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Spielen im Unterricht

Seminararbeit 2003 24 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Spielen im Unterricht–Sinn oder Unsinn? Eine Einleitung in das Thema

2. Begriffsklärung
2.1 Definition des Begriffs Spiel
2.2 Merkmale des Spiels
2.3 Ist das Spiel wirklich immer zweckfrei?

3. Drei Arten von Spielen:
3.1 Interaktionsspiele
3.2 Simulationsspiele
3.2 Szenisches Spiel und Theater

4. Spielen und Lernen
4.1 Die sozialintegrative Aufgabe des Klassenleiters
4.2 Spielen im Unterricht – Gründe dafür und Vorurteile dagegen
4.5 Warum wird so wenig im Unterricht gespielt?
4.6 Spielen in der Schule- zweckfrei oder verzweckt?
4.7 Spielen im Unterricht - Was muss ich als Lehrer beachten?
4.8 Checkliste zur Vorbereitung von Spielen:
4.9 Neun Tipps für Lehrer, eigene Hemmschwellen zu überwinden

5. Beispiel für Simulationsspiel: das Rollenspiel
5.1 Ziele des Rollenspiels
5.2 Spielanlässe
5.3 Spieltechniken
5.4 Ablaufschema

6. Spielen im Unterricht – abschließende Überlegungen

Literaturangaben

1. Spielen im Unterricht – Sinn oder Unsinn? Eine Einleitung in das Thema

Spielen im Unterricht – eine sinnvolle Unterrichtsmethode zur Förderung aktiver Lernprozesse oder ein Element der vielbelächelten „Kuschelpädagogik“? Diese Frage wird in der aktuellen pädagogischen Debatte – insbesondere nach PISA 2000 und PISA 2003 – häufig gestellt, wenn es um die Entwicklung von Schule und Unterricht geht. Dennoch ist diese Frage nicht neu – bereits zu Zeiten der ersten Reformansätze zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts setzte man sich intensiv mit den Grenzen und Chancen verschiedener Unterrichtsmethoden auseinander, darunter auch mit dem Spiel im Unterricht. Grenzen und Chancen – dass das Spiel im Unterricht als sinnvolle Unterrichtsmethode durchaus seine Grenzen hat, soll im Folgenden ein kurzer Erfahrungsbericht zeigen, der zugleich Anlass für diese Ausarbeitung war. Dass es jedoch auch anders sein kann, dass das Spiel im Unterricht durchaus bei entsprechender didaktischer Aufbereitung geeignet ist, um Lernprozesse anzuregen und zu fördern, soll im Anschluss dargestellt werden.

Spielen im Unterricht – ein negatives Beispiel:

Im Rahmen einer Hospitationsstunde in einer Grundschule beobachtete ich folgenden Unterrichtsablauf:

Die Lehrerin leitete ihre Mathematikstunde mit einem Spiel ein, indem sie einen großen Schaumstoffwürfel zur Verfügung stellte und die Zahl „eins“ an die Tafel schrieb.

Die Kinder sollten nun jeweils würfeln und die gewürfelte Zahl zu der an der Tafel stehenden hinzuaddieren. Würfelte das erste Kind eine fünf, sollte es also eine sechs an die Tafel schreiben und den Würfel weitergeben. Das folgende Kind musste nun wiederum die gewürfelte Zahl zur sechs addieren und so weiter.

Dieses Spiel mag einem auf den ersten Eindruck als durchaus geeignet erscheinen, um die Fähigkeit der Addition der Kinder zu festigen, jedoch gestaltet sich das Ganze als denkbar schwierig, wenn der dazu notwendige Zehnerübergang noch gar nicht eingeführt wurde.

Bereits beim zweiten Würfeln ergab sich die Aufgabe 8+4 und sämtliche Kinder riefen die abwegigsten Zahlen wie 78, 54 oder 26 in die Klasse.

Die Lehrerin wartete geduldig ab, bis sie glaubte, irgendwo eine „zwölf“ vernommen zu haben, und schrieb diese dann unter eindringlichem Lob an die Tafel.

Das ging solange weiter, bis die Kinder begonnen, sich mit dem Würfel gegenseitig zu schlagen; erst dann brach sie das Spiel ab.

Nach einer halben Stunde standen ganze vier Zahlen an der Tafel.

Anlass genug, sich einmal eingehender mit dem Spiel als Unterrichtsmethode zu beschäftigen.

2. Begriffsklärung

2.1 Definition des Begriffs Spiel:

Obwohl es für jeden von uns eigentlich ganz eindeutig erscheint, was spielen ist und wann Menschen spielen im Gegensatz zu essen, trinken, schlafen, arbeiten etc. gibt es bis heute darüber noch keine eindeutige Definition.

Die verschiedenen Wissenschaftler, die sich mit dem Spielen beschäftigt haben, haben nie eine Begriffserklärung geleistet, sondern sich immer nur Teilaspekte des Spielens gestützt, die ihrem Interessengebiet entsprachen.

So betrachteten die Verhaltensforscher und Biologen das menschliche Spiel im Vergleich zum tierischen, die Mathematiker die Spieltheorien als logische Modelle von Entscheidungen, die Soziologen den gesellschaftlichen Zusammenhang von Arbeit, Freizeit und Konsum und die Psychologen gingen empirisch an das Thema heran, untersuchen die psychischen Funktionen, die das Spiel für den Menschen haben kann.

Eine Erforschung der Gesamtproblematik des Spielens mit entsprechender Begriffsklärung gab es bislang jedoch nicht

2.2 Merkmale des Spiels:

Obwohl es keine eindeutige Definition des Spielens gibt, lassen sich einige Merkmale bestimmen, die auf nahezu alle Spielformen zutreffen:

1. Spielen erfordert einen freien Raum, weil es selbst frei von Zwecken ist.
2. Spielen ist in sich zielgerichtet.
3. Spielen findet in einer Scheinwelt statt.
4. Spielabläufe sind mehrdeutig und offen.
5. Spielen schafft eine handelnde Auseinandersetzung mit den Mitspielern oder dem Spielobjekt.
6. Spielen erfordert die Anerkennung von Spielregeln.
7. Im Spielen müssen gleiche Rechte und Gewinn- oder Beteiligungschancen für alle Mitspieler bestehen.
8. Spiele erfüllen sich in der Gegenwart.
9. Spielen macht Spaß.

(vgl. Hilbert Meyer 1994, S. 342)

2.3 Ist das Spiel wirklich immer zweckfrei?

Schon in der Klassik, zum Beispiel von Friedrich Schiller, wurde die Zweckfreiheit des Spiels herausgearbeitet. Demnach hat das Spiel seinen Zweck in sich selbst und ist auch ohne unmittelbaren gesellschaftlichen Nutzen sinnvoll. Doch ist das Spielen wirklich immer zweckfrei?

Heutzutage wird das Spielen immer mehr auch für andere Zwecke ge- und missbraucht. Es dient der Erholung und der Zerstreuung, es wird zu therapeutischen Zwecken genutzt, es wird kommerzialisiert und didaktisiert.

Einer der Gründe für die zunehmende Zweckentfremdung des Spiels ist die immer stärker werdende Trennung von Arbeit und Freizeit. Die Freizeit wird immer wichtiger und somit wird auch das in der Freizeit stattfindende Spiel immer stärker den Strukturen der Arbeitsgesellschaft unterworfen:

- Spielen erhält- ähnlich wie das Urlaubmachen- eine immer stärkere kompensatorische Funktion. Es hilft, fremdbestimmte Arbeit länger zu ertragen.
- Spielen wird immer stärker kommerzialisiert.
- Konkurrenz und Wettkampforientierte Spiele sind auf dem Vormarsch.

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Details

Seiten
24
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638221795
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17662
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Erziehungswissenschaften / Pädagogik
Note
1
Schlagworte
Spielen Unterricht Proseminar Grundformen Unterrichts

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Titel: Spielen im Unterricht