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Die Problematik der Binnenmigration in Subsahara-Afrika

Hausarbeit 2010 17 Seiten

Zusammenfassung


Es ist kein neues Phänomen, dass Menschen in der Hoffnung auf ein besseres Leben ihre Heimat verlassen. Das machen sie schon seit jeher. Doch heute sind - im Gegensatz zu früher-praktisch alle Länder von Zu- oder Abwanderung betroffen, ob als Herkunfts-, Transit-, oder Aufnahmeland (DE WENDEN, C. W. 2009: 16). Im Zeitalter der Globalisierung ist Migra-tion also praktisch zur Selbstverständlichkeit geworden. In den letzten Jahren ist nicht nur die Anzahl der grenzüberschreitenden, sondern auch die der innerstaatlichen Migranten drastisch gestiegen. Dieses Phänomen ist besonders in den subsaharischen Staaten zu beobachten. Doch leider ist die Binnenmigration erst in den letzten Jahren mehr in den Mittelpunkt internationaler Konferenzen gerückt, obwohl sie schon länger einen größeren Anteil als grenzüberschreitende Wanderungen am Migrationsgeschehen ausmacht.

Zunächst behandelt die Arbeit die theoretischen Grundlagen zur Migration. Darauf aufbauend werden vier –für die subsaharischen Staaten bedeutende- Formen der Binnenmigration vorgestellt. Die Problematik derartiger Wanderbewegungen liegt auf der Hand. Die Bekämpfung der Migration geht jedoch nur durch die Bekämpfung der Ursachen. Deshalb spielen diese auch eine zentrale Rolle in dieser Arbeit. Neben der Herausarbeitung der Ursachen ist zudem Kern der Arbeit, die Folgen, die sich aus derartigen Wanderbewegungen für Staaten und ihre Bevölkerung ergeben, aufzuzeigen. Wie der Migrationsprozess, dessen Ursachen und Auswirkungen, konkret in einem afrikanischen Land aussehen, zeigen die Länderbeispiele DR Kongo und Benin.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Innerstaatliche Migration als afrikanisches Krisenphänomen
2.1 Migrationstheoretischer Aspekt
2.2 Triebkräfte und Wanderungsfaktoren
2.3 Formen der Binnenmigration in Subsahara-Afrika
2.3.1 Flucht vor gewalttätigen Konflikten
2.3.2 Klima- und umweltbedingte Migration
2.3.4 Land-Stadt-Wanderung
2.3.3 Intranationale Wanderarbeit

3 Binnenmigration am Beispiel von Benin

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Es ist kein neues Phänomen, dass Menschen in der Hoffnung auf ein besseres Leben ihre Heimat verlassen. Das machen sie schon seit jeher. Doch heute sind - im Gegensatz zu früher- praktisch alle Länder von Zu- oder Abwanderung betroffen, ob als Herkunfts-, Transit-, oder Aufnahmeland (DE WENDEN, C. W. 2009: 16). Im Zeitalter der Globalisierung ist Migra- tion also praktisch zur Selbstverständlichkeit geworden. In den letzten Jahren ist nicht nur die Anzahl der grenzüberschreitenden, sondern auch die der innerstaatlichen Migranten drastisch gestiegen. Dieses Phänomen ist besonders in den subsaharischen Staaten zu beobachten. Doch leider ist die Binnenmigration erst in den letzten Jahren mehr in den Mittelpunkt internationaler Konferenzen gerückt, obwohl sie schon länger einen größeren Anteil als grenzüberschreitende Wanderungen am Migrationsgeschehen ausmacht.

Zunächst behandelt die Arbeit die theoretischen Grundlagen zur Migration. Darauf aufbauend werden vier -für die subsaharischen Staaten bedeutende- Formen der Binnenmigration vorgestellt. Die Problematik derartiger Wanderbewegungen liegt auf der Hand. Die Bekämpfung der Migration geht jedoch nur durch die Bekämpfung der Ursachen. Deshalb spielen diese auch eine zentrale Rolle in dieser Arbeit. Neben der Herausarbeitung der Ursachen ist zudem Kern der Arbeit, die Folgen, die sich aus derartigen Wanderbewegungen für Staaten und ihre Bevölkerung ergeben, aufzuzeigen. Wie der Migrationsprozess, dessen Ursachen und Auswirkungen, konkret in einem afrikanischen Land aussehen, zeigen die Länderbeispiele DR Kongo und Benin.

2 Innerstaatliche Migration als afrikanisches Krisenphänomen

Wie bereits angeklungen, ist unser krisengeschüttelter Nachbarkontinent Afrika stark von der Migrationsproblematik betroffen. Mit gutem Grund wird schon in den 1980er Jahren Afrika als der “Kontinent der Flüchtlinge“ bezeichnet (RICHTER, R. 1992: 18). Afrika gilt heute als der Kontinent mit der höchsten Migrationsrate.[1] Noch immer ist die Vorstellung weit verbreitet, dass der Großteil der afrikanischen Migranten nach Europa abwandert, was allerdings nicht der Fall ist. Im Gegensatz zu Migrationsbewegungen anderer Kontinente, bleiben afrikanische Migranten meist in Afrika und sehr oft sogar innerhalb nationalstaatlicher Grenzen (SCHADE, J. 2009:28).

Bei Betrachtung folgender Abbildung ist ersichtlich, dass ein Großteil der Migration in Afrika, etwa 70%, den Kontinent nicht verlässt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Herkunfts- und Zielregionen afrikanischer Migranten (Ausschnitt aus Karte in PRIES, L. 2009)

Die Gründe für die seit den 1990er Jahren steigenden Binnenflüchtlinge liegen in Veränderungen der Flüchtlingspolitik der Aufnahmeländer[2] und in Veränderungen der Fluchtursachen.

2.1 Migrationstheoetischer Aspekt

Als Migration bzw. Wanderung wird „[...] die geographische Ortsveränderung von Menschen [bezeichnet] (Migrationsbericht 2007: 179)“. Man unterscheidet internationale Wanderungen über die Grenzen eines Landes von Binnenwanderungen über die Grenzen von Teilgebieten eines Landes. Im Allgemeinen kann man Migration durch Merkmale wie die Aufenthaltsdauer, die Einzel- oder Gruppenwanderung, die zurückgelegte Distanz, die saisonale oder dauerhafte Wanderung, legale oder illegale Wanderung oder auch freiwillige oder unfreiwillige Migration unterscheiden. Dies ist allerdings nur wenig sinnvoll, da diese Merkmale oft miteinander korrelieren. Desweiteren ist die Abgrenzung der Migranten nach politischen, ökologischen, sozio-kulturellen und ökonomischen Motiven schwierig, da diese sich ebenfalls oftmals überlagern. Die Problematik im migrationstheoretischen Aspekt liegt auch in der Frage der Definition (RICHTER, R. 1992: 27). Da es keine einheitlichen, allgemeingültigen Definitionen gibt und sich die Formen zuweilen räumlich vermischen, wird eine exakte Abgrenzung der verschiedenen Migrationsformen erschwert.

Binnenflüchtlinge, also Flüchtlinge innerhalb ihres eigenen Landes werden auch als Internally Displaced Persons (IDPS) bezeichnet. Bei der Abgrenzung der Binnenflüchtlinge seitens der Vereinten Nationen bleiben Wirtschaftsflüchtlinge unberücksichtigt: „Internally Displaced Persons are persons or groups of persons who have been forced or obligated to leave their homes or places of habitual residence, in particular as a result of or in order to avoid the effects of armed conflict, situations of generalized violence, violations of human rights or other natural or man-made disaster, and who have not crossed an internally recognized border (ECOSOC 2000: 3, in JÜRGENS, U., BIRKELAND, N. 2003: 54)”.

2.2 Triebkräfte und Wanderungsfaktoren

Wanderungsentscheidungen sind für den Menschen in der Regel schwerwiegende und oft, auch in sehr akuten Situationen, langwierige Entschlüsse. Die Entscheidung, die Heimat zu verlassen, spielt sich in einem Spannungsfeld zwischen Gegenwartserfahrung und Zukunftserwartung ab. Zusätzlich müssen die wanderungsbereiten Menschen zuversichtlich sein, an einem anderen Ort Sicherheit erlangen zu können. In der Migrationsforschung wird zur Bestimmung der Wanderungsfaktoren üblicherweise zwischen Druck- und Sogfaktoren, den so genannten Push- und Pull-Faktoren unterschieden. Diese gehen jeweils vom Abwanderungs- und Aufnahmeland aus. Bei einer Übertragung des Push- und Pull-Faktoren- Modells auf die Land-Stadt-Wanderung spielen die Push-Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Armut usw. eine größere Rolle als die Pull-Faktoren, also die Attraktivität der Städte (FASSMANN, H. 2004: 6). Die gegenwertigen Migrationsbewegungen haben mehrere Ursachen. Zu den zentralen Wanderungsfaktoren gehören politische, ökonomische, sozio- kulturelle, demografische und ökologische Faktoren (ANGENENDT, S. 2009b: www.bpb.de). Die Differenzierung der verschiedenen Wanderungsfaktoren wird in der Realität zunehmend schwieriger werden, da häufig mehrere Ursachen zusammenwirken.

Politisch motivierte Wanderungsbewegungen sind Folge von gezielter Verfolgung Einzelner bis hin zur gewalthaltigen Repressionen eines ganzen Volkes. Ökonomisch bedingte Wanderungsmotive einzelner Migranten oder ganzer Migrantenströme entstehen insbesondere durch den Wunsch nach Verbesserung der materiellen Lebenssituation durch Arbeitsaufnahme in der Zielregion. Aber es sind nicht nur politische und wirtschaftliche Faktoren, die die Menschen zur Auswanderung bewegen. Es spielen auch ökologische Faktoren eine große Rolle. Immer mehr Menschen fühlen sich beispielsweise aufgrund der Klimaerwärmung dazu gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen. Daneben werden demographische Faktoren die Migration intensivieren. Die UN prognostiziert ein weltweites Bevölkerungswachstum von 6 auf 9,4 Milliarden Menschen bis 2050, wovon 95% in den armen Ländern stattfinden wird. Bei bestimmten ökonomischen und ökologischen Konstellationen kann die Bevölkerungsentwicklung ein eigenständiger wanderungsauslösender Faktor sein und innerstaatliche Migrationsbewegungen beeinflussen. Übersteigt ein starkes Bevölkerungswachstum die Tragfähigkeit einer Gesellschaft, ist nämlich Konkurrenz um Wohnraum und Arbeitsplätzen die Folge (ANGENENDT, S. 2009 b, c und d: www.bpb.de).

2.3 Formen der Binnenmigration in Subsahara-Afrika

Die Aktualität der Binnenflüchtlingsproblematik spiegelt sich auch in den Zahlen wieder (vgl. Abb.2): Die Anzahl der Binnenflüchtlinge ist -nicht nur in Afrika- wie gesagt in den letzten Jahren drastisch angestiegen und übertrifft seit einigen Jahren die der offiziellen Flüchtlingszahlen. Wie hoch die Anzahl genau ist, lässt sich aufgrund der unverlässlichen und zum Teil widersprüchlichen Datenlage. Die Gründe für das Ansteigen der Zahlen liegen in Veränder- ungen der Flüchtlingspolitik der Aufnahmeländer und der Migrationsursachen. So gab es in den letzen 20 Jahren viele innerstaatliche Konflikte, in denen Vertreibungen Teil der Kriegsführung waren.

[...]


[1] „[...] 14 Millionen Menschen - das sind 2,3 Prozent der Bevölkerung - leben außerhalb ihres Heimatlandes (SERVANT, J.-C. 2009: 136)“.

[2] Die Flucht nach Europa wird immer schwieriger: Der Schengen-Raum schottet sich nach Süden immer konsequenter ab. Verschärfung der Einwanderungspolitik u.a. durch die neue Abschiebe-Richtlinie der EU (seit 2008)

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640985302
ISBN (Paperback)
9783640985593
DOI
10.3239/9783640985302
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Politische Wissenschaft
Erscheinungsdatum
2011 (August)
Note
1,7
Schlagworte
Afrika Binnenmigration Migration Subsahara

Autor

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Titel: Die Problematik der Binnenmigration in Subsahara-Afrika