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Bibeldidaktik - Lernen an und mit der Bibel im Religionsunterricht

Essay 2010 11 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Der Ort unserer Fragen

3. Was leisten Methoden?

4. Welche Methoden braucht der Bibelunterricht?

5. Phasen der Textbegegnung und zugehörige Methoden
5.1. Erste Phase: Zum Bibeltext hinführen
5.2. Zweite Phase: Präsentation des Bibeltextes
5.3. Dritte Phase: Die Wirkung des Bibeltextes erfassen
5.4. Vierte Phase: Textanalyse
5.5. Fünfte Phase: Dialog mit dem Text
5.6. Sechste Phase: Ein Gespräch führen mit Zeugnissen der Wirkungsgeschichte
5.7. Siebte Phase: Kreative Auseinandersetzung mit dem Bibeltext
5.8. Achte Phase: Festigung und Sicherung der Bibelkenntnis

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Folgendem werde ich den Text „Verfahren des biblischen Unterrichts auf dem Prüfstand“ von Franz W. Niehl diskutieren. Er stellt acht Phasen vor, die dem Lehrer im Religionsunterricht helfen sollen, die Bibel für die Schüler zugänglich und verständlich zu gestalten. Zudem sollen die acht Phasen eine Korrelation zwischen Theologie und Pädagogik fördern. Vorweg geht er auf den Begriff der Methoden ein und erläutert, welche von ihnen im Bibelunterricht sinnvoll sind.

2. Der Ort unserer Fragen

Franz W. Niehl geht in seinem Text „Verfahren des biblischen Unterrichts auf dem Prüfstand“ auf den Bibelunterricht ein, der in der Schule immer mehr an Bedeutung verliert. Der Autor nennt drei Problemfelder, in denen er beschreibt, warum die Bibel im schulischen Alltag immer mehr in Vergessenheit gerät.

Als erstes Problemfeld nennt er „schulische und pädagogische Zusammenhänge“[1]. Viele Lehrkräfte sehen die Lehrpläne als hinderlich an, weil es für die Lehrer schwierig ist, diese einzuhalten, vor allem vor der Tatsache, dass es immer weniger Religionsstunden auf dem Stundenplan der Schüler in der Woche gibt. Die Lehrpläne lassen keinen Raum mehr zur freien Unterrichtsgestaltung. Aus diesen Gründen werden immer mehr Lehrer unsicher, welche Bibelstellen sie den Schülern vermitteln sollen und welche nicht.

Das zweite Problemfeld behandelt die Tatsache der veränderten Lernmuster von heutigen Schülern. Es ist unklar, wie die „postmodernen Kinder“[2] Zugänge zu der Bibel finden können, weil deutlich wird, dass die Schüler heutzutage anders mit Texten umgehen als Schüler aus früherer Zeit. Ergo wissen die Lehrkräfte nicht, wie sie den Schülern die Bibelstellen vermitteln können, da sie die Bibelstellen anders wahrnehmen als die Schüler. Dies könnte an der veränderten Medienlandschaft liegen, die das Denken und Lernen der Schüler verändert.

Als drittes Problemfeld wird die Hermeneutik beleuchtet. Franz W. Niehl sieht ein Problem darin, dass viele Lehrer kein gutes Verfahren zur Vermittlung von Bibelstellen erlernen konnten. Dadurch können sie den Schülern erschwert eine Bedeutung der Texte mitgeben, die für ihr Leben wichtig sein könnten. Schüler beleuchten ihre Erfahrungen des Lebens schon lange nicht mehr mithilfe von Erzählungen der Bibel. So entsteht eine Diskrepanz zwischen Lehrer und Schüler, da manche Lehrer eventuell versuchen an bestimmten Bibelstellen die theologische Bedeutung abzuleiten.

Der Blick bei der Bearbeitung von Bibelstellen wird verschoben. Nun steht nicht mehr die theologische Bedeutung der Bibeltexte für das individuelle Leben der Lernenden im Vordergrund, sondern viel wichtiger sind die Identifikationsprozesse zwischen den Schülern und der Bibelstelle und wie diese bei der Identitätssuche helfen können. Der Dialog zwischen Bibelstelle und Lernenden rückt in den Mittelpunkt.

3. Was leisten Methoden?

Niehl definiert zunächst den Begriff „Methode“ mithilfe eines Zitats von Hilbert Meyer: „Unterrichtsmethoden sind Formen und Verfahren, in und mit denen sich Lehrer und Schüler die sie umgebende natürliche und gesellschaftliche Wirklichkeit unter institutionellen Rahmenbedingungen aneignen.“[3] Der Autor bezeichnet Methoden als „Werkzeuge des Unterrichts“[4], welche intendiert eingesetzt werden, Lerninhalte zu festigen und Resultate zusammen zu erarbeiten. Die Lehrkräfte können zwischen unterschiedlichen Methoden wählen und so eine Interaktion zwischen Schüler und sich selbst schaffen. Zudem dienen die Methoden dazu, eine Korrelation zwischen dem Lernenden und dem Lerninhalt zu schaffen. Methoden im Unterricht sind auch dazu da, diesen zu regulieren und somit den Stoff ohne Störungen durch andere Schüler zu vermitteln.

Der Autor nennt im Folgendem drei didaktische Zugänge, die das Arbeiten an Bibeltexten ermöglichen: „textorientiere Zugänge“, „wirkungsgeschichtliche Zugänge“ und „leseorientierte Zugänge“.[5]

4. Welche Methoden braucht der Bibelunterricht?

Der Bibelunterricht benötigt laut Franz W. Niehl Methoden, die sowohl auf die Arbeit mit den Bibelstellen vorbereiten, als auch den Schülern die Möglichkeit lassen, zu vermitteln, wie der Text auf sie wirkt. Die Methoden sollen eine faszinierende Begegnung mit der Bibel beinhalten und den Lernenden helfen, die Struktur des Textes besser wahrzunehmen. Es soll eine Verknüpfung zwischen der Geschichte der Bibel und dem Verständnis der Schüler hergestellt werden und darüber soll im Unterricht geredet werden. Zudem sollen die Methoden die Lernenden bestärken, sich mit den Bibelstellen eigenständig zu beschäftigen und die gewonnenen Bibelkenntnisse festzuhalten und zu vertiefen.

5. Phasen der Textbegegnung und zugehörige Methoden

Im Folgendem grenzt Franz W. Niehl acht Phasen zur Bearbeitung von Bibeltexten ab. Der Autor macht bewusst, dass diese nicht deutlich voneinander zu trennen sind, da sie im schulischen Alltag fließend ineinander übergehen. Zudem sind sie im Unterricht nicht immer adäquat umsetzbar.

5.1. Erste Phase: Zum Bibeltext hinführen

Der Autor zeigt drei Formen, wie man die Schüler zu einem Text hinführen kann. Es können Sachinformationen gegeben werden, damit der Text einfacher zu verstehen ist, oder der Lehrer erzählt, wie die Bibelstelle entstanden ist. Eine Problemgeschichte kann zum Konflikt in dem Text hinführen. Jedoch können so implizit Interpretationsschlüsse dem Lernenden mitgegeben werden. Die Schüler achten auf Signalwörter und bringen sie im Unterricht mit ein, ohne andere Aspekte zu berücksichtigen. Eine Lösung hierfür wäre, ein Bild zur Verdeutlichung des Textes zu wählen, welches die Aufmerksamkeit anregt.

5.2. Zweite Phase: Präsentation des Bibeltextes

Für nicht empfehlenswert hält der Autor es, den Lernenden eine kopierte Seite des Bibeltextes zu geben mit der Aufforderung ihn durchzuarbeiten. So wird der Text abgewertet und Schüler verlieren die Lust an diesem zu arbeiten. Als Alternative könnte der Lehrer die Bibelstelle mit eigenen Worten vortragen, um sie anschaulich zu gestalten. Niehl sieht hier die Schwachstelle, dass viele Lehrkräfte dies nicht angemessen können. Sie können eine Bibelstelle nicht attraktiv frei nacherzählen. Der Autor nennt in diesem Zusammenhang Bücher, die den Lehrenden helfen können.[6] Zudem können die Lehrer die Bibelstelle eigenhändig bearbeiten und ausdrucksvoll ablesen oder ihn aufnehmen und abspielen lassen. Nun wird auf die „Göttinger Stufentechnik“, auf die Horst Klaus Berg deutet[7], eingegangen. Dabei wird dem Lernenden schrittweise die Bibelstelle vorgestellt. Die „Göttinger Stufentechnik“ beinhaltet die Punkte Wahrnehmung, Gefühle, Einfälle und Assoziationen sowie Schlussfolgerungen.[8]

Durch die Präsentation der Bibeltexte lernen die Schüler sowohl den Inhalt der Geschichten kennen als auch die verschiedenen Identifikationsansätze.

Ergo soll die Bibelstelle so gestaltet werden, dass die Lernenden sie interessant finden und sie zum Nachdenken anregt.

[...]


[1] Niehl, Franz W., Verfahren, 135.

[2] Ebd.

[3] Meyer, Hilbert, Unterrichtsmethoden, 137.

[4] Niehl, Franz W., Verfahren, 137.

[5] Ebd., 138.

[6] Vgl. Adam, Gottfried, Erzählen, 137- 162.

[7] Vgl. Berg, Horst Klaus, Methoden biblischer Texterschließung, 168.

[8] Vgl. Grote, Jürgen, Jesus als Kind.

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640983711
ISBN (Buch)
9783656049807
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176972
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Katholische Theologie
Note
1,6
Schlagworte
Bibeldidaktik biblische Unterrichtsmethoden Lernen an und mit der Bibel im Religionsunterricht Methoden für den Religionsunterricht Verfahren des biblischen Unterrichts auf dem Prüfstand Niehl

Autor

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Titel: Bibeldidaktik - Lernen an und mit der Bibel im Religionsunterricht