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Ausgewählte Theorien der Organisationspsychologie im Lehrerberuf

Seminararbeit 2007 19 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Begriffsklärung und Definition

2 Drei Schwerpunkte der Organisationspsychologie
2.1 Organisationskultur
2.2 Organisationale Veränderungen
2.3 Gruppen / Teams in Organisationen

3 Übertragung auf den Lehrerberuf
3.1 Organisationskultur in der Schule
3.2 Organisationale Veränderungen im Lehrerberuf
3.3 Arbeitsgruppen oder Teams in der Schule

4 Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Die Organisationspsychologie beschäftigt sich hauptsächlich mit psychologi- schen zwischenmenschlichen Aspekten in Betrieben und Organisationen. Wo immer verschiedene Menschen miteinander zu tun haben (müssen), kann es Freundschaften, Stress und Spannungen jeglicher Art geben, die verschieden- sten psychologischen Ursache-Wirkungs-Verhältnisse sind denkbar.

In der vorliegenden Arbeit werden drei Hauptbereiche, mit denen sich die Organisationspsychologie beschäftigt, erläutert und auf das System Schule und den Lehrerberuf übertragen. Es sind nicht notwendigerweise die drei wichtig- sten Faktoren, aber es sind solche, die sich sinnvoll auf den Alltag eines Lehrers anwenden lassen.

1.1 Begriffsklärung und Definition

Organisation

Das Wort selbst stammt vom griechischen Wort organon ab, welches Werkzeug bedeutet. Der Begriff der Organisation wird als Institutioneller Begriff verstan- den. Er wird von F.J. Landy folgendermassen definiert: “A group of people who have common goals and who follow a set of operating procedures to develop products and services”1. Im Deutschen würde diese Definition sinngemäss so lauten: “Eine Gruppe von Personen, die gemeinsame Ziele verfolgen und mit Hilfe von festgelegten Arbeitsabläufen Produkte und Dienste entwickeln”.

Eine weitere Definition stammt von A. Kieser und H. Kubicek: “... soziale Gebilde, die dauerhaft ein Ziel verfolgen und eine formale Struktur aufweisen, mit deren Hilfe Aktivitäten der Mitglieder auf das verfolgte Ziel ausgerichtet werden sollen.”2

Organisationspsychologie

Das Forschungsfeld der Organisationspsychologie setzt sich aus drei Disziplinen zusammen: die Ebene der Organisation selbst, Gruppen, die innerhalb von Organisationen existieren und dem Individuum innerhalb von Organisationen.

Die Ebene der Organisation dreht sich um den Aufbau einer Organisation, um das Management und das Gestalten, sowie das Verändern vor Organisa- tionen. Organisationskultur und -klima sind ebenfalls in diesem Bereich ange- siedelt.

Bei Gruppen in Organisationen spielen vor allem Themen wie Führung, Macht, Einfluss und interne Konflikte eine Rolle. Ebenso geht es um Teams und Arbeitsgruppen.

Der Bereich des Individuum in Organisationen befasst sich hauptsächlich mit dem Human Resource Management3 und der Bindung des Individuums an eine konkrete Organisation.

2 Drei Schwerpunkte der Organisationspsy- chologie

2.1 Organisationskultur

Der Begriff Kultur bezeichnet allgemein wie Menschen bestimmter Gruppen denken, handeln, sich und ihre Umwelt wahrnehmen. Eine Firma liesse sich z.B. als Gruppe bezeichnen, deren Kultur sich als Organisationskultur beschreiben lässt. Ebenso ist es aber auch möglich, Untergruppen zu finden, etwa eine Ab- teilung, eine Etage oder auch ein Team, die jeweils eine eigene Kultur besitzen oder entwickeln.

Wissenschaftler gehen seit vielen Jahren dem Phänomen der Organisations- bzw. Unternehmenskultur nach, doch fällt es teilweise sehr schwer, sich dem zu nähern. Dennoch hat jeder in etwa ein Gefühl, was gemeint es, wenn es um die Kultur eines Unternehmens geht. Es wurden oft Geschichten und Anekdo- ten erzählt um eine solche Kultur zu beschreiben. Das folgende Beispiel der Robert Bosch GmbH versucht ebenfalls, das Gefühl einer Kultur der Firma zu vermitteln:

Beispiel aus der Robert Bosch GmbH

Früher hiess es, wer eine Niederlassung der Robert Bosch GmbH betrat, hatte sofort das Gefühl von schwäbischer Sparsamkeit. So fand der alte Herr Bosch

(1861-1942) bei einem Werksrundgang eine Büroklammer auf dem Boden lie- gen. Er hob sie auf, hielt sie dem dabei stehenden Mitarbeiter vor die Nase und fragte: “Wissen Sie was das ist?” Dieser antwortete erstaunt, etwasängstlich und unsicher: “Eine Büoklammer?” . Darauf der alte Herr Bosch: “Nein! Das ist mein Geld!”

Orginalzitat: “Was dappsch du auf meim Geld rum, des han i ja zahlt!”

Ob diese Geschichte nun der Wahrheit entspricht, ist nicht sicher, jedoch liefert sie in jedem Fall eine Vorstellung dessen, wie die Kultur der Robert Bosch GmbH ausgesehen haben muss: streng, direkt und kostenorientiert.

Der Begriff der Organisationskultur wurde von dem Professor für Psychologie Edgar H. Schein im Jahre 2003 wie folgt definiert:

“Organisationskultur ist das Muster von Grundannahmen, die eine Gruppe erfunden, entdeckt oder entwickelt hat ... und die sich soweit bewährt haben, dass sie als gültig betrachtet werden und deshalb neuen Mitgliedern als die richtige Haltung gelehrt werden sollen, mit der sie ... wahrnehmen, denken und fühlen sollen Organisationskultur lässt sich als eine Art gemeinsam akzeptierte Realitätsinterpretation darstellen, die im Austausch mit der Um weltüber das tägliche Tun entsteht ... und die das Unternehmensgeschehen nachhaltig, aber unsichtbar ... beeinflusst.”4

Nach Schein lässt sich jede Organisationskultur in drei Ebenen unterteilen: Artifacts (die Artefakte), Espoused beliefs and values (die Werte) und Under lying basic assumptions (Grundannahmen).

Mit den Artefakten sind Strukturen und Prozesse im Betrieb gemeint, die sichtbar, aber schlecht interpretierbar sind. Hierunter fallen o.g. Anekdoten, Geschichten und Firmenmythen. Auch der Vergleich zwischen offiziellen und inoffiziellen Geschichten und interne Witze geben oft einen Hinweis auf die Kultur des Unternehmens. In vielen Organisationen werden regelmässig gewis- se Bräuche und Traditionen gepflegt, wie z.B. Betriebsausflüge oder besondere Riten bei Feiern oder Geburtstagen. Konkrete Gegenstände wie Trophäen, Statussymbole oder Firmenlogos sind auch oft Indiz einer Firmenkultur.

Bei den Werten handelt es sich nach Schein um Firmenphilosophien, Stra- tegien und gesteckte Ziele, die es in dem Unternehmen zu erreichen gilt. Diese werden teilweise bewusst wahrgenommen und sind messbar, aber nicht in jedem Fall. Der Grad der Innovation, gegenseitige Unterstützung oder Aggressionsbereitschaft unter Mitarbeitern sind hier konkrete Beispiele.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die drei Ebenen der Organisationskultur nach Schein

Die Ebene der Grundannahmen besteht zumeist aus unbewussten Anschauungen, persönlichen Empfindungen oder subjektiv wahrgenommenen Gefühlen. Die Inhalte dieser Ebene werden als gegeben angenommen, die nicht oder nur selten aktiv bearbeitet werden. Jedes Mitglied einer Gruppe bringt hier seine eigenen Vorstellungen in eine Organisation mit.

Die jeweils benachbarten Ebenen korrelieren miteinander, was dazu führt, dass Bedingungen oder Ereignisse innerhalb der Organisation im Laufe der Zeit die Ebene wechseln können. Verfremdung und Übertreibung ist dabei nicht ausgeschlossen. So werden aus festen Annahmen Zielvorstellungen und aus Ereignissen Mythen...

2.2 Organisationale Veränderungen

So gut wie die Strukturen einer Organisation auch sind, sie unterliegen ständi- gem Wandel um erfolgreich zu bleiben. Menschen ändern sich, Mentalitäten, Regierungen und Umweltbedingungen ebenso, daher bleibt es nicht aus, ge- wisse Veränderungen in einem Betrieb oder einer Organisazion zuzulassen. Dass diese Veränderungen nicht immer reibungslos vonstatten gehen, wissen die meisten aus eigener Erfahrung.

[...]


1 Landy, F.J. & Conte, J.M.: Work in the 21st century (2. Auflage), McGraw-Hill, New York, 2007; Seite 571

2 Kieser, A. und Kubicek, H.: Organisation (3. Auflage); De Gruyter, Berlin, 1992; Seite 4

3 Personalwesen, Personalmanagement

4 Edgar H. Schein: Organisationskultur; Edition Humanistische Psychologie, 2003

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640988488
ISBN (Buch)
9783640988297
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177273
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
Schlagworte
organisationspsychologie organisation psychologie lehrer lehrerberuf

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