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Bildung im veränderten Generationsgefüge

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Der Bildungsbegriff
2.1. historischerBezug
2.2. aktuellerBezug

3. Bildung im veränderten Generationsgefüge
3.1. Demographischer Wandel und seine Auswirkungen
3.2. Generationsbeziehung
3.3..Generationsverhältnis

4. Generationsgerechtigkeit - eine Chance für Jung und Alt?
4.1. Definition
4.2. Generationsgerechtigkeit - sinnvolle Möglichkeit oder fiktiveldee?

5. Literatur

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars ,, Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft: Bildung und Ungleichheit“ wurde der Bildungsbegriff historisch und systematisch aufgearbeitet. Neben klassischen Bildungstheorien diskutierten die Teilnehmer über aktuelle bildungs- und ungleichheitstheoretische Ansätze. In diesem Zusammenhang sprach man auch über Bildung im Bezug auf Generationsbeziehungen beziehungsweise auf Generationsverhältnisse. Neben diesen beiden Leitideen wurden Fragen nach der Generationsgerechtigkeit erörtert. Dieses Thema ist sehr komplex und wird im Zuge des demographischen Wandels stark diskutiert.

In meiner Hausarbeit wende ich mich zuerst dem Bildungsbegriff zu. Auf historischer Ebene orientiere ich mich an der Bildungstheorie Wilhelm von Humboldts. In aktueller Hinsicht halte ich mich an Wolfgang Klafki. Anschließend leite ich zum Thema „Bildung im veränderten Generationsgefüge“ über. Im ersten Teilabschnitt widme ich mich dem demographischen Wandel und seinen Auswirkungen. Um die vollständige Bedeutung des demographischen Wandels zu klären, werde ich teilweise auf soziale, politische, ökonomische sowie pädagogische Interessen zu sprechen kommen. Danach beschreibe ich die heutigen Generationsbeziehungen sowie das derzeitige Generationsverhältnis und stelle einen Bezug zum Thema Bildung her. Der letzte Teil meiner Hausarbeit wendet sich der Frage nach einer Generationsgerechtigkeit zu. Dabei möchte ich vor allem darauf eingehen, in wie weit man eine Gerechtigkeit unter den Generationen herstellen kann. Ist das wirklich eine Möglichkeit für ein besseres Zusammenleben und ein gemeinsames Lernen oder stellt dieser Gedanke lediglich eine fiktive Idee dar?

2. Der Bildungsbegriff

2.1. historischer Bezug

Der Terminus Bildung ist ein altehrwürdiger Begriff, der im historischen Kontext seine Blütezeit im 18. Jahrhundert mit der Bildungstheorie Wilhelm von Humboldts fand. Bereits in den ersten Schriften Humboldts finden sich Leitideen seiner Bildungstheorie: „ Der wahre Zwecke des Menschen [...] ist die höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen“ (Humboldt 1792/1980, S.64). Humboldt beschreibt Bildung also als eine Art Vorgang oder Entwicklung, bei dem das Individuum Anlagen und Potenziale entfalten soll, ohne das diese durch andere Zwecke beeinflusst oder begrenzt werden. Nicht gesellschaftliche Anforderungen sollen im Vordergrund stehen, sondern lediglich individuelle Entwicklungspotenziale. Das Ergebnis dieser Bestrebung soll die Aufwertung des Individuums sein. Dafür bedarf es einer abwechslungsreichen Umgebung, durch die möglichst alle Kräfte angesprochen werden. Eine weitere Forderung, die Humboldt an die Bildung stellt, ist die Rücksichtnahme auf Eigentümlichkeiten, der sich bildenden Individuen (ebd. 1793/1980, S. 239). Damit will Humboldt ausdrücken, dass das einzelne Individuum nicht allein ein ganzes Menschengeschlecht verkörpern kann. Bildung sei vielmehr ein gesellschaftlicher Prozess. Des weiteren betrachtet Humboldt Bildung als ein Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen dem Ich des Individuums und der Welt. Dabei ist Welt nicht nur als die gegenständliche, materielle Umwelt zu begreifen, sie befasst sich vielmehr auch mit den Individuen der Gesellschaft, sowie mit kulturellen Errungenschaften. Als wichtigen Bestandteil fasst Humboldt die Sprache auf, die seiner Ansicht nach erst eine Wechselwirkung zu Stande bringen vermag: er bezeichnet Sprache als das „bildende Organ der Gedanken“ (ebd. 1960-81, Bd. III, S.426). Sprache dient demnach der Gedankenäußerung und gibt einen Aufschluss darüber, wie das einzelne Individuum seine Welt interpretiert. Dabei ist die Vielfalt der Sprachen bedeutend. Nur durch die Verschiedenheit der Sprachen kann das Individuum neue Denkweisen und Empfindungen entwickeln.

Humboldts Bildungstheorie mag zwar alt sein, ist aber in einigen Aspekten gar nicht so unzeitgemäß. Zum einen ist es bemerkenswert, dass sich Humboldt von theologischen Ansätzen distanziert, zum anderen das er nicht nur die äußeren Umstände des Bildungsvorgangs in Betracht zieht. Vielmehr wendet er sich dem Individuum selbst zu und geht auf innere Entwicklungspotenziale ein. Die Bedeutung der Sprache spricht einerseits ebenfalls für Humboldts Bildungstheorie. Gerade im Hinblick auf die heutigen gesellschaftlichen - und kulturellen Entwicklungen vermag sie an Aktualität zu gewinnen. Die Pluralität der heutigen Gesellschaft könnte im Sinne Humboldts eine Vielfalt und Verschiedenheit der sprachlichen Weltansichten bedeuten. Diese Pluralität stellt andererseits aber auch eine Problematik für die heutige Gültigkeit dar. Mittlerweile basiert die moderne Gesellschaft auf den unterschiedlichsten Denk- und Sprechweisen, dass es laut Koller zu einer „permanenten Möglichkeit des Konflikts zwischen den verschieden Sprachspielen“ kommen kann, ohne das eine höhere Schiedsinstanz vorhanden zu sein scheint (Koller 2009, S.37). Das von Humboldt angestrebte harmonische Dasein ist dadurch unentwegt gefährdet. Daher kann Pluralität unter den heutigen gesellschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr zwangsläufig als positive Vielfalt gesehen werden, die ein friedliches Zusammenleben und Lernen ermöglicht, sondern eher als ein Problem, welches Differenzen im Bildungserwerb entstehen lässt.

2.2. aktueller Bezug

Im gegenwärtigen Kontext, wird darüber diskutiert, in wie weit der Begriff Bildung noch relevant ist. Kann man ihn auf die Anforderungen der Gegenwart weiterhin auslegen oder ist das alte Verständnis von Bildung unrealistisch geworden, sodass ein anderes Wort dafür gefunden werden muss? In diesem Zusammenhang setzt sich Wolfgang Klafki mit dem Bildungsbegriff kritisch auseinander, indem er die alte Fassung, unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Bedingungen der Gegenwart, neu konzipiert, sodass er der Moderne gerecht wird.

In seinem Aufsatz „Abschied von der Aufklärung?“ meint Klafki zwar, dass der Bildungsbegriff historisch überholt sei, räumt aber zugleich ein, dass der Terminus für die Erziehungswissenschaft immer noch Bedeutung besäße. Seiner Ansicht nach ist Bildung ein Ausdruck pädagogischen Handelns, der ursprünglich gesellschaftskritisch angelegt war. Im gegenwärtigen Kontext müssen Bildungstheorien geschichtlich aufgearbeitet, kritisch untersucht und auf die Gegenwart projiziert werden (Klafki 2007, S. 268ff.). Unter Berücksichtigung dessen versucht Klafki eine neues Allgemeinbildungskonzept zu erstellen: er spricht von einer „Bildung für alle“, einer „Bildung im Medium des Allgemeinen“ und einer „Bildung in allen Grunddimensionen menschlicher Fähigkeiten“ (ebd., S.271).

Unter Bildung für alle versteht Klafki, dass Ungleichheiten, in Bezug auf Chancengerechtigkeit, abgebaut werden sollen. Alle Menschen, hinsichtlich ihre gesellschaftlichen Stellung, sollen die Möglichkeit zur individuellen Entfaltung erhalten. In diesem Zusammenhang spricht er von einem „Abbau selektiver Faktoren im Bildungswesen“ sowie von einer „Ausdehnung und Intensivierung gemeinsamer Bildungseinrichtungen“ (ebd., S.271). Die Bezeichnung Bildung im Medium des Allgemeinen gibt Aufschluss darüber, welche Bildungsgegenstände vermittelt werden sollen. Laut Klafki soll der Mensch ein Bewusstsein für gegenwärtige Probleme entwickeln, sich einsichtig zeigen und die Bereitschaft aufbringen, nach Perspektiven und Möglichkeiten zu suchen, um gesellschaftlichen Umbrüchen entgegen zu wirken. Zentrale Aufgabenfelder sind unter anderem die Friedensfrage, die Umweltfrage, die gesellschaftliche produzierte Ungleichheit und die möglichen Gefahren technologischer Errungenschaften (ebd. S.272ff.). Mit dem Terminus Bildung in allen Grunddimensionen menschlicher Fähigkeiten verweist Klafki auf die Problematik der „Blickverengung“ beziehungsweise der „Überforderung“ hinsichtlich der Kernprobleme, die mit Hilfe von „kognitiven, emotionalen, ästhetischen, sozialen, praktisch - technischen Fähigkeiten“ bewältigt werden sollen (ebd., S. 276). In diesem Zusammenhang fordert Klafki Bildungsinstitutionen mit einem vielseitigen Angebot, in denen das Individuum seinen eigenen Interessen nachgehen kann.

Grundlegend lässt sich sagen, dass Klafkis Bildungstheorie damit an Humboldt Leitideen zum Thema Bildung anknüpft. Während er von der Entfalt]ung aller menschlichen Anlagen spricht, versteht Humboldt Bildung als einen Prozess bei dem das Individuum seine Kräfte ausbildet, um ein harmonisches Dasein zu führen. Während Humboldt damit lediglich die Kraft des Verstandes, die Einbildungskraft und die Vielfalt sinnlicher Anschauung meinte, bezieht Klafki soziale, praktisch- technische sowie ethnisch-religiöse Fähigkeiten mit ein. Beide sind allerdings der Auffassung, dass Bildung Ausgeglichenheit und die wechselseitige Ergänzung unterschiedlicher Anlagen bedarf, welche im Hinblick auf die Individualität des Einzelnen berücksichtigt werden müssen. Mögen Klafkis Ansichten soweit vertretbar sein, so lassen sich doch einige Einwände finden. Durch die Pluralität der Gesellschaft scheint es schwieriger denn je zu sein, die von ihm vorgeschlagenen Bildungsinhalte zu vermitteln. Wenn man den Angaben der PISA Studien glaubt, so scheinen immer noch die elementaren Grundfähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen im Vordergrund schulischer Bildung zu stehen, als die Förderung individueller Interessen. Auch sollte man sich die Frage stellen, in wie weit eine allgemeine Bildung individuelle Interessen fördern kann, die sich den Schlüsselproblemen entziehen? Eine Neufassung des Bildungsbegriff müsste daher geeignete allgemeine Bildungsinhalte beschreiben, als auch individuelle Bildungsprozesse berücksichtigen und konkrete pädagogische Handlungsmöglichkeiten vorschlagen.

3. Bildung im veränderten Generationsgeftige

3.1. Demographischer Wandel und seine Auswirkungen

In der Debatte um Bildung zwischen den Generationen ist vor allem der demographische Wandel ein relevantes Thema. Die Forschung zum demographischen Wandel befasst sich mit dem Leben, Sein und Sterben der menschlichen Bevölkerung. Sie analysiert die Bevölkerungszahl sowie die Verteilung und erfasst unter anderem soziale Bedingungen, die zu Veränderungen der Bevölkerungsstruktur führen (vgl. Hausmann 2009, S. 17). In diesem Kontext werden gegenwärtig Themen wie sinkende Geburtenrate, Lebenserwartung, Verlängerung der Ausbildungszeiten, Renteneintrittsalter sowie Zu- und Abwanderungszahlen diskutiert (vgl. Ecarius 2008, S. 107). Erste Ergebnisse haben gezeigt, dass deutsche Frauen im Durchschnitt etwa 1,4 Kinder zur Welt bringen. Deutschland zählt damit zu den „Nachwuchs ärmsten Ländern der Welt“ (Hausmann 2009, S. 19). Betrachtet man zuzüglich die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung, die bei Männern heutzutage 77 Jahre und bei Frauen 82 Jahre beträgt (vgl. Statistisches Bundesamt 2006), so kommt man zu dem Ergebnis, dass die Geburtenrate deutlich unter dem Niveau liegt, um einen Bevölkerungsrückgang, ohne Zuwanderung, entgegen zu wirken. Die Bevölkerung vergreist also zunehmend. Im Jahr 2003 teilte das Statische Bundesamt sogar mit, dass bis 2020 die Schülerzahl in den Sekundarstufen I und II sich halbiert haben wird, während der Prozentsatz der über 80- Jährigen sich bis 2050 von gegenwärtig 4% auf 12% erhöhen wird, was etwa einer Anzahl von 9,1 Millionen entspricht. Folglich würde langfristig die ältere Generation zur Last der jüngeren Generation fallen, da diese ökonomisch aktiver sein müsste, um die ältere Generation zu stützen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640992300
ISBN (Buch)
9783656207122
Dateigröße
888 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177532
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Bildungsbegriff Demographischer Wandel Generationsbeziehung Generationsverhältnis Generationsgerechtigkeit

Autor

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Titel: Bildung im veränderten Generationsgefüge