Lade Inhalt...

Ein Dokument der Wahrheit?

Eine Analyse zur Figur des Oskar Schindler und dem Umgang mit historischer Realität in Steven Spielbergs "Schindlers Liste"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 28 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hintergründe zu Steven Spielbergs Produktion
2.1 Motiv und Anspruch des Regisseurs
2.2 Drehorte und Statisten
2.3 Technik und filmische Inszenierung

3. „Schindlers Liste“ - Präsentation der Protagonisten
3.1 Oskar Schindler
3.2 Amon Göth und die SS
3.3 Die „Schindlerjuden“

4. Rezeption und Wirkung des Films in Deutschland
4.1 Die Debatte um die deutsch-deutsche Vergangenheit
4.2 Identifikation und Schuldproblematik
4.3 Historische Bildung zwischen Fakt und Fiktion

5. Schlussteil

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zu Beginn der neunziger Jahre kam ein Dokudrama in die Kinos, das trotz seines ernsten Inhalts in der Öffentlichkeit mit besonderer Begeisterung angenommen wurde. Das Wohlwollen der Kritiker resultierte hierbei jedoch nicht allein aus dem zu dieser Zeit zunehmenden „History-Boom“[1], sondern vor allem aus dem Eindruck des Authentischen, der mit diesem Film allgemein verknüpft wurde. Gemeint ist Steven Spielbergs Produktion „Schindlers Liste“[2], der 1993 erstmals in den USA und mit einjähriger Verzögerung auch in Deutschland ausgestrahlt wurde. Mit insgesamt sieben Oskars und drei Golden Globes wurde Spielbergs Werk in den USA bester Film des Jahres 1993 und in den Medien entsprechend gefeiert[3].

In Deutschland konnten ähnliche Reaktionen beobachtet werden, allerdings wurde der Film hier zusätzlich unter besonderen Voraussetzungen ausgestrahlt. Zu Beginn der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts wurde innerhalb der deutschen Öffentlichkeit intensiv über den Umgang mit dem nationalsozialistischen historischen Erbe diskutiert[4], so dass dem gleichermaßen erfolgreichen wie populären Film zwangsläufig eine besondere Rolle zukommen musste.

Matthias Steinle wies zudem erst kürzlich auf die Bedeutung des Fernsehens bzw. des Dokudramas für das Geschichtsbewusstsein innerhalb der Gesellschaft hin, welches in beträchtlichem Maße durch visuelle Medien geprägt werde[5]. Im Falle des vorliegenden Films kann man sich somit mit Berechtigung fragen welche Wirkung die dramatische Inszenierung von Geschichte bzgl. einzelner Aspekte des Films auf die historische Wahrnehmung der behandelten Zeitperiode ausübt. In Bezug auf Oskar Schindler, der sowohl als Nationalsozialist und Parteimitglied wie auch als Retter seiner jüdischen Arbeiter auftritt, erhält der Film unter den gegebenen zeitgenössischen Voraussetzungen eine besondere Brisanz.

In dieser Arbeit soll die Frage geklärt werden, ob die historische Figur Oskar Schindler in Spielbergs Film „Schindlers Liste“ zum „guten Deutschen“ stilisiert wird, um eine filmische Inszenierung dieser Geschichte zu ermöglichen. Hierbei soll nicht allein die Konstruktion des Films analysiert werden, sondern ebenso der auf diesen folgende öffentliche Diskurs. Ziel ist es letztlich auch festzustellen, welche Auswirkungen sich ggf. aus einer solchen Stilisierung für die historische Wahrnehmung des Nationalsozialismus und des Holocaust ergeben.

Um die Fragestellung angemessen beantworten zu können, wurde folgende Herangehensweise gewählt.

Zunächst werden die Voraussetzungen betrachtet, unter denen die Produktion durchgeführt wurde. Von besonderem Interesse ist hier die Fähigkeit des Films, das Geschichtsbild des Zuschauers zu beeinflussen bzw. von diesem als Quelle für historische Informationen akzeptiert zu werden. Dabei werden vor allem die filmischen Mittel untersucht.

Weiterhin wird der Plot des Films sowie die Konstruktion der filmischen Charaktere analysiert und mit der realen Geschichte um Oskar Schindler verglichen. Eventuell vorhandene oder nicht vorhandene Abweichungen sollten geeignet sein bzgl. der Präsentation des Charakters Schindler Aufschluss zu geben.

Im letzten Teil wird die Debatte in Bezug auf den Film in Deutschland thematisiert. Hierbei werden allerdings nur grob die Standpunkte umrissen, da eine umfassende Darstellung des öffentlichen Diskurses hier kaum möglich, aber auch nicht nötig ist. Im Schlussteil werden die Ergebnisse resümiert und ein Fazit gezogen.

2. Hintergründe zu Steven Spielbergs Produktion

2.1 Motiv und Anspruch des Regisseurs

Regisseur Steven Spielberg veröffentlichte mit „Schindlers Liste“ im Jahr 1994 seine 14. Filmproduktion[6], die er als „das (…) bei weitem größte, und wichtigste Thema“[7] bezeichnete, dass er je bearbeitet habe.

Laut eigenen Angaben existierten zwei Motive für den Produzenten, der bislang eher „leichtere“ Filme wie „Hook“[8] oder „Jurassic Park“[9] gedreht hatte, sich mit einem schwierigen Thema wie dem Holocaust auseinanderzusetzen. Zum einen reizte ihn seine eigene jüdische Herkunft, die er in jungen Jahren stets verleugnet hatte, um sich möglicht gut an sein Umfeld anzupassen[10]. Zum anderen hielt Spielberg die frühen neunziger Jahre für eine günstige Zeit für filmische Themen die sich mit Nationalismus und Rassismus auseinandersetzten[11]. Die zeitgenössischen Umfragewerte innerhalb der U.S.A. zur Thematik der Judenverfolgung ergaben, dass 28 Prozent der Amerikaner mit dem Begriff „Holocaust“ nichts anfangen konnten bzw. angaben, noch nie etwas davon gehört zu haben[12]. Weiteren 20 Prozent war der Holocaust zwar grundsätzlich bekannt, jedoch glaubten sie nicht, dass dieser wirklich stattgefunden habe[13]. Dies zeige, dass aus jener Katastrophe bis heute nichts gelernt worden sei[14]. Steven Spielberg vertrat bzgl. der Produktion die Meinung, auch Hollywood fliehe vor derartigen Themen und somit existierten bislang lediglich einige unbedeutende Dokumentationen, die nicht geeignet seien, die Masse der Menschen zu erreichen[15].

Der Anspruch, den der Regisseur an den Film stellte, war folglich, den Holocaust in Erinnerung zu halten indem er ihn auf authentische Weise einem breiten Publikum präsentierte. Er selbst gab bezüglich der Authentizität des Films an, dass er sich „zum erstenmal [sic!] für die Wahrheit interessiert“ [16] habe. Ziel des Regisseurs war es, die historische Realität des Holocaust in einem Spielfilm darzustellen. Er wollte „die erschütternden Fakten nahe legen“[17]. Hierbei muss beachtet werden, dass die von Spielberg geforderte „Authentizität“ letztlich rasch den ästhetischen Vorgaben des Spielfilms unterliegen kann. Hierauf wird im dritten Kapitel näher eingegangen. Die konkrete Themenwahl fiel auf die Geschichte um Oskar Schindler, da diese Erzählung eine Beschreibung des Holocaust ermögliche, die das Publikum ertragen könne und durch die es nicht durch unaufhörliche Gewalt abgestumpft werde[18]. Der Film basiert zu großen Teilen auf der Romanvorlage Thomas Keneallys aus dem Jahr 1982[19]. Zudem bot diese Geschichte sich an, da sie sich in Krakau ereignet hatte, welches im Krieg nahezu unbeschädigt blieb[20]. Spielberg hatte somit die Möglichkeit, an Originalschauplätzen zu drehen.

2.2 Drehorte und Statisten

Die Nutzung authentischer Schauplätze war für Spielberg zur Produktion des Films von ausgesprochener Wichtigkeit, da zur Schaffung von Authentizität der Anspruch eines Dokumentarfilms erfüllt werden sollte[21]. Er drehte das gesamte filmische Material in Krakau, darunter u. a. in Schindlers alter Fabrik sowie in der Wohnung, in welcher der Unternehmer im Laufe seines Aufenthalts residiert haben soll[22]. Die beiden Gebäude waren in den vergangenen 50 Jahren kaum umgebaut worden[23]. Weitere Drehorte waren das Gebiet des ehemaligen Ghettos und der Marktplatz von Krakau[24].

Das Zwangsarbeiterlager Plaszow wurde anhand der Pläne des ursprünglichen Lagers rekonstruiert, wobei es sich tatsächlich „um die vollständige Anlage“[25] gehandelt habe. Die Szene, in denen die Frauen aus Schindlers Belegschaft nach Auschwitz-Birkenau deportiert werden, wurde tatsächlich dort gedreht, 60 Kilometer von Krakau entfernt[26]. Allerdings gab es hierbei die Einschränkung, dass die Arbeiten aus Gründen der Pietät auf den Bereich unmittelbar außerhalb des Lagers beschränkt wurden.

Die Schauspieler stammten allesamt nicht aus Hollywood. Die Figur des Oskar Schindler wurde durch den Iren Leam Neeson verkörpert[27]. Bei dem größten Teil der übrigen Darsteller handelte es sich um amerikanische Polen oder Juden, die als Schauspieler weitgehend unbekannt waren[28]. Spielberg wollte hierdurch vermeiden dem Publikum eine Assoziation zu anderen Filmen zu bieten. Alles sollte möglichst echt wirken und nicht an die reale Welt oder Hollywood erinnern. Der Zuschauer sollte völlig in der Historie „gefangen“ sein.

Den gewichtigsten Part in diesem Konzept nahm jedoch neben den Originalschauplätzen und der Anonymität der Schausteller die Art und Weise der filmischen Inszenierung ein.

2.3 Technik und filmische Inszenierung

Um dem Anspruch einer dokumentarischen Inszenierung nahe zu kommen, wurde der Film entgegen der gegebenen technischen Möglichkeiten, die bei den meisten Filmen in beträchtlichem Maße auf aufwendige Farbgebung und Spezialeffekte abzielen, in einem harten Schwarzweiß gedreht[29]. Dieses rückt den Film eng an zeitgenössische Aufnahmen, die den Zuschauern aus einschlägigen Dokumentationen bekannt sind und wirkt im Sinne eines historischen Schwarzweiß[30]. Spielberg selbst gab an, er habe die kollektive Erinnerung an den Holocaust nicht zerstören wollen, indem er den Film in Farbe drehte[31]. Der dokumentarische Charakter wird besonders durch den Kontrast zwischen dem Film und der farbigen Schlussszene deutlich, in der die Überlebenden „präsentiert“ werden.

Dieser Effekt wird noch durch verschiedene Komponenten der Authentisierung gestützt. So verwendet der Regisseur Texteinblendungen, die historische Informationen wiedergeben, so z. B. das Datum der Schließung des Ghettos oder Hintergrundinformationen zur Hinrichtung des SS-Offiziers Amon Göth[32]. Letztere ist weiterhin ein Beispiel für die Verwendung nachgestellter Szenen, die ebenfalls dokumentarischen Charakter haben[33].

Auch stark authentisierend wirkt der übermäßige Einsatz der Handkamera, eine für die moderne Filmtechnik ebenfalls unübliche Methode der Produktion[34]. Die Handkamera - in Kombination mit zahlreichen bewusst wackelig und unbeholfen gefilmten Einstellungen - unterstreichen den dokumentarischen Charakter und erzeugt eine Art „Live-Effekt“, der einem realen Mitschnitt des damaligen Geschehens gleichkommt[35]. Johannes-Michael Noack beziffert den Anteil der Handkamera-Szenen am Gesamtfilm mit etwa 40 Prozent, was einen ungewöhnlich hohen Anteil darstellt[36]. Außerdem kommt es zu einer deutlichen Hervorhebung bestimmter Szenen, z. B. der mit Datum versehenen und in aufwühlenden Bildern gedrehten Räumung des Krakauer Ghettos, zugunsten des bewussten Ausblendens oder Unterordnens anderer Szenen, die sich deutlich weniger exakt historisch einordnen lassen[37].

Spielberg versucht mit diesen Mitteln eine „Rhetorik der Nachprüfbarkeit“[38] zu installieren durch welche die vermeintliche Dokumentation unwidersprochen bleiben muss. Manfred Hattendorf beschreibt dieses Prinzip so, dass Authentizität nicht von der objektiven Echtheit eines Ereignisses abhängig sei, sondern ein Ergebnis der filmischen Bearbeitung wäre. Somit sei sie lediglich eine Frage der Glaubwürdigkeit der Produktion[39]. Getreu diesem System stellt Steven Spielberg in Schindlers Liste eine Aura des Dokumentarischen mit filmischen Mitteln her, um für den Zuschauer die Illusion von historischer Realität zu schaffen[40]. Hier fließen die in den ersten beiden Abschnitten behandelten Aspekte mit ein, nämlich die Produktion an Originalschauplätzen sowie die Loslösung vom allgemein bekannten und mit Assoziationen behafteten Hollywood mittels weitgehend unbekannter Schauspieler.

Der beständig fortlaufende und aufmerksamkeit-fordernde Film macht es dem Zuschauer überdies praktisch unmöglich, die gezeigten Inhalte kritisch zu hinterfragen, so dass er das auf der Leinwand Gezeigte i. d. R. schlicht akzeptiert.

Zusammenfassend läst sich zunächst sagen, dass unter dem Aspekt der filmischen Mittel bewusst die Effekte dokumentarischen Materials nachgeahmt werden, um den Spielfilm in den Augen des Zuschauers als historische Realität wirken zu lassen. Die Inszenierung um Oskar Schindler wird somit als authentisch wahrgenommen und weitgehend nicht mehr hinterfragt. Der Zuschauer akzeptiert den Ablauf der Rettung durch Schindler in der Art und Weise, wie der Film sie zeigt, wodurch praktisch ein Archiv kollektiver und historischer Erinnerungen „fabriziert“ wird[41].

[...]


[1] Korte, B. u. a.: Geschichte in populären Medien und Genres: Vom Historischen Roman zum Computerspiel; in: Korte, B. u. a. (Hrsg.): History goes Pop, Zur Repräsentation von Geschichte in populären Medien und Genres, Bielefeld 2009, S. 9.

[2] Schindlers Liste, Regie: Steven Spielberg, Buch: Steven Zaillian, USA 1993.

[3] Stahlecker, M.: Steven Spielbergs „Schindlers Liste“, Eine Filmanalyse, Aachen 1999, S. 4 f.

[4] s. 4.1.

[5] Steinle, M.: Geschichte im Film: Zum Umgang mit den Zeichen der Vergangenheit im Dokudrama der Gegenwart; in: Korte, B. u. a. (Hrsg.): History goes Pop, Zur Repräsentation von Geschichte in populären Medien und Genres, Bielefeld 2009, S. 147.

[6] Bundeszentrale für politische Bildung: Arbeitshilfen für die politische Bildung zum Film Schindlers Liste, Bonn 1995, S. 13.

[7] Jenny, U.: Holocaust mit Happy-End?; in: Weiss, C. (Hrsg.): Der gute Deutsche, Dokumente zur Diskussion um Steven Spielbergs “Schindlers Liste” in Deutschland, St. Ingbert 1995, S. 13.

[8] Bundeszentrale für politische Bildung 1995, S. 13.

[9] Ebd.

[10] Ebd., S. 16.

[11] Jenny 1995, S. 13 f.

[12] Uthmann, J.: Vom Lebemann zum Lebensretter, Premiere im Klima antisemitischer Missgunst: Schindler’s List, Steven Spielbergs neuer Film; in: Weiss, C. (Hrsg.): Der gute Deutsche, Dokumente zur Diskussion um Steven Spielbergs “Schindlers Liste” in Deutschland, St. Ingbert 1995, S. 20.

[13] Ebd.

[14] Bundeszentrale für politische Bildung 1995, S. 14.

[15] Gierig, M.: Abgrund der Erinnerung, Was amerikanisch-jüdische Kritiker an Spielbergs neuem Film Schindler’s Liste bemängeln; in: Weiss, C. (Hrsg.): Der gute Deutsche, Dokumente zur Diskussion um Steven Spielbergs “Schindlers Liste” in Deutschland, St. Ingbert 1995, S. 28.

[16] Bundeszentrale für politische Bildung 1995, S. 17.

[17] Ebd., S. 10.

[18] Ebd.

[19] Keneally, T.: Schindler’s List, New York 1982.

[20] Jenny 1995, S. 11.

[21] Ebd., S. 14.

[22] Bundeszentrale für politische Bildung 1995, S. 5.

[23] Ebd.

[24] Jenny 1995, S. 14.

[25] Bundeszentrale für politische Bildung 1995, S. 6.

[26] Jenny 1995, S. 11.

[27] Bundeszentrale für politische Bildung 1995, S. 9.

[28] Ebd.

[29] Uthmann 1995, S. 22.

[30] Kramer, S.: Auschwitz im Widerstreit, Zur Darstellung der Shoah in Film, Philosophie und Literatur, Wiesbaden 1999, S. 33.

[31] Bundeszentrale für politische Bildung 1995, S. 16.

[32] Lange, S.: Faschismus und Holocaust in ästhetischen Darstellungen der Gegenwart, Bielefeld 1999, S. 155.

[33] Lange 1999, S. 155.

[34] Ebd.

[35] Uthmann 1995, S. 22; s. a. Lange 1999, S. 155.

[36] Noack, J. M.: „Schindlers Liste“ - Authentizität und Fiktion in Spielbergs Film, Eine Analyse, Leipzip 1998, S. 80.

[37] Kramer 1999, S. 33.

[38] Ebd.

[39] Hattendorf, M.: Dokumentarfilm und Authentizität, Konstanz 1994, S. 67.

[40] Kramer 1999, S. 32.

[41] Lange 1999, S. 148.

Zusammenfassung

Zu Beginn der neunziger Jahre kam ein Dokudrama in die Kinos, das trotz seines ernsten Inhalts in der Öffentlichkeit mit besonderer Begeisterung angenommen wurde. Das Wohlwollen der Kritiker resultierte hierbei jedoch nicht allein aus dem zu dieser Zeit zunehmenden „History-Boom“ 1 , sondern vor allem aus dem Eindruck des Authentischen, der mit diesem Film allgemein verknüpft wurde. Gemeint ist Steven Spielbergs Produktion „Schindlers Liste“2, der 1993 erstmals in den USA und mit einjähriger Verzögerung auch in Deutschland ausgestrahlt wurde. Mit insgesamt sieben Oskars und drei Golden Globes wurde Spielbergs Werk in den USA bester Film des Jahres 1993 und in den Medien entsprechend gefeiert3. In Deutschland konnten ähnliche Reaktionen beobachtet werden, allerdings wurde der Film hier zusätzlich unter besonderen Voraussetzungen ausgestrahlt. Zu Beginn der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts wurde innerhalb der deutschen Öffentlichkeit intensiv über den Umgang mit dem nationalsozialistischen historischen Erbe diskutiert4, so dass dem gleichermaßen erfolgreichen wie populären Film zwangsläufig eine besondere Rolle zukommen musste. Matthias Steinle wies zudem erst kürzlich auf die Bedeutung des Fernsehens bzw. des Dokudramas für das Geschichtsbewusstsein innerhalb der Gesellschaft hin, welches in beträchtlichem Maße durch visuelle Medien geprägt werde5. Im Falle des vorliegenden Films kann man sich somit mit Berechtigung fragen welche Wirkung die dramatische Inszenierung von Geschichte bzgl. einzelner Aspekte des Films auf die historische Wahrnehmung der behandelten Zeitperiode ausübt.

==
1 Korte, B. u. a.: Geschichte in populären Medien und Genres: Vom Historischen Roman zum Computerspiel; in: Korte, B. u. a. (Hrsg.): History goes Pop, Zur Repräsentation von Geschichte in populären Medien und Genres, Bielefeld 2009, S. 9.
2 Schindlers Liste, Regie: Steven Spielberg, Buch: Steven Zaillian, USA 1993.
3 Stahlecker, M.: Steven Spielbergs „Schindlers Liste“, Eine Filmanalyse, Aachen 1999, S. 4 f.
4 s. 4.1.
5 Steinle, M.: Geschichte im Film: Zum Umgang mit den Zeichen der Vergangenheit im Dokudrama der Gegenwart; in: Korte, B. u. a. (Hrsg.): History goes Pop, Zur Repräsentation von Geschichte in populären Medien und Genres, Bielefeld 2009, S. 147.

Details

Seiten
28
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640982424
ISBN (Buch)
9783640982462
DOI
10.3239/9783640982424
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Erscheinungsdatum
2011 (August)
Note
2,0
Schlagworte
Schindler Spielberg Liste Film Hollywood Holocaust Shoah Judenverfolgung Stern der gute Deutsche

Autor

Zurück

Titel: Ein Dokument der Wahrheit?