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Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung
1.2. Quellenlage und Forschungsstand

2. Friedrichs Weg zum Feldherrn
2.1. Muse oder Soldat?
2.2. Staatsmann und Feldherr

3. Zwei Schlesische Kriege
3.1. Schlesien als Wurzel allen Übels?
3.2. Endlich militärischer Ruhm
3.3. Hohenfriedberg

4. Friedrich der Große und sein Nachwirken

5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Betrachtung der Arbeit Friedrich II. als Feldherr

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung

„So hängt oft an Kleinigkeiten des Schicksal ganzer Staaten und der Ruhm der Feldherren! Ein einziger Augenblick unterscheidet über das Glück. Aber man muß eingestehen, daß der Staat keine Gefahr laufen konnte, wenn man die Tapferkeit der Schaaren, die bei Friedberg fochten, ansieht. Kein Korps derselben ward zum Weichen gebracht, von 64 Bataillonen waren nur 27 im Feuer, und trugen den Sieg davon. Die Welt ruht nicht sicherer auf den Schultern des Atlas, als Preußen auf einer solchen Armee.“[1]

In der Arbeit mit dem Thema „Friedrich II. als Feldherr“ soll die Entwicklung Friedrichs als militärischer Führer, während der ersten beiden Schlesischen Kriege, dargestellt werden. Dabei wird vor allem die Sonderrolle Friedrichs zu untersuchen sein, die er im 18. Jahrhundert unter den Regenten einnahm. Als Regent und Feldherr, wie er den meisten Menschen bekannt ist, hat Friedrich sich in die Reihe der Großen der Geschichte eingereiht. Dabei wird oft übersehen, dass Friedrich eine sehr vielschichtige Persönlichkeit war, die auf der einen Seite Feldherr war, auf der anderen Seite aufgeklärter Monarch, der sich in seinem Antimachiavell zum Gesellschaftsvertrag bekannte und sich selber als „Ersten Diener“ seines Staates betrachtete. Friedrich, der musischen Neigungen nachhing und sich gern mit Philosophen umgab musste erst zum Feldherren erzogen werden. Für ihn, auch wenn es immer wieder anders gesehen wird, war der Krieg nicht der Selbstzweck seines Seins, sondern der Schutz seines Staates. Trotzdem verfiel Friedrich auch dem Reiz sich durch Schlachten und Gebietsgewinne in Ruhm baden zu können. Vor allem seine untypische Art der Kriegsführung verschaffte ihm sehr oft den nötigen Vorteil, um eine Schlacht zu gewinnen. Vergessen werden darf aber nicht, dass Friedrich sich seinen militärischen Ruhm erst erarbeiten musste und vor allem im Ersten Schlesischen Krieg auf seine Generale angewiesen war.

Mit der Schlacht bei Hohenfriedberg und Soor im Zweiten Schlesischen Krieg konnte er dann sein ganzes militärisches Können unter Beweis stellen und seine Machtansprüche auf Schlesien und einen Rang Preußens unter den Großen Europas sichern. Bei den Siegesfeiern nach dem Frieden von Dresden wurde Friedrich mit dem Beiname „der Große“ durch sein Volk geehrt. Die Diskussion über seine Größe als Regent und Feldherr beschäftigte viele seiner Zeitgenossen genauso wie Generationen danach. Friedrich war ein König an dem sich viele Meinungen schieden und auch heute noch scheiden. Die einen sahen ihn als großen Feldherren, den Erbauer des großen Preußens und die Personifizierung des deutschen Patriotismus, während andere in ihm den Zerstörer des Reiches sahen, da er durch seine Kriege mit Österreich, nur um seinen Machthunger zu stillen, das Reich gespalten und so zu dessen Untergang geführt hatte. Eine Betrachtung Friedrichs muss immer mit der nötigen Distanz erfolgen. Vor allem durch den Missbrauch im Dritten Reich ist die Person in ein sehr negatives Licht gerückt worden. In den über zweihundert Jahren seit Friedrichs Tod ist er immer wieder von Politikern, Herrschern, Philosophen und Historikern heran gezogen worden, um den Weg der deutschen Geschichte zu erklären.

So soll diese Arbeit versuchen von den vielen Bildern die es von Friedrich gibt, das Bild des Feldherren Friedrich II. zu hinterleuchten und ein differenziertes Bild erstellen, das Friedrich als vielschichtigen Menschen zeigt.

1.2. Quellenlage und Forschungsstand

Als Basis für dieses Werk und die Thematik Friedrich II. als Feldherr haben sich die Werke von Johannes Kunisch[2] bewert. Vor allem sein sehr aktuelles Buch „Friedrich der Große, Der König und seine Zeit“ gibt einen guten Überblick über den militärischen Werdegang Friedrichs. Besonders wichtig ist dabei die in Bezugsetzung Friedrichs zu den militärischen Möglichkeiten und anderen Regenten seiner Zeit. Es gibt außerdem eine gute Übersicht über den Forschungsstand und die einschlägigen Quellen, sowie Literatur.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind die Untersuchungen Ullrich Marwitz[3] zu Friedrich als Feldherr und dessen Auseinandersetzung mit den Schlachten Friedrichs. Aufgrund der Fülle an Werken, die es zu Friedrich gibt und die verschiedenen Intentionen, die mit diesen Schriften verfolgt wurden, ob zu Zeiten der Befreiungskriege, der Reichseinigung oder im Dritten Reich, sind die Werke und Briefe[4] Friedrichs sehr aufschlussreich darüber, wie Friedrich sich selber und seine Rolle in der Geschichte Preußens und Europa sah. Sie sind wichtig wenn es darum geht zu untersuchen, ob Friedrich sich selbst als „den Großen“, den Feldherren, Regenten und Philosophen betrachtete.

Bei der Auseinandersetzung mit der Thematik, ob Friedrich wirklich zu den Großen zählte und woher dieser Beiname kam und warum er sich durchgesetzt hat, haben sich die Werke von Theodor Schieder[5] und Hans Dollinger[6] als Standbeine für diese Problematik herausgestellt.

2. Friedrichs Weg zum Feldherrn

2.1. Muse oder Soldat?

Die ersten Assoziationen, die immer wieder zu Friedrich dem Großen auftauchen, sind die Darstellungen als Feldherr, der als auf Expansionen fixierter, ständig die Konfrontation suchender Herrscher erscheint. Dieses Bildnis wird noch dadurch verstärkt, dass Carl von Clausewitz[7] Friedrich immer wieder als großen Feldherren neben Karl XII. von Schweden, Napoleon Bonaparte, Gustav Adolf und Alexander den Großen in Erscheinung treten lässt.

Dabei wird oft übersehen, dass dies nur eine sehr einseitige Darstellung Friedrichs ist und er den Krieg nicht als Selbstzweck betrachtete und ihm dieser Anfangs sogar wesensfremd war.[8]

Zwar sollte nach den Instruktionen des Vaters, König Friedrich Wilhelm I., Friedrich zu einem guten Christ, Wirt und Soldaten erzogen werden, jedoch prägten in den Anfangsjahren vor allem seine Mutter Sophie Dorothea und die ältere Schwester Wilhelmine seine musischen Neigungen. Die Vernachlässigung der militärischen Ausbildung und Pflichten, sowie das für damalige Verhältnisse vernichtende Urteil des österreichischen Gesandten Seckendorfs: „Er war Musiker, Moralist, Physiker, Mechaniker. Er wird niemals General oder Feldherr werden.“, forderte Gegenmaßnahmen des Königs heraus.[9]

Die misslungene Flucht, die Hinrichtung des Freundes Hans Hermann v. Katte und die Festungshaft in Küstrin von 1730 – 1732 brachten die Wende im Leben Friedrichs. Nach seiner Entlassung übernahm er für 4½ Jahre als Obrist das Infanterie-Regiment v.d. Goltz und verfasste die Instruktionen für die Ausbildung seiner Offiziere. Dabei erlangte er vor allem Erfahrungen in den Bereichen der Verwaltung, Verhandlungen, Truppenaushebungen, Disziplin, Märsche und des Verpflegungswesens. Seine Feuertaufe empfing er 1734 unter Prinz Eugen, dem damals berühmtesten Feldherren Europas. Ein Jahr später zum Generalmajor befördert konnte er seine geweckten militärischen Ambitionen nicht weiter ausprobieren. Sein neues Aufgabenfeld waren die militär- und geisteswissenschaftlichen Studien, in denen er sich mit Caesars Gallischen Krieg und Bürgerkrieg, sowie mit den zeitgenössischen Darstellungen der Feldzüge König Karls XII. von Schweden befasste. Wirklich systematisch analysieren konnte Friedrich diese Werke jedoch erst nach seinen eigenen Kriegserfahrungen.[10]

Trotzdem verfasste Friedrich schon 1739 seinen „Antimachiavell“[11], in dem er seine Gedanken über Fürst und Staat niederschrieb und sich zur Lehre des Gesellschaftsvertrages bekannte und daraus die Pflicht des Regenten ableitete, für die Wohlfahrt seines Volkes zu sorgen.[12]

Trotzdem bejahte Friedrich die uneingeschränkte, militärisch abgesicherte monarchische Gewalt. Gleichzeitig vertrat Friedrich eine Haltung zur Führerschaft des Heeres, die ihn zu seiner Zeit unter den Regenten außergewöhnlich machte. So war es für ihn oberste Pflicht des Landesherren, die Führung seiner Truppen auf sich zu nehmen und der Erste in seinem Heer zu sein. Denn die Landesverteidigung durfte keinem anderen obliegen, als ihm selbst. Mit der direkten Anteilnahme als oberster Befehlshaber bei seinem Heer beseitigte er nicht nur alle Konkurrenz unter seinen Generalen, sondern stärkte damit auch noch den Kampfeswillen seiner untergebenen Soldaten. Der weit aus wichtigste Punkt war aber, dass durch eine persönliche Anwesenheit beim Heer Befehle und Reaktionen sofort erfolgen konnten, und damit eine Unmittelbarkeit gegeben war, die das preußische Heer in die Lage versetzte, im Gegensatz zu anderen Heeren, im Sinne des Regenten sofort handeln zu können.[13]

Mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte am 31. Mai 1740[14], wurde Friedrich zum König und somit zum „Ersten Diener“ seines Staates. Die einstigen musischen Interessen wurden verdrängt durch Staatsgeschäfte und den bevorstehenden Krieg mit Österreich. Trotzdem fand der König immer wieder Zeit für Musik und komponierte 121 Flötensonaten.[15]

2.2. Staatsmann und Feldherr

Sofort nachdem Friedrich König geworden war, beanspruchte er die volle Amtsautorität des Herrschers und vereinte Politik und Kriegsführung in seiner Person. So duldete er nicht wie sein Vater, eine wie von Feldmarschall Fürst Leopold von Anhalt angestrebte militärische Nebenregierung.[16] Für Friedrich war klar, dass ein Fürst, der die Voraussetzungen dafür hatte, nicht nur formeller Führer seiner Truppen war, sondern auch auf dem Schlachtfeld seine Truppen zu führen hatte. Er gestand aber auch ein, dass es Fürsten gab, die, nicht wie er, zum Heerführer geboren waren. Diese sollten sich in diesem Fall von fähigen Generalen beraten und nicht von einem Ministerrat fern der Armee bevormunden lassen.[17]

Der König wurde selbst aber auch von militärischen Beratern, wie Generaladjutant Hans Karl von Winterfeldt, beeinflusst. Obwohl Friedrich die Befehlsgewalt für sich beanspruchte, war es aufgrund der Zersplitterung Preußens bei der Anzahl an Gegnern und den damit verschiedenen gebildeten Fronten unerlässlich die Befehlsgewalt auf andere Generale zu übertragen und sie im Namen Friedrichs, wie im Beispiel des Generalfeldmarschall Hans von Lehwaldt, handeln zu lassen.[18] In Österreich hingegen waren neben der Kaiserin, die sich ein unmittelbares Weisungsrecht vorbehalten hatte, das Directorium in puplicis et cameralibus und die Hofkammer[19] an der Beschlussfassung und Durchführung der zu ergreifenden Maßnahmen beteiligt. Diese komplizierte Organisationsstruktur machte die Vorbereitung und Durchführung von Feldzügen immer wieder schwierig und langwierig. Wohingegen Friedrich aufgrund seiner übersichtlichen und strafferen Behördenorganisation, die auf die Bedürfnisse der Armee ausgerichtet waren, im Vorteil war.[20]

Da militärische Mittel nicht unerschöpflich waren, gab Friedrich der Diplomatie Vorrang vor dem Krieg als politisches Mittel. Daher verlangte er von seinen Feldherren politisches Urteilsvermögen, dass sie die Absicht der Fürsten, die Kräfte der Staaten und ihre Bündnisse kannten und deuten konnten.[21]

Ein weiterer wichtiger Punkt war die absolute Disziplin. Um die Angriffswucht der Kavallerie und die Feuerkraft der Infanterie und Artillerie voll zur Entfaltung bringen zu können, bedarf es einer aufeinander abgestimmten Koordination, welche durch fähige Kommandeure, die in einer hierarchischen Kontroll- und Befehlsstruktur unverzüglich Befehle ausführten und die Disziplin der Truppe, sichergestellt wurde. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, das ein Heer auch während des Gefechtes einem einzigen Willen gehorchte. Die Lineartaktik war das taktische Ordnungsprinzip der damaligen Kriegsführung. Sie erforderte große Genauigkeit und viel Zeit beim Einnehmen dieser Formation. Eine Abwandlung dazu war die schiefe Schlachtordnung, in der nicht wie bei der linearen Schlachtordnung ein frontales Aufeinanderprallen der Armeen stattfand, sondern versucht wurde den Gegner zu umgehen und umfassen.

Aufgrund der völligen Schematisierung aller Bewegungen büßten die Heere an Durchschlagskraft und Beweglichkeit ein, wodurch das Überraschungsmoment, durch den kühnen und energischen Zugriff eines überragenden Feldherrn hervorgerufen, zum schlachtentscheidenden Faktor wurde.[22]

Die preußische Armee wurde aufgrund ihres ständigen Exerzierens anfangs noch von den anderen europäischen Mächten belächelt. Nach den ersten Erfolgen Friedrichs, gingen diese jedoch dazu über, das preußische System zu kopieren. Da es der Ausbildung, des jahrelangen Exerzierens, bedurfte, um die Truppen zu einer exakten Manövrierfähigkeit zu erziehen, und der Verlust von Soldaten in einer Schlacht somit sehr schwer wog, wurde der Entschluss zu einer Schlacht, bzw. Offensivaktion nur nach Ausschöpfung aller Möglichkeiten gefasst. Daher war die gängige Einstellung in der Kriegsführung des Absolutismus die Defensive. Die so genannte „Manöverstrategie“ definierte sich durch ein lauernd abwartendes Kalkül, was die Schonung der eigenen Truppen beinhaltete aber gleichzeitig den Gegner möglichst Verluste beizufügen. Somit wurde aufgrund der Magazinversorgung die Verteidigung dringlicher als der Angriff und das Schutzbieten leichter als das Erobern. Die Aufrechterhaltung des Nachschub- und Versorgungswesens und die Priorität begrenzte taktische Ziele zu erreichen, anstelle von kriegsentscheidenden Feldschlachten zu schlagen, führten zu einer eingeschränkten Freisetzung kriegerischer Energien.[23]

Da Friedrich Souverän und Feldherr in einer Person war, war ihm auch immer die politische Tragweite seiner Entscheidungen und die Schwächen und Grenzen seiner Machtposition bewusst. Vor allem die begrenzten Ressourcen die ihm zur Verfügung standen, veranlassten ihn dazu, entgegen den damaligen strategischen Anschauungen, eine schnelle Entscheidung zu suchen, da er wusste, dass die preußischen Ressourcen nicht reichten, um seine Gegner zu Ermatten, noch nieder zuwerfen. Deswegen hoffte er die Gegner durch große Schlachten so einzuschüchtern, dass sie von ihren Kriegszielen abließen und in einen Frieden Status quo ante einwilligten. Durch seine „zupackende Entschlossenheit“ gelang es ihm, durch Offensivaktionen in den ersten Feldzügen, seine Gegner einzuschüchtern. Friedrich erschloss sich Grundsätze in der Kriegsführung, die neu, kühn und über den Gesichtskreis seiner Vorgänger hinweg ging.

Sein Hinwegsetzen über die damaligen Kriegslehren brachten ihm aber auch Niederlagen ein, wie die Schlacht bei Kunersdorf zeigte.[24] Der Nimbus Friedrichs und dessen einschüchternde Bedrohlichkeit, erworben „durch die permanente Anspannung aller verfügbaren Kräfte und die Unerbittlichkeit seines Überlebenswillens“[25] hatte dazu geführt, dass die meisten seiner Gegner „in Gegenwart eines großen Mannes furchtsam und misstrauisch gegen ihre eigenen Kräfte und unentschlossen waren“ und so den Verteidigungskrieg dem Angriffskrieg vorzogen.[26] Dadurch gelang es Friedrich sich der Vernichtung nach Niederlagen zu entziehen. Der Respekt der Gegner einem König als Heerführer gegenüber, darf dabei nicht unterschätzt werden. Und seine oft unerwarteten, allen Schulmeinungen zuwiderlaufenden Handlungen, hatten schließlich dazu geführt, dass auch bei einem greifbaren Erfolg der Gegner in lähmende Unentschlossenheit versetzt wurde[27]

3. Zwei Schlesische Kriege

3.1. Schlesien als Wurzel allen Übels?

Von entscheidender Bedeutung, in der Frage nach dem Rang Friedrichs des Großen als Feldherrn, war die Eroberung Schlesiens im Jahr 1740. Dieser Feldzug sollte den Charakter der preußischen Kriegsführung und die zukünftigen militärischen Aufgabenfelder Friedrichs zwangsläufig prägen. Die Arrondierung des weit verstreuten preußischen Territorialbesitzes lag auch schon vor Friedrich II. im Interesse der brandenburgisch-preußischen Herrscher. Mit der Annexion Schlesiens stellte sich Friedrich jedoch vor die Aufgabe, der ständigen Wachsamkeit und der Nutzung aller dem Staate verfügbaren Ressourcen, um der Bedrohung der Revisionsbestrebungen Österreichs entgegen wirken zu können. So schrieb Friedrich in seinem „Politischen Testament“, „dass Österreich Schlesien nie vergessen hat und Maria Theresia, sobald ihr innerer Staatshaushalt geordnet wäre, ihre Armee wieder hergestellt und ihre politische Lage gesichert sei, zum Angriff schreite, um Schlesien zurück zu erobern.“[28]

Die Bündnispolitik Österreichs, in der Maria Theresia versuchte Preußen zu isolieren, und der Krieg von 1756 zeigten, dass Friedrich recht behalten sollte. Denn Schlesien war nicht nur eines der in Handel und Gewerbe am weitesten entwickelten Kronländer des Kaiserhauses, sondern hatte auch eine geopolitische und strategische Schlüsselposition inne. So war es Verbindungsgebiet zwischen den österreichischen Erblanden und der nordöstlichen Reichshälfte, dem Reich und den osteuropäischen Nachbarstaaten und erstreckte sich in die sächsischen und brandenburgischen Landen, was den österreichischen Truppen ermöglichte, Dresden und Berlin in unmittelbarer Nähe zu haben. Mit der Annektierung Schlesiens durch die Preußen wurde diese Situation umgekehrt. Jetzt waren Böhmen, Mähren und die Erblande in der ständigen Bedrohung eines unmittelbaren preußischen Angriffs.[29]

[...]


[1] Friedrich der Große: Werke, Erster Band, S. 194f.

[2] Kunisch, Johannes: Friedrich der Große, Der König und seine Zeit, München 2005. und

Kunisch, Johannes: Fürst – Gesellschaft – Krieg, Studien zur bellizistischen Disposition des absoluten Fürstenstaates, Köln/Weimar/Wien 1992.

[3] Marwitz, Ullrich: Freidrich der Große als Feldherr, in: Friedrich der Große und das Militärwesen seiner Zeit, Herford/Bonn 1987.

[4] Volz, Gustav Berthold(Hrsg.): Die Werke Friedrichs des Großen, Zweiter Band, Geschichte meiner Zeit, Berlin 1912.

Volz, Gustav Berthold(Hrsg.): Die Werke Friedrichs des Großen, Siebenter Band, Antimachiavell und Testatmente, Berlin 1913.

Friedrich II König von Preußen, Geschichte meiner Zeit, Erster Band, Zweiter Theil, Augsburg 1789.

Hein, Max(Hrsg.): Briefe Friedrichs des Großen, Erster Band, Berlin 1914

[5] Schieder, Theodor: Friedrich der Große, Ein Königtum der Widersprüche, Frankfurt am Main/Berlin/Wien 1983.

[6] Dollinger, Hans: Friedrich II. von Preußen, Sein Bild im Wandel von zwei Jahrhunderten, München 1986.

[7] Clausewitz, Carl von: Vom Kriege, Erftstadt 2004.

[8] Kunisch, Johannes: Fürst – Gesellschaft – Krieg, S. 83.

[9] Becker, Heinz: S. 151.

[10] Marwitz, Ullrich: S. 74f.

[11] Der „Antimachiavell“ hatte zur Grundlage eine Auseinandersetzung mit dem 1532 erschienen Buch „Il Principe“ von Niccolò Machiavelli. Marwitz, Ullrich, S.75.

[12] „Ein zufriedenes Volk wird niemals an Aufruhr denken, ein glückliches Volk bangt vor dem Verlust seines Herrschers, der zugleich sein Wohltäter ist, mehr als dieser selbst vor einer Einbuße seiner Macht“, Friedrich der Große: Antimachiavell und Testamente, S. 8.

[13] Friedrich der Große: Antimachiavell und Testamente, S. 49.

[14] Marwitz, Ullrich, S. 76.

[15] Becker, Heinz, S. 152.

[16] Schieder, Theodor, S. 345f.

[17] Friedrich der Große: Antimachiavell und Testamente, S. 50.

[18] Schieder, Theodor, S. 346.

[19] Der Hofkriegsrat, der die eigentliche Zentralbehörde für die Heeresverwaltung war, war dem Directorium in puplicis et cameralibus und der Hofkammer unterstellt, Kunisch, Johannes: Das Mirakel, S. 84.

[20] Kunisch, Johannes: Das Mirakel, S. 84.

[21] Marwitz, Ullrich, S. 77.

[22] Kunisch, Johannes: Fürst – Gesellschaft – Krieg, S. 92ff.

[23] Ebd., S. 94f.

[24] Kunisch, Johannes: Fürst – Gesellschaft – Krieg, S. 99f.

[25] Ebd., S. 103.

[26] von Tempelhoff, Georg Friedrich, S. 170

[27] Kunisch, Johannes: Fürst – Gesellschaft – Krieg, S. 103.

[28] Friedrich der Große: Antimachiavell und Testamente, S. 156.

[29] Kunisch, Johannes: Fürst – Gesellschaft – Krieg, S. 85.

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640976621
ISBN (Buch)
9783640976355
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176402
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
3,00
Schlagworte
Hohenfriedberg Der Alte Dessauer Der Große Schlag Lineartaktik Antimachiavell Manöverstrategie Maria Theresia Schlesischer Krieg schiefe Schlachtordnung „roi connétable“ „Ersten Diener“ seines Staates

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Titel: Friedrich II. als Feldherr