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Robert Thelen - Ein Alter Adler in Berlin-Johannisthal

Heft 27 aus der Dokumentenreihe über den Flugplatz Johannisthal 1909-1914

von Alexander Kauther (Autor) Paul Wirtz (Autor)

Fachbuch 2011 146 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Anmerkungen der Autoren

Kurzbiografie Robert Thelen

Familie Robert Thelen

Schulischer und beruflicher Werdegang

Beginn seiner Fliegerlaufbahn

Die Thelenstraße in Adlershof

Die Gründung der „ad Astra Fluggesellschaft“

Die japanische Militärdelegation in Johannisthal

Flugveranstaltungen an denen Thelen teilnahm

Thelen und die Albatros-Flugzeugwerke GmbH

Die Luftfahrerschule Adlershof

Weitere Internationale und nationale Flugveranstaltungen

Bruder Otto Thelen

Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL)

Die „Alten Adler“

Beendigung seiner beruflichen Laufbahn

Treffen der „Alten Adler“ 1956

Die letzten Lebensjahre Robert Thelens
Quellen
Zeitungen und Periodika
Literatur
Bildnachweis
Personen- und Firmenregister

Anmerkungen der Autoren:

Anfang Februar 1909 begann Arthur Müller, gemeinsam mit dem späteren Direktor des Flugplatzes Johannisthal Major a. D. Georg von Tschudi und Kapitän zur See Eduard v. Pustau, mit der Suche einer geeigneten Fläche für die Errichtung eines Flugfeldes. Die Waldfläche zwischen Adlershof und Johannisthal war dafür schnell gefunden. In der gegründeten „Flug-und Sport-Platz Berlin-Johannisthal GmbH“ hieß es im § 3 des Statuts:

„Gegenstand des Unternehmens ist die Herstellung von Flugplatzanlagen und sämtlicher Einrichtungen für alle mit der Aviatik und Luftschiffahrt zusammenhängenden Zwecke sowie ferner Anlage und Betrieb einer Automomil- und Radrennbahn und Übungsstraße auf dem Flugplatz Johannisthal.“ 1

Nach Verhandlungen mit dem Regierungs- und Forstrat, Freiherrn von dem Bussche und weiterer Stellen der Stadt Potsdam, der Gemeinde Teltow, der Königlichen Regierung zu Potsdam und dem Gemeindevorstand Adlershof und Johannisthal, wurde der Pachtvertrag mit dem Geschäftsführer, Major a. D. Georg v. Tschudi, am 26. März 1910 geschlossen.2

Bereits im März 1910 siedelte sich die „Flugmaschine Wright-Gesellschaft mbH“ auf der Adlershofer Seite des Flugfeldes an. Die Vorbereitungen für den Bau des Flugplatzes mit allen notwendigen Bauten liefen auf Hochtouren. Die Stunde der Flugpioniere schlug und die ersten Konstrukteure, Fluginteressenten und Unternehmer bauten oder mieteten Schuppen auf dem Flugfeld. Auch Robert Thelen, der 1909 seinen Dipl.-Ing. abgeschlossen hatte, zog es sofort nach Johannisthal. Er kaufte eine Wright-Flugmaschine und arbeitete in der Firma Wright. Sein Lebensziel war das Fliegen.

Thelen schrieb mit vielen anderen Flugzeugführern, Konstrukteuren, Monteuren, Unternehmern und Funktionären die Geschichte der Luftfahrt und gehört heute zu den herausragenden Persönlichkeiten unter den Flugpionieren.

„Der schweigsame, der Kurvenflieger, der fast immer finster wirkende Mann von unerschrockenem Mut und zäher Ausdauer, der Mann mit der eisernen Maske, pflege seine Konstruktionen selbst zu erproben und frisst Stolz und eigensinnig sein sprichwörtliches Pech in sich hinein.“

So wurde Thelen von seinen Fliegerkameraden oft beschrieben.

Öfter als irgendeiner stürzte er in Johannisthal und anderswo ab. Diese Dokumentation soll versuchen, das Leben von Robert Thelen ohne subjektive Wertungen nachzuzeichnen. Aus diesem Grunde haben sich die Autoren entschlossen, eine Chronologie anhand von Veröffentlichungen aus Büchern, Zeitungen, Archiven und Erzählungen von Zeitzeugen zu erstellen.

Ausdrücklich bedanken möchten wir uns bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bundesarchivs-Militärarchivs in Freiburg, dem Deutschen Technik-Museum Berlin, dem Universitätsarchiv der Technischen Universität Berlin und ganz besonders bei Dr. rer. nat. Bernd Lukasch vom Otto-Lilienthal-Museum in Anklam für die unkomplizierte und schnelle Hilfe und Unterstützung bei unseren Recherchen und Auswertungen der vorhandenen Archivunterlagen.

Das Otto-Lilienthal-Museum verfügt über den größten und interessantesten persönlichen Nachlass von Robert Thelen, den die Autoren durch einen Zeitzeugen erweitern konnten.

Die Dokumentation reiht sich in die bereits vorhandenen Hefte 1-30 ein, die von den Autoren über den Flugplatz Johannisthal für den Zeitraum von 1909-1914 geschrieben worden sind.

Die interessierten Leser bitten wir, bei Vorhandensein von weiteren Hinweisen zu Robert Thelen und zu seinen Lebensstationen, uns zu informieren.

www.johflug.de

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Robert Heinrich Thelen

* 23. März 1884 in Nürnberg

+23. Februar 1968 in Berlin, bestattet am 01.03.1968

Grabstelle auf dem Ev. Friedhof BerlinFriedrichshagen, Grabstelle El: 02, 04/05.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Familie Thelen

Robert Thelen ist eins der insgesamt 12 Kinder seiner Eltern. Sein Vater Hermann Thelen führte mit seinem Bruder Richard Thelen die „Berliner Fabrik für Brauereibedarf, Gebrüder Thelen“ in der Alten Schönhauser Allee 56, um 1900 mit der Anschrift An der Stadtbahn 46 in Berlin-Mitte und ab 1923 als „Gebrüder Thelen Gesellschaft mbH“ Brauerei-Maschinenfabrik, Brauereiartikel in Berlin-Kreuzberg, Belle-Alliance Str. 3 (1947 Straßenumbenennung in Mehringdamm).3 4

Richard Thelen wohnte zur damaligen Zeit in der Urbanstraße 188/III. Stock und war mit der Berufsbezeichnung Kaufmann im Berliner Adressbuch eingetragen.

Vater

Hermann Heinrich Thelen

Geboren am 10. September 1854 in Krefeld

Gestorben am 01. Januar 1907 in Hirschgarten bei Friedrichshagen Kaufmann, Fabrikbesitzer

Eheschließung am 10. August 1881

Mutter

Anna Margarethe Thelen, geb. Röck Geboren am 30. Januar 1861 in Fürth

Gestorben am 04. März 1934 in München, Luisenstr. 1

Im Adressbuch 1904 war Hermann Thelen unter der Anschrift Hirschgarten5, Eschenallee 5 eingetragen. Nach zwei Straßenumbenennungen ist es heute die Wißlerstraße 15 in Berlin-Mahlsdorf.

Unter dieser Anschrift baute Hermann Thelen 1904 das Haus als Wochenendgrundstück, in das Robert Thelen 1913 einzog und mit seiner Familie dort bis zu seinem Tod lebte.

Ansicht des Hauses von der Straßenseite.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufnahme um 1904: Der Haupteingang zum Haus von der Wasserseite.

Die Eltern von Robert Thelen bewohnten die obere Etage des Hauses. Vor 1945 wurde der Dachstuhl durch eine Brandbome zerstört, die rechte Brandmauer stand noch und wurde später abgetragen. Es wurde die obere Etage und das Dach erneuert.

Das Haus der Familie Thelen gehörte zu den hochherrschaftlichen Anwesen im Ort.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Links: Der Wintergarten. Auf dem Tisch der berühmte Hut Robert Thelens, den er immer trug und auf vielen anderen Fotos zu sehen ist. Auf dem Korbsessel der kleine Haushund.

Rechts: Das Arbeitszimmer von Robert Thelen. Auf dem Fensterbrett die dänische Flagge. Davor die Bronzefigur eines Jünglings, der auf den erhobenen Armen einem mit einem Pfeil durchbohrten sterbenden Adler trägt. Die Bronzefigur hatte den Namen „Adlerträger“ und stand auf einem sechskantigen Sockel in grünem und schwarzem Marmor und hatte eine Höhe von 58 cm. Die Figur wurde vom deutschen Bildhauer L. Graefner um 1910 geschaffen.

Die Wohnräume waren sehr aufwendig mit Eichenholz, Seidentapeten usw. eingerichtet. Die Außenwände des Hauses waren mit teuren Fliesen belegt, die noch heute vorhanden sind. Bis ungefähr in den 20er Jahren war Robert Thelens Hobby die Gartenarbeit. Typisch für ihn war, dass er ständig auch innerhalb des Hauses umräumte und vieles in regelmäßigen Abständen handwerklich sichtbar veränderte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sich Robert Thelen immer mehr zurück. Das Interesse am Haus ließ nach, der Gesamtzustand verschlechterte sich auch wegen fehlender finanzieller Mittel. Thelen fehlten auch die finanziellen Mittel. Von seiner geringen Rente waren notwendige Reparaturen der Heizungsanlagen usw. nicht möglich. Zusätzliche Geldeinnahmen bezog Thelen aus Mieteinnahmen seines geerbten großen Mietshauses in Berlin-Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee 92/Ecke Schoenensche Str. 1 mit 21 Wohneinheiten.

Aber auch hier musste investiert werden. Das Haus befand sich zu DDR-Zeiten an einer Hauptstraße, die der Regierung als Protokollstrecke zur täglichen Fahrt nach Wandlitz diente. Der Zustand des Hauses wurde deshalb mit verschiedenen Auflagen belegt. Thelen entschloss sich, das Haus aus finanziellen Gründen zu verkaufen.

1967 vermietete Thelen ein Zimmer in seinem Haus in Berlin-Friedrichshagen an Studenten. Der damalige Student Detlef Denker lebte bis zu seinem Tod in dem Haus und half Thelen bei zwingenden Reparaturarbeiten. Zwischen beiden Familien entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis. Das Ehepaar Denker wurde von Thelen bzw. seiner Frau 1968 als Erben eingesetzt. Die Kinder des Ehepaares Thelen lebten damals bereits in Westdeutschland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weihnachten 1967. Robert Thelen mit seinem Untermieter und Studenten Detlef Denker.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ansichtskarte von der Anlegestelle der Fähre in Hirschgarten. In der Mitte des Bildes ist das Haus von Thelen zu sehen. Das Foto entstand in den 30er Jahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Robert Thelen mit seinen und anderen Kindern bei einer Bootsfahrt auf dem Müggelsee.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ansichtskarte6 um 1930. In der Mitte das Haus Thelen.

Seinem Vater Hermann Thelen gehörte das bereits erwähnte Berliner Mietshaus in 10439 Berlin-Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee 92. Dort war 1923 eine L. Thelen mit der Berufsbezeichnung Buchhalterin im 3. Stock gemeldet. Es könnte sich um eine Tochter gehandelt haben. Hermann Thelen selbst soll dort auch gewohnt haben. Als Geschwister von Robert Thelen sind bisher bekannt:

Schwester: Karoline Thelen

Geboren am 21.04.1883, gestorben am 03.10.1940 (bestattet 07.10.1940)

Bruder: Otto Wilhelm Thelen

Geboren am 26.10.1892 in Berlin

Otto Thelen erhielt am 28. August 1913 auf einem „Albatros-Doppeldecker“ die Flugzeugführererlaubnis Nr. 494. Zu diesem Zeitpunkt war Robert Thelen bei den Albatros-Flugzeugwerken Konstrukteur, Einflieger und Fluglehrer.

Aus einem Lebenslauf des Hauptmann a. D. und Diplom-Ingenieurs Otto Thelen vom 6. Mai 1938 geht hervor, dass er als Betriebsleiter beim „Max Gerner Flugzeugbau“7 in Frankfurt/Main arbeitete, Mitglied der NSDAP war und mit seiner Frau Johanna, geb. Baschwitz zu dieser Zeit in Frankfurt/Main, Hans Thomastr.11 wohnte.

Bei Recherchen wurde ein Fähnrich zur See, Helmuth Thelen (geb. 13.08.1894 in Berlin, gefallen am 28.03.1915 in Kiel) gefunden. Er war Angehöriger der Fliegertruppe. Ob er ein Bruder von Robert Thelen war, ist nicht belegt.

Robert Thelen heiratete am 28. Dezember 1912 in Oslo die Norwegerin Eva Thelen, geb. Knutsen, geb. am 1. April 1885 in Oslo. Ihr Vater, Knut Andreas Knutsen (1829- 1905) war Hofapotheker des Königs von Norwegen. Ihre Mutter, Karen Knutsen, geb. Bruun (1852-?), war Hausfrau.

Thelen lernte seine Ehefrau durch einen norwegischen Kommilitonen an der Königlichen Technischen Hochschule zu Berlin kennen, besuchte sie mehrfach in Oslo und beide verlobten sich 1911. Aus der Ehe gingen die drei Kinder hervor:

Robert Hermann Thelen (11. Oktober 1913 in Berlin - 2003 in Bergheim/Erft.) Karen Ellinor Hülsewig, geb. Thelen, verw. Stephan (25. März 1916 in Berlin - ?) Knut Helmut Thelen (2. September 1918 in Berlin - 1943 durch Flugzeugabsturz)

Wann Eva Thelen verstorben und wo sie bestattet worden ist, konnte noch nicht festgestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Haus von Robert Thelen wurde an die im Haus seit 1967 zur Untermiete wohnende befreundete Familie Denker vererbt. Eva Thelen zog 1968 zu ihrer Tochter und Schwiegersohn Ellinor und Karl Hülsewig nach 58452 Witten a.d.Ruhr.

Eva Thelen vor dem Haus in Berlin-Friedrichshagen um 1960. Links ihr Enkel Peter Stephan, Sohn ihrer Tochter Ellinor.

Die Eltern von Robert Thelen, seine Schwester Karoline und sein Sohn Knut Thelen wurden in der Familiengrabstelle auf dem Ev. Friedhof Berlin-Friedrichshagen, Grabstelle El: 02, 04/05 bestattet. Der Sohn Robert Thelen war für die Pflege der Grabstelle bis zu seinem Tod Anfang 2003 eingetragen. Er lebte mit seiner Familie in Bergheim/Erft., Wohnpark 37. Seine Ehefrau, Pia Thelen-Strobel, bat in der Ausgabe 3/2003 der Zeitung „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.“8 zum Zeitpunkt des Todes ihres Mannes, anstelle von Blumen und Kränzen eine Geldspende auf das Spendenkonto des genannten Vereins zu überweisen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach seinem Tod wurde 2003 die Familiengrabstelle auf dem Friedhof BerlinFriedrichshagen durch Pia Thelen-Strobel aufgegeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die behördliche Genehmigung vom Amt Friedrichshagen Kreis Niederbarnim für eine Reise von Eva Thelen mit ihren drei Kindern nach Kristiania9 im Jahre 1919 zu ihrer Mutter Karen Knutsen.

Im Sophie-Realgymnasium Berlin schloss Robert Thelen am 24. August 190310 die Reifeprüfung ab.

Anschließend arbeitete Thelen von Oktober 1903 bis September 1904 als Volontär bei der „Berliner Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft vormals Firma L. Schwartzkopff“11 und erhielt folgendes Zeugnis12:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Thelen entschloss sich für das Studium in der Fachrichtung Maschinenbau-Ingenieurwesen. Er wurde am 7. Oktober 1904 an der Technischen Hochschule zu Berlin immatrikuliert.

Auszug Studentenmatrikel Band VI, Seite 374:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Die ersten drei Spalten stehen für die Matrikelmummer 16231 , das Datum der Immatrikulirung 7. 10. 1904 und der Aktennummer 205, der neuangelegten Studentenakte. In diesem Fall Rg . für Realgymnasium und ev. für Evangelische. Daran schließt sich der Geburtsort Nürnberg und das Geburtsdatum 26.03.188413 an. In der letzten Spalte der ersten Seite findet sich die Staatsangehörigkeit, Preußen .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der ersten Spalte der zweiten Seite wird die Studienrichtung nachgewiesen. Hier steht M für Maschinenbau. Daran schließen sich die Stempel für die einzelnen Semester an. Laut Stempelung war Robert Thelen vom Wintersemester 1904/05 bis zum Sommersemester 1909 immatrikuliert. Er wurde dann, wie der rote Stempel ausweist „wegen Ablauf der Matrikel gelöscht“ , hat aber wie der Eintrag in der vorletzten Spalte zeigt, den Matrikel bis 9.09. verlängert.

Einen Nachweis ob er mit oder ohne Zeugnis ausgeschieden ist findet sich nicht.“ 14

Im Universitätsarchiv sind heute nur noch die Matrikelbücher vorhanden. Studienakten gibt es leider nicht mehr. Das damalige Hochschularchiv brannte infolge eines Bombentreffers 1943 vollständig aus und sämtliche Unterlagen wurden vernichtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Königlich Technische Hochschule zu Berlin 1910

Robert Thelen schloss sein Studium mit der Hauptprüfung am 5. Februar 1909 und dem Diplomexamen mit dem Gesamtprädikat „gut bestanden“ ab. Seine Diplomarbeit hatte das Thema: „ 12 Zylinder luftgekühlter Flugmotor mit zwangsläufiger Kühlung“ .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zulassungsbescheid für die Hauptprüfung und das Zeugnisüber die bestandene Hauptprüfung.15

Die „Königliche Technische Hochschule zu Berlin“, Abteilung für MaschinenIngenieurwesen, Professor Riedler16, stellte Robert Thelen folgende Vorgaben für die Diplom-Aufgabe:17

„Für einen Drachenflieger ist eine zylindrig einfach wirkende Viertakt-Benzinmaschine zu entwerfen.

Nutzleistung 50 PS bei 1200 Umdrehungen minutlich. Luftkühlung, Zylinder mit Blechmantel. Die Kühlluft wird jedem Zylinder durch einen besonderen Ventilator zugeführt, dessen Drehaxe mit der Zylinderaxe zusammenfällt. Die Ventile sind im Deckel des Zylinders schief anzuordnen und von einerüber den Zylindern angeordneten Steuerwelle aus zu betätigen. Von der Steuerwelle ist auch der Antrieb der Ventilatoren für die Kühlung abzuleiten. Die Zündung ist als Lichtbogenkerzenzündung mit Magnetapparat, für das Anlassen mit Akkumulatoren auszubilden. Um von Hand aus leichter andrehen zu können, ist eine einfach zu betätigende Entkomprimierungs-Vorrichtung vorzusehen.

Der Vergaser ist mit Hauptluft und Brennstoff Regelung an der Spritzdüse auszubilden. Die Betätigung erfolgt von Hand aus gleichzeitig mit der Drosselverstellung. Betriebssicherheit und möglichste Gewichtsanpassung sind Hauptbedingung. Vorzulegen sind:

1. Vollständige Berechnung.
2. Entwurfszeichnungen der wesentlichen Einzelheiten, sowie Werkstattzeichnungen des Zylinders mit allen Einzelheiten der Steuerung.
3. Zusammenstellungszeichnung der Maschine mit Angabe der Rohrführung und Schmierung.

Auf seiner handschriftlich gefertigten Diplomarbeit, die sich im Original im „OttoLilienthal-Museum“ befindet, schrieb Robert Thelen auf dem Deckblatt der Diplomarbeit: „Antriebsmaschine für einen Flieger“.

Robert Thelen bewarb sich am 24. Februar 1909 in zwei Briefen18, unmittelbar nach bestandener Prüfung, als Einjährig-Freiwilliger bei der Luftschifferabteilung in München und Berlin.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Luftschiffer-Abteilung in München lehnte eine Einberufung Thelens ab.

Am 12. September 1909 schickte er dann einen Brief an das „Königlich Preußische Garde-Füsillierregiment „König Elisabeth“. Auch hier kam es zu keiner Einberufung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Handschriftlicher Vermerk auf der Rückseite seiner Bewerbung.

Beginn seiner Fliegerlaufbahn

Schon während seines Studiums interessierte sich Thelen für die Flugversuche in Frankreich, insbesondere des Franzosen Armand Zipfel19, der zu diesem Zeitpunkt seine ersten Sprünge übte. Doch entscheidend für seinen Entschluss, sich der Fliegerei zu widmen, waren die Flüge der Gebrüder Wright vom 1. bis 18. September 1909 und des französischen Fliegers Arthur Charles Hubert Latham (1883-1912) mit dem „Antoinette-Eindecker“ vom 23. bis 26. September 1909 auf dem Tempelhofer Feld. Thelen kaufte sich im Herbst 1909, sicher mit finanzieller Unterstützung seines Vaters, einen „Wright-Doppeldecker“ für ca. 25.000 Goldmark. Seine Kaufbedingung war, bei der deutschen Zweiggesellschaft in Berlin-Reinickendorf angestellt zu werden. Es war die am 13. Mai 1909 gegründet „Flugmaschine Wright-Gesellschaft mbH“, eine Tochtergesellschaft der „Luft-Fahrzeug-Gesellschaft mbH (LFG)“, die wiederum eine Tochtergesellschaft der im Jahre 1906 auf Anregung und mit finanzieller Beteiligung des Kaisers gegründeten „Motorluftschiff- Studiengesellschaft mbH“ war.20 Der Flugplatz Johannisthal war noch im Aufbau.

Werkstatt der Flugmaschine Wright GmbH in Berlin Reinickendorf 1909.

Hinter dem Zahnrad links ohne Kopfbedeckung Robert Thelen. Auf dem Foto ist der erste Nachbau des Wright- Flugapparates zu sehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als 26jähriger absolvierte Robert Thelen bei der „Flugmaschine Wright-Gesellschaft mbH“ seine Flugzeugführerausbildung und leitete bereits vor Erhalt seiner Flugberechtigung gemeinsam mit Paul Engelhard21 Schulungen für Kunden in St. Moritz.

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„B.Z. am Mittag“ vom 14. Februar 1910.

Paul Engelhard und Fridolin Keidel22 waren Fluglehrer bei der „Wright-Gesellschaft und lehrten Robert Thelen und weiteren Flugschülern das Fliegen. Keidel war einer der ersten Mechaniker bei Wright. Vom Jahre 1906 bis zur Eröffnung des Flugplatzes Johannisthal 1909 war Keidel bei der „Motorluftschiff-Studiengesellschaft mbH“ als Luftschiffmonteur und Maschinist tätig.

Als Orville Wright im September 1909 in Tempelhof seine Flüge vorführte, war Keidel als Kraftfahrer für die Brüder Wright tätig, die ihm eine kostenlose Flugzeugführerausbildung anboten.

Nach seiner Ausbildung wurde er als Fluglehrer bei Wright übernommen und sein prominentester Schüler war Robert Thelen.

Offizielles Plakat 1909.23

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ansichtskarte um 1910.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die ersten deutschen Flugschüler 1909 in Johannisthal in der Motorflugschule der „Flugmaschine Wright-Gesellschaft mbH“:

Von links: Raymund Eyring (1868-1911), Oskar Heim (1882-1), Theodor Schauenburg (1885-1917) Robert Thelen, der Ö sterreicher Dr. Josef Sablatnig und Dr. Georg Arntzen (1886-1916). Vorn sitzend: Fridolin Keidel (1882-1960).

Unter der Leitung des Wright-Fluglehrers Fridolin Keidel absolvierten die Flugschüler auf dem neuen Wright-Flugapparat mit verbesserten Anlaufrädern ihre Flugstunden auf dem Flugfeld Johannisthal. Robert Thelen machte fünf Flüge mit Fridolin Keidel, dann startete er selbst zum „Soloflug“ auf dem Johannisthaler Flugfeld. Allerdings ohne Genehmigung. Es gab anschließend zwar einigen Ärger, aber man erteilte ihm schließlich später doch das Flugpatent.

Robert Thelen 1910 in einer Wright Flugmaschine.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Am 4. April 1910 absolvierte Thelen mit dem Wright-Doppeldecker weitere Flugstunden. Bei der Landung stieß er mit dem Flugapparat so stark auf den Boden, dass die Achse des Rädergestells verbogen wurde. Er blieb unverletzt.24

Jeden Tag nutzte Robert Thelen zum Fliegen, um sich auch für die kommende „Berliner Flugwoche“ vorzubereiten. Am 9. Mai 1910, am Vortag der Eröffnung der Flugwoche, versuchte er einen Überlandflug nach Rudow über die Gemeinde Adlershof, nachdem er zuvor bei einem Probeflug für den angestrebten Preis des kleinsten Flugkreises gute Erfolge erzielt hatte. Thelen steuerte über die Umzäunung des Flugfeldes.

Dabei neigte sich der Wright-Apparat plötzlich nach rechts und stürzte aus ziemlich beträchtlicher Höhe auf das freie Feld. Thelen blieb glücklicherweise unverletzt, dagegen wurde der Apparat völlig zerstört. 25

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Thelen am Start.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Trümmer des Flugapparats von Thelen am 9. Mai 1910 außerhalb des Flugfelds.

Vom Pech verfolgt war Thelen bei seinen weiteren vorgeschriebenen Schul- und Übungsflügen im Mai 1910 zur Vorbereitung seiner Flugzeugführerprüfung. Am Vormittag des 30. April beschädigte er den Flugapparat bei einer unglücklichen Landung und erlitt Verletzungen im Gesicht. Das hinderte ihn aber nicht daran, am nächsten Tag nachmittags die Bedingungen für die Flugzeugführerprüfung erfolgreich auf dem Flugfeld Johannisthal abzulegen.26

Robert Thelen erhielt noch vor der „Berliner Flugwoche“ das Pilotenzeugnis und den Flugschein Nr. 9, ausgestellt am 11. Mai 1910 vom „Deutschen Luftschiffer-Verband (DVL)“.

Er gehörte somit zu den 817 Pionieren der Luftfahrtgeschichte, die ihren Flugschein vor dem Ersten Weltkrieg erhielten und sich später „Die Alten Adler“ nannten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Ausweis27 wurde vom Vorstand des DLV, Stephan von Nieber (1855-1920) unterzeichnet. Exzellenz Generalleutnant v. Nieber war später Ehrenpräsident des DLV. Er war als ehemaliger Kommandeur der Luftschifferabteilung und damaliger Vorgesetzter von Major a. D. Georg von Tschudi (1862-1928), den er 1909 aufforderte, die Leitung des ersten deutschen zivilen Motorflugplatzes in Berlin-Johannisthal zu übernehmen. Ab 1. Januar 1910 wurde v. Tschudi Geschäftsführer und Direktor der „Flug- und Sport-Platz Berlin-Johannisthal GmbH“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stephan v. Nieber und Major a. D. Georg v. Tschudi

Seit Gründung der „Flugmaschine Wright-Gesellschaft mbH“ in Berlin wurden folgende Flugschüler auf den Wright-Maschinen ausgebildet und erhielten die Flugzeugführererlaubnis.28

Viele von denen sind ab Juni 1910 - ausgebildet worden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das offizielle Veranstaltungsplakat für die Flugwoche.29

Die Thelenstraße in Adlershof

Als gemeldeter Teilnehmer der „Internationalen Flugwoche 1910“ auf dem FlugplatzJohannisthal überflog er als Erster die Gemeinde Adlershof, stürzte aber-wie bereits beschrieben-ab. Aus diesem Anlass wurde im Verlaufe des II. Halbjahres 1910 eine noch nicht errichtete Straße nach ihm benannt.

Sie war damals die verlängerte Feldherrenstraße und war noch unbebaut. Die 1910 angelegte Straße wurde in einem Bebauungsplan von 1907 als „Neue Straße B oder Planstraße B“ ausgewiesen.

Erst 1925 beantragte die Eigentümerfamilie Bodenstedt die Baugenehmigung. Beauftragt für die Zeichnungsunterlagen war der Architekt Mühlau. Das Bauvorhaben umfasste den "Baukomplex Dr. Bodenstedt" oder "Siedlung Adlershof“. Es waren die Blöcke A-G mit 109 Häusern, darunter 12 für die Thelenstraße. Gebaut wurde ab September 1926 bis letztlich 1931.30

Heute verläuft die kurze Thelenstraße zwischen Silberbergerstraße und Altheider Straße.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Thelenstraße in Adlershof 1950 und 2010

Weitere nach Robert Thelen benannte Straßen gibt es noch in Berlin-Gatow, unmittelbar am ehemaligen Flugplatz, der damaligen Kriegsschule der Luftwaffe und am heutigen Luftwaffenmuseum. Dort gibt es zahlreiche Straßen, die nach weiteren bekannten Flugpionieren benannt wurden.

Gründung der „ad Astra Fluggesellschaft“

Zusammen mit dem Flugzeugführer, Grundbesitzer und Landwirt, Rudolf Kiepert (1888-1955)31, gründete Thelen 1910 die „Ad Astra-Fluggesellschaft“ zur Veranstaltung von Schauflügen und zur Pilotenausbildung. Thelen war Teilhaber, Flugzeugführer und Fluglehrer dieser GmbH. Bei den Passagierflügen konnte ein Fluggast auf dem Sitz neben dem Piloten mitgenommen werden. Der Mechaniker Hugo Lange (1885- 1962) wurde als Reisemonteur angestellt. Es ging nach Gotha, Weimar, Heringsdorf, Ahlbeck, Binz, Gelsenkirchen, Schwerte, Herne, ja sogar nach Dänemark, wo in Aarhus und Kopenhagen prächtige Flüge unter großer Anteilnahme des Publikum gezeigt wurden. Hugo Lange begleitete Robert Thelen zwei Jahre auf allen Luftreisen; dann ging er zu den „Rumpler-Werken GmbH“, wo bereits seine beiden Brüder tätig waren. Hugo Lange absolvierte am 20. Mai 1914 seine Flugzeugführererlaubnis Nr. 770 in Johannisthal auf einem „Etrich-Eindecker“.

Unter den Flugschülern auf dem Flugplatz Johannisthal war auch die bekannte erste deutsche Motorfliegerin Amelie (Melli) Beese (1886-1925). Als sie 1910 einen Fluglehrer in Johannisthal suchte, wurde sie von den Albatros Flugzeugwerken abgelehnt, weil diese noch keine Erfahrungen mit weiblichen Schülerinnen hatten. Danach sprach sie bei den „Flugmaschine Wright-Gesellschaft mbH“ vor. Der dortige Fluglehrer Paul Engelhard weigerte sich, nach der Flugausbildung von Käthe Paulus (1868-1935) noch einmal eine Frau zu unterrichten. Als 41-jährige erwarb sie eine Blériot-Flugmaschine und nahm Flugstunden bei Engelhard. Sie war die erste deutsche Berufsluftschifferin, Luftakrobatin und Erfinderin des zusammenlegbaren Fallschirms. Als „Luftschiffer“ wurden damals alle Beteiligten an der „Leichter als Luft-Technik“, also auch Ballonfahrer, bezeichnet. Als Engelhard jedoch bei seinem Flugzeugabsturz ums Leben kam, verzichtete Käthe Paulus auf eine weitere Ausbildung und auf die Fluglizenz.

Robert Thelen erklärte sich schließlich bereit, Melli Beese zu unterrichten. Bei ihrem zweiten Schulflug mit Thelen am 12. Dezember 1910 flogen sie im WrightFlugapparat mehrere Runden in bedeutenden Höhen und senkten sich dann bis auf ca. 10 Meter über dem Boden herab. Gegenüber der Flugzeugschuppenreihe stürzte die Maschine plötzlich nieder und zerbrach vollständig. Von der Maschine war kaum ein Stück ganz geblieben.

Thelen behauptete, dass der Motor aussetzte und das Unglück durch das Reißen einer Verbindungskette entstanden sei. Beim Absturz brach sich Melli Besse den Fußknöchel, Thelen blieb unverletzt.32

Für Thelen war ihre Bruchlandung der Beweis, dass „Frauen im Flugzeug eben Unglück bringen“ und er weigerte sich, sie weiter auszubilden.

Unbeirrt und zielstrebig verfolgte Melli Beese ihr Ziel, Fliegerin zu werden. Am 13. September 1911, ihrem 25. Geburtstag, stieg Melli Beese in den frühen Morgenstunden mit der „Rumpler-Taube“ auf und flog die vorgeschriebenen Runden und Figuren. Als ihre neidischen Kameraden auf dem Flugfeld eintrafen, hielt sie bereits als erste Frau Deutschlands das Flugzeugführerzeugnis des „Vereins des Deutschen Luftfahrtverbandes (DLV)“ Nr. 115 in ihren Händen.

In ihren Erinnerungen an Johannisthal schrieb Melli Beese über Robert Thelen im Jahre 1921:

Es warüberhaupt etwas Eigenes um Robert Thelen, außer einem Norweger habe ich nie einen gleich finsteren, verschlossenen Menschen gesehen. Nun, ich war auch nicht gerade geeignet, jemanden aufzuheitern und so konnten wir tage- ja wochenlang nebeneinander hergehen und arbeiten, ohne auch nur das kleinste Wörtchen zusammen zu wechseln. Eine Erklärung seines eigentümlichen Verhaltens zu verlangen war ich zu stolz; aber ich wartete, wartete zwei, drei, fast vier lange Monate und machte inzwischen Augen und Ohren auf, um vom Bau der mannigfaltigen Flugzeugtypen ringsherum zu lernen, was irgend zu lernen war. Robert Thelen kam ich dabei natürlich nicht näher, und es tat mir aufrichtig leid, schon um des zweifellos wertvolle Lebens willen, das hier seine Jugend, unter was immer für einem Druck wortlos leidend, versäumte. Aber wir glichen uns wohl zu sehr im Charakter, in unserem Stolze und auch da, wo es Eigensinn wurde. So kommt es, daßich gerade von meinem ersten Fluglehrer am wenigsten Persönliches zu sagen weiß.

Als Flieger dagegen war er von unverschrockenem Mute und zäher Ausdauer, und was ihm im deutschen Flugwesen für immer einen Namen sichern soll: Er war gleichzeitig Konstrukteur. Einer von den Suchenden, den Pionieren, wie wir damals fast alle - die ihre Konstruktionen furchtlos selbst erprobten, unter rücksichtsloser Hintansetzung von Leben und Gesundheit, sie oft genug dabei lassend, und mit Aufopferung ihres gesamten Besitzes. Ich kenne mehr als einen, der gehungert hat, um weiter arbeiten zu können - und dann schließlich doch mit leeren Händen und wunden Gliedern für immer vom Platze ging …

Hier ist die wahre Kinderstube der deutschen Flugtechnik: Hier wurde sie geboren, hier herangebildet unter tausend Sorgen, Ä ngsten und Opfern, und Robert Thelens Name wird auf immer mit ihr verbunden sein als einer ihrer unermüdlichen Förderer, der ihr gedient hat im Irren, wie im Vollbringen. Er durfte am Leben bleiben- eigentümlich genug, da eröfter gestürzt ist, als irgendein anderer und ist im Laufe der Jahre zu der verantwortungsvollen Stellung des technischen Leiters der Albatros- Werke emporgestiegen, wie sie der Krieg gestaltet hat. Ich aber trennte mich im Mai jenen Jahres (1910/A.K.) von ihm, ohne in der monatelangen Wartezeit auch nur einmal wieder neben ihm am Steuer gesessen zu haben. Wir waren wohl beide nicht reif genug, um scheinbare Mißklänge durch ein kluges, offenes Wort zu lösen … .“ 33

Mai 1910 - Japanische Militärdelegation in Johannisthal

Im Auftrage der japanischen Regierung und Armee reisten Hauptmann Yoshitoshi Tokugawa (1884-1963) nach Frankreich und Hauptmann Kumazo Hino (1878-1946) im Mai nach Deutschland. Ihr Ziel war es, fliegen zu lernen und geeignete Flugzeuge für Japan zu erwerben. Die Fliegerausbildung absolvierten sie auf dem Flugplatz Johannisthal und auch auf dem Flugfeld in Bork bei Hans Grade (1879-1946). Die japanische Kommission kaufte einen Grade-Eindecker und einen Farman-Eindecker und überführten diese Ende 1910 nach Japan.34

Die japanische Studienkommission besuchte im Juni 1910 und am 20. Oktober 1910 die Werkstätten der Wright-Gesellschaft in Reinickendorf. Die japanischen Offiziere waren überrascht, bereits eine so große Zahl von Maschinen im Bau vorzufinden. Nachmittags führte Robert Thelen in Johannisthal Flüge mit einem neuen Modell einer Wright-Maschine aus. Es handelte sich um die erstmalige Erprobung eines Apparats, der mit Rädern versehen war und sich ohne Startmaschine und Fallgewicht vom Boden erheben konnte.

Thelen gelang es, bei den vier Startversuchen mit einem Passagier an Bord nach ca. 100 m Anlauf gegen den Wind vom Boden freizukommen. Mit dem Wind waren etwa 150 m Anlauf notwendig gewesen. Durch die Anbringung der Räder war es künftig auch möglich, mit den Wright-Apparaten ohne weiteres größere Überlandflüge mit Zwischenlandungen auszuführen, was Thelen auch später unter Beweis stellte.35

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Besuch der japanischen Kommission bei der Wright-Gesellschaft. Robert Thelen zweiter von rechts.

Von links nach rechts:

Hauptmann Kumazo Hino, Willy Mente, Robert Thelen , Bruno Jablonsky und der Flugzeug- konstrukteur Professor Alexander Baumann.36 .

(Aufnahme vor dem 25. Oktober 1910, Willy Mente stürzte davor bei einem mißglückten Gleitflug in Magdeburg tödlich ab.)

Willy Mente hatte die Fluglizenz Nr. 32 vom 28.09.1910 und Bruno Jablonsky (1892- 1978), Fluglizenz Nr. 30 vom 28.09.1910. Die genannten Flugzeugführer gehörten ebenfalls zur Wright-Gesellschaft und legten ihre Flugzeugführerlizenz auf „WrightZweidecker“ in Johannisthal ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der „Deutschen Zeitschrift für Luftschiffahrt (DZL)“ vom 1. Juni 1910, Nr. 11 erschien diese Zeichnung (Nr. 10 Robert Thelen).

[...]


1 Landesarchiv Brandenburg, Rep. 2A III/F, Nr. 8598

2 Ebenda, Nr. 8599

3 Der vorhandene Familien-Stammbaum ist nicht Bestandteil dieser Dokumentation.

4 Berliner Adressbuch 1886 und 1900.

5 Die Villenkolonie Hirschgarten gehörte seit der Gründung im Juni 1870 zum Kreis Niederbarnim. Am 9. Juli 1898 wurde die „Kolonie Hirschgarten“ in den Gemeindebezirk Friedrichshagen eingegliedert und wurde als „Hirschgarten bei Friedrichshagen an der Spree“ bezeichnet. Erst am 1. Oktober 1920 erfolgte die Eingemeindung nach Groß-Berlin und ab 1932 zum Bezirk Köpenick.

6 Foto von Steffi Mosblech (www.agenturmosblech.de)

7 Der Flugzeugbau Max Gerner war einer von insgesamt 28 Luftfahrtbetrieben, die im Frankfurter Raum zwischen 1907 und 1945 tätig waren. 1928 wurde die Firma gegründet. Max Gerner arbeitete zuvor als Konstrukteur bei der Flugzeugbau GmbH des Unternehmers Richard Dietrich (1884-1945, Flugzeugführerlizenz Nr. 584 auf „Grade-Eindecker“, Flugfeld Mars b. Bork). Richard Dietrich, Otto und Robert Thelen kannten sich gut aus der Johannisthaler Flugplatz-Zeit.

8 www.volksbund.de

9 Die Freistadt Christiania, dänisch Fristad Christiania, ist eine alternative Wohnsiedlung in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen seit 1971.

Schulischer- und Beruflicher Werdegang Robert Thelens

10 Archiv des „Otto Lilienthal-Museum“ in Anklam, Inventar-Nr. 9402 (Thelen-Nachlass 301) 17

11 Louis Schwartzkopff (1825-1892). Die Werke befanden sich in der Berliner Scheringstr. 13-28 und Chausseestr. 20 und bildeten seit 1867 ein Zentrum des deutschen Dampflokomotivenbau. 1897 wurde ein zweites Werk in Wildau eröffnet. Seit 1899 baute das Unternehmen auch LinotypeSetzmaschinen für die Mergenthaler Setzmaschinen-Fabrik GmbH (Berlin).

12 „Otto Lilienthal-Museum“ in Anklam, (Thelen-Nachlass Archiv Nr. 9402/2.4) 18

13 Fehler beim Eintrag des Geburtsdatums, er war am 23. März 1884 geboren).

14 Universitätsarchiv der TU Berlin.

15 „Otto Lilienthal-Museum“ in Anklam, (Thelen-Nachlass Archiv Nr. 9402/2.8/2) 20

16 Prof. Alois Riedler (1850-1936), Im Jahre 1903 wurde an der damaligen Königlichen Technischen Hochschule zu Berlin in Charlottenburg ein Laboratorium für Verbrennungskraftmaschinen gegründet, dessen Leitung ihm übertragen wurde, der im übrigen 1899 beim Deutschen Kaiser das Promotionsrecht („Dr.-Ing.") für die deutschen Technischen Hochschulen erwirkt hatte.

17 „Otto Lilienthal-Museum“ in Anklam, (Thelen-Nachlass Archiv Nr. 9402). 21

18 „Otto Lilienthal-Museum“ in Anklam, (Thelen-Nachlass Archiv Nr. 9402/2.8/2). 22

19 Armand Zipfel (1883-1954). Es gelangten ihm mehrere Flüge vor einem begeisterten Publikum auf dem Gelände des zukünftigen internationalen Flughafen Tempelhof, neun Monate vor Orville Wright.

20 „Als die Oldtimer flogen“, Günter Schmitt, Transpress-Verlag für Verkehrswesen, 1987. 23

21 Paul Emil Engelhard (1868-1911), Flugzeugführererlaubnis Nr. 3 vom 1. März 1910 auf WrightZweidecker in Johannisthal, wo am 29.09.1911 aufgrund einer Windböe der Propeller gegen das Heckgestänge drückte und es durchschlug. Engelhard stürzte in Johannisthal tödlich ab.

22 Fridolin Keidel (1882-1960), Flugzeugführererlaubnis Nr. 5 vom 27. April 1910 auf WrightZweidecker, Flugfeld Johannisthal.

23 Das Plakat erstellte der Lithograf und Gebrauchsgrafiker Hans Rudi Erdt aus Berlin (1883-1925). 24

24 B.Z. am Mittag vom 5. April 1910.

25 B. Z. am Mittag vom 10. Mai 1910.

26 B. Z. am Mittag vom 2. Mai 1910.

27 Das Original ist im Deutschen Technik Museum Berlin ausgestellt. 28

28 Angaben erstellt von Alexander Kauther und Paul Wirtz anhand der aufbereiteten Listen der Flugzeugführerprüfungen auf Wright-Maschinen.

29 Julius Klinger (1876-1942), Illustrator und Gebrauchsgrafiker. 30

30 Quelle: Helmut Prochnow, Berlin-Adlershof.

31 Kiepert hatte die Flugzeugführererlaubnis Nr. 65 vom 24.02.1911 auf Wright- Zweidecker, Flugplatz-Johannisthal erworben. Er wohnte ab 1916 in Johannisthal, Sternplatz 5, im Häuserkomplex das 1916 von der Terrain AG gebaut wurde. Sie Heft 23 der Dokumentenreihe.

32 B. Z. am Mittag vom 13.12.1910.

33 Der Luftweg Nr. 17/18, Unser Flugplatz-in memoriam.

34 „Kumazo Hino-Ein japanischer Flieger in Johannisthal“, Heft 20 der Dokumentenreihe über den Flugplatz Johannisthal von Kauther/Wirtz, 2010.

35 B. Z. am Mittag vom 21. Oktober 1910 und „Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt“, Juni 1910. 34

36 Foto aus „Buch der deutschen Fluggeschichte“, Band 1, Peter Supf, 1935, Seite 294. 35

Details

Seiten
146
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640988730
ISBN (Buch)
9783640988877
Dateigröße
55.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177280
Note
Schlagworte
Thelen Johannisthal Adlershof Luftfahrtgeschichte Albatros Wright Pilot

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Titel: Robert Thelen - Ein Alter Adler in Berlin-Johannisthal