Lade Inhalt...

Interkulturelle Soziale Arbeit

von Anna Figaro (Autor)

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interkulturalität

3. Migration
3.1 Definition
3.2 Migration in Deutschland

4. Integration

5. Interkulturelles Lernen
5.1. Definition und Bedeutung
5.2. Aufgaben

6. Interkulturelle Soziale Arbeit
6.1 Begriffsklärung
6.1.1 Kultur
6.1.2 Interkulturelle Soziale Arbeit
6.2 Interkulturelle Kompetenz
6.3. Theoretische Ansätze
6.3.1 Ich und Du- dialogische Prinzip
6.3.2 Interreligiöse Dialog
6.3.3 Soziale Arbeit und Vorurteile

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Begriffsklärungen: Kultur und Interkulturelle Soziale Arbeit (Freise, 2007, S.17)

1. Einleitung

Deutschland hat den höchsten Ausländeranteil in Europa. Außerdem leben hier inzwischen um die 82 Millionen Menschen, von denen 7,4 Millionen Ausländer sind. Zudem leben wir heute in einer Welt, in der sich die Globalisierung von Kapital, Gütern und Menschen immer mehr ausbreitet. Es gibt schnellere und billigere Transportmöglichkeiten, aber auch gleichzeitig viele Kriege und Umweltkatastrophen. Zusätzlich kriegen wir gerade in Deutschland immer wieder von tiefgreifenden wirtschaftlichen Ungleichheiten, Diskriminierungen und Rechtsradikalismus mit. (Vgl. dos Santos- Stubbe, 2005, S. 11f.)

Die eben aufgezählten Aspekte machen uns deshalb bewusst, dass Migration ein zentraler Punkt in unserer Gesellschaft ist und man ihr deshalb hohe Priorität und Beachtung schenken muss. Zum Stichwort Migration hat unser Ex- Bundespräsident Johannes Rau in seiner bekannten Berliner Rede im Jahre 2000 erklärt, dass in unserem Land Menschen mit einer unterschiedlichen Kultur sowie Herkunft leben und sich das so schnell nicht ändern wird. Deshalb fordert er alle Menschen der Bundesrepublik auf, die Wirklichkeit zu realisieren, damit man sie erfolgreich gestalten kann. Aus diesem Grund ist die Interkulturelle Soziale Arbeit in der letzten Zeit sehr wichtig geworden. Denn viele Arbeitsmigranten, Flüchtlinge, anerkannte Asylsuchende oder Ausländer befinden sich in einer schwierigen Lebenslage. Deswegen sind sie sehr auf die Unterstützung von Sozialen Einrichtungen angewiesen und bilden daher einen hohen Teil des Klientels. (Vgl. dos Santos- Stubbe, 2005, S. 12f.)

Da ich selbst schon einige Erfahrungen mit unterschiedlichsten Kulturen und ihrerer Beziehung zu einander gesammelt habe und zudem bereits in der Kulturarbeit mit Russlanddeutschen Jugendlichen, Senioren und Erwachsenen tätig war, hat es mich zusätzlich zu den oberen aufgeführten Aspekten sehr interessiert, meine Arbeit über die Interkulturelle Soziale Arbeit zu schreiben.

Im folgenden werde ich auf die Interkulturalität, die Migration und die Integration eingehen. Es steht vor allem Frage im Vordergrund wieso so viele Menschen auswandern, was man früher unter einer Integration verstanden hat und wie sich dieses Denken verändert hat. Außerdem werde ich die Politik im Zusammenhang mit der Migration bringen. Zusätzlich befasse ich mich mit dem Thema „Interkulturelles Lernen" und zeige anschließend auf, was man genau unter der Interkulturellen Sozialen Arbeit versteht.

2. Interkulturalität

In unserer Gesellschaft wird oft von dem Interkulturellem Lernen, der Interkulturellen Pädagogik oder im Bereich der Sozialwissenschaften, oft von Interkultureller Sozialarbeit gesprochen. Doch was genau heißt eigentlich Interkulturell?

Es ist kein Erfinder der Interkulturalität bekannt, jedoch lässt sich der Begriff dem nationalen "Bureau of Intercultural Education" in den Vereinigten Staaten zuordnen, was übersetzt so viel heißt wie: "Amt der interkulturellen Bildung". Bevor dieses zwischen 1924 und 1945 gegründet wurde und tätig werden konnte, existierten die damaligen Akkulturationspolitiken der Angleichung und Verschmelzung. (Vgl. Kordes; Demorgon, 2006, S. 33)

Interkulturalität grenzt sich deutlich von den Begriffen Multikulturalität und Transkulturalität ab. Um das Interkulturelle verstehen zu können, ist es wichtig auf diese beiden einzugehen. Der französische Sozialwissenschaftler Oliver Roy sagte in einer Tageszeitung im Jahre 2004 folgendes dazu:„ Es gibt in Europa zwei ganz verschiedene Modelle im Umgang mit dem Islam (...) Das französische (transkulturelle) Modell ist assimilationistisch. Es geht davon aus, dass Einwanderer Individuen sind und nicht Gemeinschaften (...) Im Norden Europas gibt es die multikulturellen Modelle. Darin ist der Einwanderer durch eine Gruppe definiert, in der er eine Identität zwischen Kultur, Religion und Sprache hat. Er bleibt ein Ausländer. Selbst dann noch, wenn er schon Bürger geworden ist“ (Kordes; Demorgon, 2006, zit. n. Roy, 2004).

Im Gegensatz zu diesen beiden gibt es für die Interkulturelle also eine andere Definition- vor allem wenn man sich die Theorie und Praxis verinnerlicht. Denn es geht hier nicht darum alles mit allem zu vermischen, sondern einen geschichtlichen Spiel sowie- Zwischenraum aufzubauen und diesen lernen zu nutzen. Man arbeitet in der Interkulturalität nicht nur mit Differenzen wie es im Multikulturalismus der Fall ist oder mit vorhandenen Gemeinsamkeiten, wodurch der Transkulturalismus geprägt ist, sondern setzt seine Priorität auf Überlagerungen, wechselseitige Abhängigkeiten und das Durchdringen von Grenzen und Kontakten. Denn die Welt zwischen den Menschen ist das was am meisten Sorgen bereitet und heutzutage nicht selten zu Erschütterungen führt. (Vgl. Demorgon; Kordes, 2006 zit. n. Aarendt, 1959)

Außerdem geht es darum, wie Menschen in den verschiedenen sozialen Gruppen Beziehungen zu ihrer Umwelt pflegen sowie um das gesamte Verhältnis der kulturellen, gesellschaftlichen und weltsystematischen Wirklichkeit. Interkulturalität bedeutet auch immer Kommunikation und Verständnis. Es setzt aber nicht nur voraus, dass man sich um einen Dialog bemüht, sondern es gehört auch immer Zusammenstoß, Kampf und Gewalt dazu. Denn wenn man einem Menschen begegnet, der anders aussieht, andere Wertvorstellungen sowie einen anderen kulturellen Hintergrund hat, erfolgt unsere Art der Verständigung nicht immer durch Anerkennen des Anderen und Fremden bzw. des Gemeinsamen und Vertrauten. Wir reagieren dann ehr durch Zwischenraumbearbeitung und Zwischenperspektiv- Schaffung zwischen dem Unserem und Anderen und dem Vertrautem und Fremdem. (Vgl. Demorgon; Kordes, 2006, S. 34f.)

3. Migration

3.1 Definition

Bevor es in dieser Arbeit um die Interkulturellen Sozialarbeit geht, ist es wichtig näher auf die Hintergründe und somit das hauptsächliche Klientel, die Migranten einzugehen.

Zunächst einmal zu der Bedeutung: Das Wort „Migration“ kommt aus dem Englischen und Lateinischen und bedeutet übersetzt: Wanderung. Genauer gesagt, versteht man darunter einen Wanderungsprozess von einzelnen Menschen oder Gruppen, die Nationalgrenzen überschreiten und in ein ihnen unbekanntes Land einwandern.

Migration hat unsere Weltgeschichte in einem sehr hohen Maße geprägt. Denn seit man denken kann, sind Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen ausgewandert und haben einen Neuanfang in einem anderen fremden Land gewagt. Die Gründe waren unterschiedlich. Viele mussten aufgrund von Verfolgung, Bevölkerungsexplosionen, Massenelend oder Arbeitsbewegungen ihre Heimat verlassen, andere dagegen wegen Kriegen oder großer Armut in ihren Ländern. Aber auch das Phänomen der Umweltzerstörungen, das in häufiger Kombination mit Menschenrechts- und Menschenwürdeverletzungen auftritt, veranlasst Menschen dem Elend in ihrem Land zu entfliehen. Schätzungen ergeben, dass es heutzutage 125 Mio. Migranten unterschiedlicher Zugehörigkeiten gibt. In Deutschland und in vielen anderen Ländern dieser Welt gibt es Arbeitsmigranten mit einem gesicherten Status, anerkannte Flüchtlinge- aber auch illegale Arbeitskräfte und Asylbewerber. (Vgl. Brelie, 2002, S. 643)

3.2 Migration in Deutschland

Es gab demnach schon immer weltweite Wanderungs- und Flüchtlingsbewegungen. Genauso in Deutschland. Es ist wichtig sich klar zu machen, dass „Deutschland [...] zu keinem Zeitpunkt seiner Geschichte eine abgeschlossene Gesellschaft [...]" (Schmalz-Jacobsen, 1995, S. 25) war. Denn bis zum 20. Jahrhundert, war unser Land Ein- und Auswanderungsland zugleich. Beispielsweise wanderten viele Polen in das deutsche Ruhrgebiet ein. Ein weiteres Beispiel war die millionenfache Auswanderung der Deutschen nach Amerika, bei der im 19. Jahrhundert ganze Dorfgegenden ausgewandert sind, um der hier herrschenden Armut und Perspektivlosigkeit zu entfliehen.

Migration gab es wie bereits erwähnt, schon immer. Jedoch wurde früher „normaler" darauf reagiert. Es gab zwar Vorurteile, Fremdenfurcht und Ablehnung, jedoch nie in einem derartigen Ausmaß, wie es heute der Fall ist. Auch das Wort „Integration" war noch nicht so stark verbreitet und in den Medien sowie Politik eines der größten Problemthemen. Es war eher ein Nebeneinander- her leben von Menschen verschiedener Kulturen. Es gab jedoch keine Gleichberechtigung. „Daß daraus mehr werden konnte im Sinne eines gleichberechtigten Miteinanders, hat das nationalsozialistische Regime gründlich verhindert" (Schmalz- Jacobsen, 1995, S. 26). Denn mit dem Nationalsozialismus veränderte sich alles. (Vgl. Schmalz- Jacobsen, 1995, S. 26)

Mit dem Ende des zweiten Weltkrieg, bekam Deutschland die Möglichkeit noch einmal von vorne anzufangen. In diesem Sinne wurden in den 50er und- 60er Jahren einige Arbeitskräfte für unser „Wirtschaftswunderland" angeworben. Viele von ihnen haben Deutschland nach einigen Jahren wieder verlassen und sind zurück nach Italien, Spanien, Griechenland oder Türkei. Manchen von ihnen hat es jedoch hier ganz gut gefallen und sie haben sie sich dazu entschieden, nicht mehr in ihr ursprüngliches Heimatland zurückzugehen. Kurze Zeit später haben sie eine Familie gegründet und leben inzwischen in der zweiten oder dritten Generation hier.

Anfang der 70er, hat die Politik erkannt, dass es unserer Wirtschaft ganz gut geht und wir genügend Arbeitskräfte haben. Aus diesem Grund wurde die Anwerbung gestoppt und am Anfang der 80er gingen die Ausländerzahlen zurück und es lebten zu dieser Zeit weniger als vier Millionen Ausländer in Deutschland. (Vgl. Schmalz- Jacobsen, 1995, 25ff.)

4. Integration

Viele Menschen reden von der Integration- Politiker, Pädagogen und Journalisten. In den Medien wird oft berichtet, dass sich viele Migranten nicht integrieren wollen. Sie sprechen kein richtiges Deutsch, sind bewusst arbeitslos und lehnen die deutsche Kultur ab, weil sie ihnen zu westlich ist. Doch was meint der Begriff Integration genau? Der Begriff wird in der Umgangs- und Wissenschaftssprache verwendet und taucht in der Pädagogik, Psychologie, Hirnphysiologie sowie in der Soziologie auf. Im Bereich der Soziologie beschreibt Integration Minderheiten und Randgruppen einer Gesellschaft. Die soziale Integration meint eine Anpassung an eine Norm und einen Lebensstil einer Gesellschaft oder Gruppe, bei der es zu abweichenden Verhaltensweisen und Orientierungen kommen kann. Die Bundesrepublik Deutschland hat jedoch gleich mehrere Definitionen für das Wort Integration. Denn sie versteht darunter entweder eine Einbürgerung, Eindeutschung oder eine unauffällige Anpassung an den deutschen Lebensstil. (Vgl. Iben, 2002, S. 487f.)

Das Problem der Integration liegt bereits über 50 Jahre zurück. Wie schon vorhin erwähnt, holte man zu dieser Zeit viele Arbeitsmigranten nach Deutschland. Jedoch machte man sich damals nicht so viele Gedanken darüber, was in Zukunft mit ihnen passieren sollte. Als deren Kinder in öffentlichen Schlagzeilen auffielen, gab es seitens der Politik Irritationen, man wollte „ ja Arbeitskräfte haben und hatte an die Familien im Schlepptau nicht gedacht" (Auer, 1995, S. 3). Die Politik musste also erst umdenken. Genauso wie die Migranten selbst. Bei ihnen kam jedoch hinzu, dass sie eine andere ethnische Herkunft und einen anderen sozialen, kulturell- und religiösen Hintergrund hatten, der sich von der Mehrheitsgesellschaft unterschied. Das machte ihnen ihr Leben nicht leicht, denn sie hatten und haben auch heute noch wirtschaftliche Nachteile aufgrund von fehlenden Qualifikationen. Das führt dazu, dass sie Schwierigkeiten haben, einen Arbeitsplatz zu finden. Zusätzlich haben manche von ihnen einen unsicheren Aufenthaltsstatus und ein fehlendes Vertrauten zu der Tradition des Gastlandes. Das sind alles potenzielle Gründe, wieso die Integration nicht stattgefunden hat und nicht stattfinden kann. (Vgl. Brelie, 2002, S. 643)

Eine der größten Auswirkungen werden jedoch in der Schul- und Ausbildungslaufbahn der ausländischen Jugendlichen gesehen (vgl. Brelie, 2002, S. 643). Dass diese schlechter ist als die der deutschen Jugendlichen ist schon länger bekannt, jedoch hat diese sich zusätzlich seit den 90er Jahren enorm verschlechtert (vgl. Brelie, 2002, S. 643). Statistiken aus dem Jahr 2004 haben ergeben, dass 5% der ausländischen Jugendlichen die Schule ohne einen Abschluss verlassen und nur 9,5% die Allgemeine Hochschulreife geschafft haben. Darüber hinaus gibt es hohe Ausländeranteile in der Statistik der Arbeitslosen. Dazu kommen höhere Sozialhilfebezüge und Kriminalität (vgl. Auer, 2004, S. 4f.).

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656002208
ISBN (Buch)
9783656002550
Dateigröße
728 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177202
Institution / Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
1,6
Schlagworte
Soziale Arbeit Interkulturalität Interkulturelle Sozialarbeit Interkulturelle Soziale Arbeit

Autor

  • Anna Figaro (Autor)

Teilen

Zurück

Titel: Interkulturelle Soziale Arbeit