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Auswirkungen des Geschlechts auf das Selbstvertrauen und der Einfluss dieser auf die Mathematikleistungen

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Herleitung der Fragestellung und Hypothesen

3 Methode

4 Modalitäten der Datenerhebung

5 Stichprobe

6 Operationalisierung der Variablen

7 Analyse mit Darstellung der Ergebnisse

8 Zusammenfassung

9 Ausblick

10 Literatur

11 Anhang
I SPSS Ausgabe zum T-Test zu Hypothese 1
II SPSS-Ausgabe zur Rangkorrelation zu Hypothese 2
III SPSS-Ausgabe des Mann-Whitney-U-Tests zu Hypothese 3

1 Einleitung

Dass in den schulischen Leistungen Unterschiede vorhanden sind ist nahezu jedem klar. Gerade in Mathematik kann sich das sehr deutlich in den Noten und auch den persönlichen Auffassungen zur eigenen Leistungsfähigkeit niederschlagen.

Für einen Überblick über verschiedene Faktoren der schulischen Bildung im internationalen Vergleich, wurde von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) 1997 das „Programm for International Student Assessment“ (PISA) ins Leben gerufen, um Daten über die Schülerleistungen im internationalen Vergleich zu erhalten (OECD, 2004, S. 3).

Gegründet 1961, mit Hauptsitz in Paris (Frankreich) umfasst die OECD 34 Mitgliedsländer mit einem Budget von 342 Millionen Euro und publiziert ca. 250 Studien pro Jahr.

Alle 3 Jahre wird die PISA-Studie durchgeführt und im Jahre 2000 nahm Deutschland erstmalig daran teil. Das Hauptaugenmerk in 2000 lag auf der Lesekompetenz und dies machte deutlich, dass zwischen den Ländern große Unterschiede bestehen. Sie legen dar, inwieweit es jungen Erwachsenen gelingt, sich in „die Lage zu versetzen, Zugang zu schriftlichen Informationen zu erlangen, mit ihnen umzugehen, sie zu kombinieren und zu evaluieren und über sie nachzudenken, um ihr Potenzial auszubauen und ihren Horizont zu erweitern“ (OECD, 2004, S. 4).

Einige Länder mussten Enttäuschungen bei den Leistungen ihrer 15-Jährigen hinnehmen, da diese deutlich hinter denen anderer Länder zurückblieben. Dies umfasste teilweise einen Umfang von mehreren Schuljahren und so zeigte PISA 2000 auf, dass es erhebliche Unterschiede bei der Leistung der einzelnen Schulen gab und führte zu Bedenken hinsichtlich einer gerechten Verteilung der Bildungschancen (OECD, 2004, S. 4)

PISA 2003 untersuchte unter anderem die relative Position der teilnehmenden Länder in Mathematik, Naturwissenschaften und der Lesekompetenz. Ergänzend wurden die Lernmotivation, Selbsteinschätzung und die Lernstrategien der Schülerinnen und Schüler erfasst. Des weiteren ermittelte man die Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen und zwischen unterschiedlichen sozioökonomischen Gruppen (OECD, 2004, S. 4).

2 Herleitung der Fragestellung und Hypothesen

Typisch Frau, typisch Mann - eine gängige Formulierung in unserer Gesellschaft. Verschiedene Ratgeber berichten vom weiblichen und männlichen Stereotyp, als wäre es eine Selbstverständlichkeit in unserer Gesellschaft, dass der kleine Unterschied doch ziemlich groß sei. „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“1 ist der Titel eines Taschenbuches, das sich genau dieses Thema zum Gegenstand gemacht hat und bereits in mehrfacher Auflage den Leser über die Unterschiede im Verhalten der Geschlechter amüsante Geschichten erzählt.

Diese Einteilung in Geschlechterstereotype geben entsprechende Vorstellungen von dem, wie eine Frau oder ein Mann „ist“ bzw. sich zu verhalten hat. Kennzeichnend für Geschlechterstereotype ist, dass sie deskriptive und präskriptive Anteile besitzen. Als deskriptive Anteile werden Anteile aufgelistet, wie Frauen bzw. Männer sind, während präskriptive Anteile traditionelle Auffassungen von der Frau bzw. dem Mann beschreiben. Auf Verletzungen der Auffassungen, also unerwartetem, nicht dem Stereotyp entsprechenden Verhalten, folgen verschiedene Reaktionen, die vomjeweiligen Typus abhängen (Eckes, 2010, S. 178).

Mädchen nehmen sich selbst in einem anderen Licht, als Jungen, wahr. Ihre Einschätzungen und Einstellungen bezüglich der eigenen Person unterscheiden sich. Mit dem Begriff Selbstkonzept wird die Wahrnehmung dieser Einschätzungen und Einstellungen bezeichnet (Möller, Trautwein, 2009, S. 180). Dazu zählen die allgemeinen gefühlsmäßigen Bewertungen der eigenen Person, wie auch die Einschätzungen der eigenen Eigenschaften, Kompetenzen und Fähigkeiten (Möller, Trautwein, 2009, S. 182).

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Selbstkonzept-Typen (Shavelson, Hubner & Stanton, 1976, S. 410-414), wobei hier von besonderem Interesse das akademische Selbstkonzept ist. Sie entwickelten eine Hierarchie, die den möglichen Aufbau des Selbstkonzeptes und die Trennung in Bereiche aufzeigt (Shavelson, Hubner & Stanton, 1976, S. 413). Daraus lässt sich ablesen, dass 'Pease, Allan; Pease, Barbara (2010): Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken. Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen, Berlin: Ullstein.

Shavelson et. al. 1976 für die Mathematik ein eigenes Selbstkonzept im Bereich des akademischen Selbstkonzeptes aufgeführt haben.

1977 hat Albert Bandura das Konzept der Selbstwirksamkeit (self-efficacy) entwickelt. Dieses bezeichnet die subjektive Überzeugung einer Person, ein bestimmtes Verhalten erfolgreich ausführen zu können. Hierbei treten zwei Arten der Überzeugung auf: Dass man die Kontrolle über das eigene Leben hätte und dass man bestimme Dinge ausführen kann, die zu dem führen, was man möchte (Bandura, 1997, S. 11).

Nach Bandura (1997, S. 36ff) beeinflusst die Selbstwirksamkeit

- für welches Verhalten man sich entscheidet.
- wie viel Energie man verwendet, die Stärke eigener Anstrengung.
- wie viel Ausdauer bei Hindernissen und Misserfolgen vorhanden ist.
- wie man mit Stress umgeht bzw. das Ausmaß an Stresserleben.
- wie man Rückschläge verarbeitet.

Lernende bilden sich über ihre eigenen Kompetenzen und Lernmerkmale eine Meinung, die einen erheblichen Einfluss auf die persönliche Zielsetzung, die Strategien und die Leistungen haben (Zimmerman, 1999, S. 546-548). Diese Meinung, also die Selbsteinschätzung lässt sich mit zwei Begriffen umschreiben: Der Selbstwirksamkeit (Bandura, 1997, S. 11) und dem Selbstkonzept (Marsh, 1993, S. 853). Diese Selbsteinschätzung, die auch in der Literatur als Selbstvertrauen synonym verwendet wird, hat einen Einfluss auf die eigene Motivation, die Art und Weise wie Schülerinnen und Schüler ihre Lernaufgaben angehen und auch auf ihre Leistungen (OECD, 2004, S. 131).

In der Pisa Studie 2003 wurden hierzu in mehreren Fragestellung ermittelt, wie es um die Selbstwirksamkeit und das Selbstkonzept in Mathematik bei den Schülern bestellt ist. Sie wurden gefragt, inwieweit sie an ihre eigenen Fähigkeiten zur effizienten Bewältigung von Lernsituationen in Mathematik, bei Auftreten von Schwierigkeiten, glauben (OECD, 2004, S. 131). Ein weiterer Fragenkatalog ermittelte die eigenen Kompetenzen in Mathematik (OECD, 2004, S. 131).

Wenn man nun die Darstellungen zum Selbstkonzept, der Selbstwirksamkeit und zum Rollenverhalten der Geschlechter betrachtet, stellt sich die Frage, ob es einen Unterschied in der Selbstwahrnehmung in Bezug auf die Mathematikleistungen und - in Abhängigkeit dieser Selbstwahrnehmung - daraus resultierende Ergebnisse zwischen Mädchen und Jungen gibt.

Aus den obigen Darlegungen ergeben sich die folgenden, zu prüfenden Hypothesen:

1. Die Mathematikleistungen der Jungen liegen höher als die der Mädchen.
2. Die Mathematikleistungen hängen vom Selbstvertrauen in die eigene Mathematikfähigkeiten ab.
3. Mädchen haben weniger Selbstvertrauen in ihre Mathematikfähigkeiten, als Jungen.

3 Methode

Die drei Hypothesen werden im Folgenden durch eine Sekundäranalyse des Pisa-Datensatzes von 2003 überprüft.

Jede empirische Untersuchung stellt die Frage nach deren Forschungsmethode und dem daraus resultierenden statistischen Verfahren. Bei der vorliegenden Hausarbeit war bereits die Methode vorgegeben: Eine Sekundäranalyse über die in der Einleitung genannten und in 2003 erhobenen PISA-Daten.

Die Sekundäranalyse wertet bereits vorhandenes Datenmaterial aus. Dies stellt auch einer der größten Vorteile dieser Methode dar: Die zeitraubenden Anteile der Feldphase fallen hierbei gänzlich weg. Man kann sich direkt mit den Daten, die womöglich in idealer, also bereits elektronisch auswertbarer Form vorliegen, befassen. Wichtig ist, dass man vorab den entsprechenden Bezugsrahmen definiert hat, also die zu erforschenden Fragen feststehen und dass die Fragen sich mit den Daten explorieren lassen (Diekmann, 2005, S. 172f). Der Bezugsrahmen der Forschung wird durch die Hypothesen, bzw. durch das untersuchungsleitende Modell, gebildet (Kromrey, 2007, S. 347).

Die Sekundäranalyse ist in ihrer Qualität durch die Qualität der vorhandenen Daten begrenzt und deren Güte kann bei einer Sekundäranalyse nicht beeinflusst werden. Die Gütekriterien an eine empirische Erhebung sind Objektivität, Reliabilität (Zuverlässigkeit) und Validität (Gültigkeit). Die Objektivität erfordert, dass die Messung unabhängig stattgefunden hat. Das bedeutet im Idealfall, dass zwei verschiedene Personen mit dem selben Messinstrument identische Resultate erhalten. Die Reliabilität steht für das Genauigkeitsmaß der Messung. Ein Messinstrument ist zuverlässig (englisch: reliable), wenn bei wiederholter Messung des selben Gegenstands unter identischen Bedingungen identische Resultate auftreten, so lange sich der zu messenden Gegenstand nicht durch die Zeit verändert hat. Die Validität steht dafür, dass tatsächlich das gemessen wurde, was gemessen werden sollte (Diekmann, 2005, S. 216ff).

Um diesen Gütekriterien zu entsprechen hat man führende Experten der Teilnehmerstaaten getroffen und mit den jeweiligen Regierungen gemeinschaftlich auf der Basis der gemeinsamen bildungspolitischen Interessen gearbeitet (Objektivitätskriterium). Es wurde ein großer Aufwand betrieben um kulturelle und sprachliche Breite sowie Ausgewogenheit zu ermöglichen und auch entsprechend strenge Mechanismen der Qualitätssicherung eingesetzt. Dadurch, so OECD, „weisen die Ergebnisse der PISA-Studie einen hohen Grad an Validität und Reliabilität auf‘(OECD, 2004, S. 20f).

Was die OECD sehr positiv darstellt, ist für andere Autoren hingegen nicht schlüssig: „Dabei ist das, was in diesen Studien im Zentrum des Interesses steht, die Messung von „Schulleistungen“, begrifflich, inhaltlich, psychometrisch und hinsichtlich empirischer Dimensionalität und Validität unklar.“ (Rindermann, 2006, S. 71) Da hier jedoch keine Re-Analyse bzw. Neuerhebung vorgenommen wird, wird somit angenommen, dass die vorliegenden Daten den drei Hauptgütekriterien entsprechen.

4 Modalitäten der Datenerhebung

Der Aufbau und der Umfang der Länderstichproben wurden bei der PISA­Studie so gewählt, sodass eine größtmögliche Stichprobeneffizienz gewährleistet wurde. Die Auswahl der Stichproben „wurde auf internationaler Ebene überwacht und durch die Festlegung strenger Regeln in Bezug auf die Beteiligungsquote unterstützt, um sicherzustellen, dass die PISAErgebnisse die tatsächlichen Kompetenzen der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in den jeweiligen Ländern widerspiegeln.“ (OECD, 2004, S. 30)

Die Daten der Leistungstests in Mathematik, der Lesekompetenz und in den Naturwissenschaften wurden durch verschiedene Testeinheiten, d.h. verschiedenen Texten, die von Aufgaben gefolgt wurden, erhoben. Man achtete darauf, dass die Aufgaben möglichst realitätsnah gestaltet wurden. Durch die Ergebnisse war zu erkennen, dass das Kodierverfahren in den verschiedenen Ländern konsistent war.

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Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640993055
ISBN (Buch)
9783640993277
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177564
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung
Note
2,3
Schlagworte
Methoden quantitativ Sekundäranalyse PISA SPSS

Autor

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Titel: Auswirkungen des Geschlechts auf das Selbstvertrauen und der Einfluss dieser auf die Mathematikleistungen