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Handy- und UMTS-Strahlung in der Risikowahrnehmung des Laien

Hausarbeit 2011 37 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Vorgehensweise
1.1 Einleitung
1.2 Vorgehensweise

2 Hypothese

3 Technische Begriffserklärung und allgemeine Grundlagen der Handy- und UMTS-Strahlung

4 Was versteht man unter „Risiko“, wie kann man es beziffern und wie werden Risiken erfasst, bewertet, akzeptiert und in das Handeln einbezogen?
4.1 Risiko-Begriffsbestimmung
4.2 Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten der Messung
4.3 Risiko als Konstrukt, Wahrnehmung von Risiko
4.4 Risikobewertung und -akzeptanz

5 Die Rolle der Medien

6 Berichterstattung über Mobilfunk, Handystrahlung

7 Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch und Hypersensibilität gegenüber elektromagnetischer Strahlung
7.1 objektive Beeinträchtigungen
7.2 subjektive Beeinträchtigungen

8 Studien im Bereich Handystrahlung und dessen Risiko-Wahrnehmung
8.1 Ergebnisse der bundesweiten Telefonumfrage im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz
8.2 Risikosurvey Baden-Württemberg
8.3 SAR-Werte von Mobiltelefonen: Sicherheitswahrnehmung und Risikobewertung
8.4 Abschlussbericht zu den jährlichen Umfragen des BMU

9 Fazit

10 Literatur

1 Einleitung und Vorgehensweise

1.1 Einleitung

Viele Menschen nehmen Risiken nicht wahr, obwohl davor gewarnt wurde. Oft wurden, nachdem Naturkatastrophen eintraten, in einschlägigen Meldungen in der Presse die interviewten Personen mit ähnlich lautenden Sätzen zitiert, die zum Inhalt hatten, dass man das vorab nicht gewusst hätte. Dies jedoch mit dem Hintergrund, dass Naturkatastrophen „man-made“ wären, es als keine „höhere Gewalt“ geben würde, sondern nur unzureichende Vorbereitungen (Luhmann, 2001). Wie sieht dies im Hinblick auf die Nutzung von Mobilfunk aus? Wird ein solches Risiko, wenn vorhanden, überhaupt wahrgenommen? Und wenn ja, wie? Welche Faktoren spielen hier eine Rolle?

Diese Hausarbeit geht deshalb der Frage nach der Bewertung und Wahrnehmung und Einschätzung von gesundheitlichen Risiken in Bezug auf Handy- und UMTS-Strahlung, also dessen Emission von hochfrequenter Strahlung, von Laien nach. Falls im Laufe dieser Arbeit nur Handystrahlung als Einziges genannt wird, so bezieht sich dies auf beide „Strahlungsarten“. Sie betrachtet einschlägige Studien, die sich mit dem Thema auseinander setzen und soll darlegen, wie der Laie mit dem Risiko „Handystrahlung“ umgeht, ob und wie er es als Risiko betrachtet und wie schwerwiegend dieses durch ihn eingeschätzt wird.

1.2 Vorgehensweise

Als erstes wird ein Einblick in die technischen Hintergründe der Handyemissionen verschafft. Danach wird der Risikobegriff und die Risikoakzeptanz allgemein und im Bereich Handystrahlung und deren Einflussmöglichkeiten betrachtet. Ein Augenmerk liegt auf den subjektiven und objektiven Wahrnehmungen von Beeinträchtigungen. Anschließend betrachtet diese Arbeit einschlägige Presseberichte und Reportagen. Hier soll auch die Frage geklärt werden ob sich die Öffentlichkeit durch die Berichterstattung beeinflussen lässt. Danach werden einschlägige Studien zur Risikowahrnehmung im Mobilfunkbereich vorgestellt, um im letzten Teil die Frage zu klären inwieweit sich die Risikoeinschätzungen von Laien zum Thema Handyrisiken mit den durch den Studien ermittelten Gesundheitsgefahren decken.

2 Hypothese

Trotz vielfältiger Informationen und Studien zum Thema „gesundheitliche Belastung durch Handystrahlung“ ist die allgemeine Bevölkerung, also der Laie, nicht ausreichend informiert, schätzt aber allgemein das Risiko ähnlich hoch ein wie die Experten.

3 Technische Begriffserklärung und allgemeine Grundlagen der Handy- und UMTS-Strahlung

Elektromagnetische Felder werden durch elektromagnetische Sender emittiert, deren Strahlungen durch den Menschen aufgenommen und dadurch dessen Körper bzw. Körperteile durch starke Strahlungsdichten erwärmt werden können. Strahlung tritt bei jeglicher Verwendung elektrischer oder magnetischer Geräte auf, sie ist alltäglichen Leben allgegenwärtig. Eine Vermeidung sämtlicher Strahlung ist in heutigen Zeiten somit nicht mehr möglich, man kann sich jedoch relativ strahlungsarme Plätze schaffen (Maes, 2000).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1: Die Grafik zeigt exemplarische Daten zu Strahlungsquellen, bzw. alltäglichen Emissionen. Quelle: IFZM, im Internet: http://www.izmf.de/

Hierzu gibt es Empfehlungen in Form von Vermeidung starker Strahlungsquellen in körperlicher Nähe, wie z.B. DECT-Telefone, Handys direkt am Ohr oder das Babyphone am Kinderbettchen, sowie funkendes Computerzubehör (Maes, 2000).

Strahlung wird in der Medizin zu therapeutischen Zwecken genutzt, wie z.B. Diathermie- und Elektrotherapiegeräte, MRTs etc. oder am Arbeitsplatz in Form von Induktionsöfen, Schweißgeräten oder Mikrowellengeräten (Maes, 2000). Also kann man davon ausgehen, dass Strahlung auf jeden Fall etwas bewirkt.

Deshalb haben verschiedene Institute Vorschläge für Richtwerte erarbeitet. Deren Erkenntnisse beruhen hauptsächlich auf der Kenntnis ihrer thermischen Wirkung, also dem Erwärmungsgrad des Gewebes, die durch die Absorption der Energie im Zuge der Strahlenexposition entsteht (Zemann, 1997).

Entsprechend dazu gibt es in Europa einen Schwellenwert, genannt die spezifische Absorptionsrate (SAR-Wert), der für die Menge an maximaler Absorption von elektromagnetischen Feldern in biologischem Gewebe gilt. Der SAR-Wert gibt an, wie viel Leistung in Watt pro kg Körpergewicht (Watt/kg) aufgenommen wird (Wiedemann, Schütz, Sachse & Jungermann, 2005). Dieser Wert wird seit Oktober 2001 durch die Hersteller der Mobiltelefone freiwillig angegeben (Skurk, 2009 und Wiedemann et.al., 2005). Der Hauptkritikpunkt am SAR-Wert istjedoch, dass dieser lediglich ein Durchschnittswert ist, der letztendlich durch den Einsatz des Handys schwankt. Das hängt jeweils von dem Empfangs- und Sendebedingungen ab, die sehr unterschiedlich sein können. Bei „schlechtem Empfang“ wird durch das Handy die Leistung erhöht und dadurch wird wiederum mehr emittiert. Umgekehrt kann die Strahlung sich verringern, wenn geeignete Voraussetzungen hierzu herrschen. Ebenso ist die Aufnahme der Strahlung von verschiedenen Dingen, die in der Handhabung, wie z.B. Haltung direkt am Ohr, mit etwas Abstand, Nutzung eines Headsets etc., des Handys, liegen, abhängig (Schmid, Überbacher, Preiner, Samaras, Mazal, Jappel, Baumgartner, Tschabitscher, 2008 & Hansen, Ndoumbè Mbonjo Mbonjo, Streckert, Zhou, 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 2: Die Grafik zeigt auf, wie sich elektromagnetische Felder einer Mobilfunksendeanlage ausbreiten, Quelle: IFZM, im Internet: http://www.izmf.de/

4 Was versteht man unter „Risiko“, wie kann man es beziffern und wie werden Risiken erfasst, bewertet, akzeptiert und in das Handeln einbezogen?

4.1 Risiko - Begriffsbestimmung

Risiko: „Möglichkeit eines Schadens oder Verlustes als Konsequenz eines bestimmten Verhaltens oder Geschehens; dies bezieht sich auf Gefahrensituationen in denen nachteilige Folgen eintreten können aber nicht müssen.“ (Rohrmann, 1997)

Als wissenschaftliches Konzept kennzeichnet es bestimmte Situationen, in denen ein Verlust eintreten kann. Der Verlust kann sich auf materiellem, finanziellem, physischem, sozialem oder ethischem Gebiet bewegen. Risiko, als Ausdruck von „Gefahr“ wird als negativer Begriff verstanden, wobei auch eine positiveVerknüpfung möglich ist, z.B. im Glücksspiel (Rohrmann, 1997). Es gibt verschiedene Herangehensweisen an das Thema Risiko und dessen Auffassungen. Hierbei handelt sich u.a. um unterschiedliche wissenschaftliche Sichtweisen und Forschungsansätze, die derart vielfältig sind, dass es Überschneidungen in den einzelnen Disziplinen gibt und es sich teilweise nicht um exakt definierte Bereiche handelt (Banse & Bechmann 1998). Banse und Bechmann unterschieden 1998 zwischen drei verschiedenen Typen an Risiken: Traditionelle, industriell-wohlfahrtsstaatliche und technische Risiken und beschrieben sie wie folgt:

Tabelle 1: Diese Tabelle ist keine Gegenüberstellung der Eigenschaften, sondern eine Aufzählung der jeweiligen Risiken.

4.2 Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten der Messung

Objektive Risiken umfassen zwei Komponenten: Wahrscheinlichkeit und Schadensausmaß. In der intuitiven Risikodefinition spielen andere Bewertungskriterien eine Rolle. Hierunter fallen z.B. Freiwilligkeit, Kontrollierbarkeit, Schrecklichkeit, Vertrautheit, Nutzen, Irreversibilität, Betroffenheit von Kindern etc. (Thalmann, 2005 und Jungermann & Slovic, 1993)..

Über Risiken zu sprechen impliziert Wahrscheinlichkeitswerte. Auch wenn man keine konkreten Zahlen nennt, so denkt man an einen Wertebereich. Hier kommen verschiedene kommunikative Mittel zum Zuge, wenn über Risiken gesprochen wird. So wird regelmäßig über die Gesundheitsgefahren in unmittelbarer Nähe von Kernkraftwerken (von Randow, 1996) oder auch Mobilfunksendemasten (Thalmann, 2005) diskutiert.

Dem Publikum wird gelegentlich vorgerechnet, mit wie vielen Kernschmelzen innerhalb von 50 Jahren zu rechnen sei (von Randow, 1996):

- Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelz (K.) pro Reaktorjahr p(K. Pro RJ)= [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]
- Zahl der im Betrieb befindlichen Kernkraftwerke weltweit Z=450
- Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze in einer Menschheitsgeneration P=50*Z*p(K. pro RJ)=50*420*10"4= 2,1

Dieser Wert drückt eine Wahrscheinlichkeit aus, die sich zwischen Null (es tritt gar nicht ein) und Eins (mit Sicherheit tritt es ein) bewegt. Und doch wird in verschiedenen Publikationen der Presse der Wert auch verwendet um zu behaupten, dass mit Gewissheit zwei Kernschmelzen eintreten würden (von Randow, 1996).

Mit der Hilfe von objektiven Zahlen lässt sich folglich das Publikum leichter von etwas überzeugen.

4.3 Risiko als Konstrukt, Wahrnehmung von Risiko

Risiko als Begriff prägt unsere Diskussion in der Öffentlichkeit in Bezug auf unsere gesellschaftliche und individuelle Existenz. Es kommt zu Konfusionen, wenn Vertreter verschiedener Disziplinen versuchen, sich mit Laien oder auch untereinander darüber auszutauschen. Schwierigkeiten in der Verständigung treten dann auf, wenn unterschiedliche Leute aus unterschiedlichen Disziplinen versuchen über dieses Thema zu kommunizieren, da in den verschiedenen Bereichen jeweils ein anderes Verständnis zum Risikobegriff existiert. Das zeigt auf, dass Risiko ein Konstrukt ist, das ein Beobachtungskonzept und zugleich Beobachtungsgegenstand ist (Holzheu, Wiedemann, 1993).

Risiko ist erst dann ein solches, wenn man es erkennt, also wenn einem bewusst wird, dass durch etwas die Möglichkeit eines Verlustes besteht, es wahrgenommen wird (Kasperson, Kasperson, Pidgeon & Slovic 2003). Risikowahrnehmung wird verstanden als zielgerichtet strukturierter Prozess, der methodisch orientiert, bewusst organisiert und reflektiert, empirisch oder theoretisch, deskriptiv oder normativ ausgerichtet ist (Banse & Bechmann 1998).

Seit Mitte der 70er Jahre wurden Studien durchgeführt, um die Mechanismen der Wahrnehmung von Risiken durch Laien zu untersuchen. Man stellte empirisch fest, dass sich über die Höhe von Risiken, die Schätzungen von Laien und Experten unterschieden. Es stellte sich jedoch heraus, dass Laien in Bezug auf dem möglichen Schaden recht nahe an der Schätzung von Experten lagen (Peters, 1991).

4.4 Risikobewertung und -akzeptanz

Über verschiedene Risiken wird viel diskutiert. Experten einigen sich gerne auf objektive Definitionen, die aus Wahrscheinlichkeit und Schadensausmaß bestehen, Laien hingegen nutzen auch andere Bewertungskriterien wie Schrecklichkeit oder Kontrollierbarkeit von Ereignissen (Thalmann, 2005).

Es gibt Menschen, die sich mehr um Gefahren durch von Menschenhand erzeugte radioaktive Strahlung sorgen, als um die Radon-Strahlung, die durch eine natürliche Quelle in manchen Gegenden auftritt und auch nichts dagegen tun. Hier gibt es eine Diskrepanz zwischen Sorge, möglichem Schadensausmaß und Engagement, die irritierend wirkt, da z.B. in den USA weit mehr Menschen an den Folgen natürlicher Radioaktivität sterben, als durch technik-bedingte Strahlung (Jungermann, Slovic, 1993). Jungermann und Slovic gaben 1993 ein weiteres Beispiel an: Gefahren durch toxische Rückstände in Lebensmitteln werden höher bewertet, als die Gefahren falscher Ernährung. Sie stellen fest, dass die Rangliste der Risiken, wie sehr die Öffentlichkeit darüber beunruhigt ist und die Listen derjenigen, die tatsächlich umkommen, sehr unterschiedlich ausfallen und nicht deckungsgleich sind. Diese Differenz sei darauf zurückzuführen, dass die intuitive Bewertung von Risiken nicht alleinig durch die Wahrscheinlichkeit eines Schadens bestimmt wird.

Ein Risiko wird höher eingeschätzt, wenn etwas über ein Potential zur Verursachung von Unfällen mit vielen Todesfällen verfügt, wobei der Laie das Schadensausmaß durchaus realistisch einschätzen kann, wenngleich der Laie tendenziell niedrige Schäden höher und hohe Schäden niedriger schätzt (Jungermann &Slovic, 1993).

Eine definitive Auswirkung auf die Bewertung eines Risikos hat der Kontext, in dem es dargestellt wird. Tversky & Kahnemann führten 1981 eine Studie durch und haben ihren Probanden die folgende, fiktive Situation geschildert: Stellen Sie sich vor, die USA bereiten sich auf einen Ausbruch einer neuartigen asiatischen Krankheit vor. Man erwartet, dass 600 Personen sterben würden.

Einer Gruppe wurden die folgenden Optionen genannt: Es gäbe zwei Bekämpfungsalternativen und deren Wirkung würde wie folgt geschätzt: In Programm A würden 200 Personen gerettet, in Programm B würden mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/3 600 Personen gerettet und mit einer Wahrscheinlichkeit von 2/3 würde niemand gerettet.

Einer zweiten Gruppe wurden diese Alternativen angeboten: Bei Wahl des Programms C würden 400 Personen sterben, bei Programm D würden mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/3 niemand sterben und mit einer Wahrscheinlichkeit von 2/3 600 Personen sterben.

[...]

Details

Seiten
37
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640993062
ISBN (Buch)
9783640993376
Dateigröße
2.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177565
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Institut für Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
Handystrahlung UMTS Strahlung Risiko Laie ökologische Psychologie Psychologie Literaturarbeit

Autor

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Titel: Handy- und UMTS-Strahlung in der Risikowahrnehmung des Laien