und zu erläutern. Dadurch wurde der Bericht um den Chancenaspekt erwei- tert. Zusätzlich wurden höhere inhaltliche Anforderungen durch den Wortlaut „beurteilen und erläutern“ gestellt.14 Im Rahmen des Bilanzmodernisierungsgeset- zes (BilMoG) sind die Berichtspflichten hinsichtlich des Risiko- und Kontrollsys- tems erweitert und um eine Erklärung der Unternehmensfortführung ergänzt wor- den. Desweitern ist eine Anpassung der DRS 5 in 2001 und DRS 15 in 2005 er- folgt.15 Auf internationaler Ebene hat das IASB im Rahmen des Management Commentary-Projekt eine Leitlinie für die IFRS-Lageberichterstattung entwickelt. Diese befindet sich seit dem 08. Dezember 2010 im Practice Statement16 und stellt eine unverbindliche Leitlinie da.17

3. Zusammenhang der Risiko- und Prognoseberichterstattung

Der Risiko- und Prognosebericht ist seit dem BilReG gemeinsam in § 315 Abs. 1 Satz 5 HGB normiert. Bis zur Neureglung des DRS 15.91 war der Risiko- und Prognosebericht voneinander zu trennen, um eine trennscharfe Berichterstattung zu gewährleisten. Diese Trennungspflicht wurde nach den neusten Änderungen, in ein Wahlrecht umgewandelt. Dadurch ist die Berichterstattung grundsätzlich in einem integrierten Prognose- und Risikobericht oder in zwei separaten Berichts- teilen möglich.18 Alle DAX-Konzerne trennten im Jahr 2005 die Risikoberichter- stattung von der Prognoseberichterstattung.19 Im Folgenden werden beide Berich- te getrennt voneinander betrachtet, um einen strukturierteren Analysegang zu ge- währleisten.

C) Risiko- und Prognoseberichterstattung gemäß DRS 5 und DRS 15

1. Definitionen und Grundsätze

Die DRS sind ein allgemein gültiges Regelwerk. Aus diesem Grund sind abstrakte Standards notwendig. Um die dadurch auftretenden Anwendungsspielräume in der stark differenzierten Unternehmenslandschaft zu konkretisieren, sind in DRS 15.9-35 fünf Grundsätze verankert, nach denen ein Lagebericht zu erstellen ist (GoL).20 In der Literatur gibt es verschiedene Ausgestaltungen der GoL.21 Im Fol- genden werden die in DRS 15 genannten Grundsätze knapp dargestellt.

Der Lagebericht ist eindeutig vom Konzernabschluss zu trennen und hat in einer geschlossenen Darstellung zu erfolgen (Klarheit und Übersichtlichkeit – DRS 15.20). Es sind sämtliche Informationen zu vermittelt, die eine Beurteilung der voraussichtlichen Entwicklung unter Beachtung der wesentlichen Chancen und Risiken ermöglicht (Vollständigkeit – DRS 15.9-10). Ziel ist es, dem Adressaten die Sicht der Unternehmensleitung darzulegen und von deren Einschätzungen und Beurteilungen zu profitieren (Vermittlung aus Sicht der Unternehmensleitung 22 – DRS 15.28). Dabei ist zwischen Tatsachen und Meinungen zu differenzieren. Die dargestellten Informationen müssen zutreffend und nachvollziehbar sein (Verläss- lichkeit – DRS 15.14). Außerdem sind die zum Berichtszeitpunkt bekannten Er- eignisse, Entscheidungen und Faktoren anzugeben, die einen wesentlichen Ein- fluss auf die zukünftige Entwicklung haben (Konzentration auf die nachhaltige Wertschaffung – DRS 15.30).23 Im Vergleich zu den allgemeinen Berichterstat- tungsgrundsätzen24 ist eine Erweiterung der Grundsätze um die „ Vermittlung aus der Sicht der Unternehmensleitung “ und die „ Konzentration auf die nachhaltige Wertschaffung“ festzustellen.

[...]


1 Vgl. DPR (2010).

2 Vgl. Baetge / Kirsch/Thiele (2011), S. 726.

3 Vgl. § 267 Abs. 2, 3 HGB.

4 Vgl. Baetge / Kirsch/Thiele (2011), S. 726. Weitere Aufstellungspflichten zum Lagebericht ergeben sich aus dem PubG und weiteren Einzelnormen.

5 Vgl. Art. 4 IAS i.V.m § 315a Abs. 1 HGB. Wahlrecht für andere Unternehmen gem. § 315a Abs. 3.

6 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze (2009), S. 945. Vgl. IAS 1.9.

7 Vgl. Baetge / Kirsch/Thiele (2011), S. 725.

8 Vgl. Kajüter/Esser (2007), S. 382.

9 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze (2009), S. 940.

10 Vgl. Förschle (2010), S. 2413-2421.

11 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze (2009), S. 930.

12 Vgl. Selch (2000), S. 357-367.

13 Vgl. Barenhoff (2009), S. 40-42.Vgl. Selch (2000), S. 361 f.

14 Vgl. Barenhoff (2009), S. 21-32. Vgl. Kirsch/Scheele (2005), S. 1149-1154.

15 Vgl. Strieder (2009), S. 1002-1006. Vgl. Withus (2009), S. 440 f.

16 Vgl. IASB, Management Commentary (2011).

17 Vgl. Kajüter/Bachert /Blaesing/Kleinmanns (2010), S. 458 f.

18 Vgl. Baetge/Hippel/Sommerhoff (2011), S. 366. Vgl. Kirsch/Scheele (2005), S. 1151-1154.

19 Vgl. Quick/Reus (2009), S. 27.

20 Vgl. Baetge/Hippel/Sommerhoff (2011), S. 366.

21 Beispielhaft: Vgl. Baetge / Kirsch/Thiele (2011), S. 728-732. Vgl. Ellrott (2010), S. 1399- 1401.Vgl.Coenenberg/Haller/Schultze (2009), S. 931-933. Vgl. Baetge/Fischer/Paskert (1989), S.16-27 zeigt die Entwicklung der GoBa. Früher war das Vorsichtsprinzip der zentrale Grundsatz.

22 Kritik am Grundsatz „Vermittlung aus Sicht der Unternehmensleitung“ da u.U. selektive, statt kommentierte Berichterstattung daraus folgen könnte. Vgl. Baetge / Kirsch/Thiele (2011), S. 731.

23 Vgl. Marten/Quick/Ruhnke (2007), S. 591 f.

24 Vgl. Baetge / Kirsch/Thiele, (2011) S. 728-732. Vgl. Baetge/Fischer/Paskert (1989), S 6 f.

Details

Seiten
26
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640976584
ISBN (Buch)
9783640976409
Dateigröße
764 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176386
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
DRS 15 DRS 5

Autor

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