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Klientenzentrierte Gesprächsführung

Seminararbeit 2010 22 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Begriffsklärung

2. Geschichte der klientenzentrierten Gesprächsführung

3. Die Rolle des Gesprächsführers
3.1.) Öffnen des Klienten
3.2) Einfühlendes Verstehen
3.2.1. Zum Begriff
3.2.2. Ziel des einfühlenden Verstehens
3.2.3. Umsetzung
3.2.4. Aufmerksames Zuhören
3.3) Unbedingte Wertschätzung
3.3.1. Zum Begriff
3.3.2. Ziel
3.3.3. Umsetzung
3.4) Echtheit / Kongruenz
3.4.1. Zum Begriff
3.4.2. Ziel
3.4.3. Umsetzung

4. Selbstexploration

5. Gesprächsablauf, Rahmenbedingungen
5.1) Gesprächsablauf
5.1.1. Vorbereitung
5.1.2. Anamnese
5.1.3. Gesprächsanfang
5.1.4. Ende des Gesprächs
5.1.5. Abschlussgespräch
5.2) Rahmenbedingungen

6. Klientenzentrierte Gesprächsführung und die Einzelfallhilfe

7. Ethische Aspekte der klientenzentrierten Gesprächsführung

8. Theorie-Praxis-Transfer

9. Persönliche Stellungnahme

10. Literaturverzeichnis.

Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit dem Thema „klientenzentrierte Gesprächsführung“. Da das Gespräch, das miteinander reden, einen der bedeutendsten Bestandteile sozialer Arbeit darstellt, ist es unvermeidlich, sich mit Theorien, Rahmenbedingungen und Methoden der Gesprächsführung vertraut zu machen.

Der Erfolg sozialpädagogischer Arbeit beruht in großem Maß auf erfolgreiche Gespräche, da das Gespräch einer unserer wenigen, aber wichtigen Zugänge zu unseren Klienten[1] darstellt, es ermöglicht uns einen Einblick in Gefühle, Sorgen und Probleme unserer Klienten.

Es ist allerdings nicht leicht, seine Gefühle und Sorgen einem anderen mitzuteilen. Dies gilt sowohl für Klienten, gleichermaßen aber auch für Sozialarbeiter. Es ist zudem auch nicht leicht, durch das Gespräch seinem Klienten richtig zu helfen. Dafür bedarf es der richtigen Technik der Gesprächsführung, die es uns ermöglicht, unseren Klienten zu emotional zu öffnen und ihm somit bei der Lösung seiner Probleme zu helfen.

Ziel der klientenzentrierten Gesprächsführung ist es, „die Auseinandersetzung [des Klienten, d. Verf.] mit emotionalen Prozessen und das Finden neuer Wege und Betrachtungsweisen zu fördern“[2] und somit „die Klientin zu befähigen, auch mit künftigen Problemen besser fertig zu werden.“[3]

Diese Seminararbeit soll einen Überblick über die Geschichte, Anwendung und Bedeutung der klientenzentrierten Gesprächsführung ermöglichen.

1. Begriffsklärung

Die klientenzentrierte Gesprächsführung „zielt direkt auf die größere Unabhängigkeit und Integration des Individuums ab, statt zu hoffen, dass sich diese Resultate ergeben, wenn der Berater bei der Lösung des Problems hilft.“[4] „Das Ziel ist es nicht, ein bestimmtes Problem zu lösen, sondern dem Individuum zu helfen, sich zu entwickeln, so dass es mit dem gegenwärtigen Problem und mit späteren Problemen auf besser integrierte Weise fertig wird.“[5] Gegenstand der klientenzentrierten Gesprächsführung ist es also nicht, dem Klienten Ratschläge und Anleitungen zur Problemlösung zu geben, sondern gemeinsam mit dem Klienten ressourcenorientierte, den Fähigkeiten des Klienten angepasste Lösungen zu finden und „zuzuhören und so auf den Klienten einzugehen, daß er sich selbst und seine Situation besser versteht und sich schon aus diesem besseren Verständnis heraus selbst hilft.“[6] Grundprinzip ist folglich die Hilfe zur Selbsthilfe, durch aktives Zuhören und gezielt gestellten Fragen wird dem Klienten „bei seiner Selbstfindung und damit bei einer Neuorientierung [geholfen, d. Verf.] (…), die letztlich zur Lösung des Problems führen soll.“[7]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Gesprächsführende eine zurückhaltende Rolle spielt und den Klienten durch seine Art zuzuhören und Fragen zu stellen dazu anregt, von seinen Gefühlen und Problemen zu erzählen, in sich selbst hinein zu horchen und somit folglich selbst eine Lösung für sein Problem zu finden, ohne ihn dabei zu lenken oder Ratschläge zu erteilen. Auf die genaue Rolle des Gesprächsführenden und die Rahmenbedingungen wird im Folgenden eingegangen.

2. Geschichte der klientenzentrierten Gesprächsführung

„Das klientenzentrierte Konzept geht auf den amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers (1902 – 1987) zurück, der diesen Ansatz ab 1942 in den USA entwickelte.“[8] Der Ursprung dieser Theorie liegt in einem bedeutenden Erlebnis während seiner Arbeit, bei dem er feststellte, dass der Klient weiß „wo der Schuh drückt, welche Richtung einzuschlagen, welche Probleme entscheidend, welche Erfahrungen tief begraben gewesen sind. Langsam merkte ich [C. Rogers, d. Verf.], dass (…) ich besser daran täte, mich auf den Klienten zu verlassen, was die Richtung des Prozessablaufs anging.“[9] Daraus entstand Rogers‘ zentrale Fragestellung „welche Bedingungen sind es, die dazu führen, dass eine Person von sich aus über ihr Erleben spricht, sich dabei besser verstehen lernt und schließlich zu Einstellungs- und Verhaltensänderung gelangt?“[10]. Rogers erkannte also damals bereits das Problem, das der sozialen Arbeit bisweilen zu schaffen macht – wie gelingt es mir, dass mein Klient mit mir - einer fremden Person - über seine eigenen Gefühle, und somit eine höchst intime und persönliche Angelegenheit, spricht?

Rogers kam zu der „Erkenntnis, dass der wirksamste Zugang zum Klienten darin bestand, auf die Gefühle, die Gemütsbewegungen zu lauschen, deren Grundmuster durch die Worte des Klienten erkannt werden konnten. Ich glaube, (…) dass die beste Reaktion die war, diese Gefühle dem Klienten widerzuspiegeln“[11]. Dieses Zitat verdeutlicht, dass sich die klientenzentrierte Gesprächsführung „nicht nur auf die Gefühle, die der Klientin im Moment zugänglich sind, die sie explizit nennt [bezieht, d. Verf.], sondern auch auf die ‘‘neblige Zone am Rande der Gewahrwerdung‘‘ (Rogers 1997, S.24), d.h., Empfindungen, die die Klientin vielleicht irgendwie spürt, die sie andeutet, die sie aber noch nicht in Worte fassen kann.‘‘[12].

Schließlich fand Rogers heraus, „dass eine Einstellungs- und Verhaltensänderung der Klientin dann erfolgt, wenn die Beraterin/Therapeutin der Klientin eine Beziehung anbieten kann, in der von Seiten der Beraterin drei notwendige Bedingungen erfüllt sein müssen:

1. Die Beraterin/Therapeutin versucht, die Klientin von ihrem Bezugspunkt zu verstehen (…)
2. Die Beraterin/Therapeutin achtet die Klientin als Person und bemüht sich ihr gegenüber um ein uneingeschränktes Akzeptieren (…)
3. Die Beraterin/Therapeutin tritt der Klientin als Person gegenüber. Als Person, die offen ist für ihr eigenes Erleben und die sich nicht hinter einer Rolle ‘‘versteckt‘‘ (…).“[13]

Somit fundierte sich Rogers‘ Theorie der klientenzentrierten Gesprächsführung und die Grundprinzipien des Gesprächsführers, auch „Therapeutenvariablen“[14] genannt, „Empathie, (…) unbedingte Wertschätzung (…) und Echtheit / Kongruenz“[15] waren gefestigt.

Da sich Rogers auf die humanistische Psychologie stützt, fließt das Menschenbild dieser psychologischen Disziplin mit in seine Methode der klientenzentrierten Gesprächsführung ein. Die humanistische Psychologie „betont das jedem Menschen innewohnende Bedürfnis nach konstruktiver Veränderung und Selbstverwirklichung (…) [und, d. Verf.] sieht den Menschen in seiner Einzigartigkeit und betont seine Fähigkeit, zu wählen und sich zu entscheiden.“[16] Diese Aspekte, insbesondere die Selbstverwirklichung, kommen in der Rogers‘ Theorie sehr deutlich zum Vorschein.

3. Die Rolle des Gesprächsführers

3.1.) Öffnen des Klienten

Wie bereits oben erwähnt, sind die 3 ‘‘Grundaufgaben‘‘ des Gesprächsführers in der klientenzentrierten Gesprächsführung das einfühlende Verstehen[17], die unbedingte Wertschätzung und die Kongruenz (Echtheit). Diese Parameter versteht Rogers als Bedingung für eine gelingende klientenzentrierte Gesprächsführung und werden im Folgenden erläutert. Sie ermöglichen es, dem Klienten den Raum zu geben, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und diese auszudrücken, sich selbst besser zu verstehen (‘‘Selbstexploration‘‘, s.u.) und schließlich zu einer Lösung zu finden. Das Öffnen des Klienten, ihm die Möglichkeit zu geben, über seine Gefühle und Anliegen zu sprechen und sich verstanden zu fühlen, ist gerade in unserer Gesellschaft eine große Herausforderung. Floskeln wie ‘‘ein Indianer kennt keinen Schmerz‘‘, ‘‘Jungs weinen nicht‘‘ und ‘‘über Gefühle spricht man nicht‘‘ verursachen bereits im Kindesalter eine Blockade, die das Sprechen über Gefühle sehr schwer fallen lässt oder gar verhindert. Das führt außerdem dazu, dass viele Menschen nicht in dazu in der Lage sind, ihre Gefühle auszudrücken, weil sie sie nicht in Worte fassen können. Das liegt meist nicht am mangelnden Ausdrucksvermögen oder am geringen Wortschatz, als vielmehr an der Tatsache, dass sich viele Menschen mit ihren Gefühlen nicht oder zu wenig auseinandersetzen. Diese Schwierigkeit des Klienten, sein inneres Erleben zu schildern, lässt sich aber auch überwinden. Dazu gilt es, einige Regeln zu beachten und Techniken darüber zu kennen. „Schwäche und Angst hemmen den freien Bericht. Deshalb müssen Sie sich darum bemühen, die Ängste Ihres Klienten abzubauen und sein Selbstvertrauen zu stärken.“[18] Um diese Angst vor dem Offenlegen der eigenen Gefühle zu vermeiden, empfehlen J. und H. Dahmer (2003, S. 25 ff.) unter anderem das „Andeuten von Erwartungen“ und „Zeichen der Überraschung, der Überlegenheit oder gar der Entrüstung“ strikt zu vermeiden und stattdessen dem Klienten „die Möglichkeit zu geben, seine Stärken zu schildern“.

[...]


[1] Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird darauf verzichtet, die männliche und weibliche Form anzugeben. Somit sind mit „Klient“ sowohl der Klient, als auch die Klientin gemeint. Ebenso verhält es sich bei anderen personenbezogenen Ausdrücken.

[2] Vgl.: Weinberger, S.: Klientenzentrierte Gesprächsführung. Lern- und Praxisanleitung für psychosoziale Berufe. 12. Auflage. Weinheim und München: Juventa Verlag, 2008. S. 33.

[3] Vgl.: Weinberger, S.: ebd.

[4] Rogers, C.: Die nicht-direktive Beratung. München, 1972. S. 36.

[5] Vgl.: Rogers, C.: ebd.

[6] Vgl.: Dahmer, H. / Dahmer, J.: Gesprächsführung. Eine praktische Anleitung. 5., unveränderte Auflage. Stuttgart und New York: Georg Thieme Verlag, 2003. S. 4.

[7] Vgl.: Dahmer, H. / Dahmer, J.: Gesprächsführung. Eine praktische Anleitung. 5., unveränderte Auflage. Stuttgart und New York: Georg Thieme Verlag, 2003. S. 6.

[8] Vgl.: Weinberger, S.: Klientenzentrierte Gesprächsführung. Lern- und Praxisanleitung für psychosoziale Berufe. 12. Auflage. Weinheim und München: Juventa Verlag, 2008. S. 20.

[9] Vgl.: Rogers, C.: Entwicklung der Persönlichkeit. Stuttgart: Ernst Klett Verlag, 1991. S. 28.

[10] Vgl.: Weinberger, S.: Klientenzentrierte Gesprächsführung. Lern- und Praxisanleitung für psychosoziale Berufe. 12. Auflage. Weinheim und München: Juventa Verlag, 2008. S. 21.

[11] Vgl.: Rogers, C., zit. nach: Weinberger, S.: ebd.

[12] Vgl.: Weinberger, S.: Klientenzentrierte Gesprächsführung. Lern- und Praxisanleitung für psychosoziale Berufe. 12. Auflage. Weinheim und München: Juventa Verlag, 2008. S. 39.

[13] Vgl.: Weinberger, S.: Klientenzentrierte Gesprächsführung. Lern- und Praxisanleitung für psychosoziale Berufe. 12. Auflage. Weinheim und München: Juventa Verlag, 2008. S. 22.

[14] Vgl.: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge: Fachlexikon der sozialen Arbeit. 6. Auflage. Baden-Baden: Nomos Verlag, 2007. S. 402.

[15] Vgl.: Weinberger, S.: Klientenzentrierte Gesprächsführung. Lern- und Praxisanleitung für psychosoziale Berufe. 12. Auflage. Weinheim und München: Juventa Verlag, 2008. S. 22.

[16] Vgl.: Weinberger, S.: Klientenzentrierte Gesprächsführung. Lern- und Praxisanleitung für psychosoziale Berufe. 12. Auflage. Weinheim und München: Juventa Verlag, 2008. S. 23.

[17] Im Folgenden werden die Begriffe ‘‘einfühlendes Verstehen‘‘, ‘‘einfühlendes Verständnis‘‘ und ‘‘Empathie‘‘ synonym verwendet.

[18] Vgl.: Dahmer, H. / Dahmer, J.: Gesprächsführung. Eine praktische Anleitung. 5., unveränderte Auflage. Stuttgart und New York: Georg Thieme Verlag, 2003. S. 25.

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640986613
ISBN (Buch)
9783640986712
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177161
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen
Note
1,6
Schlagworte
klientenzentrierte gesprächsführung Carl Rogers Einzelhilfe Timo Thiel

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